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Sonnige Energie für Krankenhaus in Nicaragua

Von Nicole Olsacher

Derzeit erfolgt die Energieversorgung in Entwicklungsländern zumeist aus importierten fossilen Energieträgern wie Öl, Gas oder Diesel. In tropischen Ländern geben Gewerbebetriebe 50 % -70 % ihrer Energiekosten für die Klimatisierung aus. Spitäler und Hotels verzeichnen bis zu 20 % der Energiekosten für die Warmwasserbereitung. Um den Herausforderungen des wachsenden Energiebedarfs betreffend Erzeugungsstruktur und Netzüberlastung entgegenzuwirken, werden neue Lösungen gesucht. Für Exportunternehmen sind die Rahmenbedingungen in Entwicklungsländer herausfordernd. Neben langen Projektvorlaufzeiten stellt die Projektfinanzierung meist die größte Herausforderung dar. Doch sind dort größtenteils auch die Potentiale und Möglichkeiten für erneuerbare Energiesysteme enorm.

Vorzeigeprojekte für den Umwelt- und Klimaschutz - ein gemeinsames Ziel

Das "National Cleaner Production Centre" (NCPC) ist eine Institution der Vereinten Nationen (UNIDO und UNEP) für Produktionseffizienz, Ressourcen- und Umweltschutz. Zwischen dem nicaraguanischen „National Cleaner Production Centre“ und SOLID, Ansprechpartner für Planung, Bau, Betriebsführung und Finanzierungen von thermischen Großsolaranlagen, besteht bereits seit Jahren eine enge Zusammenarbeit.
Vorzeigeprojekte für den Umwelt- und Klimaschutz in Nicaragua und Mittelamerika zu realisieren, ist das gemeinsame Ziel der Kooperationspartnerschaft. Dahingehend wurde auch der Einsatz der Solarthermie zur Wärme- und Kältebereitstellung in Spitälern genauer beleuchtet.

Foto: Kollektormontage am Krankenhaus Miltiar Dr. Aljandro Davalla Bolanos in Managua. Quelle: S.O.L.I.D Gesellschaft für Solarinstallation und Design mbH

Spitalsprojekt in Nicaragua

Im Jahr 2015 wurde Nicaraguas größtes und modernstes Krankenhaus mit rund 400 Betten in der Hauptstadt Managua eröffnet. Der Komplex des Hospital Miltiar Dr. Aljandro Davalla Bolanos produziert seither jedoch immense Kosten für die Warmwasserbereitung und vor allem für die Raumkühlung. Doch schon bald wird ein thermisches Solarsystem für den Klimaschutz und eine Kostenreduktion sorgen.
Für eine erfolgreiche Projektumsetzung sind Erfahrungen mit der Technologie, der Projektabwicklung und der Projektfinanzierung Schlüsselfaktoren. Das Krankenhaus profitiert dabei besonders von der langjährigen Erfahrung der Projektpartner SOLID, NCPC, Caverion und GREENoneTEC. Derzeit befindet sich das Projekt mitten in der Bauphase, die solare Großanlage soll im Herbst 2017 in Betrieb gehen. Die Kollektorfläche beträgt 4 450 m², was einer thermischen Solarleistung von ca. 2 600 kWth entspricht. Die Absorptions-Kältemaschine hat eine Kapazität von 1 023 kW. Die Systemlösung mit einer Investitionssumme von 3,8 Millionen Euro deckt 100 % des Wärme- sowie etwa 30 % des Kältebedarfs ab. Die kumulierte Kosteneinsparung über die Mindestlebensdauer der Anlage von 20 Jahren beträgt 8,2 Millionen Euro. Mit einer generierten Solarwärmemenge von 4 000 MWh werden jährlich rund 410 000 Liter Öl sowie 1 100 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.

Die außergewöhnliche Finanzierungsform

Erstmals wurde für ein derartiges Solarprojekt ein „Soft Loan“, ein spezieller Kredit für Entwicklungsländer, gewährt, was das Spitalsprojekt mit einem besonders hohen Innovationsgrad auszeichnet. Die Entwicklungsdauer dafür betrug mehr als 3 Jahre. Neben einem eigenen Staatsvertrag und Ministertreffen brauchte es einen Parlamentsbeschluss in Nicaragua, bevor es zum Auftrag kam. Finanzierungspartner ist die Österreichische Kontrollbank. Bei der Exportfinanzierung des Projekts tritt die Österreichische Kontrollbank als Garantiegeber bzw. Soft-Loan gewährende Institution auf. Rückblickend ein zäher Entwicklungsprozess, in dem jedoch wertvolle Erfahrungen für ein nächstes Projekt gesammelt werden konnten. Diese Finanzierungsform beinhaltet jedenfalls ein hohes Replikationspotential für Projekte in Entwicklungsländern.

Foto: Teilkollektorfeld für Warmwasserbereitung und Raumkühlung in Managua (Gesamtkollektorfläche: 4 450 m², 2 600 kWth). Quelle: S.O.L.I.D Gesellschaft für Solarinstallation und Design mbH

Bedarf auch in Österreich

Auch in Österreich sind Krankenhäuser und Spitäler enorme Energieverbraucher und haben ganzjährig einen hohen Bedarf an Wärme (Warmwasser, Heizung und Lüftung) und Kälte (Klimaanlagen, Kühl- und OP-Räume). Im Jahr 2008 verbrauchten alle Krankenanstalten Österreichs rund 8 000 TJ, was in etwa 0,7 % des gesamten österreichischen Endenergieverbrauchs bzw. 4 bis 5 % des Endenergieverbrauchs des Sektors der Dienstleistungsgebäude (Nichtwohngebäude) entspricht. Die Energiekosten der Krankenanstalten lagen für 2008 bei rund 225 Millionen Euro [1].

Auch der Bedarf an Klimatisierung wächst nicht nur in Ländern am Sonnengürtel. In Österreich nehmen die Tropentage (Tage über 30°C) vor allem in Städten stetig zu. Während es im Zeitraum 1961-1990 durchschnittlich nur 3 Tropentage pro Jahr gab, waren es 2012-2016 bereits 21 [2].

Dieser Trend hat auch eine Steigerung des Kühlbedarfs von Krankenhäusern zur Folge und sollte bei der Wahl des Energiesystems berücksichtigt werden.

Statement

Michael Paula„Das Anliegen, in seiner direkten Umgebung die Energie- und Klimasituation  zu verbessern, ist oft nur der erste Impuls für eine innovative Lösung. Im Umfeld der Forschung und Technologieentwicklung können solche neuen Ideen, besonders wenn sie dann auch international erfolgreich umgesetzt werden,  oft ein Vielfaches der positiven Wirkungen erreichen.
Gerade österreichische Innovationen im Solarbereich haben bereits mehrfach bewiesen, dass Lösungen, die aus solider Forschung hervorgegangenen sind, weltweit geschätzt werden und immer wieder zu Pionier- und globalen Leuchtturm-Projekten beitragen konnten. Mit der konsequenten Fortsetzung dieses Weges hat Österreich gute Chancen, die globalen Entwicklungen der Dekarbonisierung zu nutzen und als Innovation-Leader weltweit zukünftige Energietechnologie-Märkte anzusprechen.“

-- Michael Paula, Leiter der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien im  Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Literatur

  1. ÖGUT: Bericht über Kennzahlen zum Energieverbrauch in Dienstleistungsgebäuden, S22
  2. Klimadaten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)

Autorenbeschreibung

DI (FH) Nicole Olsacher ist bei SOLID GmbH in Projektentwicklung und Marketing tätig.
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