Zeitschrift EE

Zurück zu den Beiträgen

2002-01: OPET Netzwerk Solarthermie

Europäische Union

In den letzten Jahren wurde eine starke Steigerung der installierten Kollektorfläche im Süden Spaniens in Andalusien beobachtet. Dies lässt sich sowohl durch die regionale Förderpolitik als auch durch die klimatischen Bedingungen in diesem Gebiet erklären, die optimale Voraussetzungen für thermische Solaranlagen bieten. Die Globalstrahlung auf die Horizontale beträgt jährlich ca. 1800 kWh/m².

PROSOL in Andalusien

Von Montserrat Hernández Zoido*

Das Programm PROSOL, das 1993 ins Leben gerufen wurde, ist bestrebt, sowohl dem Bedarf seitens der Gesellschaft von heute als auch der zukünftigen Energiepolitik zu entsprechen. Das Programm ist ein Instrument zur Förderung, Entwicklung und Verbreitung von Systemen, die erneuerbare Energietechnologien verwenden. Es wird gemeinsam durch die Firma SODEAN unter der Verwaltung der andalusischen Landesregierung und des Andalusischen Entwicklungsinstituts durchgeführt.
PROSOL erhielt den Preis als bestes regionales Programm für erneuerbare Energien im Rahmen der "Take-off"-Kampagne der Europäischen Kommission. Die Vorbildwirkung des Projektes zeigte sich bereits mehrmals. So wurden in Marokko Förderungen von Anlagen, die erneuerbare Energiequellen nutzen, eingeführt. Das Programm in Marokko heißt angelehnt an das spanische Programm PROMASOL. Auch wurden Aspekte von PROSOL in andere regionale und nationale Programme übernommen.

Ziele des Programms

Im Rahmen des Programms sollen von der öffentlichen Hand unterstützte Finanzierungen für den Kauf von Anlagen, die erneuerbare Energien nutzen, geschaffen werden. Das bedeutet direkte Subventionen und subventionierte Zinssätze für solarthermische Installationen, Photovoltaikanlagen und Windenergieanlagen. In Hinblick auf den relativ großen Investitionsaufwand dieser Systeme sollen auf diese Weise wirtschaftliche Lösungen angeboten werden.
Dahinter steckt die Absicht, den Kauf kleinerer Anlagen zu unterstützen und das Rückzahlungstempo der großen Systeme zu beschleunigen. D.h. es werden nicht nur Mittel zur Finanzierung der Installationen überlegt, sondern auch eine Reihe von begleitenden Maßnahmen. So soll eine Informationskampagne gestartet werden, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für erneuerbare Energien zu wecken. Die Gründung neuer Unternehmen, die thermische Solaranlagen, PV-Anlagen oder Windenergieanlagen bauen und installieren, soll gefördert werden. Hier soll es auch Unterstützung bei der Entwicklung neuer Systeme und einen Beratungsdienst für Entwickler und Planer geben.
Das Programm beinhaltet Maßnahmen, die den Markt von erneuerbaren Energietechnologien mittelfristig beeinflussen sollten. Potentiellen Anwendern soll es ermöglicht werden, Systeme auf Basis erneuerbarer Energien zu kaufen. Unterstützung von Herstellerfirmen soll dazu führen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. So kann einerseits die Umwelt durch den Einsatz von energieschonenden Technologien geschützt werden, und andererseits können durch die Stützung dieses noch relativ neuen Wirtschaftssektors Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden.
Das Programm PROSOL wird von der Andalusischen Gesellschaft für Energieentwicklung (SODEAN) in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Industrie, Energie und Bergwerke geleitet. Die Arbeit von SODEAN umfasst außerdem die Kontrolle der Serviceleistungen und der Installateure.
Dadurch können die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele schnell eingeführt werden. SODEAN schafft durch den Einsatz von Werbung und Maßnahmen innerhalb der Region für eine Verbreitung der Technologien. Installationsfirmen und Architekten werden beraten und unterstützt. Für den Technologietransfer werden Erfahrungen aus dem Programm gesammelt und an andalusische Firmen sowohl innerhalb als auch außerhalb der autonomen Region weitergeleitet. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und die Einführung von erneuerbaren Energieprodukten gefördert.
Um die Installation, den störungsfreien Betrieb und die Wartung der Anlagen zu gewährleisten, wurden im Rahmen des Programms Garantien und eine gesetzliche Basis geschaffen. Diese Garantien gelten für drei Jahre, und zwar einerseits für die Materialien und Bauteile, und andererseits für die Installations- und Wartungsarbeiten. Versicherungen schützen weiters vor Schaden von Außen wie Diebstahl oder Vandalismus. Ein Handbuch, das die Bedienung und Wartung der thermischen Solaranlagen erläutert, wurde verfasst und wird den Anlagenbesitzern übergeben. Um den qualitativen Anforderungen der Käufer gerecht zu werden wurden technische Spezifikationen für das Anlagendesign entwickelt. Installationsfirmen haben außerdem die Möglichkeit sich akkreditieren zu lassen.

Typische Solaranlagen in Andalusien

Typischer Weise werden thermische Solaranlagen rein zur Warmwasserbereitung eingesetzt. Aufgrund der klimatischen Bedingungen in Südspanien sind Anlagen zur Raumheizungsunterstützung nicht üblich. Die installierten Anlagen zeichnen sich durch eine einfache Herstellung und Bauteile aus, die keinen großen technischen Aufwand zur Erreichung von akzeptablen Ergebnissen benötigen.
Die meisten der in Einfamilienhäusern installierten Anlagen arbeiten nach dem Thermosiphonprinzip im direkten Kreislauf mit Brauchwasser als Wärmeträgermedium. Die Tendenz geht zur Zeit allerdings vermehrt in Richtung indirekter Systeme mit Wärmetauscher zwischen Wärmeträgermedium und Brauchwasser zur Steigerung der Lebensdauer des Systems. Weiters werden vermehrt Anlagen mit Zwangsumlauf installiert, die eine bessere architektonisch-technische Integration der Systeme ermöglichen.
98% der in den Jahren 1997 bis 2001 installierten Anlagen in Südspanien haben Kollektorflächen kleiner als 10 m² (siehe Tabelle 1). Die meisten davon sind Anlagen zur Warmwasserbereitung in Haushalten.

Thermische Solaranlagen Anlagen Kollektorfläche
Anzahl (%) (%)
Anlagen < 10m² zertifizierte
Solaranlagen
für Haushalte
11.710 93 49.296 80
Sonstige 679 5 2.934 5
Anlagen >=10m² 270 2 9.416 15
Summe 12.659 100 61.646 100

Tabelle 1: Die in Andalusien errichteten Systeme im Rahmen des PROSOL Programms von 1997 bis 2001

Solarenergiemarkt

Das Ziel des Programmes ist es, gemäss dem EU-Weißbuch für erneuerbare Energien, bis zum Jahr 2010 12% des Primärenergiebedarfs in Andalusien aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Zur Erreichung der Mindestziele für den Zeitraum 2000 bis 2010, ist die Installation von 936.000 m2 thermischer Sonnenkollektoren geplant. Derzeit sind insgesamt 140.100 m2 Kollektorfläche installiert. Zur Erreichung der Ziele muss das Marktpotential von thermischen Solaranlagen von 2,5% auf 25% und die installierte Kollektorfläche von 14 auf 142 m² pro 1000 Einwohner gesteigert werden. Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Solarmarktes in Andalusien bis 2010, wenn die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden. Bei diesem Maßnahmenpaket stellt das Programm PROSOL eine der Hauptinitiativen dar. Tabelle 2 zeigt das technische Nachfragepotential von thermischen Solaranlagen in verschiedenen Bereichen, dieses beträgt in Summe fast 4 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche.

Abbildung 1: Prognose über die Entwicklung der installierten Kollektorfläche in Andalusien bis 2010 bei Durchführung der geplanten Fördermaßnahmen

SEKTOR
Mehrfamilienhäuser 1.010.000
Einfamilienhäuser 2.560.000
Krankenhäuser 25.600
Hotels 216.155
Industriebetriebe 23.500
Sportzentren 40.170
Sozialwohnhäuser 11.600
SUMME 3.887.025

Tabelle 2: Das technische Nachfragepotential solarthermischer Anlagen in Andalusien aufgegliedert nach Bereichen

Ausblick

Dank der Entwicklung des Solarenergiemarktes seit Beginn der Schaffung des Programms PROSOL sind bis zum Jahr 2001 mehr als 150 Firmen im Solarenergiebereich in Andalusien gegründet worden. Dadurch konnten an die 500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Durch die Bemühungen aller Projektteilnehmer wird es möglich, einen soliden und überlebensfähigen Solarenergiemarkt aufzubauen.
Nach der finanziellen Unterstützung, die von der andalusischen Landesregierung zu Beginn des Programms gewährt wurde, ist es nun in weiterer Folge nötig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Weiters sollten zur weiteren Verbreitung der Solartechnologien Maßnahmen in der Ausbildung und in der Öffentlichkeitsarbeit gesetzt werden.

 

*) Montserrat Hernández Zoido ist Mitarbeiterin von SODEAN-Andalusische Gesellschaft für Energieentwicklung, Sevilla, Spanien. OPET South Spain, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. [^]

Top of page