Photovoltaik
Betriebsergebnisse und Projekte
"Gott sei Dank" oder "Energiekosten sei Dank" oder vielleicht
sogar "Vernunft sei Dank" sehen sich Planer und Architekten immer
häufiger mit dem Wunsch eines Bauherren konfrontiert, Besitzer einer Solaranlage
werden zu wollen. Allzu oft aber wird diese Tatsache noch immer vielmehr als
planerische Einschränkung denn als architektonische Herausforderung angesehen.
Fassadenintegrierte PV-Anlagen: Der architektonische Anspruch
Über den Sinn und die Bedeutung von Solaranlagen im Allgemeinen und PV Anlagen im Speziellen soll an dieser Stelle nicht mehr eingegangen werden. Vielmehr soll ein weiterer wichtiger Schritt getan werden - ein Schritt, der die Frage aufwirft: Rechtfertigt die Nutzung der Sonnenenergie und die damit verbundene Montage von Kollektorflächen jedes willkürliche Erscheinungsbild eines Gebäudes oder Bauwerkes?
Abbildung 1: Die beste Ausrichtung rechtfertigt jedes Erscheinungsbild (?)
Besonders bei bestehenden Gebäuden stellt das Anbringen oder Integrieren
von Solaranlagen eine große Herausforderung an die Planer dar. Oft werden
solche Anlagen "nur von reinen E-planern" konzipiert, geplant und
ausgeführt, was nicht selten zur Folge hat, dass ausschließlich der
reinen Funktionalität (und somit der Ausrichtung des Kollektors) Rechnung
getragen wird und einer optisch ansprechenden Lösung kein, oder zu wenig
Augenmerk geschenkt wird. Gerade hier wäre der Rat eines Gesamtplaners
häufig von fundamentaler Bedeutung.
Zu glauben, die angesprochene Problematik müsste bei Neubauten eine wesentlich
geringere sein, wird durch zahlreiche - jüngst ausgeführte - Beispiele
eindrucksvoll widerlegt. An dieser Stelle wird von allen, an der Errichtung
einer Solaranlage Beteiligten (ob Solarthermie oder Photovoltaik), ein Umdenkprozess
gefordert: Solarpaneele sind nicht farbige Glasplatten, die möglichst viel
Sonnenstrahlen abbekommen sollen und nach Möglichkeit unsichtbar zu installieren
sind, sondern vielmehr handelt es sich dabei um einen hochwertigen Baustoff
für Fassade und Dach und somit um ein neues Gestaltungselement und wird
dadurch zur architektonischen Herausforderung!
Es sind Lösungen gefordert - und auch möglich, die diese Technologie
nicht als "notwendiges Muss" erscheinen lassen, sondern ein Gebäude
optisch positiv prägen und von diesem selbstbewusst zur Schau getragen
werden.
Abbildung 2: Neubau, Fassadenintegration einer Photovoltaik Anlage
Nur mit dieser (geänderten) Einstellung der Planer zur Solaranlage wird
ein Ergebnis möglich, das dem Betrachter des fertigen Produktes das Gefühl
der Selbstverständlichkeit vermitteln kann. Diese Einstellung muss ein
Projekt begleiten und zwar ab dem ersten Entwurfsgedanken. Der Vorgabe "Solaranlage"
haben sich die anderen Entwurfskomponenten unterzuordnen. Dies ist Grundvoraussetzung
für ein architektonisch befriedigendes Ergebnis und rechtfertigt - neben
dem energie - und umwelttechnischen - auch den optisch - visuellen Einsatz dieser
Technologie.
Eine zusätzliche Dimension erhält dieser Gedanke speziell bei fassadenintegrierten
Anlagen - d.h. noch mehr Komponenten sind bereits im Entwurfsstadium zu berücksichtigen.
Was auf der einen Seite zusätzliche gestalterische Parameter und somit
planerische Herausforderung darstellt, ist auf der anderen Seite ein nicht zu
unterschätzender wirtschaftlicher Vorteil.
Mindestens zwei offensichtliche Gründe sprechen aus ökonomischer Sicht
für eine "Hüllenlösung". Zum Ersten entfallen im Bereich
der PV-Anlage die Kosten für die Dach- bzw. Wandbeplankung und zum Zweiten
kann auf (teilweise sehr kostenintensive) Aufständerungen und Befestigungsmechanismen
verzichtet werden. Für beide Varianten gilt aber gleichermaßen die
Tatsache, dass aus ökonomischen Gründen auf den Einsatz von Kollektoren
mit Sondermaßen verzichtet und auf Standartmaße der angebotenen
Produkte zurückgegriffen werden sollte. Dies setzt wiederum voraus, sich
bereits im Vorfeld der Planung mit den Dimensionen der geplanten PV Anlage und
den infragekommenden Produkten auseinanderzusetzen.
Solaranlagen haben längst den Wandel vom rein technischen Energieerzeuger
zum optisch gestalterischen Element vollzogen. Allen an der Projektierung, Planung
und Ausführung beteiligten Personen sollte klar sein, dass jeder Einzelne
mit Verantwortung trägt, dieser Technologie die notwendige breite Akzeptanz
in der Bevölkerung zu verschaffen.
Sonnenpark in Dornbirn
Der Sonnenpark in Dornbirn ist ein Wohn, Büro und -geschäftshaus
in zentraler Lage mit klaren Vorgaben an das Energiekonzept (PV-Anlage, Heizung
mittels erneuerbarer Energie, Dämmung), an die Raumstruktur (alle Räume
natürlich belichtet und belüftet), an das äußere Erscheinungsbild
(positives Echo und Akzeptanz der breiten Bevölkerung) und an die Kostenstruktur
(möglichst große Synergieeffekte der PV-Anlage) seitens der Bauherrschaft.
Durch die Vorgaben des Raumprogramms - überwiegend Büro- und Geschäftsflächen
- war die Frage nach der Positionierung der PV-Anlage schnell beantwortet. Da
diese Räumlichkeiten keinen direkten Lichteinfall von Süden benötigen,
wurde eine 135 m² große Solarwand (197 PV-Paneele mit Standartmaß,
18,08 kWp) dem gesamten Gebäudekomplex südseitig vorgestellt. Unterbrochen
wird diese hinterlüftete Paneelwand lediglich durch zwei Fensteröffnungen
im Bereich des Penthouses.
Dadurch entsteht der positive Nebeneffekt der völligen Südbeschattung:
Das Gebäude kommt trotz Büronutzung ohne jegliche klimatische Anlage
aus, was sich wiederum positiv auf die Kostenstruktur des Gebäudes auswirkt.
Noch gewichtiger stellt sich die Einsparung bei der Fassade dar. Unter dem Gesichtspunkt,
dass ein Büro und -geschäftshaus in zentraler Lage auf jeden Fall
eine hochwertige und somit auch hochpreisige Fassade erhält, können
hier mehr als ein Drittel der Kosten der PV-Paneele gegengerechnet werden. Der
Vorgabe betreffend erneuerbaren Heizmaterialien wurde mittels einer Pelletsheizung
Rechnung getragen.
Abbildung 3: Der Sonnenpark in Dornbirn, Planung: Arch. Büro MHM - Dornbirn, DI Arch. Michael Heim, DI Arch. Herbert Müller, Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Solarpreis 1999. 18,08 kWp aus 197 PV-Paneelen, Großzügige Öffnungen an der West- und Ostseite des Gebäudes zur Belichtung der Büroräume.
Büro- und Produktionsgebäude, Energiepark West in Satteins
Resultierend aus einer klaren Vorgabe der Bauherrschaft betreffend Baukosten
und deren Einhaltung sowie der Forderung sowohl nach einer PV-Anlage als auch
einer thermischen Solaranlage konnte die Lösung nur in einer Gebäudehülle
integrierten Solaranlage liegen. Das Ergebnis ist eine 220 m² große
Energiefassade die genau nach Süden ausgerichtet ist. Zwei Drittel dieser
Fläche entfallen dabei auf die PV-Anlage (Jahresleistung 17,16 kWp - Jahresüberschuss
von 3,1 kWh) das restliche Drittel ist mit einer Thermischen Anlage versehen
(10,17 kWh für Warmwasserbereitung und teilsolare Raumheizung).
Abbildung 4: Der Energiepark West in Satteins, Planung: Arch.büro MHM - Dornbirn, DI Arch. Michael Heim, DI Arch. Herbert Müller, Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Solarpreis und dem Eurosolarpreis 2000. Energiefassade mit 220 m² Solarpaneele - 17,16 kWp bzw. 10,17 kWh
Für den Fall, dass bei längeren Schlechtwetter- oder Kälteperioden
der thermische Ertrag der Solarfassade nicht ausreicht, sind zwei biodieselbetriebene
Blockheizkraftwerke (je 10,2 kW) installiert und somit die Forderung der Bauherrschaft
- 100% der benötigten Energie aus CO2 neutralen Energiequellen zu beziehen
- vollends erfüllt.
*) Dipl.-Ing. Arch. Michael Heim hat seit 1990 ein eigenes Architektenbüro in Dornbirn - seit 1993 eine Bürogemeinschaft mit Dipl.-Ing. Arch. Herbert Müller [^]