OPET Netzwerk Solarthermie
Europäische Union
Die Anwendung von aktiven Solarsystemen in Griechenland
begann in der Mitte der siebziger Jahre. Der Einsatz von elektrischen Heizgeräten
in beinahe jedem griechischen Haushalt bereitete in Kombination mit der Ölkrise
und dem gleichzeitigen Anstieg des Strompreises zu dieser Zeit den Boden für
die Entwicklung des solarthermischen Marktes. Im Jahr 1978 wurde die Dachorganisation
der Solartechnikunternehmen Griechenlands gegründet (EBHE). Werbekampagnen
großer Firmen trugen dazu bei, in diesen ersten Jahren den Solarmarkt
zu etablieren.
Thermische Solaranlagen für Hotels in Griechenland
Von Michaelis Karagiorgas und Anna Palamara*
Bis ins Jahr 1987 stieg der Markt beständig an. In den Jahren 1984 bis
1986 fand eine große Werbekampagne statt, die durch die griechische Regierung
unterstützt wurde. Die Kampagne wurde durch Förderungen beim Kauf
von Solaranlagen unterstützt. Dadurch erhöhte sich der Verkauf von
verglasten Sonnenkollektoren auf 218.000 m² pro Jahr. Zu der Zeit gab es
etwa 300 Hersteller von Solaranlagen. Die meisten installierten Anlagen wurden
direkt in Griechenland erzeugt, Hauptimportland war Israel. Heute sind etwa
3 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche in Griechenland installiert.
Der Einsatz von solarthermischen Anlagen im Tourismus- und Industriesektor ist
nach wie vor niedrig. Im Rahmen des "Nationalen Arbeitsprogramms für
Energie" (OPE) wurden eine Reihe von Solaranlagen in Hotels und Industriebetrieben
errichtet, wobei bis zu 50% der Investitionssumme subventioniert wurden.
Heute gibt es 45 Hersteller von Sonnenkollektoren, die jährlich 300.000
m² Kollektoren produzieren. Von ihnen sind 21 Mitglieder bei der Dachorganisation
der Solartechnikunternehmen Griechenlands, sie decken 54% des heimischen Marktes
(berechnet nach dem jährlichen Umsatz). Drei Firmen importieren Kollektoren,
die importierte Fläche beträgt nur 5.000 m².
Zentrale Warmwasserbereitung
Am Zentrum für erneuerbare Energiequellen (CRES) in Griechenland wurde
eine Studie durchgeführt, welche die Entwicklung von thermischen Solaranlagen
für Hotels in Griechenland in den Jahren 1995 bis 2000 dokumentiert. Der
Schwerpunkt dieser Studie lag bei Solaranlagen zur zentralen Warmwasserbereitung.
Diese arbeiten mit Zwangsumlauf, im Gegensatz zu Solaranlagen mit Naturumlauf,
so genannte Thermosiphonanlagen (siehe unten), die in Griechenland sehr häufig
für die Warmwasserbereitung eingesetzt werden.
Durch die intensive Zusammenarbeit mit Importeuren, Herstellern von solarthermischen
Anlagen in Kreta und Nordgriechenland und Mitgliedern der EBHE konnten umfassende
Daten ermittelt werden. Es wurden zunächst 38 Anfragen an Unternehmen gerichtet.
Nur 15 der befragten Unternehmen haben Projekte mit Solaranlagen mit Zwangsumlauf
im Hotelbereich ausgeführt, die übrigen arbeiten ausschließlich
mit Thermosiphonanlagen.
In Griechenland gibt es über 100 Hotels, die solarthermische Anlagen der
15 Unternehmen einsetzen. Die gesamte Kollektorfläche dieser Anlagen beträgt
28.820 m², das gesamte Volumen der Energiespeicher beträgt 1.172,8
m³. Die durchschnittliche Kollektorfläche beträgt 255 m²
pro Hotel. Die größte Anlage hat eine Kollektorfläche von 2783
m² wohingegen die kleinste Anlage nur 20 m² hat (beide Anlagen versorgen
Tourismusbetriebe auf Kreta mit Warmwasser).
Von den erhobenen Anlagen liegen 41,4% der installierten Kollektorfläche
in Kreta und 2,1% in Nordgriechenland. Die übrigen 56,5% oder 15.285 m²
sind über das restliche Land verteilt. Die Erhebung hat weiters ergeben,
dass ca. 45% der installierten Kollektorfläche eine selektive Beschichtung
hat, der Rest ist mit Solarlack beschichtet. Dies ist ein sehr hoher Anteil,
denn wenn man zu dem Hotelsektor alle anderen in Griechenland installierten
Kollektoren nimmt, so kommt man auf einen Anteil von nur 12% Kollektoren mit
selektiver Beschichtung.
Abbildung 1 zeigt die jährlich installierte Kollektorfläche
in Hotels in Griechenland in den Jahren 1985 bis 2001. Nach einem Einbruch des
Marktes in den Jahren 1991 bis 1996 konnte in den letzten Jahren in ganz Griechenland
wieder eine Steigerung erreicht werden. Den Höhepunkt dieser Entwicklung
stellte das Jahr 2000 mit annähernd 8000 m² neu installierter Kollektorfläche
dar. Dieser starke Anstieg ist vor allem der Entwicklung in Kreta zuzuschreiben,
wo sich ein sehr großer Teil der Anlagen im Hotelsektor befindet. Innerhalb
eines Jahres konnte hier die neu installierte Fläche von ca. 500 m²
im Jahr 1999 auf fast 5000 m² im Jahr 2000 nahezu verzehnfacht werden.
Dieser starke Anstieg kann dadurch erklärt werden, dass im Rahmen des Nationalen
Arbeitsprogramms für Energie für den Bereich der solarthermischen
Anlagen Förderungen gewährt wurden.
Abbildung 1: Marktentwicklung von thermischen Solaranlagen mit Zwangsumlauf im Hotelsektor in Griechenland anhand der jährlich installierten Kollektorfläche in den Jahren 1985 bis 2001
Anlagen, die in Nordgriechenland installiert wurden, spielen in der Gesamtbetrachtung
keine wesentliche Rolle. Einzig ist zu bemerken, dass es in den starken Jahren
1988-1990 und 1999-2000 auch im Norden zu einigen Neuinstallationen gekommen
ist. Letzteres ist ebenfalls dem Förderprogramm im Rahmen des OPE zuzuschreiben,
während die Anlagen Ende der achtziger Jahre auf das Förderprogramm
VALUE der EU zurückgeführt werden können.
Die Entwicklung im restlichen Griechenland (ohne Kreta und Nordgriechenland)
läuft ähnlich wie die in Kreta. In Summe wurden im betrachteten Zeitraum
der letzten 16 Jahre zwar mehr Anlagen installiert, als in Kreta, die durchschnittliche
Kollektorfläche je installierter Anlage war aber etwas kleiner (durchschnittlich
284 m² in Kreta gegenüber 250 m² im restlichen Griechenland ohne
Kreta und Nordgriechenland).
Abbildung 2 zeigt die Größenverteilung
der Anlagen nach der Kollektorfläche. Bei nur zehn Anlagen wurden Kollektorflächen
über 500 m² installiert. Bei diesen zehn größten Anlagen
sind aber 30% der gesamten Kollektorfläche im Hotelsektor installiert.
Im Bereich 100 bis 200 m² Kollektorfläche findet sich die größte
Anzahl der Anlagen.
Abbildung 2: Größenverteilung von thermischen Solaranlagen mit Zwangsumlauf in Hotels in Griechenland. Die durchschnittliche Anlage hat 255 m² Kollektorfläche.
Abbildung 3: 283 m² thermische Sonnenkollektoren liefern die Energie für die Warmwasserbereitung für ein Hotel in Nordgriechenland
Auf dem Flachdach eines Hotels in der Region Halkidiki in Nordgriechenland wurde eine thermische Solaranlage mit Zwangsumlauf zur Warmwasserbereitung errichtet (siehe Abbildung 3). Die Kollektorfläche beträgt 283 m² und ist mit Solarlack beschichtet. Nach Messungen, die vom CRES durchgeführt wurden, beträgt der jährliche Ertrag der Anlage 556 kWh/m². Das entspricht einer Einsparung von 70 Liter Heizöl pro Quadratmeter Kollektorfläche und Jahr.
Thermosiphonanlagen
Anlagen mit Naturumlauf, die ohne eine Pumpe im Kollektorkreislauf nur durch
den Dichteunterschied von warmem und kaltem Wasser arbeiten, werden Thermosiphonanlagen
genannt. Diese waren nicht Bestandteil der Erhebungen. Es wird jedoch geschätzt,
dass im Hotelsektor ca. 35.000 m² Kollektorfläche in Thermosiphonanlagen
installiert sind.
Zusammen mit den Anlagen mit Zwangsumlauf ergibt sich eine gesamte installierte
Kollektorfläche im Hotelsektor von 65.000 m². Es sind also nur knapp
über 50% der in Hotels installierten Anlagen Thermosiphonanlagen. Dies
ist insofern bemerkenswert, da in Griechenland nahezu alle sonstigen installierten
Systeme Thermosiphonanlagen sind.
*) Dr. Michaelis Karagiorgas und Anna Palamara, Zentrum für erneuerbare ENergiequellen (CRES), CRES OPET, Pikermi, Griechenland, mkara@cres.gr, http://www.cres.gr [^]