Zeitschrift EE

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2009-01

Solarthermie

Abbildung 1: 1 Million m² thermische Sonnenkollektoren erzeugt

Ein Besuch beim weltweit größten Produzenten von thermischen Flachkollektoren – der Firma GREENoneTEC aus St. Veit a.d. Glan/Kärnten – gibt Einblicke in die spannende Welt der Produktion von Sonnenkollektoren und Ausblicke auf den künftigen Solarmarkt.

1.000.000 m² Sonnenkollektoren

Von Claudia König*

Schon das Fabriksgelände von GREENoneTEC ist imposant und lässt darauf schließen, dass dieses Unternehmen zu den Big Playern am internationalen Solarmarkt zählt. Auf einer Fläche von insgesamt 28.000 m² wurden im Jahr 2008 unglaubliche 1.100.000 m² Kollektorfläche produziert. Erstmals kann sich ein Unternehmen der internationalen Solarbranche diesen Erfolg auf seine Fahnen heften. Zum Vergleich: Die zweit- und drittgrößten Flachkollektorenhersteller der Welt produzierten im Jahr 2007 jeweils rund 300.000 m² Kollektorfläche.

Es begann in einer Garage

Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens beginnt 1991 in einer 40 m² großen Garage des Wohnhauses des Firmengründers und heutigen Geschäftsführers Robert Kanduth. Dieser war zum damaligen Zeitpunkt noch bei der Firma Philips angestellt, wollte aber gerne selbständig sein. Durch Zufall kam er mit einer Selbstbaugruppe für Sonnenkollektoren in Kontakt. Sein Ziel war die industrielle Produktion der Kollektoren. Heute ist er Entrepreneur of the Year 2006.

Abbildung 2: Was in einer Garage begann, sieht heute so aus: Das 28.000m² Firmenareal der Firma GREENoneTEC

Nur vier Jahre später beginnt in einer 900 m² großen Produktionsstätte samt Verwaltungsgebäude in Klagenfurt die industrielle Fertigung des innovativen und bis heute höchst erfolgreichen Wannenkollektors der Linie FK 7000. Sukzessive werden von nun an Produktionstechniken weiterentwickelt, Produktinnovationen auf den Markt gebracht und neue logistische Lösungen geschaffen.

Innovationsführer

Am heutigen Unternehmensstandort in St. Veit a.d. Glan werden mittlerweile basierend auf acht Technologieplattformen - von Al-Rahmenkollektoren, über Wannenkollektoren, Indachkollektoren, Fassadenkollektoren, Großflächenkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren bis hin zu Thermosifonsystemen - über 100 unterschiedliche Kollektorvarianten samt Montagelösungen gefertigt. Jeder Kunde bekommt ein auf ihn zugeschnittenes Produkt, das sich hinsichtlich der Fläche, des Beschichtungsmaterials, des Absorbermaterials, der Absorber-Rohrverbindung und der Anschlussart von anderen Kollektoren am Markt differenziert.
Der Erfolg, der zuletzt natürlich auch an der Produktionsmenge gemessen werden kann, ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil des Budgets in Forschung- und Entwicklung investiert wird. Das betrifft nicht nur die Kollektoren, sondern auch die Produktionstechniken.
Und so mutet der Gang durch die gigantische 10.000 m² große Produktionsstätte, in der mehr als 300 Mitarbeiter im Schichtbetrieb beschäftigt sind, an Szenen eines futuristischen Filmes. Längst wurde die Fertigung stark automatisiert, was nicht nur die Qualität, sondern auch die Effizienz und somit den Output erheblich steigert.
Eine vollautomatische „0-Mann“ Anlage ist beispielsweise die Laserschweißanlage (siehe Abbildung 3) für Absorber, die weltweit erste und schnellste 4-Kopfschweißanlage: Auf der Anlage werden vier Schweißnähte parallel, also zwei Rohre gleichzeitig geschweißt. Der einarmige Roboter greift zuerst nach dem Kupferregister und saugt anschließend mit Vakuum das Absorberblech an und legt beides auf den Schweißtisch. Ein dosierter Laserstrahl schmilzt kleine Teile von Rohr und Blech auf und die Schmelzen verbinden sich. Alle 1,66 mm reihen sich die Schweißpunkte aneinander, das sind auf einem 2,5 m² großen Absorber mehr als 25.000 Schweißpunkte. Nach nicht einmal zwei Minuten legt der Roboter den fertigen Absorber zur weiteren Verarbeitung aus seinem Käfig und greift sich das nächste Register.

Abbildung 3: Die vollautomatische Laserschweißanlage LS 2 verbindet mit rund 25.000 Schweißpunkten Registerrohr mit Absorberblech

Auch die neueste GREENoneTEC Kollektorgeneration der Linie FK 8000 wird auf einer Roboterfertigungslinie erstellt. Insgesamt zwei Roboter greifen sich in perfekt abgestimmten Arbeitsschritten die Einzelkomponenten und verkleben diese mit einem speziell entwickelten UV beständigen 2-Komponentenkleber. In höchster Präzision können so in der Stunde 17 Stück Kollektoren gefertigt werden.

Abbildung 4:Die 2 Roboter der FK 8000 Fertigungslinie verarbeiten in der Stunde 17 Kollektoren

Am Tag verlassen an die 3.000 Stück. Kollektoren die Produktionshalle und finden bis zum endgültigen Versand vorerst Platz in dem erst im Juli 2008 neu eröffneten Europäischen Logistikzentrum. In der 16 m hohen Halle stapeln sich die Kollektoren bis zur Decke. 150.000 m2 Kollektorfläche, das ist mehr als eine Monatsproduktion, können eingelagert werden. So können während der Winter Monate gezielt „Top Runner“ Produkte auf Lager produziert und so saisonale Spitzenmonate abgedeckt werden.

CO2-Einsparung

Im Jahr 2008 haben 1.100.000 m² Kollektorfläche die Produktionsstätte in St. Veit verlassen, was dem Unternehmen auch einen rekordverdächtigen Umsatz von 117 Mio. Euro einbrachte. Aber nicht nur der wirtschaftliche Erfolg dieser Leistung kann sich sehen lassen, auch der ökologische Aspekt ist gewaltig: Eine Million Quadratmeter Kollektorfläche bedeutet auch die Einsparung von 3,5 Millionen Tonnen CO2 über die Lebensdauer des Kollektors, was bei einem CO2 Zertifikatspreis von prognostizierten 38 Euro pro Tonne eine Summe von 133 Millionen Euro Einsparung ergibt. Mit einer Million Quadratmeter Kollektorfläche könnte man 170.000 Einfamilienhäuser mit einer Solaranlage zur Warmwassererzeugung ausstatten, das wären mehr als 10% aller Einfamilienhäuser in ganz Österreich.
Eine Million Quadratmeter Kollektorfläche sparen über eine Nutzungsdauer von 25 Jahren beispielsweise auch 1,25 Milliarden Liter Heizöl ein. Mit 1,25 Milliarden Liter Kraftstoff könnte man rund 20,8 Millionen Autos betanken. Würde man diese aneinander reihen, ergäbe das eine theoretische Länge von 125.000 km. Die Autoschlange würde also drei mal um die ganze Erde führen!

Abbildung 5: 1 Million m² Kollektorfläche sparen 1,25 Mrd. Liter Heizöl

Zukunftsthema Energie

Der zunehmende Energieverbrauch unserer Gesellschaft und die Auswirkungen auf das Weltklima sind ein zentrales Thema im öffentlichen Diskurs. Energieabhängigkeit, sowie Rohstoffknappheit führen unweigerlich zu steigenden Energiepreisen und damit zu neuen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Der Energieverbrauch hat sich in Österreich in den vergangenen 40 Jahren nahezu verdoppelt. Der Großteil des heimischen Energieeinsatzes wird immer noch durch fossile Energieträger wie z.B. Öl und Gas abgedeckt. Dies stellt nicht nur im Hinblick auf die Emissionen von Treibhausgasen sondern auch in Bezug auf die Versorgungssicherheit ein wachsendes Problem dar.
2005 kamen 71,8% der in Österreich eingesetzten Energie aus dem Ausland (Quelle: Österreich: Zahlen/Daten/Fakten 07/08). Der EU Durchschnitt liegt bei 56,2%. Der aktuelle Anlassfall des russischen Gas-Lieferstopps zeigt die immanente Bedrohung dieser Abhängigkeit. Ein sofortiges Umdenken in der Energieversorgung ist notwendig. Die erneuerbaren Energien spielen dabei eine zentrale Rolle. Nur im Bereich der erneuerbaren Energien ist Österreich autark!
Bis zum Jahr 2020 will die EU den Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch auf 20% steigern. Für Österreich bedeutet das eine Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energie von derzeit 23,3% auf 34% im Jahr 2020. Erst kürzlich hat sich das europäische Parlament mit der Verabschiedung des Gesetzespakets „Energie-Klima“ voll zu diesem Ziel bekannt und lässt so die heimischen Solarexperten aufatmen.

Abbildung 6: Steigerung des Anteils erneuerbarer Energie aller EU Länder bis 2020 (Quelle: EU Kommission 2008)

Potenziale Erneuerbare Energie und Solarthermie

Das Gesamtpotenzial der erneuerbaren Energien in Österreich bis 2020 liegen bei 497 PJ (d.h. 1015 Joule), das entspricht in etwa 470 PJ an Endenergie. Der Verbrauch an Endenergie 2005 in Österreich lag bei 1100 PJ, der Wert von 470 PJ entspricht daher einem Anteil von 43% an erneuerbarer Energie. Selbst wenn der Verbrauch von Energie noch deutlich weiter steigt, kann Österreich bis 2020 einen Anteil von 34% der Endenergie erreichen, wenn das verfügbare Potenzial an erneuerbarer Energie genutzt wird.
Mehr als die Hälfte des Potenzials, nämlich 246 PJ, steckt dabei im Wärmesektor. Derzeit liegt der Anteil der Solarthermie am Gesamtenergieaufwand bei 0,3%. Bis 2020 ist ein Ausbau dieses Anteils auf 3% möglich, ist Robert Kanduth, auch Obmann des Verbands Austria Solar, überzeugt.

Der österreichische und europäische Solarmarkt

Die Nutzung thermischer Solarenergie in Österreich boomt. Der österreichische Solarwärmemarkt steigerte sich bei der installierten Kollektorfläche in den letzten vier Jahren um insgesamt 70%. Im Jahr 2007 wurden in Österreich 281.000 m² Kollektorfläche installiert. Insgesamt sind in Österreich 3,6 Millionen m² Sonnenkollektoren in Betrieb. Österreich liegt somit mit der zweithöchsten Solaranlagendichte in der EU (hinter Zypern) im europäischen Spitzenfeld.
Der starke heimische Markt begünstigt auch die Positionierung österreichischer Unternehmen am internationalen Markt. 68% der heimischen Produktion wurden im Jahr 2007 exportiert. Mehr als 37% aller in Europa installierten Kollektoren - und das sind mehr als 2,7 Millionen m² - stammen aus Österreich. GREENoneTEC hält dabei einen Marktanteil von 28%, d.h. fast jeder Dritte in Europa installierte Kollektor stammt aus dem Hause GREENoneTEC.
Damit kann sich die Solartechnik durchaus als Exportschlager bezeichnen. Und mit einem Umsatz von 385 Millionen EURO im Jahr 2007 sowie 6.500 geschaffenen Arbeitsplätzen auch als einer der Motoren der österreichischen Wirtschaft.
Und die Zukunftsprognosen für den heimischen und europäischen Solarmarkt versprechen noch mehr!

Die Solarwärme Roadmap 2020

Das Potenzial der Solarthermie in Österreich ist gigantisch. Dies bestätigt auch die erst kürzlich von der AEE INTEC im Auftrag des BMLFUW unter Mitwirkung von arsenal research und Austria Solar entwickelte Studie „Solarwärme Roadmap 2020“, die auch vom BMWA und BMVIT mitgetragen wird. Im Jahr 2020 könnten in Österreich 23,8 Mio. m² Kollektorfläche installiert sein, also zehn mal so viel wie heute. Damit ist es absolut realistisch 10% des Wärmebedarfs für Warmwasser und Raumheizung zu decken. Die Wertschöpfung für die österreichische Wirtschaft wäre enorm. Mit einem Umsatz von rund 15 Mrd. Euro bis 2020 könnten 63.000 Arbeitsplätze gesichert werden, fast zehnmal so viel wie heute. Auch der europäische Markt wird sich bis 2020 verzehnfachen. Bei gleichem Marktanteil durch österreichische Firmen entstehen über 100.000 neue Arbeitsplätze.

Gerüstet für die Zukunft

Bei GREENoneTEC jedenfalls werden bereits Maßnahmen getroffen um für die Zukunft der Solarbranche gerüstet zu sein. Für das Jahr 2009 sind seitens GREENoneTEC Investitionen in der Höhe von 8,5 Millionen Euro geplant. Unter anderem soll die Kapazität im Bereich der Halbfabrikate Kupfer um eine Produktionsfläche von 3.000 m2 erweitert werden. Die Roboterfertigungslinie FK 8000 soll auf die dreifache Kapazität ausgebaut werden. Der langfristige Ausbau des Werkes in St. Veit ist auf jährlich 3 Millionen m² Kollektorfläche ausgerichtet.

 

GREENoneTEC Solarindustrie GmbH
Industriepark St. Veit
9300 St. Veit a.d. Glan
Österreich

Tel.: +43 (0) 4212 28 136 – 0
Fax: +43 (0) 4212 28 136 – 250
E-Mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.
www.greenonetec.com

Fact Box
Produktionsvolumen 07
730.000 m²
Produktionsvolumen 08
1.100.000 m²
Umsatz 2008
EUR 117 Mio.
Aktuell
410 Mitarbeiter
Exportquote
> 85 %
Fabriksfläche
28.000 m²
Produktionskapazität 2008
1,6 Mio. m²
im 3-Schicht-Betrieb

*) Dr. Claudia König ist Mitarbeiterin im Bereich Marketing und PR der GREENoneTEC Solarindustrie GmbH, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.greenonetec.com [^]

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