Photovoltaik
Betriebsergebnisse und Projekte
Derzeit wird Energie im Überfluss und billig auf dem Markt angeboten, entsprechend
verschwenderisch wird damit auch umgegangen. Auch für die Zukunft sei vorgesorgt,
denn, so stellen Energieexperten fest, die Energievorräte in Form von Erdöl,
Erdgas, Kohle und Atomkraft decken den Bedarf noch weit ins nächste Jahrtausend.
Sonnenstrom für Steirische Landesausstellung
Völlig übersehen wird bei derartigen Prognosen die ungeheure Problematik,
die durch die weitere ungebremste Nutzung von fossilen Energieträgern (Erdöl,
Erdgas und Kohle) und dem damit verbundenen CO2-Ausstoß entsteht. Die
Anreicherung treibhauswirksamer Gase in der Atmosphäre und die damit verbundene
globale Erwärmung und Klimaveränderung ist eine der großen ökologischen
Gefährdungen unserer Zeit. Hinzu kommt, dass in den Industrieländern
mit einem Anteil von nur 1/4 an der Weltbevölkerung 80% der fossilen Weltenergievorräte
verbraucht werden, während 3/4 der Weltbevölkerung sich mit 20 % begnügen
müssen.
Ein vorsorgender, effektiver Klimaschutz erfordert, nach Meinung vieler Experten,
in den nächsten 50 bis 100 Jahren mindestens eine Halbierung der weltweiten
Treibhausgasemissionen. Ende 1997 wurde bei der Klimakonferenz im japanischen
Kyoto von den Industrieländern eine Reduktion der Treibhausgase im Zeitraum
bis 2010 zwischen 5 und 8 Prozent gegenüber 1990 beschlossen. Österreich
hat sich verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2005 um 20% zu
reduzieren und diese Absicht im Energiebericht der Bundesregierung festgeschrieben.
Im EU-Weißbuch "Eine Energiepolitik für die Europäische
Union", das 1998 von der Europäischen Kommission veröffentlicht
wurde, wird ein weiteres Ansteigen des Energiebedarfs von jährlich ca.
1% vorhergesagt. Die Energieabhängigkeit der EU könnte sich von derzeit
50% auf 70% im Jahr 2020 erhöhen. Als EU-Gesamtziel wurde daher eine Verdoppelung
der erneuerbaren Energieträger bis zum Jahr 2010 festgeschrieben. Als eine
der Maßnahmen wird im EU-Weißbuch der Bau von 500.000 PV-Anlagen
innerhalb der EU-Länder vorgeschlagen.
Umgerechnet auf die Steiermark würde das eine installierte Gesamtleistung
von 9000 kW bedeuten.
In Gleisdorf und Weiz wird noch bis Ende Oktober die Steirische Landesausstellung
2001 zum Thema Energie abgehalten. Schwerpunkt ist unter anderem das Aufzeigen
umweltschonender und dezentraler Energiebereitstellungstechnologien für
das beginnende 21. Jahrhundert. Die Stadtgemeinde Weiz hat sich in diesem Zusammenhang
bei ihrem Ausstellungsgebäude für den Bau einer Photovoltaikanlage
entschieden.
Photovoltaik-Sonnensegel
Das Architektenteam DI. Irmgard und DI. Peter Mutewsky hat für die Photovotaikanlage
am Landesausstellungsgebäude, das in Zukunft die Musikschule beherbergen
wird, eine Stahlkonstruktion über den Eingangsbereich in der Form eines
auf dem Kopf gestellten Dreieckes, die Photovoltaikanlage Sonnensegel Weiz,
entworfen. Die Montage der Solarmodule wurde auf der mit 35° zur Horizontalen
geneigten Stahlkonstruktion derart ausgeführt, dass diese zugleich eine
wasserabführende Ebene bilden. Die Unterkonstruktion besteht aus einer
Formrohrkonstruktion, die auf I-Trägern aufliegt. Die Längsseite der
Dreieckkonstruktion weist eine Länge von ca. 17 Meter bei einer Höhe
von 9,1 Meter über Grund auf. Die Verschaltung der Solarmodule erfolgt
zum Großteil innerhalb der Formrohrkonstruktion.
Der Generator besteht aus 68 Doppelglasmodulen mit multikristallinen Solarzellen
zu je 90 Wp. Die transparente Ausführung der Modulrückseite ermöglicht
einerseits das Erkennen der einzelnen Solarzellen und bewirkt bei Sonnenschein
äußerst schöne Lichteffekte. Gleichzeitig sind für jede
Modulreihe, zur Ausgestaltung der Dreiecksform, entsprechende Verglasungen mit
Zellennachbildungen eingesetzt.
Die drei Wechselrichter sind in einem Verteilerkasten direkt unter dem Sonnensegel
unter-gebracht. Von dort erfolgt die ca. 60 Meter lange Verkabelung zum Zählerkasten,
wo die Anlage über einen Einspeisezähler an das öffentliche Netz
angeschlossen ist. Um die Funk-tion der Photovoltaikanlage transparenter machen
zu können wurde im Eingangsbereich der Musikschule sowohl eine Ertragsanzeige
installiert, als auch ein in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung sich
unterschiedlich schnell drehender Motor mit Laufrad aufgebaut.
Die Investitionen für das Sonnensegel inkl. der aufwendigen Verglasungen
für die Drei-ecksform sowie die Ertragsanzeige beliefen sich auf insgesamt
ATS 710.000,- (€ 51.600,-). Förderzusagen konnten bis zum jetzigen
Zeitpunkt keine erreicht werden, da die steirische Landesregierung im Umweltfond
für Photovoltaikanlagen keine Mittel vorgesehen hat. Die Stadtgemeinde
Weiz kann bei der Photovoltaikanlage Sonnensegel Weiz einen jährlichen
Ertrag von ca. 4.900 kWh erwarten. Bei der derzeitigen steirischen Einspeiseregelung
von ATS 5,00 pro kWh (€ 0,363) excl. Ust. ist das ein Betrag von ATS 24.500,-
(€ 1.780,-) im Jahr.
| Entwurf | Arch. DI. Irmgard und DI Peter Mutewsky, Weiz |
| Stahlbau | Firma Pachler, St. Margarethen/Raab |
| PV-Ausschreibung und Bauaufsicht |
AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE |
| Ausführende Firma | Feistritzwerke der Stadt Gleisdorf GmbH |
| Module; Importeur | ASE-100-DG-UR-90 W, D; Fa. Alpensolar Ganditsch, Steyr |
| Wechselrichter | SUNRISE, Fa. Fronius GmbH, Wels-Thalheim |
Tabelle 1: Photovoltaikanlage Sonnensegel Weiz, Projektpartner und beteiligte Unternehmen
*) Ing. Ewald Selvicka ist Geschäftsführer der AEEIntec u. a. zuständig für den Bereich Elektrotechnik im Technischen Büro der AEE GmbH [^]