Erneuerbare Energien in Österreich
Thema
Photovoltaik zur Energieversorgung von Taschenrechnern, Uhren und anderen Kleinstanwendungen
ist jedermann seit vielen Jahren bekannt. Kann aber diese Technologie auch einmal
in energiewirtschaftlichen Dimensionen dazu beitragen, den Energiebedarf der
technisierten Menschheit dauerhaft und umweltverträglich zu decken ?
Photovoltaik - eine Option für die zukünftige Energieversorgung?
Von Hubert Fechner und Michael Heidenreich*
Immer mehr rücken die bläulich schimmernden stromerzeugenden Zellen in den Blickpunkt. Im Straßenbild Wiens werden seit kurzem auch die Schmieranlagen der Straßenbahnweichen mit Strom aus Solarzellen betrieben. Parkscheinautomaten, Notrufsäulen, Messstationen und Almhütten sind ja bereits länger die typischen Anwendungsbereiche von Solarzellen. Abseits der Stromnetze hat sich die Photovoltaik (PV) besonders auch in Entwicklungsländern für Wasserpumpsysteme und medizinische Einrichtungen etabliert.
Abbildung 1: Kumulierte Photovoltaikkapazität von 1988 -2000 in Österreich. Im Jahr 2000 haben Inselanlagen einen Marktanteil von 34,3% und netzgekoppelte Anlagen einen Anteil von 65,7% /1/
Die österreichische Marktentwicklung von 1988 bis 2000 zeigt Abbildung
1. Die jährlich neu installierten Photovoltaikkapazitäten erhöhten
sich kontinuierlich um bis zu 52% pro Jahr von 81 kWp im Jahr 1988 auf 4874
kWp im letzten Jahr. Die solare Stromproduktion stieg auf etwa 3,2 GWh im Jahr
2000. Der 35%-ige Anstieg um 1272 kWp von 1999 auf 2000 resultiert überwiegend
aus der steigenden Anzahl von Großprojekten. Weitere Beispiele für
diesen Trend sind die 1,3 km lange Solar-Schallschutzmauer auf der Südautobahn
bei Gleisdorf und die 2200 m² große Dachanlage in St.Veit/Glan, die
den notwendigen Strom zur Produktion von thermischen Sonnenkollektoren generiert.
Auch die Wiener Stadtverwaltung plant eine PV-Großanlage von immerhin
etwa 850 m². Die Marktaufteilung verschiebt sich immer mehr von den Inselanlagen
auf netzgekoppelte Systeme, die zwei Drittel der in Österreich installierten
Leistung ausmachen. Diese Entwicklung wird durch günstige Förderbedingungen
bzw. erhöhte Einspeisetarife in Kärnten, Oberösterreich, Steiermark
und Vorarlberg forciert.
Die Preisentwicklung der Solarmodule von 1990 bis 1999 ist im Abbildung 2 dargestellt.
Während der Kostentrend bis 1996 kontinuierlich um etwa 3% pro Jahr fiel,
stabilisierten und stiegen die Modulkosten in den letzten Jahren durch die übergroße
Nachfrage am Weltmarkt. Gründe hierfür sind die Förderprogramme
in Deutschland, Japan, Holland und den USA. Da der weltweite Solarmodulmarkt
überhitzt ist, werden die Modulkosten sicherlich auch weiterhin auf dem
hohen Niveau bleiben.
Abbildung 2: Solarmodulkosten von 1990 bis 1999 /5/
Etwas anders sieht die Entwicklung der spezifischen Systemkosten für PV-Anlagen aus (siehe Abbildung 3). Diese konnten in Österreich im Durchschnitt um etwa 10% jährlich gesenkt werden. D.h. die Kostendegression wurde in den letzten Jahren durch Preisreduktionen bei den Komponenten und verkürzte Montagezeiten erreicht.
Abbildung
3: Spezifische Systemkosten für PV-Anlagen
in Österreich von 1990 bis 1999
(Quellen: G. Becker und R.Haas)
Solarmodulproduktion
Neue Verfahren zur Solarmodulproduktion werden mit dem Ziel, eine materialschonende Herstellungsweise der dünnen Solarzellen zu ermöglichen, entwickelt und getestet. Gerade die Herstellung der dünnen Scheiben, das Sägen aus dem Block der Siliziumschmelze (polykristalline Zellen) bzw. aus dem gezogenen Einkristall (monokristallines Silizium) führt zu einem hohen Anteil an Abfällen des kostbaren Grundmaterials. Darüber hinaus sind die derart produzierten Siliziumscheiben aus diesen fertigungstechnischen Gründen noch wesentlich dicker als für den photoelektrischen Prozess notwendig wäre. Dünnschichttechnologien wie amorphes Silizium und Kupfer-Indium-Diselenid sind hoffnungsvolle Alternativen. Der Wirkungsgrad und die Stabilität dieser Zellen sind aber allgemein noch wenig zufriedenstellend. Die Wirkungsgradsteigerung bei den am Markt erhältlichen Zellen verläuft stetig, aber langsam /2/. Neue Materialien und die Erfolge im Labor lassen aber sehr wohl erkennen, dass das Ende der Entwicklung noch lange nicht erreicht ist.
Gebäude- und Fassadenintegration
Bei Photovoltaikanlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern stellt sich stark
die Frage nach der optimalen Gebäudeintegration. In letzter Zeit werden
Photovoltaikmodule auch vermehrt in Fassaden integriert oder als gesamte Dachfläche
verwendet. Der überwiegende Teil dieser innovativen PV-Anlagen wird in
den hoch industrialisierten Ländern wie Deutschland, USA und Japan aber
auch Österreich installiert. Wettbewerbe und Impulsprogramme wie z.B. das
"Haus der Zukunft" führen dazu, dass vermehrt Architekten und
Planer in die sehr dynamische Entwicklung der Solartechnologien eingebunden
werden.
Das Marktsegment Gebäude- und Fassadenintegration von PV-Modulen beruht
wesentlich auf der Mitfinanzierung durch Fördermaßnahmen nationaler
oder europäischer Programme. Ziel dieser Programme ist es, neben der Marktdurchdringung
von PV-Anlagen, die Solarzellen wie andere Standardbauelemente in die Gebäudehülle
zu integrieren. Informationskampagnen und Wettbewerbe sind die Instrumente zur
Verbreitung solarer Technologien in den Baubereich. Eine CD-ROM der Internationalen
Energieagentur (IEA) Task VII - "Photovoltaic Power Systems in the Built
Environment" zeigt eindrucksvoll gelungene Beispiele moderner Solararchitektur
(www.demosite.ch).
Abbildung
4: Beispiel für Fassadenintegration
am Forschungszentrum Hartberg
(Quelle: KW-Solartechnik Graz)
PV-Schallschutzmauern
Strengere behördliche Vorgaben (in Österreich) oder Gesetze für neugebaute Verkehrswege, erhöhte Einspeisetarife für den eingespeisten Solarstrom wie auch der Flächenbedarf von PV-Modulen sind Ursache für die sich ausbreitende Errichtung von PV-Schallschutzmauern. Schweiz und Deutschland sind Vorreiter dieser Marktentwicklung, die jetzt auch in Österreich steigendes Interesse findet. Ausgehend von den verschiedenen, bereits in Demonstrationsprojekten realisierten Konzepten und Architekturen wie:
wurden in einer Studie relevante Verkehrswege und durchschnittliche Einstrahlungen abgeschätzt und mögliche Installationspotentiale wie Erträge extrapoliert. [3]
F&E in Österreich
Die ersten Aktivitäten in der PV wurden durch die Energieversorger gesetzt.
Die alpinen Anlagen am Hochlecken-Schutzhaus bzw. am Loser bei Altaussee haben
fast schon geschichtliche Bedeutung. 1993 wurde österreichweit ein Breitentest
für Photovoltaik durchgeführt, bei dem 110 Anlagen errichtet und detailliert
vermessen wurden. arsenal research errichtete und betreute die Messstationen.
Die Errichtung eines Prüfstandes für PV-Wechselrichter war damit in
Zusammenhang zu sehen, da in der Anfangsphase, die Anforderungen bei der Umrichtung
des Gleichstromes aus den Zellen in netzkompatiblen 50 Hz Wechselstrom ein Schwachpunkt
war. arsenal research arbeitet derzeit an 4 EU-Forschungsprojekten im Zusammenhang
mit Sicherheit, Zuverlässigkeit und Netzverträglichkeit bei PV-Anlagen.
Seitens der Forschung und Entwicklung ist vor allem auch Österreichs Mitarbeit
im "Photovoltaik-Power-Systems Programme" der IEA zu erwähnen.
An diesen von Dipl.-Ing. Heinrich Wilk (Energie AG) koordinierten Tätigkeiten
beteiligen sich neben arsenal research auch der bedeutende heimische PV-Wechselrichterproduzent
Fronius, der Verbund sowie die TU Wien.
Über eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation
und Technologie wurde eine von der Energieverwertungsagentur betreute Internetplattform
mit dem Ziel des Technologie-Transfers eingerichtet (www.energytech.at/photovoltaik).
Seitens der Grundlagenforschung arbeiten die Kepler-Universität Linz am
Gebiet der Kunststoff-Solarzellen (Prof. Sariciftci), sowie an der Universität
Wien das Institut für Materialphysik an der Thematik der mikrokristallinen
Dünnschicht-Solarzellen auf Glas. Am Atominstitut der österreichischen
Universitäten arbeitet eine Gruppe um Prof. Summhammer an einem EU-Projekt
zur optischen Gestaltung und Wirkungsgradoptimierung von Solarzellen.
Energetische Amortisation
Fast ausschließlich werden derzeit Silizium-Solarzellen eingesetzt, wobei
kristalline Zellen mit etwa 80% gegenüber der amorphen Silizium-Technologie
klar vorherrschen. Andere Technologien (Kupfer-Indium-Diselenid, Kadmium-Tellurid,
Gallium Arsenid, etc...) sind am Markt derzeit relativ unbedeutend.
Derzeit wird das Grundelement Silizium noch aus Abfallprodukten der Halbleiterindustrie
gewonnen. Die Anforderungen bezüglich Reinheitsgrad sind bei der Halbleiterindustrie
wesentlich höher als für Solar-Silizium. Wird einmal eigenes Solar-Silizium
produziert, so könnte der Energieverbrauch auf etwa 1/10 reduziert werden.
Auch der Einsatz von Chlor (Trichlorsilan) wäre dann nicht mehr erforderlich.
Damit ergibt sich eine massiv verbesserte Ökobilanz. Heutige Studien haben
meist "Pilotproduktionen" zur Basis, was manchmal zu Aussagen über
sehr hohe energetische Rücklaufzeiten und schädliche Emissionen führt.
Wird aber eine "ausgereifte" Produktionstechnologie als Basis herangezogen,
ist die Produktion von Solarzellen auch im Sinne der Umweltbelastungen in der
Herstellung positiv zu bewerten [2].
Ziel einer dynamischen PV-Forschungs- und Technologieentwicklung ist es, die
wirtschaftliche Einführung solarer Energieträger zu beschleunigen.
Hierfür gilt es eine Infrastruktur zu etablieren, welche die innovative
Entwicklung vorantreibt. Die Forschung und Entwicklung (F&E) kann nur dann
auf einem hohen Qualitätsniveau gehalten werden, wenn die Marktnachfrage
für Problemstellungen von Forschungseinrichtungen aufgegriffen und in konkurrierender
Auseinandersetzung mit Mitbewerbern in Projekten umgesetzt werden. Wichtig ist
die Kunden- und Marktnähe der Forscher und Entwickler bzw. für den
Evaluator von F&E-Projekten der Nachweis des Marktbedarfs.
Für das Impulsprogramm "Haus der Zukunft" wurden von der AEE
INTEC [4] verschiedene forschungsrelevante Themenschwerpunkte erarbeitet, die
den Handlungsbedarf für die unterschiedlichen Applikationen gut wiedergeben
(siehe Tabelle 1). Eingeflossen ist dabei eine Fragebogenaktion unter Solarfirmen
wie auch die nachhaltige Ausrichtung des Impulsprogrammes.
|
Netzgekoppelte Anlagen
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Gebäudeintegration
|
Inselanlagen/Hybridanlagen
|
|
Energieeffizienz,
Kostenreduktion |
Innovative
Modulbefestigungskonzepte |
Energie- und
Batteriemanagementsysteme |
|
Modul- bzw. strinorientierte
Wechselrichter |
Architektonische Einbindung von
PV-Elementen |
Laderegler mit MPP-Tracking
|
|
Qualitätssicherung und
Zuverlässigkeit |
Fassadenelemente und
Dachintegration |
Innovative
Hybridanlagen |
Tabelle 1: Förderungswürdige Technologiebereiche /4/
Sonnige Aussichten
Was ist aber nun die langfristige Perspektive der Solarzellentechnik? Kann
Sie aus der Nischenanwendung heraustreten? Kann sie jemals einen gesamtenergetisch
bedeutenden Beitrag leisten? Theoretische Potentialüberlegungen - wie die
überraschend wenigen 3% der Fläche Österreichs, die ausreichend
sein würden, um Österreichs Gesamtenergiebedarf mit Photovoltaik zu
decken - erstaunen, helfen aber nicht viel weiter. Technische und strukturelle
Probleme gilt es zu überwinden, um die Paradetechnologie einer dezentralen
Energieversorgung in einem traditionellen zentralen Stromversorgungssystem zu
implementieren.
In der Umsetzung hat sich die Photovoltaik mittlerweile als integrative Komponente
im innovativen Bauwesen ihren Platz geschaffen; wesentliche Aspekte dabei sind
die Doppelfunktion als Solarfassade, Solardach, Sonnenschutzeinrichtung, gestalterisches
Element oder als Kunstwerk. Die Tatsache, dass die großen Konzerne (unter
anderem aus der Ölwirtschaft) mittlerweile in die PV Industrie eingestiegen
sind - allen voran Shell, BP, Sanyo, Mitsubishi - lässt erahnen, dass auch
große Wirtschaftsunternehmen eine klare Zukunftsoption in dieser Technologie
erkennen. Es gibt in der Tat kaum eine Technologie am Energiesektor, der ein
derartiges Zukunftspotential vorausgesagt wird. Der diskontinuierliche Anfall
bedarf freilich einer flexiblen Abnahmestruktur, effizienter Speichertechnologien
und eines ausgefeilten Lastmanagements.
Öffentliche Förderprogramme für Forschung und Entwicklung, sowie
kostenäquivalente Einspeisetarife sind in der Einführungsphase die
wichtigsten Maßnahmen. Wenn es darum geht, die Energieversorgung in einem
mittelfristigen Szenario ohne atomare aber auch fossile Energie bereitstellen
zu können wird die Photovoltaik sicherlich ihre Rolle einnehmen. Die möglichen
weiteren Wirkungsgradsteigerungen und ein großes Kostensenkungspotential
sind die Basis dieser optimistischen Prognose.
Literatur
[1] G. Faninger, Der Photovoltaikmarkt in Österreich 2000, herausgegeben
vom Bundesverband Photovoltaik in der WKÖ
[2] N. Jungbluth at al., Literaturstudie Ökobilanz Photovoltaikstrom und
Update der Ökobilanz für das Jahr 2000, www.esu-services.ch
[3] Thomas Nordmannn et al., "The potential of PV Noise Barrier technolgy
in Europe", 16th European Photovoltaic Solar Energy Conference and Exhibition,
Glasgow, United Kingdom, Mai 2000
[4] AEE INTEC, Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE, Institut für Nachhaltige
Technologien, "Österreichisches Netzwerk für Nachhaltige Wirtschafts-
und Technologieentwicklung, Aktionsschwerpunkt Solarenergie", Gleisdorf,
Juni 1999
[5] H. Wilk, "Der österreichische Photovoltaikmarkt und IEA-Forschungskooperationen",
Solar 2000, Gleisdorf, September 2000
*) Dipl.-Ing. Hubert
Fechner ist Leiter des Geschäftsfeldes
Erneuerbare Energie beim Östrreichischen Forschungs- und Prüfzentrum
Arsenal Ges.m.b.H. Hubert.Fechner@arsenal.ac.at
Dipl.-Ing. Michael Heidenreich ist
Projektmanager am Östrreichischen Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal
Ges.m.b.H. Michael.Heidenreich@arsenal.ac.at
[^]