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2013-02: 25 Jahre AEE-INTEC

Titelbild

Die Entwicklung von AEE INTEC
Von einer Basisinitiative zum international anerkannten Forschungsinstitut

Von Reinhold W. Lang

AEE  INTEC hat sich in den 25 Jahren seit seiner Entstehung zur bedeutendsten Forschungsein¬richtung auf dem Gebiet der Solarthermie in Österreich entwickelt und genießt heute auch höchste internationale Anerkennung. Der vor¬liegende Artikel beschreibt diese bemerkens¬werte Erfolgsgeschichte aus dem Blickwinkel des Autors, der als langjähriger Begleiter zunächst im Wissenschaftlichen Beirat und später auch im Vorstand von AEE INTEC tätig war und ist.

Die Anfänge als Selbstbaugruppen-Initiative

Durch das OPEC-Ölembargo 1973 und einige Jahre später als Folge des Widerstands gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf, rückte erstmals auch in Österreich die Thematik der Energieversorgung ins Bewusstsein breiter Kreise der Bevölkerung. Nach dem knappen Abstimmungserfolg in Österreich gegen Atomenergie im Jahr 1978, stellte sich für einige der Aktivisten gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf verstärkt die Frage nach zukunftsweisenden Lösungen für die Energieversorgung.
Es dauerte bis zum Winter 1982/83, bis dann in St. Marein bei Graz die ersten Selbstbaugruppen Versuche mit Sonnenkollektoren starteten. In der Folge wurde von diesen Selbstbaugruppen ein technisch zuverlässiger und kostengünstiger thermischer Kollektor entwickelt, der dann über einen Zeitraum von mehreren Jahren kontinuierlich weiter verbessert wurde. Insgesamt wurden durch Selbstbaugruppen, die auch als Einkaufsgemeinschaften agierten um die Kosten niedrig zu halten, von diesem Kollektortyp österreichweit im Zeitraum von 1982 bis 1997 mehr als 400.000 m² (!) Kollektorfläche hergestellt (siehe dazu auch [1] in diesem Heft). Diese Erfolge der Selbstbauinitiative wurden nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher, sozio-ökonomischer Studien [2, 3], sie zeigten auch auf, dass die Zeit reif für die weitere Verbreitung dieser Technologie war. In einigen Fällen wurde das Design dieses Kollektors dann von kommerziellen Herstellern übernommen. Auch wurden einige der frühen Akteure inspiriert, neue Solartechnikunternehmen zu gründen, die bis heute noch sehr erfolgreich am Markt bestehen (z.B. GREENoneTEC,  SOLID, DOMA Solartechnik).

Die Transformation zur AEE  als Institution für anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung

Bereits in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre verlagerte sich die Fertigung von Kollektoren und Komponenten zunehmend auf die neu gegründeten Firmen. Die damaligen Kollektorsysteme wurden nahezu ausschließlich für die Warmwasserbereitung im Einfamilienhausbereich eingesetzt, wobei bereits beachtliche solare Deckungsgrade von bis zu 70% erzielt wurden (typischerweise 8 -10 m² Kollektorfläche, 300-500 l Warmwasserspeicher). Aufgrund dieser ersten Erfolge war es naheliegend, weitere neue Anwendungsfelder für die Solarthermie zu identifizieren und zu erschließen. Dies erfolgreich bewerkstelligen zu können, bedeutete natürlich verstärkte Forschung und Entwicklung (F&E), wobei die dazu erforderlichen Forschungsstrukturen in Österreich noch nicht etabliert waren und es auch nur wenige Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Solarthermie gab. Hervorgehend aus der Selbstbaubewegung wurde 1988 die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) in Gleisdorf als gemeinnütziger Verein gegründet (Abbildung 1), u.a. mit dem Ziel, angewandte Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Solarthermie zu betreiben. Aus der Zeit der Selbstbau-Initiativen geblieben sind die bis heute noch regelmäßig österreichweit von den AEE-Mitgliedervereinen abgehaltenen Solaranlagen-Beratungen.

Abbildung 1: Der erste Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) im Jahr 1988 (v.l.n.r.: Peter Mayrold-Neubauer, Herbert Holzmann, Johann Reicht, Werner Weiss, Ewald Selvicka, Helmut Wenig).

Schon kurz nach ihrer Gründung wurden der AEE zahlreiche Auszeichnungen zuteil. Dazu gehören u.a. der bereits 1989 erhaltene Österreichische Umweltschutzpreis und der Staatspreis für Energieforschung (Abbildung 2) sowie die Verleihung des European Conservation Award.
Interessant und erwähnenswert ist, dass diese Phase der Transformation von den zum Teil sogar „anarchistisch“ anmutenden Aktivitäten der Selbstbaugruppen ohne stringent-formale Organisationsabläufe hin zu den geordneteren Strukturen des Vereins AEE eingehend sozio-ökonomisch analysiert und aus wissenschaftlicher Sicht dokumentiert wurde [4].

Abbildung 2: Überreichung des Staatspreises für Energieforschung durch Wissenschaftsminister Dr. Erhard Busek (3. von links) an Geschäftsführer Werner Weiss (6. Von links) 1989.

Die Positionierung als Institution der Solarthermieforschung in Österreich

Nach der gelungenen Positionierung als F&E-Institution auf dem Gebiet der Solarthermie und der sehr erfolgreichen Entwicklung der AEE bereits in dieser frühen Phase, stellte sich bald die Frage nach einer weiteren Profilierung inkl. des Aufbaus neuer F&E-Arbeitsfelder. Um diesen nächsten Transformationsprozess in Richtung weiterer Stärkung der F&E-Kompetenzen zu unterstützen und zu begleiten, wurde 1990 ein Wissenschaftlicher Beirat, bestehend aus nunmehr 8 Mitgliedern, eingerichtet (aktuelle Zusammensetzung siehe Impressum auf Seite 3). Der Wissenschaftliche Beirat trifft sich jährlich mit dem Führungsteam von AEE  INTEC um unter anderem die  mittel- bis längerfristige strategische Ausrichtung und Profilierung zu diskutieren.

Neustrukturierung und Aufbau neuer Arbeitsschwerpunkte

Der Prozess der Neupositionierung samt zugehöriger Profilierung resultierte zunächst 1993 in der Neufirmierung als AEE  INTEC (Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie – Institut für Nachhaltige Technologien) mit neuem Logo. Die Neuausrichtung betreffend war gleichzeitig klar, dass der Bereich der Solarthermie als zentrales Stärkefeld weiter entwickelt werden sollte, und dazu passend bzw. ergänzend weitere Arbeitsbereiche aufgebaut und erschlossen werden sollten.
Bereits Anfang der 90er-Jahre zeigte die Auseinandersetzung mit thermischen Solaranlagen zur Raumheizungsunterstützung – die damals nicht unumstritten war- deutlich, dass thermische Solaranlagen nur dann einen wesentlichen Beitrag zur Raumheizung leisten können, wenn die zu beheizenden Gebäude selbst einem sehr guten Wärmedämmstandard entsprechen. Dies führte in der Folge zur Beschäftigung mit energie- und ressourceneffizienten Bauweisen und der Gründung des Bereichs „Nachhaltige Gebäude“ im Jahr 1999, wobei hier die enge Kooperation seit Mitte der 90er-Jahre mit dem Institut für Wärmetechnik der TU Graz (damaliger Arbeitsgruppenleiter Dr. Wolfgang Streicher) hervorzuheben ist.
Aufgrund der etwas späteren Kooperation mit dem damaligen Institut für Nachhaltige Techniken und Systeme von JOANNEUM RESEARCH, Graz (damaliger Institutsleiter Univ.-Prof. Hans Schnitzer), wurde ab etwa 2000 schließlich noch das Thema „Solarthermie für industrielle Prozesse“ als weiterer Schwerpunkt etabliert und in der Folge zu einem eigenständigen Bereich ausgebaut. Auch hier kann AEE  INTEC für sich in Anspruch nehmen, zu den ersten zu zählen, die dieses Thema aufgegriffen haben und seither systematisch und umfassend bearbeiten.
Parallel dazu hat sich der Betätigungsbereich im ursprünglichen Kernbereich der „Solarthermischen Komponenten und Systeme“ von Kollektorsystemen für Warmwasser und Heizungsunterstützung in Einfamilienhäusern auf solarthermische Anlagen für Mehrfamilienhäuser, Beherbergungsbetriebe,  Krankenhäuser und dergleichen bis hin zu Großanlagen (>500 m²) ausgeweitet. Zur letzteren Kategorie gehört z.B. die Anlage in Riad (Saudi Arabien) mit einer Kollektorfläche von 36.300 m², dem derzeit weltweit größten Kollektorfeld. In dieser Phase wurden auch weitere Arbeitsfelder wie „Photovoltaik“ sowie „Pflanzenkläranlagen und nachhaltige Wassernutzung“ exploratorisch erprobt, die jedoch nicht als dauerhafte Schwerpunkte eingerichtet wurden.
Um der Verbreitung der Themen mit der zusätzlichen Fokussierung auf die neuen Tätigkeitschwerpunkte gerecht zu werden, ist AEE  INTEC nunmehr in drei F&E-Bereiche strukturiert. Diese sind im Organigramm in Abbildung 3 mit Nennung von Forschungsschwerpunkten innerhalb dieser Bereiche dargestellt. In allen drei Bereichen spannt sich heute der Bogen von der Komponenten- und Systementwicklung bis hin zur Erprobung und Errichtung von Demonstrationsanlagen inklusive deren Langzeit-Monitoring. Dabei steht der anwendungsorientierte Charakter der F&E-Arbeiten weiterhin im Vordergrund. Ebenfalls gemeinsam ist daher allen drei Bereichen, dass die Projekte jeweils in sehr enger Kooperation mit Unternehmen aber auch zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Forschungspartnern durchgeführt werden. Technologische Highlights und spezifische Umsetzungen dieser F&E-Tätigkeiten (unter anderem Dach- und Fassadenintegration von Kollektoren, Speicher mit hohen Energiedichten, Kollektorentwicklungen, Integration von Erneuerbarer Energie bzw. Solarthermie in industrielle Prozesse) werden in weiteren Beiträgen [5- 10] in diesem Heft behandelt.

Abbildung 3: Aktuelle Organisationsstruktur von AEE  INTEC mit drei F&E-Bereichen und thematischen Schwerpunkten.

Entwicklung des Projektvolumens, der Infrastruktur und Mitarbeiterentwicklung

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Forschungseinrichtungen, kam AEE  INTEC aufgrund seiner privat initiierten Gründung als gemeinnütziger Verein bis heute nicht in den Genuss einer Basisfinanzierung durch die öffentliche Hand. Auch wenn dies zunächst einerseits vor politischer Einflussnahme schützte, so war AEE  INTEC andererseits vor allem in der Anfangsphase für Forschungsfördereinrichtungen nur schwer einzuordnen. Umso erstaunlicher ist, dass es schon vor dem offiziellen EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 gelang, ein erstes EU gefördertes Projekt zu akquirieren.
Mittlerweile hat AEE  INTEC mehr als 270(!) nationale und internationale Projekte zu den Themenbereichen solarthermische Komponenten und Systeme, energieeffizientes Bauen, industrielle Prozesse und Energiesysteme sowie nachhaltiges Wassermanagement durchgeführt. Als Teil dieser Aktivitäten war AEE  INTEC bis heute an insgesamt 50 EU-Projekten beteiligt, wobei 12 dieser Projekte von AEE  INTEC als Projektkoordinator geleitet wurden bzw. noch werden. Die Entwicklung des Projektvolumens, aufgeteilt nach national und international geförderten bzw. finanzierten Projekten zeigt Abbildung 4. Mit einem Auftragsvolumen von nunmehr etwa 4,0 Mio. EURO gibt es wohl in Österreich keine zweite Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Solarforschung, die mit ähnlich beeindruckenden Zahlen (und dies ohne Basisförderung) aufwarten kann.
Dieses beeindruckende Wachstum des Forschungsvolumens ging natürlich mit einem deutlichen Ausbau der Anzahl an MitarbeiterInnen einher (Abbildung 4), die aktuell bei etwa 40 liegt. Ebenso erfolgte 1998 der Umzug in das neu errichtete Institutsgebäude in Gleisdorf, das im Jahr 2012 wieder erweitert wurde. An diesem Standort steht AEE  INTEC seit 2006 auch ein eigenes Technikum mit Kollektorprüfstand und sonstigen Laboreinrichtungen zur Verfügung (Abbildung 5).

Abbildung 4: F&E- Budgetentwicklung und Anzahl der MitarbeiterInnnen von AEE  INTEC seit 1990

Abbildung 5: Technikum von AEE  INTEC mit Kollektorprüfstand

Nationale und internationale Vernetzung

Mit dem Aufbau der F&E-Kompetenzen von AEE  INTEC und der Ausweitung des Projektvolumens stets einhergehend war schließlich die Verbreiterung und Intensivierung der Kooperationen mit nationalen und internationalen Partnern. Neben den bereits oben genannten nationalen Kooperationen ist bezüglich internationaler Kooperationen insbesondere die langjährige Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (FhG-ISE; Freiburg i. B., D) hervorzuheben. Eine Auflistung wesentlicher Kooperationspartner von AEE INTEC seit der Gründung, untergliedert in nationale und internationale Partner, befindet sich in Tabelle 1. Auch diese Partnerschaften unterstreichen nochmals die bedeutende nationale und internationale Dimension der Aktivitäten von AEE  INTEC.

Tabelle 1:    Ausgewählte nationale und internationale Kooperationspartner von AEE  INTEC seit der Gründung

Österreichische Projektpartner

  • Austrian Energy Agency, Wien
  • Austrian Institute of Technology (AIT)
  • Austrian Solar Innovation Center (ASiC)
  • Energie Institut Vorarlberg (EIV)
  • Energie Tirol
  • Fachhochschule Kufstein
  • Fachhochschule Pinkafeld
  • ifz, Graz
  • IG Passivhaus
  • JOANNEUM RESEARCH, Graz
  • Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Polymerwerkstoffe und Prüfung
  • Montanuniversität Leoben, Institut für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe
  • Österreichisches Ökologieinstitut
  • Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen (SIR)
  • Technische Universität Graz
  • Technische Universität Wien
  • Umweltbundesamt GmbH
  • Universität für Bodenkultur, Wien
  • Universität Innsbruck   

Internationale Projektpartner

  • Catalonia Institute for Energy Research (IREC, Spanien)
  • Centro de Producción Más Limpia (Managua, Nicaragua)
  • Chinese Renewable Energy Industry Association (Peking, China)Cork Institute for Technology (Ireland)
  • EMPA Sustainable Buildings Group (Schweiz)
  • EURAC (Bozen, Italien)
  • Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)
  • Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (FhG-ISE; Freiburg i.B., Deutschland)
  • Hochschule Luzern (HSLU, Schweiz)
  • Passiefhuis-Platform vzw (PHP, Belgien)
  • Renewable Energy & Energy Efficiency Institute, (REEEI, Namibia)
  • Solar Energy Research Center - SERC, (Borlänge, Schweden)
  • Hochschule für Technik Rapperswil, Institut für Solartechnik (SPF-ITR, Schweiz)
  • Stellenbosch University, Centre for Renewable and Sustainable Energy Studies (Südafrika)
  • Sustainable Energy Society of Southern Africa (SESSA, Südafrika)
  • Technical University of Denmark (DTU)
  • Universität Stuttgart, Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik (ITW, Deutschland)
  • University of Wisconsin, Solar Energy Laboratory (USA)
  • University of Zimbabwe, DTC (Harare, Simbabwe)

Wissenstransfer und Verbreitung als weiteres zentrales Tätigkeitsfeld

Neben der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung, wurden Aspekte des Wissenstransfers und der Ausbildung von Beginn an als weitere wichtige Aufgabenfelder für AEE  INTEC wahrgenommen.

Fachzeitschrift „erneuerbare energie“

Beginnend mit der Gründung der AEE 1988 wird quartalsmäßig die Zeitschrift erneuerbare energie gestaltet. Den Schwerpunkt der Anwendungsorientierung beibehaltend, ist sie zur wohl bedeutendsten, praxisorientierten Branchenreferenz für Themen zur gesamten Breite erneuerbaren Energietechnologien mit dem Schwerpunkten Solarthermie inkl. nachhaltiges Bauen und industrielle Prozesse geworden. Sie wird heute in einer Auflage von 7.000 Stück vertrieben und richtet sich gleichermaßen an Vertreter von Forschung und Entwicklung und der Baupraxis (Architekten, Bauingenieure, Installateure, Behörden usw.), u. a. mit dem Ziel, neue Entwicklungen und Forschungsergebnisse sowie Betriebserfahrungen möglichst anwendungsrelevant und umsetzungsgerecht breit verfügbar zu machen. Die Beiträge selbst stammen sowohl von AEE INTEC MitarbeiterInnen, aber auch zu einem großen Anteil von externen AutorInnen

Workshops, Tagungen und Konferenzen

Als weiteres wichtiges Disseminierungsinstrument wurde schon früh die Organisation und Abhaltung von branchen- und themenbezogenen Workshops, Tagungen und Konferenzen eingesetzt. So werden von AEE INTEC mittlerweile jährlich etwa 8 bis 10 Workshops und Tagungen mit durchschnittlich ca. 50 TeilnehmerInnen organisiert und abgehalten, dies häufig mit Unterstützung durch Ministerien und in Kooperation mit anderen Einrichtungen. Wenn auch der Großteil dieser Veranstaltungen in Österreich stattfindet, so ist AEE INTEC über die Mitwirkung in transnationalen Aktivitäten (siehe unten) zunehmend auch in die Organisation internationaler Veranstaltungen eingebunden (z.B. EuroSun 2010 in Graz, IEA-SHC Conference in San Francisco 2012). In diese Kategorie fallende, besonders hervorzuhebende Highlights sind die abwechselnd im Zwei-Jahresrhythmus abgehaltenen Konferenzen „Gleisdorf SOLAR“ und ökosan. Die Solarthermie-Konferenz, erstmals 1992 abgehalten, wurde mittlerweile zu einer international bedeutsamen Veranstaltung, die zuletzt über 400 TeilnehmerInnen aus ca. 20 Ländern nach Gleisdorf brachte.

Ausbildungs-Kooperationen

AEE  INTEC betreibt bereits seit der Gründungszeit Ausbildungsaktivitäten in unterschiedlichen Kooperationsmodellen. Dazu gehören zunächst die Beiträge zur Ausbildung von zertifizierten Solarthermieplanern und zertifizierten Solarenergieinstallateuren, die sowohl die Erstellung von Ausbildungskonzepten und -unterlagen aber auch die aktive Beteiligung an Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen gemeinsam mit anderen beinhalten (z.B. klima:aktiv Programm, Kooperation mit Erwachsenenbildungseinrichtungen wie WIFI). Im Rahmen dieser österreichweit angebotenen Programme wurden gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) seit 2004 in etwa 39 Kursen 780(!) Prüfungszertifikate vergeben, die einen wichtigen Beitrag zur Qualität der installierten Anlagen leisten.
Ein weiteres wichtiges Element des Wissenstransfers stellt die Kooperation mit akademischen Einrichtungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung dar. So sind derzeit 6 MitarbeiterInnen von AEE INTEC im Rahmen von Lehraufträgen an österreichischen Universitäten (TU Wien, Universität Graz) und Fachhochschulen (Technikum Wien, FH Pinkafeld, FH Joanneum in Graz) tätig. Die enge Kooperation mit Universitäten und Fachhochschulen erstreckt sich darüber hinaus auch auf die Möglichkeit zur Durchführung von akademischen Arbeiten, die bei AEE INTEC durchgeführt und von AEE INTEC MitarbeiterInnen mitbetreut werden. Beispielsweise wurden in den letzten 10 Jahren nahezu 50 Diplom- und Masterarbeiten erstellt (aktuell laufen 10), wobei die StudentInnen großteils aus Österreich, aber auch aus Deutschland, China und dem Iran kommen

Transnationaler Wissenstransfer und Verbreitung

Bereits seit 1990 wurden von AEE INTEC in Kooperation mit der United Nations Industrial Development Organization (UNIDO) aber auch mit der Austrian Development Agency (ADA) zahlreiche und unterschiedliche Wissens- und Technologietransferprojekte auch außerhalb Österreichs durchgeführt. Zum Länderspektrum dieser Aktivitäten zählen mittlerweile beeindruckende 28(!) Länder (von Albanien bis Zimbabwe). Als aktuelles Beispiel einer derartigen Kooperation sei hier das von AEE INTEC koordinierte und von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) geförderte Projekt SOLtrain angeführt, das derzeit in Kooperation mit 4 Universitäten und mit Unternehmen im südlichen Afrika durchgeführt wird (siehe dazu auch Beitrag [11] in diesem Heft).
Übergeordnetes Projektziel ist, die beteiligten Länder beim Umstieg von einer fossilen Energieversorgung zu einer nachhaltigen Energieversorgung basierend auf Erneuerbaren Energien zu unterstützen. Dazu sollen lokal solare Kompetenzzentren aufgebaut werden, die eine deutliche Verbesserung der Qualität von errichteten Anlagen sicherstellen sollen. Gleichzeitig zielt das Projekt auf die Schaffung von entsprechenden Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Unternehmen ab. Gemeinsam mit den verantwortlichen politischen Stellen sollen zudem die Solarenergie begünstigende Rahmenbedingungen (Fördermodelle, gesetzliche Bestimmungen) entwickelt, auf unterschiedliche Zielgruppen angepasst  und implementiert werden.
Im Rahmen des begleitenden Ausbildungsprogramms werden von AEE INTEC sogenannte “Train the Trainer“-Kurse ausgearbeitet und durchgeführt. Diese wenden sich vor allem an Universitäten und Firmen, die bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Planung und Errichtung von thermischen Solaranlagen haben. Bisher wurden als Teil des Projektes neun dieser “Train the Trainer“-Kurse mit insgesamt 400 Teilnehmern durchgeführt. Die lokalen Projektpartner führten in der Folge weitere 22 Verbreitungskurse mit rund 700 Teilnehmern durch. Als praktisches Umsetzungsergebnis werden im Rahmen des Projekts insgesamt 60 Demonstrationsanlagen ausschließlich für soziale Einrichtungen (z.B. Spitäler, Waisen- und Altersheime, HIV/AIDS-Institutionen) errichtet. Die Anlagengröße reicht von Kleinanlagen mit 4 m² Kollektorfläche bis zu großen Anlagen mit 100 bis 200 m² Kollektorfläche. Damit kommen auch unterschiedliche Anlagenkonzepte wie Thermosiphonanlagen und gepumpte Anlagen zum Einsatz. Ein Beispiel einer bereits errichteten Anlage zeigt Abbildung 6.

Abbildung 6: Solaranlage am Katutura State Hospital in Windhoek (Namibia), die im Rahmen des Projektes SOLtrain errichtet wurde

Eben begonnen wurde schließlich noch das im EU-FP7 Programm geförderte und von der Universität Kassel in Deutschland geleitete, 3-jährige Doktoranden-Programm SHINE (Solar Heat Integration Network), an dem AEE  INTEC ebenfalls beteiligt ist. In diesem Programm werden in verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen insgesamt 19 Doktorat-StudentInnen betreut. Einer der Doktoranden wird von AEE  INTEC betreut und bearbeitet das Thema „Thermische Speicher“.

Mitwirkung in nationalen und transnationalen Interessensvereinigungen und Technologie-Plattformen

Die strukturelle Entwicklung von AEE  INTEC zur national und international bestens anerkannten Forschungseinrichtung spiegelt sich nicht zuletzt auch in der Mitwirkung und Mitgliedschaft in einer Reihe von bedeutsamen nationalen und transnationalen Gremien, Interessensvereinigungen und Plattformaktivitäten wieder. Dazu gehören insbesondere die Involvierung in das Programm Solar Heating and Cooling der Internationalen Energieagentur (IAE-SHC) und die aktive Beteiligung bei der Ausgestaltung der europäischen (ESTTP) und österreichischen (ASTTP) Technologieplattformen zum Thema “Renewable Heating and Cooling“ (ESTTP und ASTTP).

Beteiligung am IEA-SHC Programm

Das IEA-SHC Programm wurde bereits 1977 als eines der ersten Technologie-Kooperationsprogramme der Internationalen Energie Agentur (IEA) gegründet. Österreich war als Gründungsmitglied vertreten durch Univ.-Prof. Gerhard Faninger (Mitglied des wissenschaftlichen Beirates von AEE INTEC seit dessen Bestehen).
Das IEA-SHC Programm ist das weltweit größte Solarthermie-Forschungsnetzwerk. Neben der Europäischen Kommission sowie zahlreichen Ländern der EU sind u.a. auch die USA, Kanada, China, Singapur sowie Südafrika und Mexiko beteiligt und arbeiten an gemeinsamen Forschungsprojekten in den Bereichen thermische Solarenergie und Solares Bauen.
Mit der Entwicklung eines Dachintegrationssystems für PV-Module, beteiligte sich AEE INTEC erstmals im Jahr 1993 an einem IEA SHC Projekt (Task 16: “Photovoltaics in Buildings“). Danach wurden die Kooperationen kontinuierlich ausgebaut, sodass seither über Beauftragung durch das BMVIT an 11 Projekten aktiv mitgewirkt wurde. Drei dieser Projekte (“Solare Kombisysteme“, „Solarwärme für industrielle Prozesse“, „Solarthermie-Integration in Industrieprozesse“) wurden von AEE  INTEC initiiert und geleitet. Über Direktbeauftragung durch die IEA erstellt AEE  INTEC im Rahmen dieses Programms seit dem Jahr 2000 auch die globalen Marktstatistiken zur Solarthermie [12]. Desgleichen erhebt AEE  INTEC seit 2007 diese Daten auch für Österreich, eine Aufgabe die davor Univ.-Prof. Faninger innehatte. Als besondere Auszeichnung und Anerkennung für die vielschichtigen Beiträge wurde AEE  INTEC Geschäftsführer Werner Weiss mit Wirkung ab 2010 zum Vorsitzenden des IEA-SHC Programmes bestellt.

Mitwirkung in Technologie-Plattformen

Als Folge des von der EU Kommission im Rahmen der Lissabon-Vereinbarung eingeleiteten Prozesses zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der EU im Bereich von Schlüsseltechnologien, wurde 2005 die European Solarthermal Technology Platform (ESTTP) etabliert. Übergeordnetes Ziel von ESTTP war von Beginn an, eine Vision samt zugehöriger Forschungsagenda und Implementierungsstrategie für erneuerbare Energietechnologien für die Bereiche Heizen und Kühlen zu entwickeln und deren Umsetzung zu begleiten [13]. AEE  INTEC war gemeinsam mit anderen Schlüsselakteuren maßgeblich an der Initiierung und Gründung von ESTTP beteiligt. So ist AEE  INTEC Geschäftsführer Weiss seit der Gründung Vice Chairman von ESTTP. Auch wurden unter maßgeblicher Beteiligung von AEE  INTEC gemeinsam mit der Technischen Universität Wien bereits 2005/06 unterschiedliche Szenarien für die solarthermische Marktentwicklung und -durchdringung in Europa (EU 27 und Schweiz) sowie spezifisch für einzelne Länder (u.a. Österreich und Deutschland) für den Zeitraum 2005 bis 2050 entwickelt [14], die zu anerkannten Referenzszenarien der Branche geworden sind. ESTTP hat derzeit europaweit ca. 340 Mitglieder (Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Regierungsvertretungen, NGOs).
Die ursprünglich ausschließlich solarthermisch ausgerichtete Technologieplattform ESTTP wurde dann ab 2011 unter Erweiterung des Technologiespektrums in die European Technology Platform for Renewable Heating and Cooling (ETP-RHC) integriert. Hier hat AEE  INTEC gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme kürzlich an der Erstellung der European Strategic Research Agenda (SRA) für Solarthermie mitgewirkt [15]. Diese strategische Forschungsagenda bildet eine wichtige Grundlage für die EU Kommission bei der Festlegung der Schwerpunkte für das neue EU Rahmenprogramm “Horizon 2020“ für Forschung und Innovation im Zeitraum 2014-2020.
Zur Bearbeitung nationaler und landesspezifischer Anliegen die Solarthermie betreffend, wurde 2007 quasi als Sub-Gremium zu und in enger Vernetzung mit ESTTP die Austrian Solarthermal Technology Platform (ASTTP) gegründet (Abbildung 7). Eine analoge Vereinigung wurde etwa zeitgleich in Deutschland als DSTTP gegründet. Mitglieder der Initiatorengruppe von ASTTP waren AEE  INTEC, der Verband Austria Solar, das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft. ASTTP besteht heute aus einem Netzwerk von 180 Unternehmen, Wissenschaftern, Technikern und Verbandsvertretern und versteht sich als Plattform, die bestrebt ist die internationale Führungsposition Österreichs auf dem Gebiet solarthermischer Innovationen in enger Abstimmung zwischen Akteuren der Solarthermiebranche und Trägern der österreichischen Energieforschungsprogramme durch geeignete Instrumente weiter auszubauen.

Abbildung 7: Gründung der Austrian Solarthermal Technology Platform (ASTTP) am 1. Juni 2007 in der Wirtschaftskammer Österreich, Wien (Foto: ASTTP)

Abschließende Bemerkungen

Was 1988 mit ehrenamtlichen MitarbeiterInnen begonnen hat, hat sich in 25 Jahren zu einer außergewöhnlich erfolgreichen, privat organisierten außeruniversitären Forschungseinrichtung mit nunmehr 40 MitarbeiterInnen und einem jährlichen F&E-Umsatz von etwa 2,7 Mio. EURO entwickelt.
Ohne jeden Zweifel hat AEE  INTEC auch einen wesentlichen Anteil an der insgesamt ausgezeichneten Entwicklung und Positionierung des gesamten österreichischen Solarthermiesektors im internationalen Vergleich.
Als Autor dieses Artikels erlaube ich mir abschließend AEE  INTEC und allen MitarbeiterInnnen herzlichst zum 25-jährigen Jubiläum zu gratulieren und für die Zukunft weiterhin Erfolg zu wünschen.

Literatur

  1. D.Hammermüller et al: ee 2-2013, 38-41 (Gleisdorf2013)
  2. R. Hackstock, K. Königshofer, M. Ornetzeder, W. Schramm: Übertragbarkeit der Solarkollektor-Selbstbautechnologie; Forschungsprojekt im Auftrag des BMWF, Wien (1992)
  3. M. Ornetzeder: ee 1-93, 31-33 (1993)
  4. M. Ornetzeder: Die Solaranlage: Soziale Genese einer zukunftsfähigen Technik, Verlag Peter Lang, Frankfurt  (Februar 2000)
  5. C. Fink: ee 2-2013, 14-19 (Gleisdorf 2013)
  6. W. Jilek: ee 2-2013, 22-23 (Gleisdorf 2013)
  7. A. Knotzer, C. Fink: ee 2-2013, 24-26 (Gleisdorf 2013)
  8. R. Hackstock: ee 2-2013, 20-21 (Gleisdorf 2013)
  9. K. Höfler, A. Knotzer: ee 2-2013, 27-29 (Gleisdorf 2013)
  10. C. Brunner, H. Schnitzer: ee 2-2013, 30-32 (Gleisdorf 2013)
  11. Hannes Bauer: ee 2-2013, 36-37 (Gleisdorf 2013)
  12. W. Weiss und F. Mauthner: Solar Heat Worldwide, IEA-SHC 2012
  13. T. Bokhoven, N. Cotton, H. Drück, O. Pilgaard, G. Stryi-Hipp, W. Weiss und V. Wittwer: Solar Thermal Vision 2030, Herausgeber ESTTP (2006)
  14. W. Weiss und P. Biermayr: Potential of Solar Thermal in Europe, Bericht zum im 6. EU Rahmenprogramm geförderte Projekt RESTMAC (ESTIF, 2009)
  15. G. Stryi-Hipp, W. Weiss, D. Mugnier und P. Dias: Strategic Research Priorities for Solar Thermal Technology, Herausgeber ESTTP, ETP-RHC und ESTIF (2012)

Anerkennung

Der Autor bedankt sich bei den beiden Geschäftsführern von AEE INTEC, Werner Weiss und Ewald Selvicka, für die zur Erstellung dieses Artikels zur Verfügung gestellten Daten und Informationen sowie für viele wertvolle Hinweise.

* Reinhold W. Lang ist Professor an der Johannes Kepler Universität Linz und Vorstand des Instituts für Polymerwerkstoffe und Prüfung. Er ist zudem im Wissenschaftlichen Beirat und Mitglied des Vorstandes von AEE INTEC. Gleichzeitig leitet er die 2010 gestartete Großforschungsinitiative “SolPol - Polymerwerkstoffe für die Solartechnik“, an der auch AEE  INTEC maßgeblich beteiligt ist ( This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.solpol.at).

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