Zeitschrift EE

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2013-02: 25 Jahre AEE-INTEC

Hochwertige GebäudesanierungTitelbild

Abbildung 1: Fassadenkollektor in der Sanierung, Dieselweg Graz Quelle: AEE INTEC

Von Karl Höfler und Armin Knotzer

Nur in Gebäuden mit geringem Energiebedarf macht es Sinn, Erneuerbare Energien einzusetzen. Denn auch der Rohstoffeinsatz bei der Produktion von Solaranlagen, Biomasseheizungen und für deren Betrieb ist, in Gebäudenutzungszyklen und gesamtheitlich gedacht, von Belang. In diesem Sinn begann sehr früh das Interesse von AEE INTEC, die Energieeffizienz der Gebäude - Neubau wie Sanierung - zu erhöhen.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag zu Beginn auf der Symbiose aus Holzbau, Wärmedämmung und Sonnenkollektorintegration in die Gebäudehülle (siehe dazu Beitrag  [1] in dieser Ausgabe).
Die ersten Forschungs-Projekte, mit dem Ziel thermische Sonnenkollektoren bauphysikalisch und architektonisch in die Fassade zu integrieren, wurden schon vor über 10 Jahren durchgeführt. [2] [3]
 
Abbildung 2:  Fassadenkollektor aus dem Projekt Colourface (Quelle: AEE INTEC)

Sie widmeten sich der bauphysikalischen Herausforderung, relativ dampfdichte Materialien wie Glas bzw. Kollektoren großflächig an den Außenbauteilen der Gebäude zu integrieren. Parallel dazu begann die Entwicklung von großflächig vorgefertigten Fassadenmodulen für hochwertige Sanierungsprojekte. Diese „passiven“ Module wurden teilweise mit „aktiven“ Fassadenelementen wie Sonnenkollektoren in „Haus der Zukunft“-Sanierungen angewandt. Beispiele dafür sind die Hauptschule Schwanenstadt und das Wohngebäude Markartstraße Linz, beide durch AEE INTEC messtechnisch untersucht, oder Dieselweg Graz, dort wurde das Qualitätsmanagement durch AEE INTEC untersucht.
Gleichzeitig stieg politisch wie inhaltlich die Einsicht, dass die Sanierung des europäischen Gebäudebestandes die einzig relevante Maßnahme ist, um im Gebäudesektor übermäßigen Energieeinsatz zu vermeiden. In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts gab es auch in der Steiermark Bestrebungen, sich dem Gebäudebestand zu widmen. Das große regionale Projekt „ökosan – die Modernisierungsinitiative der Oststeiermark“ [4] wurde 2005 gestartet.
 
Abbildung 3: Bezirkspensionistenheim Weiz Quelle: AEE INTEC

Das zentrale Ziel der Initiative war es, großvolumige Gebäude in der Oststeiermark durch hochwertige, ganzheitliche Modernisierungskonzepte energieeffizient und nachhaltig zu sanieren. Es sollte die Umsetzung umfassender thermisch-energetischer Sanierungen großvolumiger Gebäude fördern. Damals wurde die noch jetzt für AEE INTEC relevante Konferenz ökosan‘ ins Leben gerufen. Mit der ökosan’13, die dieses Jahr im Rahmen der Konferenz SB13 abgehalten wird (siehe www.aee-intec-events.org) werden seit 8 Jahren im 2-Jahres-Rhythmus nationale und internationale Forschungs- und Demonstrationsprojekte zur Sanierung großvolumiger Gebäude präsentiert.
AEE INTEC hatte zu dieser Zeit Know-how in der messtechnischen Begleitung von hochwertig thermisch-energetischen Gebäuden aufgebaut. Herausforderungen bei Sanierungen (luftdichte Ausführung, Wärmebrücken, Wartungszugänglichkeit der Haustechnik) und andererseits im Betrieb (Verteilverluste, Stromverbrauch der Lüftungsanlagen, Sommerkomfort) sollten analysiert werden. Die Auseinandersetzung mit der hochwertigen thermischen Sanierung, mit den Messtechnikergebnissen und mit vorgefertigten Sanierungselementen führte dann zum „Haus der Zukunft Plus“-Leitprojekt „e80^3: Sanierungskonzepte zum Plus-Energiehaus mit vorgefertigten aktiven Fassadenelementen, integrierter Haustechnik und Netzintegration“ [5] mit folgenden Zielen:

  • 80 % Energieeffizienz - Reduktion des Energiebedarfs
  • 80 % Anteil Erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch
  • 80 % Reduktion der CO2-Emissionen

 
Abbildung 4: Montage von vorgefertigten Fassadenmodulen, Kapfenberg (Steiermark) Quelle: AEE INTEC

Abbildung 4.1: Fertig montierte Fassade, Kapfenberg Quelle: AEE INTEC

Dieses zukunftsweisende und umfassende Sanierungsprojekt wird derzeit in Kapfenberg in einem großen Wohngebäude mit Plusenergiestandard unter Anwendung vier verschiedener
Lüftungskonzepte realisiert. Das Gebäude wird wiederum messtechnisch begleitet, um den Betrieb zu optimieren und zu evaluieren.

Abbildung 5: Rege Diskussionen bei der ökosan’09 Quelle AEE INTEC

AEE INTEC möchte so einen wesentlichen Beitrag zur thermisch-energetisch hochwertigen Sanierung mit vorgefertigten passiven und aktiven Modulen leisten. Wichtige Ziele sind dabei die praktische Verbreitung der angewandten Technologien - „vom Reden zum Handeln“, ihre langfristige Kostenreduktion, aber auch der Einsatz nachhaltiger und recyclierbarer Materialien. Gebäudehülle, Energiekonzept und NutzerInnenkomfort sollen dabei eine Einheit bilden.

Literatur:

  1. Knotzer A., Fink C.: Wir bauen mit der Sonne. ee 2013-2, 24-26 (Gleisdorf 2013)
  2. Bergmann I. und Weiß W.: Fassadenintegration von thermischen Sonnenkollektoren ohne Hinterlüftung, Berichte aus der Energie- und Umweltforschung 13/2002, BMVIT (Gleisdorf 2002)
  3. Müller T., Bergmann I., Hausner R., Höfler K. und Nussmüller W.: Colourface - Planungsrichtlinien für farbige Fassadenkollektoren (Gleisdorf 2004)
  4. Details unter http://www.aee-intec.at/index.php?seintenName=projekteDetail&projekteId=88 (abgerufen am 22.3.2013)
  5. Höfler K.: Sanierung zum Plus-Energiegebäude mit vorgefertigten Fassaden- und Haustechnikmodulen. ee 2012-3, 16-18 (Gleisdorf 2012)

*Dr. DI Karl Höfler (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) ist Leiter, DI Armin Knotzer (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) Mitarbeiter des Bereichs „Nachhaltige Gebäude“ von AEE INTEC

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