OPET Netzwerk Solarthermie
Europäische Union
In den letzten Jahren wurde eine starke Steigerung der installierten Kollektorfläche im Süden Spaniens in Andalusien beobachtet. Dies lässt sich sowohl durch die regionale Förderpolitik als auch durch die klimatischen Bedingungen in diesem Gebiet erklären, die optimale Voraussetzungen für thermische Solaranlagen bieten. Die Globalstrahlung auf die Horizontale beträgt jährlich ca. 1800 kWh/m².
PROSOL in Andalusien
Von Montserrat Hernández Zoido*
Das Programm PROSOL, das 1993 ins Leben gerufen wurde, ist bestrebt, sowohl
dem Bedarf seitens der Gesellschaft von heute als auch der zukünftigen
Energiepolitik zu entsprechen. Das Programm ist ein Instrument zur Förderung,
Entwicklung und Verbreitung von Systemen, die erneuerbare Energietechnologien
verwenden. Es wird gemeinsam durch die Firma SODEAN unter der Verwaltung der
andalusischen Landesregierung und des Andalusischen Entwicklungsinstituts durchgeführt.
PROSOL erhielt den Preis als bestes regionales Programm für erneuerbare
Energien im Rahmen der "Take-off"-Kampagne der Europäischen Kommission.
Die Vorbildwirkung des Projektes zeigte sich bereits mehrmals. So wurden in
Marokko Förderungen von Anlagen, die erneuerbare Energiequellen nutzen,
eingeführt. Das Programm in Marokko heißt angelehnt an das spanische
Programm PROMASOL. Auch wurden Aspekte von PROSOL in andere regionale und nationale
Programme übernommen.
Ziele des Programms
Im Rahmen des Programms sollen von der öffentlichen Hand unterstützte
Finanzierungen für den Kauf von Anlagen, die erneuerbare Energien nutzen,
geschaffen werden. Das bedeutet direkte Subventionen und subventionierte Zinssätze
für solarthermische Installationen, Photovoltaikanlagen und Windenergieanlagen.
In Hinblick auf den relativ großen Investitionsaufwand dieser Systeme
sollen auf diese Weise wirtschaftliche Lösungen angeboten werden.
Dahinter steckt die Absicht, den Kauf kleinerer Anlagen zu unterstützen
und das Rückzahlungstempo der großen Systeme zu beschleunigen. D.h.
es werden nicht nur Mittel zur Finanzierung der Installationen überlegt,
sondern auch eine Reihe von begleitenden Maßnahmen. So soll eine Informationskampagne
gestartet werden, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für erneuerbare
Energien zu wecken. Die Gründung neuer Unternehmen, die thermische Solaranlagen,
PV-Anlagen oder Windenergieanlagen bauen und installieren, soll gefördert
werden. Hier soll es auch Unterstützung bei der Entwicklung neuer Systeme
und einen Beratungsdienst für Entwickler und Planer geben.
Das Programm beinhaltet Maßnahmen, die den Markt von erneuerbaren Energietechnologien
mittelfristig beeinflussen sollten. Potentiellen Anwendern soll es ermöglicht
werden, Systeme auf Basis erneuerbarer Energien zu kaufen. Unterstützung
von Herstellerfirmen soll dazu führen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu
verbessern. So kann einerseits die Umwelt durch den Einsatz von energieschonenden
Technologien geschützt werden, und andererseits können durch die Stützung
dieses noch relativ neuen Wirtschaftssektors Arbeitsplätze in der Region
geschaffen werden.
Das Programm PROSOL wird von der Andalusischen Gesellschaft für Energieentwicklung
(SODEAN) in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Industrie, Energie
und Bergwerke geleitet. Die Arbeit von SODEAN umfasst außerdem die Kontrolle
der Serviceleistungen und der Installateure.
Dadurch können die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele
schnell eingeführt werden. SODEAN schafft durch den Einsatz von Werbung
und Maßnahmen innerhalb der Region für eine Verbreitung der Technologien.
Installationsfirmen und Architekten werden beraten und unterstützt. Für
den Technologietransfer werden Erfahrungen aus dem Programm gesammelt und an
andalusische Firmen sowohl innerhalb als auch außerhalb der autonomen
Region weitergeleitet. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und die
Einführung von erneuerbaren Energieprodukten gefördert.
Um die Installation, den störungsfreien Betrieb und die Wartung der Anlagen
zu gewährleisten, wurden im Rahmen des Programms Garantien und eine gesetzliche
Basis geschaffen. Diese Garantien gelten für drei Jahre, und zwar einerseits
für die Materialien und Bauteile, und andererseits für die Installations-
und Wartungsarbeiten. Versicherungen schützen weiters vor Schaden von Außen
wie Diebstahl oder Vandalismus. Ein Handbuch, das die Bedienung und Wartung
der thermischen Solaranlagen erläutert, wurde verfasst und wird den Anlagenbesitzern
übergeben. Um den qualitativen Anforderungen der Käufer gerecht zu
werden wurden technische Spezifikationen für das Anlagendesign entwickelt.
Installationsfirmen haben außerdem die Möglichkeit sich akkreditieren
zu lassen.
Typische Solaranlagen in Andalusien
Typischer Weise werden thermische Solaranlagen rein zur Warmwasserbereitung
eingesetzt. Aufgrund der klimatischen Bedingungen in Südspanien sind Anlagen
zur Raumheizungsunterstützung nicht üblich. Die installierten Anlagen
zeichnen sich durch eine einfache Herstellung und Bauteile aus, die keinen großen
technischen Aufwand zur Erreichung von akzeptablen Ergebnissen benötigen.
Die meisten der in Einfamilienhäusern installierten Anlagen arbeiten nach
dem Thermosiphonprinzip im direkten Kreislauf mit Brauchwasser als Wärmeträgermedium.
Die Tendenz geht zur Zeit allerdings vermehrt in Richtung indirekter Systeme
mit Wärmetauscher zwischen Wärmeträgermedium und Brauchwasser
zur Steigerung der Lebensdauer des Systems. Weiters werden vermehrt Anlagen
mit Zwangsumlauf installiert, die eine bessere architektonisch-technische Integration
der Systeme ermöglichen.
98% der in den Jahren 1997 bis 2001 installierten Anlagen in Südspanien
haben Kollektorflächen kleiner als 10 m² (siehe Tabelle 1). Die meisten
davon sind Anlagen zur Warmwasserbereitung in Haushalten.
| Thermische Solaranlagen | Anlagen | Kollektorfläche | |||
| Anzahl | (%) | m² | (%) | ||
| Anlagen < 10m² | zertifizierte Solaranlagen für Haushalte |
11.710 | 93 | 49.296 | 80 |
| Sonstige | 679 | 5 | 2.934 | 5 | |
| Anlagen >=10m² | 270 | 2 | 9.416 | 15 | |
| Summe | 12.659 | 100 | 61.646 | 100 | |
Tabelle 1: Die in Andalusien errichteten Systeme im Rahmen des PROSOL Programms von 1997 bis 2001
Solarenergiemarkt
Das Ziel des Programmes ist es, gemäss dem EU-Weißbuch für
erneuerbare Energien, bis zum Jahr 2010 12% des Primärenergiebedarfs in
Andalusien aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Zur Erreichung der Mindestziele
für den Zeitraum 2000 bis 2010, ist die Installation von 936.000 m2 thermischer
Sonnenkollektoren geplant. Derzeit sind insgesamt 140.100 m2 Kollektorfläche
installiert. Zur Erreichung der Ziele muss das Marktpotential von thermischen
Solaranlagen von 2,5% auf 25% und die installierte Kollektorfläche von
14 auf 142 m² pro 1000 Einwohner gesteigert werden. Abbildung 1 zeigt die
Entwicklung des Solarmarktes in Andalusien bis 2010, wenn die geplanten Maßnahmen
umgesetzt werden. Bei diesem Maßnahmenpaket stellt das Programm PROSOL
eine der Hauptinitiativen dar. Tabelle 2 zeigt das technische Nachfragepotential
von thermischen Solaranlagen in verschiedenen Bereichen, dieses beträgt
in Summe fast 4 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche.
Abbildung 1: Prognose über die Entwicklung der installierten Kollektorfläche in Andalusien bis 2010 bei Durchführung der geplanten Fördermaßnahmen
| SEKTOR | m² |
| Mehrfamilienhäuser | 1.010.000 |
| Einfamilienhäuser | 2.560.000 |
| Krankenhäuser | 25.600 |
| Hotels | 216.155 |
| Industriebetriebe | 23.500 |
| Sportzentren | 40.170 |
| Sozialwohnhäuser | 11.600 |
| SUMME | 3.887.025 |
Tabelle 2: Das technische Nachfragepotential solarthermischer Anlagen in Andalusien aufgegliedert nach Bereichen
Ausblick
Dank der Entwicklung des Solarenergiemarktes seit Beginn der Schaffung des
Programms PROSOL sind bis zum Jahr 2001 mehr als 150 Firmen im Solarenergiebereich
in Andalusien gegründet worden. Dadurch konnten an die 500 Arbeitsplätze
geschaffen werden. Durch die Bemühungen aller Projektteilnehmer wird es
möglich, einen soliden und überlebensfähigen Solarenergiemarkt
aufzubauen.
Nach der finanziellen Unterstützung, die von der andalusischen Landesregierung
zu Beginn des Programms gewährt wurde, ist es nun in weiterer Folge nötig,
die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Weiters sollten zur weiteren
Verbreitung der Solartechnologien Maßnahmen in der Ausbildung und in der
Öffentlichkeitsarbeit gesetzt werden.
*) Montserrat Hernández Zoido ist Mitarbeiterin von SODEAN-Andalusische Gesellschaft für Energieentwicklung, Sevilla, Spanien. OPET South Spain, mhernandez@sodean.es [^]