Zeitschrift EE

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2010-01

Nachhaltige Gebäude

Abbildung 1: Beispiel einer Lüftungsanlage am Dach

Gesunde, frische Luft in Innenräumen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Die Realität sieht heute leider oft immer noch anders aus. Um den Einsatz von zentralen bzw. semizentralen Wohnraumlüftungsanlagen im Mehrfamilienhausbereich sowohl im Neubau als auch in der Sanierung voranzutreiben soll ein entsprechender Kriterienkatalog als Hilfsmittel für das planende und ausführende Gewerbe erstellt werden.

Evaluierung der Lüftungssysteme im Mehrfamilienwohnbau

Von Karl Höfler, Waldemar Wagner, Roland Kapferer, Andreas Greml, Wolfgang Leitzinger, Jürgen Suschek-Berger *

Einleitung

Wohnraumlüftungen bzw. Komfortlüftungen sind insbesondere im Mehrfamilienhausbereich noch keine Standardausrüstung. Wohnraumlüftungen im Mehrfamilienhaus (MFH) werden durch die Dynamik der Grenzwerte der OIB Richtlinie 6 (Verschärfung 2010), bzw. die verschärften Wohnbauförderungsbestimmungen, die in einer §15A-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern vereinbart wurden, jedoch vermehrt zum Standard werden. Sie sind nötig, um die geforderten Kennwerte für Neubauten und umfassende Sanierungen zu erreichen.
Rechtsgutachten in Deutschland sprechen außerdem bereits von „erhebliche rechtliche Risiken“ wenn bei Neubau oder Sanierung auf eine Lüftungsanlage verzichten wird, da „… schon heute in Zweifel gezogen werden kann, ob die Sicherstellung des notwendigen Luftaustausches nur über Fensterlüftung noch den Regeln der Technik entspricht.“ (siehe Rechtsgutachten RA Dietmar Lampe – www.wohnungslueftung-ev.de).
Insbesondere aus Kosten- und Wartungsgründen hat sich in den letzten Jahren bei den Lüftungsanlagen im Mehrfamilienhausbereich der Anteil von zentralen bzw. semizentralen Lösungen deutlich erhöht. Die bisherige Untersuchung zum Thema Wohnraumlüftung „Technischer Status von Wohnraumlüftungen in Österreich“ beschränkte sich auf Einfamilienhäuser bzw. dezentrale, wohnungsweise Lösungen. Die in diesem Projekt entwickelten 55 Qualitätskriterien sind in erster Linie auf den Einfamilienhausbereich bzw. auf wohnungsweise Lösungen im Mehrfamilienwohnhaus ausgerichtet. Diese und weitere Hilfsmittel für das planende und ausführende Gewerbe stehen derzeit für zentrale bzw. semizentrale Komfortlüftungen nicht zur Verfügung. Daher war es notwendig auch für den Mehrfamilienhausbereich neue Kriterien zu definieren.

Zielsetzungen des Projektes

Die Evaluierung von zentralen bzw. semizentralen Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung (Komfortlüftungen) und die Erarbeitung von Qualitätskriterien bzw. eines Planungsleitfadens für zentrale bzw. semizentralen Anlagen ist Inhalt dieses Projektes.
Dazu werden 14 Anlagen in Österreich hinsichtlich Nutzerzufriedenheit, technischer Qualität und Betriebserfahrungen evaluiert. Aufbauend auf den Erfahrungen dieser Evaluierung werden die bestehenden Qualitätskriterien für dezentrale Anlagen, bzw. Anlagen im Einfamilienhaus auf zentrale bzw. semizentrale Anlagen im Mehrfamilienhaus adaptiert und gute bzw. weniger gute Lösungen dargestellt (inkl. Sanierungsbereich).

Abbildung 2: Beispiel MFH Mühlweg

Ziel ist es bis Mitte 2010 den Bauträgern bzw. dem planenden und ausführenden Gewerbe aktuelle Qualitätskriterien bzw. einen Planungsleitfaden für die Umsetzung von zentralen und semizentralen Wohnraumlüftungen für Sanierung und Neubau bereitzustellen, um die Qualität und damit auch die Akzeptanz von Komfortlüftungen weiter zu steigern.
Die 60 Qualitätskriterien sind als „Entwurf“ schon fertig und wurden an den bisher evaluierten Objekten getestet. Sie sind auf der Homepage www.komfortlüftung.at im Bereich MFH allgemein zugänglich. Die eingegangen Rückmeldungen dazu sind sehr erfreulich und die Anregungen der Planer etc. können für die Endversion gut genutzt werden.

Planungsleitfaden und Qualitätskriterien

In diesen Leitfaden werden alle Systeme, d. h. zentrale, semizentrale und dezentrale Anlagen für die Realisierung einer Komfortlüftung in Mehrfamilienhäusern einbezogen. Unter „Mehrfamilienhäuser“ werden hier Gebäude verstanden, die mehr als eine Wohneinheit beinhalten. Darunter sind sowohl klassische Reihenhäuser und kleinvolumige Wohnhausanlagen, als auch großvolumigen Geschoßwohnbauten zu verstehen.

Abbildung 3: Evaluierung der Lüftungsanlagen Vorort

Dieser Planungsleitfaden dient als ergänzende Hilfestellung für die qualitätsorientierte Planung von Komfortlüftungen. Zielgruppe sind nicht nur die mit der Planung von Komfortlüftungen betrauten FachplanerInnen, sondern vielmehr auch ArchitektInnen und BaumeisterInnen, die bereits in der Entwurfsphase durch Berücksichtigung der Anforderungen dieser Technologie die erforderlichen baulichen Voraussetzungen schaffen können.
Der Planungsleitfaden wird in vier Bereiche unterteilt sein:

  • Checkliste für die Basisdatenerhebung
  • Entscheidungshilfen
  • Empfehlungen
  • 61 Qualitätskriterien

Zusammenfassung

Der erarbeitete Planungsleitfaden und die definierten 60 Qualitätskriterien werden ein wichtiges Instrument für Planer und Ausführende in der Qualitätssicherung sein. Die Evaluierung der 14 Mehrfamilienwohnhäuser bildete die wichtige Basis für die Erarbeitung der Kriterien. Um weitere zusätzliche Informationen zu erlangen werden alle Bauträger gebeten, die Liste der Mehrfamilienhäuser mit Wohnraumlüftungen (zentral, semizentral und dezentral) auf www.komfortlüftung.at im Bereich MFH zu ergänzen - bzw. uns rückzumelden wenn ihr Objekt noch nicht erfasst ist.

Projektverantwortlich:

  • Energie Tirol

Projektpartner- bzw. Kooperationspartner:

  • arsenal research
  • TB Dipl.-Ing. Andreas Greml
  • AEE-INTEC
  • IFZ-Graz

*) Dipl. Ing. Dr. Karl Höfler ist Leiter der Abteilung für Nachhaltige Gebäude bei der AEE INTEC, Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Ing. Waldemar Wagner ist Leiter der Abteilung für Messtechnik der AEE INTEC, Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Dipl. Ing. Roland Kapferer ist Projektverantwortlicher und Mitarbeiter der Energie-Tirol, Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Dipl. Ing. Andreas Greml ist Geschäftsführer , Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Ing. Wolfgang Leitzinger ist Mitarbeiter der Arsenal Research, Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. , Mag. Jürgen Suschek-Berger ist Stellvertretender Leiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter des IFZ, Email: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. [^]

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