Zeitschrift EE

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2002-01: OPET Netzwerk Solarthermie

Europäische Union

Die "Soltherm Europa Initiative" vereint europäische Anstrengungen mit dem Ziel, der Solarindustrie den nötigen Anschub zu geben, das von der EU-Kommission im Weißbuch formulierte Ziel von 100 Missionen Quadratmeter thermische Sonnenkollektoren bis 2010 zu erreichen. Soltherm Europa möchte dazu eine Plattform aufbauen, damit alle europäischen Partner noch enger zusammenarbeiten und bestehende Initiativen gegenseitigen Nutzen bringen und in andere Länder übertragen werden..

Soltherm Eropa Initiative für rasches Marktwachstum

Von Martin van der Ree und Jörg Backes*

Zur Zeit ist in Europa eine Kollektorfläche von 11 Millionen Quadratmeter installiert mit einem jährlichen Wachstum von 1 Mio. m². Es sind also gehörige Anstrengungen nötig, soll das 100 Millionen Quadratmeter Ziel der EU erreicht werden. Um ein dazu erforderliches Wachstum von 25% pro Jahr möglich zu machen, muss nicht alleine die Nachfrage erhöht werden, es muss auch eine Infrastruktur für Verkauf und Installation aufgebaut werden, damit die Nachfrage überhaupt befriedigt werden kann. Dabei sind die Europäische Kommission, nationale und lokale Institutionen und Behörden, die Solarindustrie, Installateure und andere Akteure gefordert. Die Organisation eines Zusammenspiels aller dieser Beteiligten ist die Aufgabe der Soltherm Initiative.
Es gibt momentan 40 Soltherm-Partner aus 13 Ländern. Die Partner sehen es als sehr wichtig an, potenzielle Kunden mit qualitativ hochwertiger Information zu versorgen und sie an geschulte und qualifizierte Händler und Installateure zu vermitteln. Deshalb möchte Soltherm insbesondere die Kooperation zwischen Lieferanten und Installateuren fördern, Informationskampagnen aufbauen und Verkaufskampagnen starten. Initiativen in verschiedenen Ländern sollen vernetzt und so Erfahrungen und gute Beispiele weitergegeben werden.

Marktsituation in Europa

In der Vergangenheit war das Marktwachstum in der Solarbranche starken Schwankungen unterworfen. Hatte das Wachstum 1992 auch eine Quote von 50%, so gab es 1987 sogar ein negatives Wachstum von 20%. Diese Erfahrungen der letzten 20 Jahre haben gezeigt, wie wichtig externe Faktoren wie finanzielle Hilfen und qualifizierte Informationen gerade für wachsende Märkte sind. Das durchschnittliche Wachstum in Europa betrug im Jahr 2000 10%, jedoch wurden in diesem Jahr 50% aller europäischen Solaranlagen in Deutschland verkauft. Dabei begründen sich Unterschiede im Marktwachstum weniger mit klimatischen Gegebenheiten als mit externen Randbedingungen. In Deutschland ist ein wichtiger Grund z. B., dass die traditionellen Heizungsfirmen Solarenergie in ihre Angebote aufgenommen haben und deren Verkauf forcieren. Speziell in Österreich, aber auch in Deutschland werden nicht zuletzt deshalb viele Solaranlagen auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt.

Erfolgsfaktor Kooperation

Damit Soltherm Europa erfolgreich operieren kann, ist eine enge Zusammenarbeit auf EU-Ebene unter Einbeziehung aller nationalen und internationalen Institutionen notwendig. Der wichtigste Partner ist die EU-Kommission. Die Initiativenziele decken sich außerdem sehr gut mit den Aufgaben der Internationalen Energie Agentur (IEA). Ecofys Niederlande übernimmt die Funktion der europäischen Koordination mit Unterstützung seiner nationalen Niederlassungen in anderen europäischen Ländern. Organisatorische Partner sind Institutionen, die alle nationalen Aktivitäten für spezielle Marktsegmente organisieren können. Zusammen mit Installateurverbänden kommt den Industriepartnern eine wichtige Rolle hinsichtlich Produkt- und Systemqualität zu. Außerdem ist deren Input für Informationskampagnen wichtig. Förderorganisationen mit teilweise gleichen Zielen wie Soltherm Europe (Nationale Energie Agenturen, regionale Behörden, NGO's) werden eingebunden und deren eigene Aktivitäten werden verknüpft.

Strategische Marktentwicklung

Die weitere Entwicklung des Marktes von Solaranlagen für Einfamilienhäuser ist unerlässlich. Hier bieten sich besonders auch im Altbau große Chancen beim Austausch alter Heizungslahnlagen (siehe auch Abbildung 1). Solarenergie kann zu diesem Zeitpunkt sinnvoll sowohl zur Warmwasserbereitung als auch zur Kombination mit Raumheizung eingesetzt werden. Große Potenziale bieten aber auch der Wohnungsbau, wo große, gemeinschaftlich genutzte Solaranlagen integriert werden können. Bis zum hohen Ziel von 100 Millionen Quadratmeter müssen in allen Bereichen erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Dabei müssen zwar für verschiedene Bereiche jeweils angepasste Strategien entwickelt werden, es gibt jedoch auch zahlreiche sinnvolle Überschneidungen, die zunächst hervorgehoben werden sollen. Einige Synergievorteile für eine übergreifende Strategie können z. B. die Integration von Solaranlagen in bestehende Handelsstrukturen für Heizungsanlagen oder die Reduzierung der Liefer- und Installationskosten bei Sanierung im Altbau sein, weil die Solaranlage nur ein Teil einer Gesamtmaßnahem ist, Weiters ist ein zielgerichtetes Marketing im Einfamilienhausbereich sinnvoll, weil die meisten Einfamilienhäuser in privatem Besitz sind, Beide technische Optionen, Warmwasserbereitung und Raumheizung, könnten durch die gleiche Kampagne promotet werden.
Für die verschiedenen Bereiche sind die technischen Optionen jedoch immer auch separat mit ihren teilweise spezifischen Anforderungen zu berücksichtigen. Es lassen sich die Bereiche Solaranlagen zur Warmwasserbereitung für Einfamilienhäuser, solare Heizungsunterstützung und spezielle Anwendungen wie solare Nahwärmeversorgung, solare Kühlung oder industrielle Prozesse unterscheiden.

Solare Warmwasserbereitung für Einfamilienhäuser

Der Einfamilienhausbereich hat bisher am stärksten zum Marktwachstum der Solarbranche beigetragen. Die Hälfte der 150 Millionen europäischen Haushalte sind Einfamilienhäuser, was das enorme Potenzial dieses Segmentes deutlich macht. Im Altbaubereich bestehen günstige Möglichkeiten für das Nachrüsten von Solaranlagen, wenn die alten Heizungsanlagen erneuert werden müssen. Dann beschäftigen sich die Eigentümer mit dem Thema Energieversorgung und werden vom Installateur beraten. Wird jetzt eine Solaranlage installiert, kann außerdem ein Teil der Installationskosten mit den ohnehin fälligen Kosten verrechnet werden. Ein jährliches Volumen von 6 Millionen erneuerungsbedürftigen Altanlagen verdeutlicht auch hier das enorme Potenzial. Erfahrungen aus den Niederlanden mit regionalen Kampagnen bestätigen ebenfalls, dass sehr viele Solaranlagen in Kombination mit konventionellen Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen installiert werden. 70 bis 80% der Verkäufe innerhalb der niederländischen Kampagnen beinhalten einen neuen energieeffizienten Heizkessel. In Deutschland wurden im Jahr 2000 ebenfalls mehr als die Hälfte aller Solaranlagen in Kombination mit neuen Heizkesseln verkauft.

Solare Warmwasserbereitung für Mehrfamilienhäuser

Die andere Hälfte der europäischen Haushalte repräsentieren Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, wobei es starke Unterschiede zwischen den Ländern gibt. In Großbritannien leben 18% und in Belgien 21% der Bevölkerung in Mehrfamilienhäusern, wohingegen in Deutschland 61% und in Italien sogar 66% der Menschen dort leben. Die Art der Warmwasserbereitung unterscheidet sich durch Anlagen mit Einzelgeräten und zentrale Versorgungsanlagen. Bei individuellen Warmwasserbereitern ist es häufig schwierig, Solaranlagen nachzurüsten, obwohl es auch hierfür gut Beispiele gibt.
Zentrale Versorgungsanlagen eignen sich im allgemeinen sehr gut für Solarenergie und stellen ein großes Potenzial dar. In Gebäuden mit bestehender, zentraler Warmwasserversorgung könne Solaranlagen leicht eingebunden werden. Die einfachste Möglichkeit ist, die Solaranlage zur Vorheizung des kalten Wassers vor der herkömmlichen Warmwasseranlage einzusetzen, Dabei bleibt die Bestehende Anlage weitgehend unverändert. In den meisten Fällen lohnt es sich, die besehende Heizungsanlage hinsichtlich Energieeffizienz zu überprüfen. Für Solaranlagen ergeben sich interessante Komplettpakete, wenn gleichzeitig ineffiziente Heizungsanlagen durch leistungsangepasste Neugeräte ersetzt werden, Dadurch wird nicht nur die Solaranlage optimiert betrieben, sondern es erben sich auch zusätzliche Effekte der Energie- und Kosteneinsparung. Außerdem verbessert sich der Warmwasserkomfort erheblich.

Solare Heizungsunterstützung

Bei der Raumheizung spielen klimatische Gegebenheiten eine größere Rolle. In nördlichen Ländern macht die Raumheizung 60-80% des Gesamtenergiebedarfs eines Haushaltes aus, während dieser Wert in südlichen Ländern bis auf 20% sinkt. Die meisten solaren Raumheizungsanlagen dienen ebenfalls zur Warmwasserbereitung, sogenannte Kombianlagen, die noch nicht so weit standardisiert sind wie reine Warmwasseranlagen. Erfolgreiche Vermarktung in Deutschland und in Österreich zeigen, dass es eine Nachfrage nach solchen Anlagen gibt. Erfahrungen der niederländischen Kampagnen zeigen auch hier Interesse der Kunden, allerdings wurden bisher nicht viele Anlagen verkauft. Dort ist aber auch der Preisunterschied eher größer, da Standardgrößen für Warmwasseranlagen in den Niederlanden klein sind im Vergleich mit Deutschland (siehe Abbildung 2).

Abbildung 1: Installierte Kollektorfläche in Europa im Jahr 1999 und das Potenzial durch den Austausch alter Warmwasseranlagen gegen Solaranlagen in Einfalmilienhäusern

Abbildung 2: Einfamilienhaus in den Niederlanden mit 4,3m² Kollektorfläche zur Warmwasserbereitung und Raumheizugnsunterstützung. Als Energiespeicher dient der 240 l Brauchwasserspeicher.
Foto: IEA SHC-Task 26, Solar Combisystems, Overview 2000

Spezielle Anwendungen

Es gibt bisher ca. 60 Anlagen mit einer Größe von mehr als 500 m² in Europa. Insgesamt sind dadurch ca. 100.000 m² Kollektoren errichtet worden. In Skandinavien sind einige solcher Anlagen in Kombination mit kleinen Nahwärmenetzen für industrielle Anwendungen oder zur saisonalen Speicherung installiert. Ein Grund ist der große Anteil von Nah- und Fernwärmenetzen in Skandinavien. In anderen Ländern gibt es häufig weniger als 10% durch Fernwärme versorgte Gebäude. Die spezielle Situation in Skandinavien erfordert für diesen Bereich ein anderes Vorgehen.

Integration von und Kooperation mit anderen Projekten

Die Soltherm Europa Initiative zielt darauf ab, möglichst viele Synergien mit anderen Projekten zu nutzen und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Beispiele dafür sind die Kooperation mit ASTIG im Bereich Qualität von Systemen, mit dem Projekt "Mediterra Solar Campaign" in Frankreich, Spanien und Italien, mit DFS und der Fortführung der Solar na klar Kampagne in Deutschland und mit der Regierung des wallonischen Teils Belgiens, wo es bereits ein eigenes Soltherm-Programm gibt. Weiters ist das Projekt integriert in ESIF/ASTIG Altener "Solar-Keymarkt-Project" im Altener "Quasol-Projekt" im Bereich Schulung von Installateuren, im IEA Task 24 "Solar Procurement-Projekt", im Altener SOLHAS-Projekt im Bereich Wohnungsbaugesellschaften, im niederländischen "BelDeZon (Ruf die Sonne an)-Projekt" von Ecostream und in der niederländischen "Space for Solar-Initiative".

Die nächsten Schritte

Die Soltherm Europa Initiative läuft im Rahmen des Altener-Projektes offiziell seit dem 1, Januar 2002. Das Projekt ist eine Plattform zur Integration und Kooperation von Aktivitäten für alle, die sich zur Erreichung der genannten Ziele für 2004 bzw. 2010 einsetzen möchten. Alle interessierten Institutionen sind herzlich eingeladen der Initiative beizutreten. Zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele sind enorme Anstrenungen über das Altner-Projekt hinaus erforderlich. Soltherm Europa wird im Anschluss an das Altener-Projekt soweit etabliert sein, dass es von der großen Zahl der Partner weitergetragen wird und der europäische Solarmarkt kontinuierlich wachsen wird.

Abbildung3: Thermische Solaranalge mit 410 m² Kollektorfläche und einem 100m² Speicher zur Raumheizung und Warmwasserbereitung für eine Wohnsiedlung in Gneis Moos in Salzburg, Österreich

*) Bart van der Ree ist Mitarbeiter von Ecofys Niederlande, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. ; Jörg Backes ist Mitarbeiter von Ecofys Deutschland, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. [^]

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