Solare Nahwärme
Systeme mit Kurzzeitspeicher
Die Stadt Amersfoort liegt im Zentrum der Niederlande. Dort wurde die Wohnanlage
Stadstuin errichtet, in der 1200 Menschen in 440 Wohnungen Platz finden. Vakuumröhrenkollektoren
mit einer Aperturfläche von fast 650 m² versorgen die Wohnungen mit Energie
für Raumheizung und Warmwasserbereitung.
Vakuumröhrenkollektoren für das Nahwärmenetz Stadstuin
Die Wohnanlage besteht aus 24 Gebäudekomplexen, von denen jeder zwischen
18 und 20 Wohnungen beinhaltet. Die meisten Wohnungen sollen verkauft werden,
einige jedoch auch vermietet. In den Niederlanden werden die meisten Solaranlagen
an Einfamilienhäusern installiert. Wird jedoch eine Solaranlage für
mehrere Wohneinheiten gebaut, gibt es üblicherweise ein eigenes Warmwasserleitungsnetz,
um einen größeren Kollektorertrag zu erzielen. Dadurch werden aber
die Errichtungskosten und die Netzverluste größer. In einem weiter
verzweigten Rohrleitungsnetz gibt es auch mehr Möglichkeiten für die
Bildung von Legionellen. Diese Nachteile führten zu der Entscheidung, ein
Nahwärmeversorgungsnetz mit dezentraler Warmwasserbereitung zu errichten.
Der jährliche Heizenergiebedarf der Wohnungen liegt bei etwa 47 kWh/m².
Dies wird durch gute Dämmung und eine kompakte Bauweise erreicht. Der Warmwasserbedarf
wird mit ca. 2200 kWh pro Wohneinheit und Jahr angenommen. Die Wohnungen sind
blockweise an das Wärmeversorgungsnetz angeschlossen. Der örtliche
Versorgungsbetrieb REMU ist der Besitzer und Betreiber der Solaranlage, er liefert
die Wärme an die Haushalte. Die Nachheizung erfolgt mit einem Gasbrennwertgerät,
das einen Spitzenwirkungsgrad von 107% erreichen kann (bezogen auf den unteren
Heizwert).
Die Grundlast des Wärmebedarfs für Raumwärme und Warmwasserbereitung
wird von der Solaranlage mit Vakuumröhrenkollektoren gedeckt. Auf dem Dach
jedes Gebäudekomplexes sind 27 m² Kollektorfläche montiert, im
gesamten Projekt wurden daher 648 m² Vakuumröhrenkollektoren installiert.
Der erwartete solare Deckungsgrad liegt bei 10%. Tabelle 1 fasst die Projektdaten
zusammen.
| Energiebedarf | |
| Anzahl der Wohneinheiten | 440 |
| Heizenergiebedarf | 2.0440 MWh/a |
| Warmwasserbedarf | 960 MWh/a |
| Netzverluste | 15% |
| Gesamter Energiebedarf | 3.450 MWh/a |
| Solaranalge | |
| Versorgungsbetrieb / Betreiber | REMU |
| Ingenieurbüro | DWA / REMU |
| Kollektorfläche | 648 m² |
| Speichervolumen | 36 m³ |
| Solarer Deckungsgrad (Planung) | 10% |
| Jährlicher Ertrag (Planung) | 504 kWh/m² |
| Investitionskosten für das Kollektorfeld | 488 €/m² |
| Investitionskosten für die gesamte Anlage je m² Kollektorfläche | 980 €/m² |
| Kosten/Nutzenverhältnis | 1,10 €/kWha |
Tabelle 1: Projektdaten des Nahwärmenetzes Stadstuin
In zehn der 24 Gebäudekomplexe erfolgt die Wärmeversorgung zusätzlich
durch Blockheizkraftwerke. Der produzierte Strom wird in das öffentliche
Netz eingespeist.
Die Anlage ist als Nahwärmenetz konzipiert. Dieses funktioniert ähnlich
wie ein Fernwärmesystem. Die Techniker des Versorgungsunternehmens sind
mit solchen Anlagen vertraut, was die Wartung vereinfacht. Die Warmwasserbereitung
erfolgt mit Wärmetauschern in den Wohnblocks. Um Warmwassertemperaturen
von 60°C zu erhalten, werden Vorlauftemperaturen von mindestens 70°C
benötigt. Diese Warmwassertemperaturen sind erforderlich, um für ein
Wohnprojekt in den Niederlanden eine Förderung zu erhalten.
Um die Rücklauftemperaturen des Netzes gering zu halten, wurden die Radiatoren
für eine Vorlauftemperatur von 70°C und einer Rücklauftemperatur
von 40°C ausgelegt. Im Winterbetrieb werden jedoch Rücklauftemperaturen
unter 30°C erwartet. Bei einem üblichen Fernwärmenetz wird das
Heizungsnetz auf 90/70°C ausgelegt. Die Raumtemperaturen werden mit Thermostatventilen
geregelt. Abbildung 1 zeigt das Hydraulikschema der Anlage.
Die Heizungsinstallationen wurden von einem externen Installateur vorgenommen.
Die Berechnungen wurden von REMU überprüft, um ein einwandfreies Funktionieren
der Anlage zu garantieren.
Abbildung 1: Die Anlage in Stadstuin ist als Drainback-System ausgeführt. Bei Stillstand der Anlage wird das Wasser aus dem Kollektor abgezogen. 80 bis 90 % der in den Niederlanden installierten Anlagen werden mit Drainback-Technologie errichtet [1]
Abbildung 2: Die simulierte Wärmebilanz für einen Wohnblock über ein Jahr zeigt, dass von Mai bis August über 50% des Wärmebedarfs solar gedeckt werden können, im Seoptember ist es noch ein Drittel
Wärmebilanz
Für die Auswahl der Sonnenkollektoren wurden Anlagensimulationen durchgeführt.
Es wurde ein Standardklimadatensatz mit stündlichen Werten basierend auf
einem Normjahr (1964) in den Niederlanden herangezogen. Als Verbrauchsdaten
wurden gemessene Werte verwendet.
Da es für diesen Verbrauch keine gemessenen Netzrücklauftemperaturen
gab, wurden in einer konservativen Schätzung durchgehend 40°C angenommen.
Da im Frühjahr und im Herbst die Rücklauftemperaturen in der Praxis
geringer sind, wird angenommen, dass der wirkliche Ertrag über dem errechneten
liegt.
Schlussfolgerungen
Die ersten Wärmeübergabestationen wurden erst kürzlich in Betrieb
genommen. Daher gibt es noch keine Betriebserfahrungen.
Ein Ziel des Projekts war es, eine Standardwärmeübergabeeinheit zu
entwickeln, die bei allen 24 Wohnblocks verwendet werden konnte. Dadurch wurde
eine Kostenersparnis erzielt.
Bei großen Bauprojekten sind viele Partner mit unterschiedlichen Ideen
und Gebäudekonzepten beteiligt. Dies brachte viel Nacharbeit mit sich.
Das Bauen im Bereich von großen Siedlungen läuft nach fixen Vorgaben
ab und erfordert einen hohen koordinativen Aufwand, wenn individuelle Lösungen
gefordert werden.
Am Beginn des Projektes wurden Installateure hinzugezogen, die sonst im Bereich
Bürobauten arbeiten und so Erfahrungen mit komplexen Systemen in das Projekt
Stadstuin mitbrachten. Dies erwies sich als sehr vorteilhaft.
Literatur
1 Tagungsband des IEA SHC-Task 26 Industrie-Workshop, Delft, Niederlande, 2.
April, 2001
*) Ing. Leon de Wit ist Mitarbeiter beim Energieversorger REMU Power Plus in den Niederlanden und leitet das Projekt Stadstuin. E-Mail: l.de.wit@remu.nl [^]