Photovoltaik
Betriebsergebnisse und Projekte
Neue Wege beschreitet die Straßen- und Finanzierungsgesellschaft ASFINAG
in Zusammenarbeit mit dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung auf
der A2 im Abschnitt Gleisdorf Süd bis Gleisdorf West. Aufgrund der zunehmenden
Verkehrsbelastung und der damit verbundenen Lärmentwicklung war ein Handlungsbedarf
im Abschnitt Gleisdorf gegeben. Die Idee war, nicht einfach eine Lärmschutzwand
zu erhöhen, sondern diese auch sinnvoll zu nutzen.
Nicht nur eine einfache Lärmschutzwand! PV-Anlage an der A2
Neue Wege beschreitet die Straßen- und Finanzierungsgesellschaft ASFINAG
in Zusammenarbeit mit dem Amt der Steiermärkischen Landesregierung auf
der A2 im Abschnitt Gleisdorf Süd bis Gleisdorf West. Aufgrund der zunehmenden
Verkehrsbelastung und der damit verbundenen Lärmentwicklung war ein Handlungsbedarf
im Abschnitt Gleisdorf gegeben. Die Idee war, nicht einfach eine Lärmschutzwand
zu erhöhen, sondern diese auch sinnvoll zu nutzen.
Die Idee der Energiegewinnung durch Nutzung der Fundamente und Konstruktion
einer Lärmschutzwand ist zwar nicht neu, dafür aber das Gesamtkonzept,
das hier erstmals angewandt wird. Erstmals in Österreich wird eine Verkehrsregelung
verwirklicht, die direkt von einer Lärmmessung abgeleitet wird. Auf einer
Gesamtlänge von etwa 1.300 m wird die notwendige Lärmschutzwanderhöhung
mittels Solarzellen durchgeführt. Die Kosten für den Solargenerator
betragen etwa ÖS 12,0 Mio.
Zwei wesentliche Vorteile befürworteten diese Kombination: zunächst
erfolgt durch die Erhöhung der Lärmschutzwand eine Reduzierung der
Lärmbelastung für die Anrainer. Der andere Vorteil ist, dass durch
Einsparung von Fundamenten und Konstruktionsteilen eine wesentliche Kostenreduktion
für die umweltfreundliche Energieerzeugung mittels eines Solargenerators
erreicht wird. Die Förderung von Solarstrom und die Nutzung von vorhandenen
Infrastrukturen entlang von Autobahnen machen die Solarstromerzeugung rentabel.
Abbildung 1: Geplante PV-Lärmschutzwand entlang der A2 im Abschnitt Gleisdorf Süd bis Gleisdorf West. Auf einer Länge von 1,3 Autobahnkilometer liefern 1.600 m² Solarzellen eine Spitzenleistung von 100 kW
Pro Jahr sollen mindestens 85.000 kWh erzeugt und ins öffentliche Netz
gespeist werden. Aufgrund der Nähe zur Fahrbahn sind jedoch bei der Errichtung
von Solargeneratoren einige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. So besteht durch
die Unfallgefahr und die damit verbundene Beschädigung oder Zerstörung
der Lärmschutzwand bzw. Solarmodule und der Stromleitungen eine höhere
Gefahr von Fehlerströmen, die Personen schädigen können. Es mussten
daher neue sicherheitstechnische Überlegungen angestellt werden, um ein
zuverlässiges Abschalten der Solargeneratoren unmittelbar bei der Solarzelle
zu gewährleisten.
Von großem Interesse ist auch für den Straßenerhalter, wie
sich die verwendeten Materialien in Straßennähe verhalten, bzw. ob
es zu einer Verkürzung der Lebensdauer der Anlage durch Korrosion kommt,
die durch Salzstreuung und erhöhte Schadstoffkonzentration direkt an der
Autobahn verstärkt werden kann.
Zum Unterschied von bereits errichteten Anlagen entlang von Autobahnen wird
hier erstmals in Österreich die Lärmschutzwand nicht nur als Unterkonstruktion
für den Solargenerator verwendet, sondern dieser auch in die Lärmschutzwand
als Lärmschutzelement eingebunden. 2/3 des gesamten Solargenerators wird
mit Dünnschichtmodulen des Typs Millennia MST-43 MV angebunden und 1/3
mit polykristallinen Solarzellen des Typs Photowatt PW 1000 bestückt. Der
Solargenerator hat eine Nennleistung von 101 kWp und einen geschätzten
Ertrag von 86.000 kWh wobei der garantierte Wert über drei Jahre mindestens
85.000 kWh pro Jahr beträgt. Der Solargenerator wird in modularer Ausführung
in der Standardgröße eines Lärmschutzwandelementes von ca.
8 m hergestellt. Jeweils 6 Module werden in einem vorgefertigten Rahmen aus
Edelstahl montiert und verdrahtet und auf der vorbereiteten Unterkonstruktion
der Lärmschutzwand montiert. Dadurch werden die Montagezeit und die damit
verbundenen Verkehrsbehinderungen auf ein Minimum reduziert. Bei der Errichtung
der Rahmenkonstruktion bzw. der Unterkonstruktionen ist auf die lärmdichte
Ausführung besonderes Augenmerk gelegt worden. Die Module werden in einem
Winkel von 60° montiert, was das Optimum zwischen Lärmreduktion und
Energieertrag sowie der Selbstreinigung der Module darstellt. Um die erforderliche
Spannung von 219 Volt zu erreichen, werden jeweils 3 Solarmodule in Serie geschaltet.
Zum einen will man dadurch die Berührungsspannung möglichst niedrig
halten, und zum anderen haben Teilabschattungen auf der Anlage einen geringeren
Einfluss. In das Schutzmaßnahmenkonzept gehört auch, dass alle Metallteile
der Konstruktion und Rahmen der Lärmschutzwand mit einander verbunden
werden und geerdet werden. Die Überspannungsableiter im Bereich der Solargeneratoren
werden mit dem Potentialausgleich verbunden. Außerdem werden der Gleichstromkreis
auf Fehlerströme gegenüber Erde überwacht. Auftretende Fehlerströme
schalten direkt am Modul den Stromkreis allpolig ab.
Die miteinander verbundenen und geerdeten Konstruktionsteile der Lärmschutzwand
haben außerdem den Vorteil, dass sie Ströme, die durch atmosphärische
Entladungen auftreten, gefahrlos abgeleitet werden können. Bezogen auf
das Erdpotential wird der Generator schwebend betrieben. Die Verdrahtung von
Solarmodulen bis zum Wechselrichter wird gemäß ÖNORM erd- und
kurzschlussfest ausgeführt. Die Leitungsführung des Positiv- und Negativpols
werden in getrennten Leitungssystemen geführt, um bei einem Verkehrunfall
das Gefahrenpotential zu minimieren.
Für die Netzkopplung werden Wechselrichter der Marke Sunnyboy 2000 eingesetzt.
Das Konzept der Kleinwechselrichtertechnologie ist ein konsequentes Fortführen
der modularen Bauweise der Lärmschutzwand und reduziert Verluste auf der
Gleichstromseite durch die Begrenzung des Einflusses von Verschattungen.
Sämtliche relevanten Daten der PV-Anlage werden erfasst und in einer Zentrale
ausgewertet und weiterverarbeitet. Die erfassten Daten werden dann über
ISDN-Leitungen übertragen und ausgewertet. Wobei der Zustand der Anlage
jederzeit ersichtlich ist und Störungen sofort erkannt werden. Der Wechselrichter
ist mit einer AC und DC-sensitiven Differenzstromüberwachung nach DIN-VTE
0126 ausgestattet, die den Solargenerator im Fehlerfall allpolig vom Netz trennt,
und zwar so, dass die Gleichstromkabel zum Wechselrichter vom Modul weg freigeschaltet
werden. Weiters ist auch eine Isolationsüberwachung, die vor jeder Netzaufschaltung
aktiviert wird, integriert. Jeder Wechselrichter hat eine integrierte Netzüberwachung
mit jeweils zugehörigem Schaltorgan und überwacht ständig die
relevanten Netzgrößen, wie Spannung, Frequenz und Impedanz. Sämtliche
Wechselrichter werden in eigenen Freifeldverteilern montiert und speisen die
Energie über ein erdverlegtes Kabel in das Niederspannungsnetz der Feistritzwerke
der Stadt Gleisdorf Ges.m.b.H. Die Einbindung erfolgt in der Trafostation Mühlgasse.
Mittels einer gesonderten Messeinrichtung werden Witterungsverhältnisse
und Sonneneinstrahlung erfasst, in der Zentrale ausgewertet, mit den Energiedaten
des Solargenerators verglichen und der Wirkungsgrad der Anlage ermittelt.
Über eine Langzeitstudie soll ermittelt werden, wie der Wirkungsgrad der
Anlage sich verändert und wieweit Witterungseinflüsse und die Einflüsse
des Verkehrs die Nenndaten der Solarzellen verändern. Bewährt sich
diese Art von Lärmschutzwänden, so könnte durch umweltfreundliche
Energiegewinnung ein Teil der Kosten für Lärmschutzmaßnahmen
eingespart werden und durch die umweltfreundliche Energiegewinnung ein wesentlicher
Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.
*) Ing. Anton Waltl zuständig für elektrotechnische und sicherheitstechnische Einrichtungen in der Fachabteilung 2a, ASFINAG Graz. [^]