Zeitschrift EE

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2001-01: Erneuerbare Energien in der Entwicklungszusammenarbeit

Information und Service

Ab Oktober 2001 kann jeder seinen Strom kaufen, wo er will. Von einer Liberalisierung des
Strommarktes sind wir aber noch weit entfernt, solange keine Kostenwahrheit in der Stromproduktion gegeben ist. Zumal jeder, der einen höheren Ökostrom-Preis bezahlt, damit eine billigere Strom-Durchleitungsgebühr finanziert.

Atomstrom - keiner will ihn, jeder zahlt ihn

Von Johann Punzenberger*

Mit dem Fall des Monopols in der Energiewirtschaft brechen neuen Zeiten an. Der Strom bekommt ein Mascherl und wird als Ökostrom hochpreisig angeboten. Kann man aber Ökostrom überhaupt als Produkt kaufen, obwohl sich der Strom aus der Steckdose, - egal ob Atom- oder Ökostrom -, durch nichts unterscheidet?. Tatsache ist, dass immer ein nicht bestimmbarer Strommix bezogen wird. Wie kann man unter solchen Bedingungen jemanden motivieren, mehr für Strom zu bezahlen? Die Bevölkerung ist doch nach den Versprechungen (?!) der Politik vorrangig an billigem Strom interessiert.
Wie sieht es mit der Kostenwahrheit aus? Die deutsche Bundesregierung hat im Zuge ihrer Erhebungen zum Ausstieg aus der Atomindustrie ermittelt, dass alleine die Kosten für die Versicherungsleistungen beim Atomstrom mindestens ATS 2,0 / kWh betragen müßten. In Anbetracht solcher Tatsachen stellt die sogenannte "Liberalisierung" des Strommarktes eine Farce dar. Zudem subventioniert jeder, welcher "Ökostrom" bezieht, mit seinem höheren Preis die Netznutzung für alle anderen. Der Netzbetreiber kann dadurch die Kosten für den verpflichtenden Ankauf von Ökostrom verringern (§34, Abs 3. ELWOG).
Als Antwort darauf haben wir von der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg die "Ökostrombörse" entwickelt. Folgende Ausgangssituation war dafür maßgebend:

  • Derzeit gibt es keine Infrastruktur für einen gemeinsamen Auftritt aller Ökostrom-Anbieter.
  • In der Bevölkerung sowie bei Betrieben ist eine Bereitschaft festzustellen, für Ökostrom einen höheren Beitrag zu zahlen.
  • Eine ökologische Stromversorgung kann nicht ohne Reduktion des Energieverbrauches erreicht werden.

Was sind die Grundgedanken des Modells:

Über einen einheitlichen Beitrag (Aufzahlung von ATS 1,0 / kWh zum vorhandenen Strompreis) soll eine bessere Finanzierung von Ökostromanlagen ermöglicht werden. Zur Festlegung der Beitragshöhe wird der individuelle Stromverbrauch herangezogen. Durch einen gleitenden Einstieg soll dabei jedem die Möglichkeit gegeben werden, einen Beitrag zur Ökologisierung des Energiesystems zu leisten.
Nun sind aber die Landesregierungen laut ELWOG verpflichtet, Mindestpreise für Ökostrom festzulegen, die sich an den durchschnittlichen Erzeugungskosten orientieren. Ist dann überhaupt noch ein höherer Preis zu rechtfertigen?. Unserer Meinung nach nur dann, wenn für Ökostrom wie bei Klein - Wasserkraft ebenfalls sogenannte Ursprungszertifikate eingesetzt werden. Die Ökostrombörse stellt für das "Handling der Zertifikate" das erforderliche Netzwerk zur Verfügung. Weiteres wird noch folgender Zusatznutzen erwirkt:

  • Sicherstellung eines Dachmarketings für Ökostrom
  • Impuls für den Ausbau der dezentralen Ökostrom-Erzeugung
  • Individuelle Einstiegshöhe sowie direkte Lenkung des Geldflusses
  • Unterstützung nur von neuen bzw. maximal 3 Jahre alten Ökostrom-Anlagen

Die entsprechenden Informationen sind unter www.oekostromboerse.at zu erhalten. Gerne schicken wir auch eine Kurzbeschreibung des "Ökostrom-Modells" zu.
Bis zum "Aktionstag Sonne" im Juni 2001 soll die Abwicklung übers Internet fertiggestellt sein. Dann soll jeder den Geldfluss zu "seinem Ökostrom-Produzenten" nachvollziehen können.

Kontakt:
A - 6800 Feldkirch, Leusbündtweg 49 a
Tel: +43 (0) 55 22 - 34 21 34 - 10, bzw. 11 (Mo-Do. vorm.)
Fax: +43 (0) 55 22 - 34 21 34 - 19
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*) Dipl.-Ing. Johann Punzenberger ist Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE Vorarlberg [^]

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