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2002-01: OPET Netzwerk Solarthermie

EU-Beitrittskandidaten

Ungarn liegt in einem relativ ebenen Gebiet, das hauptsächlich von Bergen umgeben ist, so dass die Bedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie dort günstiger als in vielen anderen europäischen Ländern sind. Die Sonnenscheindauer pro Jahr liegt zwischen 1900 bis 2200 Stunden, die durchschnittliche jährliche Einstrahlung beträgt 1300 kWh/m2.

Entwicklung der Solarenergie in Ungarn

Von Eszter Kaboldy und Géza Mészáros*

Ungarn liegt in einem relativ ebenen Gebiet, das hauptsächlich von Bergen umgeben ist, so dass die Bedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie dort günstiger als in vielen anderen europäischen Ländern sind. Die Sonnenscheindauer pro Jahr liegt zwischen 1900 bis 2200 Stunden, die durchschnittliche jährliche Einstrahlung beträgt 1300 kWh/m².
Die langjährige Durchschnittstemperatur beträgt 10 bis 11°C, der kälteste Monat ist der Jänner mit einer Durchschnittstemperatur von -1 bis -2°C, der wärmste Monat ist der Juli mit einer langjährigen Durchschnittstemperatur von 20 bis 21°C.
Es gibt keine verlässliche Untersuchung über die Anzahl der in Betrieb befindlichen Sonnenkollektoranlagen. Schätzungen von Experten zufolge sind in Ungarn zum gegenwärtigen Zeitpunkt 30 bis 40.000 m² Sonnenkollektoren installiert; ihre Fläche steigt jedes Jahr um ein paar tausend Quadratmeter. Thermische Solaranlagen werden hauptsächlich für die Warmwasserbereitung, die Heizungsunterstützung und das Beheizen von Swimmingpools eingesetzt.
Einfamilienhäuser
Die Anzahl der auf Einfamilienhäusern installierten, in Betrieb befindlichen Solaranlagen beläuft sich auf einige tausend Stück. Der Großteil des Warmwasserbedarfs für Haushalte in Einfamilienhäusern und Ferienhäusern kann im Sommer mit Hilfe der Sonnenenergie bereit gestellt werden, wenn die Sonnenkollektoren auf einer nicht beschatteten Fläche mit der richtigen Ausrichtung installiert werden.
Übliche Anlagen zur Warmwasserbereitung für Einfamilienhäuser haben Kollektorflächen bis zu 6 m² und einen Speicher in der Größe von 200 bis 300 Litern. Mit diesen Anlagen werden jährliche Erträge von 2000 bis 2200 kWh erzielt.
Die solare Raumheizung ist in Ungarn noch nicht weit verbreitet, da die Installationskosten aufgrund der erforderlichen größeren Fläche für die Sonnenkollektoren viel höher als bei Anlagen für die Warmwasserbereitung sind. Ein anderes Problem besteht darin, dass die relativ große Oberfläche der Sonnenkollektoren im Sommer ziemlich viel Energie bereitstellt. Es ist aber schwierig, für diese überschüssige Energie Abnehmer zu finden. Kombianlagen zur Warmwasserbereitung und Raumheizung werden daher bevorzugt dort installiert, wo man auch über einen Swimmingpool verfügt und die im Sommer gewonnene Energie genutzt werden kann. In diesem Fall sorgt jedoch die ziemlich komplizierte automatische Regelung dafür, dass der Preis für die Anlage steigt.
Tourismuseinrichtungen und Hotels
Immer mehr Gästehäuser und Hotels in Ungarn werden mit einem eigenen Swimmingpool ausgestattet. Ein typisches Beispiel dafür ist das Hotel Helia in Budapest.
Um die Bereitstellung des Warmwassers und die Beheizung des hauseigenen Schwimmbades möglichst umweltfreundlich und energiesparend zu lösen, beschloss das Management des Hotels Helia die Installation einer thermischen Solaranlage. Im Jahr 2000 wurde die Planung in Angriff genommen.
Die neue Solaranlage wurde so geplant, dass sie in das bestehende Heizungssystem integriert werden konnte. Bisher wurde das Warmwasser von zwei Gasthermen mit je 1066 kW bereitet. Vier Tanks zu je 5 m³ waren bereits vorhanden. Am Dach des Hotels war Platz für 100 m² Kollektorfläche. Die Kollektoren wurden mit einem Neigungswinkel von 45° nach Süden orientiert auf dem Flachdach des Hotels mit einer Konstruktion aus rostfreiem Stahl aufgeständert.

Abbildung 1:Hydraulikschema der Solaranlage für ein Hotel in Budapest. 100 m² Kollektoren dienen zur Vorwärmung des Brauchwassers und des Schwimmbades

Es wird ein solarer Deckungsgrad von ca. 8% erzielt. Um einen solaren Deckungsgrad von 100% zu erreichen, wäre eine Kollektorfläche von 600 m² nötig gewesen. Mit der Solaranlage wird nun das Brauchwasser im ersten der vorhandenen Tanks auf 20 - 40°C vorgewärmt (siehe Abbildung 1). Die Kollektoren liefern jährlich etwa 75.000 kWh an das System (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Einstrahlung in Kollektorebene (45° Neigung, Südorientierung) und solare Erträge für die Warmwasserbereitung und Schwimmbadheizung eines Hotels in Budapest

Eine gute Möglichkeit zur Nutzung der Sonnenenergie sind sanitäre Anlagen auf Campingplätzen. Die Eigentümer sind definitiv daran interessiert, die Energiekosten zu senken. Durch niedrige Investitionskosten und hohe Energieeinsparung können geringe Amortisationszeiten erzielt werden. Weiters besteht die Möglichkeit, für diese Anlagen staatliche Förderungen zu beantragen.

Sonne für Schwimmbad und Kindergarten
In Gögöllö, einer kleinen Stadt ca. 30 km östlich von Budapest, wurde eine Solaranlage installiert, die einerseits das öffentliche Schwimmbad beheizt und andererseits Energie für die Warmwasserbereitung im benachbarten Kindergarten liefert. 36 m² selektiv beschichteter Kollektoren wurden am Boden mit einem Neigungswinkel von 45° aufgeständert (siehe Abbildung 3). Zur Speicherung der nicht benötigten Energie dient ein 2 m³ fassender Speicher. Die Nachheizung für das Warmwasser des Kindergartens erfolgt mit einer Gastherme.
Von der Abteilung für Physik und Prozessmanagement der St. Stephen Universität wurde ein Datenerfassungssystem installiert. Damit kann eine Fernüberwachung der Anlage durchgeführt werden.

Abbildung 3: Eine Solaranlage mit 36 m² Kollektorfläche dient zur Beheizung des Schwimmbades und versorgt den benachbarten Kindergarten mit Warmwasser

Förderungen

In den neunziger Jahren wuchs nach dem Ende des alten politischen und wirtschaftlichen Systems das Bestreben, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. Zur Erreichung dieses Ziels sind jedoch nicht nur beträchtliche Investitionen seitens der Regierung und der Zivilgesellschaft erforderlich, sondern auch eine Verbreitung des technischen Fachwissens. Diese Änderungen vollziehen sich heute in einem beschleunigten Tempo. Der Rückstand hinter den weiter entwickelten Ländern, der sich in ein paar Jahrzehnten ergeben hat, kann aber nur langfristig aufgeholt werden. Die Nachfrage nach Anlagen, die erneuerbare Energieressourcen nutzen, ist relativ gering, da die Energiepreise für die Haushalte und die Reallöhne noch relativ niedrig sind.
Ungarns Absicht der Europäischen Union beizutreten ist untrennbar mit der Notwendigkeit verknüpft, die Umweltschäden auf ein Minimum zu reduzieren und Energien effizient zu nutzen. Vor ein paar Jahren wurde der ungarischen Regierung bewusst, wie wichtig die Nutzung von erneuerbaren Energieressourcen ist. Dies spiegelt sich in den Ausführungsverordnungen, Maßnahmenprogrammen und Ausschreibungen wider, die dazu beitragen sollen, dass sich ein Markt für erneuerbare Energien etablieren kann.
Auf der Basis des Regierungserlasses Nr. 2199/1999, "Ungarns Prinzipien für die Energiepolitik und die Energiebranche", wurde die Strategie für das Energiesparen und die effiziente Nutzung von Energie für den Zeitraum bis 2010 dargelegt. Das Ziel dieses Programms besteht darin, die Nutzung von erneuerbaren Energien von 28 PJ im Jahr 2001 auf 50 PJ im Jahr 2010 zu steigern. Das Ziel für die Solarthermie besteht darin, dass mindestens "20.000 Dächer mit Sonnenkollektoren ausgestattet werden sollen".
Im Jahr 2000 gab es vom Wirtschaftsministerium die ersten Ausschreibungen für nicht zurückzuzahlende Subventionen. Das Budget dafür beläuft sich auf insgesamt 3,7 Millionen Euro. Das Interesse an erneuerbaren Energien und an der Installation von Solaranlagen übertraf alle Erwartungen, so dass das verfügbare Budget aufgestockt wurde. Im Jahr 2001 wurde das Budget für die Förderung der Nutzung von erneuerbaren Energien von 411.000 Euro auf 1,4 Million Euro erhöht. Auch die Obergrenzen für Investitionen wurde bedeutend angehoben.
Einen Antrag auf diese Subventionen können folgende Gruppen stellen: Wohnungsbesitzer, Wohnbaugesellschaften, Zusammenschlüsse von Wohnungseigentümern in Wohnblocks, Organisationen, die einen Anspruch auf Investitionen, Finanzmittel und die Zuweisung von subventionierten Mitteln haben, wenn es sich dabei um öffentliche Verbraucher handelt (z.B. örtliche Behörden), Unternehmen, die energiesparende Modernisierungsmaßnahmen durchführen, und wirtschaftliche Organisationen.
Die Subventionen sind für neue Installationen und für Renovierungen von Anlagen gedacht, die erneuerbare Energien für die Wärme- oder Stromgewinnung nutzen.
Im Wohnbereich werden die Subventionen bis zu einer Höhe von 30% der Investitionskosten und maximal 1.030 Euro je Wohneinheit gewährt. Bei Anlagen in öffentlichen Gebäuden oder bei Firmen werden Subventionen bis zu einer Höhe von 30% der Investitionskosten und maximal 144.000 Euro pro Anlage gewährt. Die Antragsteller müssen mindestens 25% der Nettokosten selbst aufbringen können.

Weitere Maßnahmen

Ungarn beteiligt sich als assoziiertes Mitglied an internationalen Programmen. Private und öffentliche Organisationen und Initiativen, die dazu beitragen, dass Fachwissen verbreitet wird und Bewusstsein gebildet wird, werden gefördert. All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Nutzung der Solarenergie verbreitet wird.
Die Regierung ist dabei, neue Gesetze für elektrische Energie und für Gas zu erarbeiten bzw. anzupassen. Diese sollen auch erneuerbare Energien einbeziehen. Auch an einem nationalen Programm für erneuerbare Energien wird gearbeitet. Der ungarische Normenausschuss führt Schritt für Schritt die EN-Normen für die Nutzung der Sonnenenergie ein, die in der Europäischen Union anerkannt sind.

Akteure auf dem Markt

Firmen, welche die Bedeutung der Nutzung der Sonnenenergie erkannt haben, tauchten auf dem ungarischen Markt bereits in den neunziger Jahren auf. Nachdem die Anfangsschwierigkeiten nun überwunden sind, gibt es heute 20 bis 25 Firmen, die in diesem Bereich tätig sind. Der Umfang der Tätigkeiten erstreckt sich auf Import, Produktion im Inland, Vertrieb, Entwicklung, Konstruktion, Installation, Fortbildung und Verbreiten von Fachwissen. Das Hauptmerkmal dieser Firmen besteht darin, dass sie auch noch andere Aktivitäten mit ähnlichen Anforderungen (zum Beispiel Heizungen, Lüftungsanlagen, sanitäre Anlagen für Gebäude, Gebäudeservicetechnik, Vertrieb) zusätzlich zu den Aktivitäten in dem Bereich Solarenergie ausführen. Der Grund dafür ist, dass die Anzahl der Verbraucher und Anwender nur relativ langsam steigt, so dass die Aktivitäten in Verbindung mit der Solarenergienutzung alleine normalerweise nicht rentabel sind.
Heute hat man in Ungarn eine große Auswahl von importierten Solaranlagen: Verschiedene Firmen importieren Produkte guter Qualität aus Österreich, Deutschland, der Slowakei, Griechenland und Israel. Es werden neben kompletten Solaranlagen auch häufig Komponenten wie Absorber, automatische Steuerungen und Speicher importiert. Einige Firmen vertreiben Materialien und Komponenten für Selbstbauanlagen.

Zukünftige Entwicklung

Das "20.000-Dächer-Sonnenkollektoren-Programm" im Maßnahmenpakt der Regierung bedeutet, dass in den nächsten zehn Jahren ca. 100.000 Quadratmeter thermischer Sonnenkollektoren installiert werden müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen jährlich 10.000 bis 15.000 m2 Kollektorfläche mehr installiert werden, als im Vorjahr.
Das wachsende Bestreben zu investieren, der Anstieg der Energiepreise, die zu erwartende Erhöhung der Reallöhne und das gesteigerte Umweltbewusstsein werden dafür sorgen, dass das Interesse an Solaranlagen steigen und der Markt für Sonnenkollektoren wachsen wird.
Die Entscheidungsträger der Institutionen und die potentiellen Kunden wissen oft über die Möglichkeiten der Sonnenenergienutzung, über die Marktteilnehmer, die Preise und die Qualitätsunterschiede nicht ausreichend Bescheid. Da es keine landesweite Regelung gibt, unterscheiden sich die installierten Anlagen zum Teil erheblich in Bezug auf Qualität und technischen Standard. Daher ist es in Ungarn erforderlich, technische und gesetzliche Standards wie in den EU-Ländern einzuführen.

 

*) Dipl.-Ing. Eszter Kaboldy und Dipl.-Ing. Géza Mészáros sind Mitarbeiter am Energy Centre Ungarn in budapest, OPET Ungarn, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , http://www.energycentre.hu/ [^]

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