Solare Nahwärme
Systeme mit Wochenspeicher
Eines von zwei österreichischen solaren Nahwärmesystemen, das im Rahmen
des in dieser Ausgabe der erneuerbare energie dargestellten EU-THERMIE
Projektes errichtet wurde, konnte in Gleisdorf realisiert werden.
Niedrigenergiehaussiedlung SUNDYS
Von Werner Weiß und Christian Fink*
Um sowohl das Bausystem, die Gebäudestruktur, wie auch alle haustechnischen
Komponenten optimal aufeinander abzustimmen, wurde in einem integrierten Planungsprozess
von der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE, Institut für Nachhaltige
Technologien (AEE/intec), dem Architekturbüro Reinberg und dem Fertighausunternehmen
HOLZ-BAU-WEIZ ein Niedrigenergie-Reihenhaus entwickelt und ein Demonstrationsprojekt
mit sechs Reihenhäusern und einer Büroeinheit in Gleisdorf errichtet.
Neben Energie- und Kostenoptimierung bildete die Entwicklung eines innovativen
und ökologischen Holzbaukonzeptes einen wesentlichen Schwerpunkt des Projektes.
Durch eine speziell für diesen Haustyp entwickelte Wandkonstruktion mit
hohem Wärmedämmstandard, sowie durch thermische Zonierung und kontrollierte
Be- und Entlüftung über Erdreichwärmetauscher, konnte der Heizenergieverbrauch
dieser Gebäude auf Werte zwischen 20 kWh/m²a beim Bürogebäude
und 33 kWh/m²a bei den Reihenhäusern reduziert werden.
Das Energiekonzept
Die Bereitstellung des Warmwassers und des Raumwärmebedarfs erfolgt überwiegend über thermische Kollektoren. Die Kollektorflächen im Ausmaß von 213 m² wurden in die Wintergartendächer integriert. Der verbleibende Restwärmebedarf wird durch einen Biomasse-Pelletkessel gedeckt. Damit erfolgt die Wärmebereitstellung der Gebäude zu 100% mit erneuerbaren Energien. Die Energiespeicherung erfolgt in einem 14 m³ Stahlspeicher. Die einzelnen Häuser werden aus diesem zentralen Speicher über ein Nahwärmenetz versorgt.
Abbildung 1: Aus dem 14 m³ Stahlspeicher werden die einzelnen Häuser über ein Mikronetz mit Wärme versorgt
Eine Besonderheit dieses Projektes liegt im Systemkonzept. Mit Kollektorflächen,
die üblicherweise bei Systemen für Langzeitspeicherung installiert
werden (23 m² pro Wohneinheit) in Kombination mit einem Speichervolumen
von 66 Liter pro Quadratmeter Kollektorfläche - (typischer Wert für
Systeme für Kurzzeitspeicherung) können sehr hohe solare Deckungsgrade
erreicht werden, die bisher nur von Anlagen mit Langzeitwärmespeichern
erreicht werden konnten. Die Systemkosten von solaren Mikronetzen mit Wochenwärmespeicher
liegen aufgrund des vergleichsweise geringen baulichen Aufwandes unter jenen
von Systemen von Langzeitwärmespeichern.
Passive Solarenergienutzung und das Lüftungskonzept ergänzen die aktiven
haustechnischen Anlagen. Die im Wintergarten gewonnene Wärme kann einerseits
in den Speichermassen der Massivwand und des Estrichs gespeichert werden und
kann andererseits zur Nacherwärmung, der über das Erdregister in den
Wintergarten gelangenden Zuluft, genützt werden. Im Sommerbetrieb gewährleisten
die am Wintergartenfußpunkt liegenden Zuluft- und am höchsten Punkt
liegenden Abluftklappen eine effiziente Nachtlüftung.
Abbildung 2: Die Schnittdarstellung zeigt die passive und aktive Solarenergienutzung über den vorgesetzten Erschließungsbereich bzw. die thermischen Kollektoren, die ins Dach integriert wurden, sowie das Lüftungskonzept über den Erdreichwärmetauscher.
Um detaillierte Aussagen bezüglich des dynamischen Gebäudeverhaltens
und der Wechselwirkungen und Funktion der eingesetzten Technologien (Solare
Warmwasserbereitung und Raumheizung, Biomassefeuerung, kontrollierte Lüftungsanlage
mit Erdreichwärmetauscher) zu erhalten, wurden die Gebäude mit Messgeräten
und Sensoren ausgestattet.
Die Daten werden seit Herbst 1998 kontinuierlich erfasst und ausgewertet.
Abbildung 3: Temperturverlauf im Heizungssystem in einer kalten Winterperiode vom 23.1. bis 31.1.2000
Wie die Messergebnisse zeigen, wird der Heizenergiebedarf zu rund 60% von der
Solaranlage gedeckt. Damit beträgt der Restheizenergieverbrauch, der über
einen Biomasse-Pelletkessel zugeführt werden muss, für das Bürohaus
7,1 kWh/m²a und für die Reihenhäuser 13 kWh/m²a. Damit wird
der sehr ambitionierte Grenzwert für den Raumwärmebedarf von Passivhäusern,
der mit 15 kWh/m²a festgelegt wurde, deutlich unterschritten.
Der Gesamtdeckungsgrad für Warmwasser und Raumheizung betrug im Zeitraum
Juli 2000 bis Juni 2001 knapp über 70%. Damit konnte ein im Vergleich zu
den Simulationen, die in der Planungsphase durchgeführt wurden, um 20%
höherer Gesamtdeckungsgrad erreicht werden (siehe Einleitungsartikel von
Boris Mahler, Abbildung 4). Dies ist vor allem darauf zurückzuführen,
dass die passiven Gewinne und internen Lasten in der Simulation zu gering bewertet
wurden.
Im Rahmen der Messungen erfolgte auch eine Überprüfung der Netzbetriebsstrategie.
Diese sah vor, das Nahwärmenetz zur Verringerung der Netzverluste täglich
22 Stunden in Abhängigkeit von der Außentemperatur auf einem maximalen
Temperaturniveau von 45°C (Vorlauf) zu betreiben. Diese geringe Vorlauftemperatur
ist im sehr hohen Wärmedämmstandard der Gebäude und einer entsprechenden
Auslegung des Niedertemperatur-Wandheizsystems begründet. Die Warmwasserbereitung
in den 7 Speichern der Wohneinheiten bzw. des Bürogebäudes sollte
entsprechend dem Versorgungskonzept über das gleiche Netz erfolgen. Da
für die Warmwasser - Speicherladung ein höheres Temperaturniveau als
für die Raumheizung erforderlich ist, erfolgt diese während der Nacht
in einem zweistündigen Zeitfenster. In diesem Zeitfenster wird das Nahwärmenetz
auf einem Temperaturniveau von 65°C betrieben.
Die durchgeführten Messungen haben die Funktion dieses Konzeptes bestätigt.
In Abbildung 3 sind die relevanten Temperaturen und Energiemengen in einer kalten
Winterperiode (23.1. bis 31.1. 2000) dargestellt. Die nächtlichen Außentemperaturen
lagen in diesem Zeitraum zwischen -15°C und -4°C, das Tagesmaximum lag
zwischen -3°C und +8°C.
Die Vorlauftemperatur am Heizungsverteiler betrug rund 35°C; die Rücklauftemperatur
schwankt zwischen 22 und 28°C. Dies bietet optimale Voraussetzungen für
den Betrieb der Solaranlage. Die Raumtemperaturen liegen im gesamten Zeitraum
zwischen 19 und 25°C.
Gesamtenergieverbrauch des Bürogebäudes
Der mittlere jährliche Gesamtenergiebedarf des Bürogebäudes
betrug in den Jahren 1999 und 2000 pro Quadratmeter beheizter Nettonutzfläche
57 kWh.
Davon entfallen 17,8 kWh auf Raumwärme, 4,5 kWh auf Warmwasser, 2,7 kWh
auf Hilfsstrom (Antriebsenergie für haustechnische Einrichtungen wie Pumpen,
Regelungen etc.) und 32 kWh auf Bürostrom (Beleuchtung, EDV...).
Die am Bürogebäude installierte Photovoltaikanlage mit einer Leistung
von 1,44 kW wurde so konzipiert, dass damit zumindest sämtliche elektrische
Energie, die zum Betrieb der Heizungs- und Lüftungsanlage benötigt
wird, gedeckt werden kann.
Gesamtenergieverbrauch der Reihenhäuser
Da die Energieverbrauchsstruktur in einem Wohnhaus naturgemäß anders
ist als in einem Bürogebäude, wurden im Rahmen der Messungen auch
die Energieverbräuche eines Reihenhauses erfasst. Dafür wurde die
Westwohnung in Bauteil 2 herangezogen.
Erfasst wurden - wie im Bürogebäude - der Wärmebedarf für
Warmwasser und Raumheizung sowie der Stromverbrauch.
Der Gesamtenergieverbrauch des Reihenhauses betrug in der Periode Juni 1999
bis Mai 2000 pro Quadratmeter beheizter Nettonutzfläche 77,64 kWh. Davon
entfallen 33,15 kWh/m² auf Raumwärme, 25,12 kWh/m² auf Warmwasser,
16,67 kWh/m² auf elektrischen Haushaltsstrom und 2,7 kWh/m² anteiligen
Antriebsstrom für Pumpen etc.
Zieht man hier wiederum in Betracht, dass ca. 60% des Heizenergieverbrauchs
über die Solaranlage gedeckt wurde, so beträgt der Restwärmebedarf,
der über die Pelletheizung gedeckt werden musste, 13 kWh/m².
Abbildung 4: Die Reihenhäuser weisen Wohnflächen zwischen 75 und 120 m² Wohnfläche auf. Die in die Dächer integrierten Kollektorflächen speisen den zentralen Energiespeicher
Abbildung 5: Die Wärmebilanz 2000 zeigt, dass der Biomassekesel (Zusatzenergie ist rot dargestellt) nur in der Kernheizzeit von drei Monaten in Betrieb ist. Überwiegend erfolg die Wärmebereitstellung über die thermische Solaranlage
Solare Erträge
Da erst seit Oktober 2000 alle Wohnungen beheizt wurden und auch erst ab diesem
Zeitpunkt in allen Wohnungen Warmwasser gezapft wurde, sind die folgenden Ergebnisse
unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen zu betrachten.
Die Solaranlage lieferte im Zeitraum von Juli 2000 bis Ende Juni 2001 in Summe
35.175 kWh in den Speicher. Dies entspricht einem Kollektorertrag von 165 kWh/m².
Bei Vollbelegung der Gebäude wird ein Kollektorertrag von rund 200 kWh/m²
erwartet.
Die Zusatzenergie, die vom Biomassekessel bereitgestellt werden musste, betrug
im dargestellten Zeitraum 16.209 kWh. D. h., dass die gesamte Wärmebereitstellung
(Warmwasser und Raumheizung) zu rund 70% von der Solaranlage gedeckt werden
konnte.
Die Speicherverluste betrugen im Betrachtungszeitraum ca. 16%.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sowohl das bautechnische wie auch
das energietechnische Konzept die Erwartungen voll erfüllt haben. Die umfangreichen
Messungen an den Objekten haben es nicht nur ermöglicht, das dynamische
Gebäude- und Anlagenverhalten im Detail zu untersuchen, sondern sie haben
auch Optimierungspotenziale für zukünftige Projekte aufgezeigt.
Das Projekt wurde neben der Europäischen Union auch vom Amt der steiermärkischen
Landesregierung, Abteilung für Wissenschaft und Forschung, sowie dem Innovations-
und Technologiefonds des FFF gefördert.
*) Ing. Werner
Weiß ist Geschäftsführer der AEEIntec und Projektleiter
des hier vorgestellten Projektes. E-Mail: w.weiss@aee.at
Ing. Christian Fink
ist Mitarbeiter der AEEIntec und war in diesem Projekt für die
Auslegung und Planung der solarthermischen Anlage sowie der Lüftungsanlage
verantwortlich. E-Mail: c.fink@aee.at
[^]