Photovoltaik
Betriebsergebnisse und Projekte
Die österreichische Elektrizitätswirtschaft hat wie kein anderer Wirtschaftszweig
zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der erneuerbaren Energieträger beigetragen.
Mit einem Wasser-kraftanteil von 70% liegt unser Land bei der Stromaufbringung
an 1. Stelle der 15 EU-Staaten. Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte wurden
mit erheblichem Finanzaufwand errichtet und betrieben (Photovoltaik-Pilotanlagen,
PV-Breitentest, Biomasse-Mitverbrennung, Windkraft-Kooperationen etc.). Die
Energieforschungsgemeinschaft im Ver-band der Elektrizitätswerke, die Forschungsinitiative
des Verbund, aber auch einzelne Ener-gieversorgungsunternehmen haben sich intensiv
mit der Weiterentwicklung neuer Technolo-gien befasst. Zahlreiche Förderprogramme
auf Bundesebene und Landesebene unterstützen die Errichtung von Anlagen
zur Nutzung erneuerbarer Energieträger.
Betriebsergebnisse von PV-Anlagen mit Netzkopplung in Oberösterreich
Drei Triebfedern gibt es momentan, die den Einsatz der erneuerbaren Energien
unterstützen. Erstens die Klimapolitik: Österreich hat der EU vertraglich
zugesichert, die relevanten Treib-hausgase bis 2008/2012 um 13% zu reduzieren
(EU-Ziel: - 8%). Zweitens das EU-Weißbuch: Der Anteil der Erneuerbaren
am Primärenergieeinsatz soll bis 2010 um 6% auf 12% erhöht werden
(Österreich liegt jetzt bei 24%). Drittens das ELWOG: Das neue österrei-chische
Elektrizitätswirtschaftsgesetz schreibt den EVU vor, bis 2007 den Anteil
der Stro-merzeugung bzw. des Strombezugs aus neuen Erneuerbaren auf 4% zu erhöhen
(PV, Wind, Bio, ohne Wasserkraft).
Die Umsetzung der EU-Richtlinie für den Elektrizitätsbinnenmarkt brachte
die schrittweise Liberalisierung des Strommarktes in unserem Land. Ab dem 1.
Oktober 2001 werden alle Kunden Zugang zum freien Strommarkt haben.
Die neuen Spielregeln erfordern auch eine Neuausrichtung der Förderprogramme.
Der Wett-bewerb unter den Erneuerbaren muss angeregt werden. Bei knapper Ausstattung
der För-dertöpfe sollten speziell die effizientesten Projekte unterstützt
werden. Dieses Prinzip wird auf Bundesebene am Sektor Windenergie bereits seit
Jahren von der ÖKK praktiziert (Öster-reichische Kommunalkredit AG,
wickelt die Förderaktionen des Umweltministeriums ab). Auch die neuen Förderregeln
in Oberösterreich sind ähnlich strukturiert (OÖ Einspeisever-ordnung
von September 1999, Öko-Energiepool Oberösterreich).
Mit dem Breitentest und der bisherigen Landesförderung, die in Oberösterreich
seit 1991 Photovoltaikanlagen mit bis zu 50% der Investitionskosten unterstützt
hat, entstanden bis Ende 2000 330 netzgekoppelte Solarstromanlagen mit einer
Spitzenleistung von insgesamt 994 kWp (.... 0,8 Watt/Einwohner). Lässt
man die größte Anlage mit 75 kWp weg, so beträgt der Mittelwert
der Systemleistung 2,7 kWp. Die OÖ Stromversorger haben mit ATS 10.000.-
(726,73 €) je kW zur Errichtung beigetragen. Ab dem 1. März 2001 werden
PV-Anlagen aus dem Öko-Energie-Pool OÖ mit ATS 50.000.- (3633,64 €)
je kWp gefördert.
Mit der nachfolgend beschriebenen Betreiberbefragung sollten die Betriebserfahrungen
der letzten Jahre zusammengefasst werden. Da die Photovoltaik, speziell im Bereich
der Wech-selrichter, noch eine junge Technik ist, wurden einige Erkenntnisse
aus dem Fragebogen-rücklauf erwartet. Viele der angeführten Fehler
wurden von den Herstellern längst behoben (falsche Bauteildimensionierung,
Softwarefehler etc.). Die alterungsbedingten Bauteilausfälle werden erst
in den nächsten Jahren auftreten. Was klar beurteilt werden kann, ist die
Scha-denshäufigkeit durch Blitzeinschläge.
Fragebogenaktion
Am 8. Juni 1999 wurden an alle 186 Betreiber von netzgekoppelten PV-Anlagen
in Oberös-terreich Fragebogen ausgeschickt. Die Befragung bezog sich hauptsächlich
auf technische und betriebliche Aspekte. Es wurde jedoch noch eine weitere Seite
mit Fragen zur Person und zur Motivation beigefügt. Die Rücklaufquote
war erfreulich hoch und betrug 52%. Der Großteil der Antworten (90%) kam
innerhalb von einem Monat zurück.
Insgesamt wurden Erfahrungswerte aus 4.267 Betriebsmonaten zusammengetragen
und analysiert. Als Nebenprodukt ergab sich auch eine Information über
die Verteilung der So-larmodule und Wechselrichter nach Herstellerfirmen. Die
Verteilung gilt exakt nur für Ober-österreich. Da aber etwa die Hälfte
der netzgekoppelten PV-Anlagen Österreichs in Oberös-terreich installiert
wurden, kann man diese Verallgemeinerung schon zulassen.
Abbildung 1: Altersstruktur der PV-Anlagen im Zeitraum 1990 bis 1999. Im Jahr 1997 wurden mit 32 Anlagen am meisten in Betrieb genommen.*
Die Berufgruppen der Angestellten und der Selbständigen stellen mit je
23,8% den höchsten Anteil der Betreiber dar. 90,5% der Anlagenbesitzer
sind männlichen Geschlechts. Interes-sant ist auch der hohe Anteil der
Pensionisten und der niedrige Prozentsatz der 25- bis 30-Jährigen. In der
Altersstruktur dominieren die Betreiber mit einem Alter zwischen 35 und 50 Jahren
mit einem Anteil von 50%. Als Motivation eine PV-Anlage zu errichten, gaben
die Betreiber zu 79,8% Umweltschutzgründe, zu 72,6% technisches Interesse
und zu 27,4% Demonstration der Machbarkeit an.
Als weitere Kommentare wurde Folgendes angegeben: Vorbildwirkung, eine gewisse
Unab-hängigkeit, die Bevölkerung von der erneuerbaren Energie überzeugen,
sollte von Gemein-den gefördert werden, Energiesparen, CO2-Freiheit der
Stromerzeugung, effektives Hobby, Idealismus, braucht keine Ressourcen, Architektur-Element,
laufende Kosten durch Investiti-onen ersetzen, Energie AG zahlt zu wenig für
den Solarstrom, der Betreiber schlägt einen hin- und rücklaufenden
Zähler vor.
Von den Betreibern wurden rein subjektiv folgende positive Eigenschaften von
Photovoltaik-anlagen angeführt: Eigene Stromversorgung ist möglich,
Versuch der Unabhängigkeit, Um-weltschonung, unerschöpfliche Energie,
kostenlose Energie, sauberer Betrieb, lautlos, gute Situierung am Hausdach,
wartungsfrei, unkomplizierte Anlage, produziert wetterunabhängig, CO2-Ersparnis,
problemloser Betrieb, Produktion von Spitzenstrom, gleichmäßige Produktion
von Frühling bis Herbst, optisch schöne Einbindung in die Architektur,
Stromersparnis, zu-kunftsorientierte Energiegewinnung und eine lange Lebensdauer.
Weiters wurden den PV-Anlagen folgende negative Eigenschaften zugeordnet: Zu
teuer, witterungsabhängig, Energie AG zahlt zu wenig für den eingespeisten
Strom, zu wenig Leistung, ständige Kontrollen der Energie AG, große
Flächen, lange Ansuchensdauer, Ge-räusch des Wechselrichters, keine
Solarzellen "made in Austria", Batteriebetrieb nicht renta-bel, keine
Stromproduktion bei Netzausfall, keine Speichermöglichkeit für überschüssige
Energie, bringt am meisten Strom wenn man ihn nicht braucht, geringer Wirkungsgrad
und schließlich die lange Wartezeit auf Ersatzteile.
Charakteristika der PV-Anlagen
In den Abbildungen 3 bis 5 werden Details der Photovoltaikanlagen dargestellt.
Die Type des Wechselrichters und der Hersteller der Solarmodule wurden erfragt.
Das Jahr der Inbetrieb-nahme ist meist ausschlaggebend für die Wahl des
Wechselrichters gewesen. In den An-fangsjahren gab es nur den SMA PVWR 1800
(wird nicht mehr hergestellt), sowie Geräte von Siemens, Ufe, und ASP.
Die erste Anlage ist seit 1990 am Netz. Beim Wechselrichter-hersteller dominiert
die Firma Fronius. Wenn man berücksichtigt, dass bei einem Projekt 8 Geräte
im Einsatz sind, erreicht der Fronius-Marktanteil knapp 60%. Der Anteil der
Wechsel-richter mit ENS betrug 97/98 etwa 70% [1]. Dieser Anteil wird heute
vermutlich bei den neu-en Geräten bei fast 100% liegen.
Abbildung 2: Leistung der Anlagen, die meisten Anlagen liegen im Bereich 2 - 3 kW.*
Abbildung 3: Solarmodule, Verteilung nach Hersteller. Es dominiert die Firma Kyocera mit 62%.*
Abbildung 4: Wechselrichter, Verteilung nach Hersteller. Es dominiert die Firma Fronius mit 54%.*
Betriebserfahrungen
Mehr als 63% der Betreiber gaben an, dass der Betrieb der Anlage bisher störungsfrei ver-laufen ist (62 Anlagen mit 74 Wechselrichtern). Das entspricht einem Erfahrungsschatz von 2.664 Betriebsmonaten bei einer Gesamtbetriebsdauer von insgesamt 4.267 Monaten. Bei 36 Anlagen mit 38 Wechselrichtern und insgesamt 1.603 Betriebsmonaten ergaben sich 46 Störungen. Die Ursachen für diese Unterbrechungen lagen fast immer beim Wechselrichter.
| Häufigkeit der Störungen |
Störungsursachen im Detail |
| 1 | DC-Sicherung in der Gleichstromhauptleitung zu schwach dimensioniert |
| 1 | Netzspannung zwitweise zu niedrig, Wechselrichter schaltet weg, Neustart am nächsten Morgen |
| 2 | Wechselrichter schaltet weg weil ENS wegen höherer Netzspannung anspricht |
| 9 | Indirekter Blitzschlag, meist mit Endstufendefekt bzw. Programmstörung |
| 14 | Leistungsendstufe defekt |
| 1 | Drossel abgebrannt |
| 1 | kalte Lötstelle, nach Reparatur |
| 7 | diverse Bauteilfehler |
| 1 | Prozessortausch |
| 4 | Software-update bzw. Parameterneuprogrammierung erforderlich |
Tabelle 1: Die Störungsursachen im Detail (unvollständige Liste)
Die meisten Störungen traten nur einmal auf (siehe Tabelle 1). Bei 40%
der Störungen mussten 2 oder sogar 3 Reparaturen durchgeführt werden.
Die Dauer der Betriebsausfälle lag zwischen 1 Tag und 6 Wochen, wobei ca.
23% der defekten Wechselrichter in ein bis drei Tagen und 3% in sechs Wochen
repariert wurden. Der größte Anteil der Betriebsausfälle (44%)
dauerte ca. 1 Woche. Die Wahrscheinlichkeit für eine Störung lag also
bei 1 mal in 7,7 Jahren. Rechnet man die bekannten "Kinderkrankheiten"
weg, so kommt man auf 1 Störung in 15 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass
durch Blitzeinwirkung ein Wechselrichterdefekt verursacht wird, liegt in OÖ
bei 1 mal in 39,5 Jahren.
Die Frage, ob der Betrieb der PV-Anlage bei anderen Verbrauchern oder Nachbarn
zu Stö-rungen geführt hat wurde 3 mal positiv beantwortet. Einmal
war der Rundfunk- und Fernseh-empfang gestört, es gab akustische Belästigung
durch das Wechselrichtergeräusch, und schließlich wurde einmal angegeben,
dass das Babyphon nicht funktionierte.
Die Fragebogen umfassten auch die Frage nach der Höhe der Stromproduktion
der PV-Anlagen für die Jahre 1997 und 1998. Die Antwortrate lag hier etwas
höher als 50%. In Abbildung 6 ist das Ergebnis zusammengefasst. Der spezifische
Stromertrag in Oberösterreich liegt im Mittel bei 825 kWh/kWp.a. Nach den
Einstrahlungsmessungen von Leonding/Linz lag das Jahr 1998 ganz knapp am Mittelwert
der letzten 9 Jahre. Im Jahr 1997 war die Einstrahlung um ca. 5% höher
als das Mittel. Die spezifischen Stromerträge von 1997 wurden auf das Standardjahr
umgerechnet und in das Diagramm von 1998 eingezeichnet. Die Daten von Anlagen
mit Störungsmeldungen sind unkorrigiert in Abbildung 6 eingetragen worden
(typ. Ausfalldauer: 1 Wo).
Abbildung 5: Spezifischer Jahresstromertrag in kWh/kWp in den Jahre 1997 und 1998. Dieser liegt in Oberösterreich im Mittel bei 825 kWh/kWp.a.
Dividiert man den spezifischen Stromertrag [kWh/kWp.a] durch die Einstrahlungssumme in Modulebene so erhält man eine Anlagenkennzahl, die unabhängig von der Systemgröße und der Einstrahlungssumme ist (Performance Ratio). Für die Berechnung wurden die Einstrahlungswerte der Messstation Leonding bei Linz herangezogen (Pyranometer beheizt und belüftet, südorientiert und 45 °< geneigt). Da nur wenige PV-Anlagen genau nach Süden orientiert sind und die Standortdaten verschieden sind, ist diese Berechnung nur eine Annäherung. Wenn ein Solargenerator z.B. nach Südosten orientiert ist, benachteiligt diese vereinfachte Berechnungsart das Anlagen-Performance-Ratio um 5%.
Abbildung 6: Performance Ratio (spez. Stromertrag bezogen auf die Einstrahlung in Modulebene) in den Jahren 1997 und1998
Zusammenfassung
Im Bereich Solargenerator traten mit einer Ausnahme keine elektrischen Mängel
auf. Damit bestätigt sich die allgemeine Erkenntnis wie sie auch in anderen
Studien zu finden ist. Manche Solarmodule haben jedoch den Mangel, dass die
tatsächliche Spitzenleistung hinter jener zurückbleibt, die am Typenschild
ausgewiesen ist. Bei Unzufriedenheit mit den spez. Jahresstromerträgen
sollte man die Anlage auch in dieser Richtung untersuchen.
Da die Photovoltaik, speziell im Bereich der Wechselrichter, noch eine junge
Technik ist, haben wir einige Erkenntnisse gewonnen. Viele der angeführten
Fehler wurden von den Herstellern längst behoben wie z.B. falsche Bauteildimensionierung,
Softwarefehler und andere. Mit neuen Modellen werden jedoch zumindest am Beginn
der neuen Serien wieder andere Fehler auftauchen. Rein rechnerisch, müsste
ein Wechselrichter über 20 Jahre fehlerfrei arbeiten wenn keines seiner
Bauteile überlastet wird. Die Ausfälle sind also vielfach auf Systemfehler
oder Überspannungsspitzen zurückzuführen. Die rein alterungsbedingten
Bauteilausfälle werden erst in den nächsten Jahren auf uns zukommen.
Was klar beurteilt werden kann, ist die Schadenshäufigkeit durch blitzbedingte
Überspannungen: 1 Schaden in 40 Jahren. Bessere Überspannungsschutzelemente
auf der Netz- und der DC-Seite könnten hier helfen. Bei einem direkten
Blitzeinschlag wird vermutlich ein normales Gerät immer beschädigt
werden.
Hinweis
Diese Betreiberbefragung ist Teil einer österreichweiten Aktion, welche
von Arsenal Research, Wien (Dr. Enders) im Rahmen des österreichischen
"200 kW Photovoltaik - Breitentests" durchgeführt wird. Das Ergebnis
soll auch in den Breitentest-Abschlußbericht und in ein EU-Projekt von
Arsenal Research einfließen.
Dank an Herrn Claus Weberstorfer, der als Ferialpraktikant im Sommer 1999 die
Auswertung durchgeführt hat.
Literatur:
1) ENS: Elektronikbaugruppe die im Wechselrichter integriert ist und die Netzimpedanz
fortlaufend misst. Die Impedanzerhöhung bei Netzausfall wird von der ENS
erkannt und
der WR abgeschaltet (weiteres siehe Dr. Lappe und Klaus Köln).
2) Betriebsverhalten und Zuverlässigkeit netzgekoppelter Wechselrichter,
13. Symposium Photovoltaische Solarenergie, Staffelstein, März 1998,
Wilk, Energie AG Linz, Schauer, Verbund Wien, Enders, Arsenal Research, Wien
* PV-Betreiberbefragung der Energie AG
*) Dipl.-Ing. Heinrich Wilk, Energie AG Oberösterreich, E-Mail: heinrich.wilk@energieag.at [^]