Erneuerbare Energien in Österreich
Thema
Feste Biomasse, vor allem natürlich Holz, ist in Österreich der wichtigste
regenerierbare Energieträger zur Deckung des Wärmebedarfs. In den
Zeiten des weltweiten Raubbaues an fossilen Energieträgern mag seine Bedeutung
- zumindest in den Industriestaaten - vorübergehend in den Hintergrund
getreten sein. Aufgrund der vorhersehbaren Erschöpfung der fossilen Energieträger
einerseits und aufgrund der mit der Freisetzung von "fossilem" Kohlendioxid
verbundenen Veränderung des Weltklimas andererseits, besinnt man sich heute
aber wieder auf die Biomasse als Brennstoff zurück.
Wärme aus fester Biomasse
Von Josef Spitzer und Reinhard Padinger*
Nicht zuletzt ihre heimische Verfügbarkeit dürfte in Anbetracht der
früher oder später unvermeidlich auf uns zukommenden Verknappung der
fossilen Brennstoffe von höchster politischer Bedeutung sein.
Bei der Verbrennung fester Biomasse entsteht natürlich Rauchgas mit verschiedenen
Komponenten, die beachtet werden müssen. Durch technische Entwicklungen
und durch gesetzliche Vorschriften mit entsprechenden Überprüfungsmaßnahmen
(Einzel- bzw. Typengenehmigungen) konnten die Biomassefeuerungen aber bis heute
auf einen technischen Stand gebracht werden, bei dem Gefahren durch schädliche
Emissionen auszuschließen sind.
Als Haupthindernisse für den notwendigen verstärkten Einsatz fester
Biomasse zur Wärmegewinnung in Österreich, sowie auch im übrigen
Europa, gelten heute noch notwendige technische Entwicklungen, vor allem in
Bezug auf Bedienungskomfort und Betriebsicherheit und die bedingte Wirtschaftlichkeit
der Wärmebereitstellung.
Technischer Entwicklungsstand von Biomassefeuerungen
Ein Maß für den technische Entwicklungsstand von Biomassefeuerungen
sind nicht nur die Ergebnisse der Typen- bzw. Einzelgenehmigungsprüfungen,
die heute jede Feuerung bestehen muss bevor sie in Betrieb genommen werden darf,
sondern auch die Zufriedenheit der Nutzer im praktischen Umgang mit den Feuerungen.
Ergebnisse jüngerer Nutzerbefragungen /1, 2/ zeigen hierzu ein sehr erfreuliches
Bild. Die wichtigsten Ergebnisse der Befragungen in diesem Zusammenhang sind:
Sowohl Einzelnutzer wie auch Bauträger bezeichnen Holzfeuerungsanlagen
- nach der Beseitigung diverser "Kinderkrankheiten" und Planungsfehler
in den letzten Jahren - heute im Wesentlichen als unproblematisch und technisch
ausgereift. Besonders gelobt werden die Pelletfeuerungen, vor allem aufgrund
der Homogenität des Brennstoffs, welche die Anlagen besonders betriebssicher
macht.
Die einzelnen Verbrennungstechniken weisen allerdings in Bezug auf den technischen
Entwicklungsstand gewisse Unterschiede auf, die nachstehend kurz erörtert
werden.
Stückholzfeuerungen
Stückholzfeuerungen haben keine automatische Brennstoffzuführung,
sondern es muss händisch eingeheizt und nachgelegt werden. Zur besseren
Anpassung der erzeugten Wärme an den momentanen Wärmebedarf werden
sie zweckmäßig entweder mit einem Warmwasser Pufferspeicher ausgestattet
oder als Kachelöfen ausgeführt. Damit wird es bei richtiger Auslegung
der Heizung im Allgemeinen möglich, den Bedienungsaufwand auf einen einmaligen
Heizvorgang pro Tag zu beschränken. Hiezu kommt das Ausräumen der
Asche etwa einmal pro Woche. Es gibt aber auch Stückholzfeuerungen mit
vergrößerten Aschenbehältern oder mit automatischer Aschenaustragung.
Weniger komfortabel in Bezug auf die Bedienung aber dafür besonders behaglich
sind die sog. Kamin- oder Zimmeröfen. Sie müssen normalerweise mehrmals
pro Tag nachgelegt werden.
Der Verbrennungsvorgang an sich ist bei den meisten heutigen Stückholzheizungen
durch Regeleinrichtungen in Hinblick auf einen guten Ausbrand mit geringen Emissionen
optimiert. Vielfach werden hierzu auch Ventilatoren eingesetzt. Moderne Stückholzkessel
verfügen darüber hinaus zumeist über eine automatische Reinigungsanlage
für die Kesselzüge.
In Österreich gibt es derzeit 13 Anbieter von Stückholzheizungen.
Die Wärmeleistung der angebotenen Stückholzheizungen reicht von 5
bis etwa 200 kW.
Hackgut-Kleinfeuerungen
Hackgutfeuerungen sind heute durchwegs für vollautomatischen Betrieb konzipiert.
Auch die Zündung erfolgt normalerweise automatisch durch ein Heißluftgebläse.
Hackgut wird zwar zumeist mit in einem offenen Fahrzeug transportiert und in
einen Vorratsbehälter gekippt, es gibt aber auch spezielle "Pumpwägen",
aus denen das Hackgut pneumatisch ausgetragen werden kann.
In Österreich gibt es derzeit 14 Anbieter von Hackgut-Einzelfeuerungen.
Der technische Entwicklungsstand der Anlagen ist hoch und sie können in
Bezug auf die Betriebssicherheit als ausgereift bezeichnet werden. Allerdings
können durch etwaige Fremdkörper im Brennstoff (Steine, Metallteile)
ausgelöste Betriebsstörungen nicht vollständig aus-geschlossen
werden.
Pelletfeuerungen
Mit den normgemäß als "Presslinge aus naturbelassenem Holz" bezeichneten "Pellets" wurden vor etwa 6 Jahren ein als Brennstoff auf dem Markt eingeführt, der gegenüber Holzhackgut folgende Vorteile aufweist:
Parallel mit der Einführung der Pellets wurden auch Feuerungen entwickelt,
die speziell für diesen Brennstoff technisch und wirtschaftlich optimiert
wurden. Es gibt auch es Anlagen, die mit zwei Brennkammern ausgestattet sind
und dadurch einen wahlweisen Betrieb mit Pellets oder Stückholz ermöglichen.
Abbildung 1: Die Pellets werden mit Hilfe einer Förderschnecke vom Pelletlagerraum in den Kessel, der im Keller oder im Wohnraum steht, gefördert
Pelletheizungen bieten einen mit Öl- oder Gasheizungen vergleichbaren Komfort. Automatische Zündeinrichtungen, Ascheaustragsvorrichtungen und Reinigungseinrichtungen für den Kessel sind bereits Standard geworden. Der erforderliche Pelletlagerraum im bautechnischen Sinn ist im Fall eines Einfamilienhauses etwa gleich groß, wie für eine entsprechende Ölfeuerung.
Nahwärmeversorgungsanlagen
Biomassefeuerungen zur zentralen Nahwärmeversorgung sind heute in jeder Hinsicht als technisch ausgereift zu bezeichnen. Sie liegen im Leistungsbereich ab 500 kW aufwärts (siehe auch Abbildung 2). Der Errichtung einer solchen Anlage können u.U. praktische Gründe (z.B. Lärmbelästigung der Anrainer) entgegenstehen. Ansonsten ist der Einsatz von Biomassefeuerungen zur Nahwärmeversorgung heute ausschließlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit der Wärmebereitstellung.
Abbildung 2: Das solarunterstützte Biomassenahwärmekraftwerk in Deutsch Tschantschendorf hat eine Kesselleistung von 600 kW und eine Kollektorfläche von 325 m². Es wurde 1994 in Betrieb genommen.
Feuerungsanlagen für Nicht-Holz-Brennstoffe
Grundsätzlich kann nahezu jede Biomasse als Brennstoff eingesetzt werden.
Von Bedeutung sind insbesondere - definierte Biomasse-Reststoffe wie Nussschalen,
Früchtekerne, Pressrückstände etc., Stroh, Heu und bestimmte
Getreidearten (sog. "Energiekorn").
In Bezug auf das Energiepotential spielt der Einsatz von Biomasse-Reststoffen
im Vergleich mit anderen Stoffen natürlich eher eine untergeordnete Rolle.
Trotzdem ist die Nutzung von Biomasse-Reststoffen als Brennstoff in jedem Fall
sinnvoll. Eine funktionierende saubere Verbrennungstechnik sei natürlich
für jeden einzelnen Brennstoff vorausgesetzt.
Die Stroh- und Heuverbrennung ist in Österreich aufgrund der Transportkosten
des Brennstoffs nur begrenzt sinnvoll. Derzeit laufende Anstrengungen zur Pelletierung
von Stroh- und Heu lassen hierbei Verbesserungen erwarten. Auch technische Barrieren,
vorwiegend Verschlackungsprobleme, bestehen noch bei einzelnen Anlagen.
Von zunehmender Bedeutung aber erweist sich das "Energiekorn" als
Brennstoff. Österreich produziert derzeit pro Jahr etwa 9 Mio. Tonnen überschüssiges
Getreide. Statt dessen könnte ein als Brennstoff geeignetes "Energiekorn"
(z.B. "Tritikale") /3/ produziert werden. Der Vorteil läge in
der erprobten und optimierten Produktionstechnik und den etablierten Vermarktungswegen
sowie in einer Reihe von guten mechanischen Eigenschaften des "Energiekorns"
als Brennstoff: Es ist homogen, riesel- und pumpfähig, mechanisch stabil
und normalerweise frei von Fremdkörpern. Bestimmte verbrennungstechnischen
Eigenschaften, insbesondere mögliche erhöhte Emissionen von Stickoxiden
und Chlorverbindungen sind allerdings noch zu untersuchen.
Kosten der Wärme aus fester Biomasse
Die Kosten der Wärme aus Biomasse werden einerseits durch die Brennstoffkosten
bestimmt. Zunächst zum Vergleich: Der Heizölpreis ist derzeit 0,041
€/kWh, jener von Erdgas 0,047 €/kWh (Stand Oktober 2001). Holzbriketts
sind mit rund 0,049 €/kWh etwas teurer als Heizöl und Erdgas. Stückholz
kostet zwischen 0,034 und 0,040 €/kWh und ist somit billiger. Pellets sind
mit 0,034 €/kWh ebenfalls billiger. Holzhackgut ist mit ca. 0,014 €/kWh
sogar signifikant billiger als Heizöl oder Erdgas.
Um die Wärmebereitstellungskosten für verschiedene Feuerungen berechnen
zu können sind Kosten für die Verzinsung der Investition, Wartung,
und Instandhaltung sowie eine bestimmte Nutzungsdauer anzunehmen. Bei Kleinfeuerungsanlagen
können Annahmen je nach Situation und individueller Einschätzung weit
auseinandergehen. Weiters ist der Nutzungsgrad der Feuerung zu berücksichtigen,
der unter anderem vom "Benutzerverhalten" abhängt und daher ebenfalls
sehr unterschiedlich sein kann. Dies führt zu einer großen Streubreite
der errechneten Wärmebereitstellungskosten.
Eine ausführliche Analyse hiezu findet sich in /4/. Danach betragen die
Wärmebereitstellungskosten einer Öl- oder Erdgasheizung derzeit 0,10
- 0,11 €/kWh. Das Heizen mit händisch beschickten Biomassefeuerungen
ist unter günstigen Bedingungen ungefähr gleich teuer wie mit Öl-
oder Erdgas. Unter ungünstigen Bedingungen (teurer Brennstoff, schlechter
Nutzungsgrad) kann das Heizen mit händisch beschickten Biomassefeuerungen
erheblich teurer werden. Das Heizen mit Hackgutfeuerungen ist heute etwa gleich
teuer wie mit Öl- oder Gasfeuerungen. Unter günstigen Bedingungen
(z.B. billiges Hackgut aus dem privaten Handel im ländlichen Raum) ist
das Heizen mit Hackgutfeuerungen aber nur etwa halb so teuer wie mit Öl-
oder Gas. Das Heizen mit Pelletfeuerungen ist etwa gleich teuer, unter günstigen
Umständen aber bis zu 15% billiger als das Heizen mit Öl- und Gas.
Abbildung 3: Ergebnis der Hackschnitzelheizungserhebung, in Österreich 1986-2000 /5/
Künftige Entwicklung
Die Anzahl der Hackgut- und Pelletheizungen in Österreich wird von der
Niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer regelmäßig
erhoben bzw. aktualisiert /5/ (siehe Abbildung 3). Es ist ein signifikanter
Anstieg des jährlichen Zuwachses an Pelletheizungen in Österreich
seit dem Jahr 1997 erkennbar. Die akkumulierten Zahlen ergeben für das
Jahr 2000 mehr als 7.000 installierte Anlagen. Man kann daher annehmen, dass
mit Beginn des Jahres 2001 bereits die 10.000-er Grenze überschritten wurde.
Der stark steigende Trend lässt auf ein längeres Anhalten dieser Entwicklung
hoffen. Eine von Rakosch /1/ durchgeführte Analyse lässt bis zum Jahr
2009 rund 180.000 Pelletfeuerungen, bei einem Biomasseeinsatz von rund 900.000
t/a erwarten. Von den derzeit rund 7,9 Mio t fossilem CO2 könnten damit
ca. 1,3 Mio t (rund 16%) eingespart werden. Die kleinen Hackgutheizanlagen bis
100 kW zeigen zwar keinen so progressiven, jedoch zumindest stetigen Zuwachs
von derzeit rund 2000 Anlagen pro Jahr.
Die Zukunft der Wärme aus fester Biomasse ist aus heutiger Sicht, speziell
in Österreich, jedenfalls als gut einzuschätzen. Nicht nur die Umwelt
sondern auch die regionale Wirtschaft werden davon erheblich profitieren. In
/3/ werden die bei optimalem Ausbau der Biomasseheizungen zu erwartenden zusätzlichen
Arbeitsplätze auf 15.000 bis 20.000 geschätzt.
Die Schwerpunkte der technischen Entwicklung liegen in der Verbesserung des
Komforts und der Betriebssicherheit, in der weiteren Verringerung des Schadstoffausstoßes,
in der weiteren Verbesserung der Effizienz und in der Verringerung der Kosten
durch Entwicklung und Einsatz standardisierter Komponenten.
Literatur
/1/ Rakosch C., Hackstock R.: "Untersuchungen zum Einsatz von Holz als
Energieträger am Wärmemarkt", Projekt-Endbericht, Energieverwertungsagentur
(E.V.A) - Wien, September 2001
/2/ Könighofer K., et al.: "Anforderungsprofile für Biomassefeuerungen
zur Wärmeversorgung von Objekten mit niedrigem Energiebedarf", Projekt
Endbericht, IEF-B-01/01, Joanneum Research, Graz, Februar 2001
/3/ Landw. Fachschule Tulln: "Der Bauer als Energiewirt", Broschüre
zum EU-Projekt LSDN (Local Sustainable Development Network)
/4/ Padinger R., Spitzer J.: "Pelletfeuerungen". VDI-Tagung "Thermische
Nutzung von fester Biomasse", 16./17. Mai 2001, Salzburg, VDI-Berichte
1588, 2001, (105-128)
/5/ Jonas A., Haneder H.: "Zahlenmäßige Entwicklung der modernen
Holz und Rindenfeuerungen In Österreich, Gesamtbilanz 1986 - 2000",
Niederösterreichische Landes -Landwirtschaftskammer, März 2001
*) Univ.-Doz. Dr. Josef Spitzer ist Leiter und Dr. Reinhard Padinger ist Mitarbieter des Instituts für Energieforschung an der JOANNEUM RESEARCH ForschungsgeschellschaftmbH, reinhard.padinger@joanneum.at [^]