Zeitschrift EE

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2005-04: Nachhaltige Energieregionen

Energieregionen

Ziel der Energieforschung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie ist es, Innovationen zu forcieren und Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

Erneuerbare Energie - reif für die Inseln!
Mit Forschung zu innovativen Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung

Von Irene Bergmann*

Das Extrembeispiel einer nachhaltigen Energieregion ist eine ganze Insel, die es sich zum Ziel gesetzt hat, energieautark zu sein. Verschiedene Projekte wurden zu diesem Thema in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die EU-Kommission initiiert. Im Folgenden werden einige ausgewählte Projekte vorgestellt.

European REislands

Das Projekt „European Renewable Energy Islands“ (European REislands) wird im Rahmen des ALTENER Programmes von der EU-Kommission ko-finanziert. Die Hauptaufgabe im Projekt besteht in der Produktion von TV und Videosendungen in den Bereichen Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung auf Inseln. Verschiedene Projekte, die zu einer verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energien auf den Inseln führen, werden einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Einstellung der europäische Bevölkerung zu nachhaltigen Energieregionen soll dadurch verbessert werden.

Konferenz

Im Rahmen des Projekts European REislands fand am 21. September 2005 die Renewable Energy Islands Konferenz statt, bei der Vertreter von den Inseln Kreta, Gotland, Messina, Sardinien (siehe auch oben) und den Kanarischen Inseln ihre Projekte vorstellten. Die DVD, die bei der Veranstaltung vorgestellt worden war, und die Informationen zu den Inseln bereitstellt, können per Email bei EREC angefordert werden ( This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. ).

Sardinien

Eine der Inseln, die bei der Konferenz vorgestellt wurden, ist Sardinien. Die 24.000 m² große Insel im Mittelmeer hat ca. 1,6 Millionen Einwohner. 2% des gesamten Energiebedarfs werden durch erneuerbare Energiequellen gedeckt. Derzeit sind 272 MW Windkraftanlagen on-shore installiert, für die nächsten Jahre sind weitere 500 MW geplant. Durch die starke touristische Nutzung der Insel sind keine off-shore Anlagen geplant, da diese den optischen Eindruck der Insel verändern würden.
Obwohl die solare Einstrahlung mit bis zu 1700 kWh/m²a sehr hoch ist, ist die Nutzung von thermischer Sonnenenergie und Photovoltaik auf Sardinien gering und nur langsam im Steigen. Aktuell sind 6.600 m² (oder 4,6 MW) thermische Sonnenkollektoren installiert. Bis 2010 soll die installierte Fläche von 2,8 kWth (4 m²) auf 14 kWth (20 m²) je Einwohner erhöht werden. Photovoltaikanlagen wurden bisher in der Größe von 1.000 kW installiert. Da 3.000 landwirtschaftliche Betriebe nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sind, besteht ein Potenzial von 12 MW installierter Leistung. Derzeit scheitert die Umsetzung aber an mangelnden Förderungen und zu geringem politischen Interesse.
Weitere Informationen zu den anderen Inseln im Projekt und Downloads der Präsentationen finden sich auf der Projekthomepage www.europeanreislands.net/ und auf den EREC Seiten unter www.erec-renewables.org/projects/proj_RE_islands.htm .

Hiiumaa

Im Rahmen einer Studie über Energieregionen in Europa [1] wurde als Fallbeispiel die Insel Hiiumaa in Estland in die Studie aufgenommen.
Hiiumaa ist eine Insel im baltischen Meer. Sie ist Teil des Moonsund Archipels und mit einer Grundfläche von 1.023 m2 und 10.874 Einwohnern die zweitgrößte Insel Estlands. Die Insel ist zu 70% mit Wald bedeckt und somit reich an Biomasse. Einer der Hauptwirtschaftszweige der Insel ist daher die Holzindustrie. Auch im privaten Sektor wird Holz für die Bereitstellung von Wärme und Brauchwasser sowie für das Kochen auf traditionellen Holzöfen verwendet. Durch ein Biomassenahwärmenetz wird 17% des Heizenergiebedarfs gedeckt.
Das Bewusstsein der Bevölkerung und der Verwaltung auf der Insel für energierelevante Themen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. So wurde bereits bei einem Drittel der öffentlichen Gebäude ein Energieaudit durchgeführt. Auf Hiiumaa wurde die erste Windkraftanlage Estlands installiert. Derzeit ist eine 1 MW Anlage in Planung, das gesamte Potenzial für Windkraftanlagen liegt bei 4 MW.
Durch die Teilnahme der Insel Hiiumaa am Projekt 100% Renewable Islands (100REN-ISLES) im Rahmen des ALTENER Programmes der EU-Kommission hat die Insel einen wichtigen Schritt für ihre Energiezukunft getan. Zunächst soll das Potenzial für den Einsatz erneuerbarer Energie auf der Insel erhoben werden. In weiterer Folge wird die Umsetzung in den Bereichen der privaten Haushalte, der öffentlichen Gebäude, des Wärmenetzes und der Nutzung von Industrieabwärme erfolgen.
Weitere Informationen auf englisch und estnisch auf der Inselhomepage www.hiiumaa.ee .

Abbildung 1: Die erste große Windkraftanlage, die in Estland errichtet wurde, steht auf der Halbinsel Tahkuna in Hiiumaa

Abbildung 2: Leuchtturm und die Stadt Kaina auf Hiiumaa, Quelle: www.fotokogu.com

Literatur:

1: Energy Sustainable Communities, Experiences, Success Factors and Opportunities in the EU-25, Best Practice Studies, EREC European Renewable Energy Council, Brüssel
http://www.esc-forum.net/02Information/GeneralConcept.htm
2: Campaign for Take-Off, Renewable Energy for Europe, 1999 – 2003, Sharing Skills and Achievments
http://www.erec-renewables.org/#downloads

Quellen für den Bericht:

Dieser Bericht wurde mit Unterstützung der folgenden Organisationen zusammengestellt:
EREC, European Renewable Energy Council, Renewable Energy House, www.erec-renewables.org
Matti Lüsi, Tuuru Foundation in Hiiumaa, http://www.tuuru.edu.ee/
Ludo Sluka, Program manager, Ekopolis Foundation, Slovak Environmental Partnership, Banska Bystrica, www.ekopolis.sk

*)Dipl.-Ing. Irene Bergmann ist Mitarbeiterin der AEE INTEC, www.aee-intec.at [^]

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