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2013-02: 25 Jahre AEE-INTEC

TitelbildPartner mit Hausverstand für die Industrie

Abb.1 Kollektorproduktion
Quelle: Quelle GREENoneTEC/ESTIF
Von Roger Hackstock

Wie wurde AEE INTEC in den letzten 25 Jahren von der Solarindustrie wahrgenommen? Was war ihre Rolle als Partner bei der Entwicklung des Marktes? Der Verband Austria Solar hat sich unter seinen Mitgliedsbetrieben umgehört.

Fragt man die Solarindustrie, wie sie AEE INTEC in den letzten 25 Jahren wahrgenommen hat, ergibt sich vor allem ein Bild: die Entwicklung von idealistischen Selbstbauern zu seriösen, namhaften Forschungspartnern für die Wirtschaft.
Dabei waren die Selbstbauer anfänglich selbst Gegenstand der Forschung. Ab 1986 produzierten die Selbstbaugruppen für einige Jahre mehr Kollektorfläche als alle Solarfirmen in Österreich verkauften. Das Wissenschaftsministerium beauftragte eine Studie, die dieser in Europa einzigartigen Entwicklung auf den Grund gehen sollte. Diese Untersuchung war mein persönlicher Einstieg ins Thema. Gemeinsam mit Soziologen und Ökonomen suchte ich die „Anführer“ der Selbstbaubewegung auf. So lernte ich Werner Weiss kennen, er war einer meiner ersten Interviewpartner. Kurz zuvor war die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) in Gleisdorf gegründet worden, um der Bewegung eine formelle Basis zu geben. Die von den Selbstbauern ausgelöste Nachfrage wurde auch von Installateuren bemerkt. Sie begannen Kollektoren über Händler zu importieren oder von neu gegründeten Kollektorfirmen zu beziehen. Ohne den Impuls der Selbstbaubewegung wären viele Firmen vielleicht nie gegründet worden, die heute zu den Marktführern zählen.

„Das kann man besser machen“

Robert Kanduth, CEOder Firma GREENoneTEC, erzählt gern, wie er in einer Selbstbaugruppe erstmals auf Solarthermie gestoßen ist. Als damaliger Produktionsleiter bei Philips war er jedoch andere Produktionsstandards gewohnt, als er sie in der Baugruppe erlebte. „Das kann man besser machen“, war seine Überzeugung und seine anfängliche Garagenfirma stieg unter dem Namen GREENoneTEC schließlich zum Weltmarktführer für Sonnenkollektoren auf.
Die Baugruppenleiter-Schulungen Anfang der 1990er Jahre haben jedenfalls zur Verbreitung eines Solar-Grundwissens in den Bundesländern beigetragen, ist Toni Helm überzeugt. Der Solarpionier kennt die Branche seit 20 Jahren von innen und ist heute beim Hersteller für Solarregler „Technische Alternative“ beschäftigt. Für die neuen Firmen war der Selbstbau anfänglich ein Problem. Statt möglichst günstiger Solaranlagen mit viel Eigenleistung in Selbstbaugruppen boten sie Fertiglösungen, die vom Installateur eingebaut wurden. “Warum verlangt ihr soviel für Solaranlagen“, wurden sie oft gefragt. Doch die neuen Firmen bauten Fertigungen auf, stellten Außendienstmitarbeiter ein und starteten den heute üblichen bundesweiten Vertrieb. Dafür mussten die Kunden sich nicht mehr in Gruppen organisieren und die Wochenenden damit verbringen, Kollektoren zu bauen. Die historisch einzigartige Entwicklung sicherte Österreich jedenfalls einen Marktvorsprung von gut zehn Jahren in Europa, der bis heute anhält. Man kann sagen, dass die Gründer der AEE den Grundstein dazu legten.

Wissenschafter mit Hausverstand

Der Selbstbau lieferte der AEE ein fundiertes Wissen zur Solartechnik. Die Selbstbauer begannen, technische Verbesserungen vorzuschlagen und mit ihren Lieferanten zu diskutieren. Mit den Jahren wurden die ehemaligen Selbstbauer zu gefragten Entwicklungspartnern für Solarunternehmen. Bereits sehr früh begann sich die AEE – bald unter dem neuen Namen AEE INTEC – mit Heizungsunterstützung, Fassadenkollektoren und Sorptionsspeicher zu beschäftigen. Einige Entwicklungen wie Zwei-Leiter-Netze und Wohnungsstationen bei Solarwärme im Mehrfamilienhaus wurden von der Industrie übernommen und sind heute Standard. „AEE INTEC hatte eine sehr aktive Rolle in der technischen Entwicklung von Solarwärme“, ist Erwin Gattringer, Gründer des Solarunternehmens GASOKOL, überzeugt.

Abbildung 2: Zahlreiche Neuentwicklungen im Komponentenbereich erfolgten in Kooperation mit der Industrie im Labor von AEE  INTEC (Quelle: AEE INTEC Gernot Muhr)

Für den Vorreiter bei Solarspeichern Werner Pink sind die Gleisdorfer „Wissenschafter mit Hausverstand“, die sich mit fachlicher Kompetenz und großem Sachwissen einen guten Namen erarbeitet haben. „Die Arbeiten und Projekte gehen mittlerweile über Solarwärme weit hinaus und lenken den Blick aufs ganze Gebäude“, so Pink. In den letzten Jahren wechselten manche Mitarbeiter in die Solarindustrie, womit AEE INTEC auch einen Beitrag zum Kompetenzaufbau in den Betrieben leistete.

Erste Anlaufstelle für Großprojekte

In den letzten Jahren ist AEE INTEC mit Großanlagen-Projekten aufgefallen. Ein Beispiel ist die Nachrüstung von drei Standorten des Braukonzerns Heineken mit großen thermischen Solaranlagen für Prozesswärme. „Es ist eine Auszeichnung, von einem großen Konzern als kompetenter Partner akzeptiert zu werden“, weiß Dr. Wolfgang Guggenberger, Technikchef von SONNENKRAFT.
Ein Meilenstein war auch die Planung der größten Solaranlage der Welt in Riad (Saudi Arabien) durch AEE INTEC, mit 25 MWth Leistung eine Anlagen-Größenordnung, die nur von ganz wenigen Fachleuten weltweit beherrscht wird. Auch bei der Überprüfung bestehender Anlagen auf Betriebssicherheit, Ertrag und Optimierungsmöglichkeiten greift die Solarindustrie auf die Expertise von AEE INTEC zurück. „Sie sind wichtige Entwicklungspartner und liefern oft die Initialzündung für neue Ideen“, urteilt der Obmann von Austria Solar, Robert Kanduth.
Die Internationale Tagung GLEISDORF SOLAR, die seit dem Jahr 1992 alle zwei Jahre durchgeführt wird, ist dabei „stets Quelle neuer Ideen“, so Karl Schinnerl vom Speicherhersteller Austria Email.
AEE INTEC möge der Branche auch die nächsten Jahre als kreativer Widerpart zur Industrie am Weg zum Massenmarkt erhalten bleiben!

* Dipl.-Ing. Roger Hackstock ist Geschäftsführer des Verbandes Austria Solar

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