Zeitschrift EE

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2002-01: OPET Netzwerk Solarthermie

OPET weltweit

Lesothos solare Zukunft

Von Gisela Prasad*

Eines von vielen Projekten, das derzeit in Südafrika zur Erprobung und Förderung der erneuerbaren Energien und zum Umweltschutz beiträgt, ist das von der UNESCO unterstützte "Solardorf-Projekt" in Lesotho. Das erste dieser Solardörfer wurde am 15. September 2000 durch den Erziehungsminister feierlich eröffnet, indem es symbolisch der Region "übergeben" wurde. Mitglieder des Parlaments und der Regierung, Universitätsangehörige, traditionelle Stammesführer, Studenten und die Bewohner der Region nahmen an der Zeremonie teil.
Alle Beteiligten zeigten großes Interesse an den verschiedenen Solartechnologien, die an der Grund- und der Sekundarschule, an privaten Gebäuden und am "Taung Skill Centre" des kleinen Dorfes im Bezirk Mohale´s Hoek installiert worden waren.
Durchgeführt wurde das Projekt durch das Institut für Südafrikastudien (ISAS), ein Forschungsinstitut an der Nationaluniversität von Lesotho und das Taung Skill Centre. Das Taung Skill Centre ist ein Wirtschafts-Trainingszentrum, das von der Region selbst verwaltet wird.
Das ISAS und das Taung Skill Centre bildeten Partnerschaften mit den Bewohnern mehrerer Dörfer, um die Landbevölkerung zu motivieren, ihre eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen. Sie sollten so früh wie möglich an der Planung des Projektes beteiligt werden, um auf diese Weise aus den gemeinsamen Erfolgen, aber auch den Misserfolgen zu lernen.
Die Hauptaufgaben im Projekt waren die Durchführung von Trainingskursen über Solartechnologien, die Installation von Solaranlagen und die Schaffung von Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Einsatz von solaren Technologien zum Erwerb eines Einkommens zu nutzen.

Trainingskurse

Wesentliche Ziele des Projektes waren die aktive Beteiligung der späteren Nutzer an der Errichtung der Solaranlagen sowie die Einrichtung eines Reparatur- und Wartungsdienstes im örtlichen Wirtschafts-Trainingszentrum.
Um dies zu gewährleisten, wurden für unterschiedliche Zielgruppen zahlreiche Ausbildungskurse durchgeführt.
Ein speziell für Entscheidungsträger zugeschnittener einwöchiger Kurs wurde für 13 Stammesführer aus verschiedensten Landesteilen abgehalten. Der Kurs vermittelte den Menschen, die weit weg vom solaren Dorf leben und bisher wenig Kontakt mit Technologien zur Nutzung von Sonnenenergie hatten, die Vorteile der solaren Energiegewinnung.
Im schulischen Bereich wird die Nutzug der solaren Technologien im Alltag erlernt. So werden die Mahlzeiten für die Volksschüler energie- und arbeitsparend mit Solarkochern zubereitet.
Eine weitere Verbreitung der Technologien erfolgt auch dadurch, dass Leute in das örtliche Wirtschafts-Trainingszentrum kommen, um die generellen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Dabei werden sie zur Besichtigung der Solaranlagen eingeladen und beginnen sich dann für solare Technologien zu interessieren.

Photovoltaik

Um im solaren Dorf unterschiedliche Anwendungen der Sonnenenergie zu erproben und zu demonstrieren, wurden sowohl solarthermische als auch photovoltaische Anlagen errichtet. Für die Beleuchtung der Sekundarschule wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die mit Messgeräten zur Überwachung des Anlagenverhaltens ausgestattet wurde. Diese Anlage ermöglicht es, dass nun an der Schule auch Abendkurse für Schäfer abgehalten werden können, welche die Mehrheit der Analphabeten in Lesotho darstellen.
Eine weitere kleine Photovoltaikanlage wurde an einem Privathaus in Ha Machaha installiert, um die Nutzung von Solarstrom für Beleuchtung, Radio, Fernsehen und den Antrieb einer Nähmaschine zu demonstrieren. Auch am Wirtschafts-Trainingszentrum wurde eine Photovoltaikanlage für die Beleuchtung und für das Aufladen von Batterien installiert. Der verbleibende Strom wird für das Betreiben von Bohrern, Sägen und einer kleinen Drehbank für die Herstellung von Solarkochern genutzt. Die Schuluniformen werden von den Mitarbeitern des Zentrums und von den Schülern mit einer solarbetriebenen Nähmaschine hergestellt.
Solarstrom wird auch genutzt, um Wasser für die Bewässerung der Gärten und Gewächshäuser zu pumpen. Der Verkauf von Setzlingen und Gemüse aus den Gewächshäusern sind eine wichtige Einnahmequelle des Wirtschafts-Trainingszentrums.
Solarthermische Anwendungen
Solarthermische Technologien kommen in verschiedener Form zur Anwendung. Zunächst einmal werden Solarkocher für die Zubereitung von Mahlzeiten verwendet. Dies hat mehrere Vorteile: Durch die Solarkocher wird das Sammeln von Brennholz zumindest vermindert. Diese Arbeit wird traditionell von Frauen und Kindern durchgeführt und ist sehr mühsam und zeitintensiv. Weiters werden durch solares Kochen Erkrankungen der Atemwege und der Augen vermieden, die durch den Rauch des offenen Feuers ausgelöst werden. Schließlich wird die ohnehin karge Vegetation nicht noch weiter minimiert.

Abbildung 1: Aufgeständerte Thermosiphonanlage zur Warmwasserbereitung

Sechs Solarkocher (fünf große und ein kleiner) wurden in Schulen, Einrichtungen der Gemeinde und bei Privathäusern installiert. In der Volkschule von Liphiring werden damit nun für die Schüler die Mahlzeiten zubereitet. Sechs Praktikanten nahmen an Kursen im Zentrum teil und kauften Solarkocher für den eigenen Gebrauch und für Demonstrationszwecke.
Ein großer Solarkocher wurde im benachbarten Dorf Mabalane installiert. Mitglieder einer Selbsthilfegruppe treffen sich dort regelmäßig in einem Haus, um gemeinsam Handarbeitsgegenstände herzustellen. Nun kochen sie dort auch gemeinsam ihre Mahlzeiten. Die Frauengruppe eines anderen Dorfes erwarb einen Solarkocher, um darin Brot für den Verkauf herzustellen.
Auch die Studenten des Zentrums verwenden einen "Solar Box Cooker" und einen Parabolkocher, um ihre Mahlzeiten zuzubereiten. So kann auch Besuchern der Gebrauch dieser Geräte demonstriert werden.
Eine weitere Nutzung der Solarenergie erfolgt durch den Einsatz von solaren Trocknern. Obst und Gemüse - wie Tomaten, Pfirsiche und Marillen - werden in einem Solartrockner haltbar gemacht. Weiters können Pflanzen, die in der traditionellen Medizin eingesetzt werden, in diesen Trocknern zur besseren Haltbarkeit getrocknet werden.
Auch im Zentrum wird ein Solartrockner eingesetzt, um größere Mengen von landwirtschaftlichen Gütern für den Weiterverkauf konservieren zu können. Bewohner der Region bringen ihr Obst und Gemüse und können für einen Umkostenbeitrag den Solartrockner benützen.
Zur Demonstration wurden am Wirtschafts-Trainingszentrum auch zwei Solaranlagen zur Warmwasserbereitung errichtet. Diese werden auch im Zentrum hergestellt und verkauft.

Ausblick

In den ländlichen Gemeinden Lesothos besteht ein großer Energiebedarf. Solarenergie ist eine mögliche Energiequelle zur Deckung dieses Bedarfs. Dennoch sollte auch die Nutzung anderer erneuerbarer Energiequellen wie Wind und Biomasse erprobt und ausgebaut werden, wenn der gesamte Energiebedarf gedeckt werden soll. Hybridanlagen, die z.B. mit Sonne und Wind betrieben werden, könnten zur Produktion von elektrischem Strom eine Lösung bieten.
Die geplante Privatisierung der Stromerzeugung könnte es den Gemeinden in Zukunft ermöglichen, ihre natürlichen Ressourcen wie Sonne und Wind zu nützen und ihr eigenes Kraftwerk zu betreiben. Durch den Verkauf von Strom an das öffentliche Netz würde sich auch eine neue Einnahmequelle für die Gemeinden eröffnen.
Der Bau derartiger Anlagen erfordert aber auch ein entsprechend großes Startkapital und eine intensive Schulung der Menschen in der Region. Die Errichtung der Demonstrationsdörfer durch die UNESCO war der erste Schritt in diese Richtung.

Kontakt: OPET SADC, Nick Ndaba, Botswana Technology Centre, Gaborone, Botswana. E-mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. Internet: www.botec.bw

*)Gisela Prasad ist Mitarbeiterin des Taung Skill Centre in Lesotho [^]

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