Zeitschrift EE

Zurück zu den Beiträgen

2004-01: Erneuerbare Energien in Österreich

Thema

Mit einem neuerlichen Rekordzuwachs von über 4.000 Megawatt (MW), also der vierfachen Leistung des AKW Temelin, konnte die Windkraft letztes Jahr neuerlich ein eindrucksvolles Signal setzen: Zum dritten Mal hintereinander ließ die früher gern als Utopie abgestempelte Windkraft beim Zubau von neuen Kraftwerkskapazitäten die Atomkraft bei weitem hinter sich.

Windenergie - Österreich hebt ab

Von Hans Winkelmeier, Ursula Holzinger und Stefan Hantsch*

Im Jahr 2001 wird ein Zuwachs der Windbranche um 34% erwartet. Waren zu Beginn der neunziger Jahre rund um den Globus ca. 2000 MW Windkraftleistung am Netz und lag der jährliche Zuwachs bei etwa 200 bis 300 MW, betrug die gesamte installierte Windkraftleistung Ende 2000 18.449 MW und der Zuwachs allein im Jahr 2000 4.200 MW. So werden jährlich 37 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, was der Stromversorgung von rund zehneinhalb Millionen österreichischen Haushalten entspräche. 86% der gesamten installierten Leistung befinden sich in Europa, in dem jene Staaten, die gesicherte rechtliche Rahmenbedingungen für die erneuerbaren Energien geschaffen haben, um den Spitzenplatz bei den Zuwachsraten wetteifern. Es handelt sich insbesondere um Deutschland, Spanien und Dänemark, die auf Grund von Einspeisegesetzen früh die Voraussetzungen für diesen Boom geschaffen haben. So deckt Dänemark mittlerweile 16% seines Elektrizitätsbedarfes aus Windkraft. In Deutschland drehen sich bereits über 10.000 Windräder, damit werden knappe 3% des Elektrizitätsbedarfes abgedeckt. Durch das starke Wachstum steigt dieser Anteil derzeit um etwa 1% jährlich.

Boom erreicht Alpenrepublik

Während man in Österreich den Eindruck bekommen konnte, die verantwortlichen Politiker seien lange Zeit um die Niedrighaltung der Windenergie bemüht gewesen (teilweise aus einer gewissen allgemeinen Innovationsfeindlichkeit, teilweise aus Angst vor höheren Kosten, teilweise aus Angst vor neuen Marktteilnehmern), hat der weltweite Trend nun auch die Alpenrepublik erreicht. 1998 wurde ein Einspeisesystem beschlossen, bei dem die Netzbetreiber verpflichtet sind, den Windkraftanlagenbetreibern ihre Ökoenergie zu festen Mindesttarifen abzunehmen. So konnte im Jahr 2000 gleich die gesamte installierte Leistung beinahe verdoppelt werden. Nun sind in Österreich 86 MW installiert. Österreichs 125 Windkraftanlagen liefern nicht nur soviel sauberen Strom, wie die Hälfte aller burgenländischen Haushalte verbrauchen, sondern schaffen auch Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche. Mit den über 100 Beschäftigten, welche die Errichtung und Fundamentierung der Windräder bringt, wächst die Zahl der heimischen Windenergie-Arbeitsplätze auf über 600. Planungsbüros, Wartungsteams, und Zulieferer sind ständig dabei, ihre Mitarbeiterzahl weiter aufzustocken. Mittlerweile sind über 3500 Personen in ganz Österreich an Windprojekten finanziell beteiligt, allein in Niederösterreich sind es 2500.
Bestrebungen der Länder in diesem Frühjahr, den Ausbau der Windenergie zu bremsen, stießen auf Ablehnung und Unverständnis in der breiten Bevölkerung. Laut einer ISMA-Umfrage sind 76% aller Befragten gegen eine Begrenzung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, auch wenn dadurch mehr als 100 Schilling pro Jahr pro Haushalt (soviel kostet ein Anteil von 4% Wind-, Sonnen- und Biomassestrom durchschnittlich) aufgewendet werden müssen.

Abbildung 1: Montage der größten Windräder Österreichs. Zwei Anlagen mit 1,8 Megawatt liefern in Haindorf Strom für 2000 Haushalte
(Foto: Anna Rabacher)

Wider den klaren Willen der Bevölkerungsmehrheit und gegen die Vorgaben des Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetzes (ElWOG) begrenzen einige Länder dennoch das Einspeisetarifsystem. Besonders zu bedauern ist, dass gerade jene Länder, die über das beste Windenergiepotenzial verfügen, nur einen geringen Ausbau zulassen. In NÖ wird die Windenergie bei 3% bis zum Jahr 2007 begrenzt. Maximal 110 MW können zu den schon bestehenden 63 MW zusätzlich errichtet werden. Dagegen stehen Projekte mit 500 MW, die allein schon auf dem Gebiet der EVN geplant sind. Eine im niederösterreichischen Landes-ElWOG vorgesehene Verordnungsermächtigung, der zufolge der Landeshauptmann den Prozentanteil erhöhen kann, wenn dadurch nicht die Endverbraucher "unverhältnismäßig im Vergleich zu anderen Bundesländern mit Mehrkosten belastet werden", bietet nur einen mäßigen Ausweg. Auch im Burgenland sind Begrenzungen vorgesehen: 3% für Windenergie und 2% (+1% durch eventuelle Verordnung des Landeshauptmannes) für die restlichen Erneuerbaren. Damit können nur noch 12 MW im Burgenland errichtet werden.
Die Begrenzung der Abnahmepflicht erfolgt mit dem Argument, dass aufgrund des Fehlens eines bundesweiten Ausgleichs der durch die Abnahmepflicht entstehenden Mehrbelastungen die Verbraucher in den Ländern mit einem großen Windenergiepotenzial viel stärker belastet würden, wenn die Abnahmepflicht unbegrenzt festgelegt worden wäre. Der niederösterreichische, der burgenländische sowie der Wiener Landtag haben deshalb eine Resolution verabschiedet. Darin werden die jeweiligen Landesregierung aufgefordert, auf die Bundesregierung einzuwirken, eine Regelung zu erlassen, die sich am deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz, insbesondere an seinem bundesweiten Ausgleichsmechanismus, orientiert.

Ein Gulasch und zwei Seidel Bier

Tatsächlich ist es so, dass ein Anteil von beispielsweise 10% Windenergie am Elektrizitätsverbrauch von NÖ zu Mehrkosten von einem Gulasch und zwei Seidel Bier pro Person und pro Jahr führt. Für Gewerbe- und Industriebetriebe kann mit einem Mehraufwand wegen Ökostromes von meist unter einem, maximal jedoch mit 1,5 Promille des Umsatzes der Unternehmen gerechnet werden. Gleichzeitig wären aber mit einem Windstromanteil von 10% allein in Niederösterreich Investitionen von 7 Milliarden Schilling verbunden, 2.000 Jobs würden entstehen.
Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Dynamik der europaweiten Entwicklung die Landesregierungen nicht schon vor 2007 zu einer Beseitigung etwaiger Begrenzungen für Erneuerbare zwingt. Anfang 2002 wird eine Richtlinie zur Förderung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energiequellen in Kraft treten. Diese sieht vor, dass der Ökostromanteil am Gesamtelektrizitätsverbrauch der EU, der 1997 13,9% betrug, bis 2010 auf 22,1% ausgebaut werden soll. Dieses Ziel ist auf die einzelnen Mitgliedstaaten aufgeteilt, der Richtwert für Österreich für das Jahr 2010 beträgt 78,1% (gegenüber 70% im Jahr 1997).

Windmüller in den Startlöchern

Folgende Mindestvorgabe des ElWOG ist jedoch jedenfalls zu erfüllen: Netzbetreiber haben bis 2007 mindestens 4% ihrer Stromabgabe an Endverbraucher aus erneuerbaren Energien zu leisten. Es ist zu erwarten, dass mindestens 2% davon aus Windkraft erzeugt wird. Dazu werden Windkraftanlagen im Ausmaß von 600 MW österreichweit benötigt. Das bedeutet, dass noch an die 280 modernen Anlagen zu errichten sind. Ob das Ziel erreicht wird, wird aber wesentlich davon abhängen, ob es gelingt eine bundesweite Regelung nach Vorbild des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu etablieren. Eine spannende Herausforderung also für die österreichischen Windmüller und alle Windenergieliebhaber.

*) Mag. Hans Winkelmeier ist Obmann der IG Windkraft und Gesellschafter der Energiewerkstatt Friedburg. Mag. Stefan Hantsch ist Geschäftsfführer und Mag. Ursula Holzinger ist Juristin bei der IG Windkraft. This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , www.igwindkraft.at [^]

Top of page