OPET Netzwerk Solarthermie
EU-Beitrittskandidaten
In Polen werden solarthermische Anlagen hauptsächlich zur Produktion von
Warmwasser verwendet. Diese werden im Bereich von privaten Wohnhäusern,
öffentlichen Gebäuden und in touristischen Einrichtungen zur Bereitung
von Warmwasser im Sommer eingesetzt. Ein weiterer üblicher Anwendungsbereich
ist die Beheizung von abgedeckten und nicht abgedeckten Schwimmbädern.
Thermische Solarenergienutzung in Polen
Von Stanislaw Golebiowski und Gregorz Wisniewski*
Neben fünf größeren Herstellern von Flachkollektoren und einem
Hersteller von Vakuumröhrenkollektoren gibt es über 50 Installateure,
die solarthermische Anlagen errichten. Schätzungsweise sind in Polen derzeit
rund 19.000 m² verglaste Sonnenkollektoren in Betrieb. Nach einer Erhebung
des Baltic Renewable Energy Center (EC BREC) bei Herstellern und Installateuren
wurde der größte Anteil davon erst in den letzten Jahren installiert.
Trotz der relativ hohen Kosten ist der Verkauf von Solaranlagen in den letzten
Jahren gestiegen. Die verkaufte Fläche von Sonnenkollektoren hat sich vom
Jahr 1999 auf das Jahr 2000 verdoppelt. Im Vorjahr wurden etwa 2.000 m²
Kollektorfläche installiert.
Typische thermische Solaranlagen in Polen sind eher klein dimensioniert und
haben Kollektorflächen von einigen wenigen bis etwa 12 m². In letzter
Zeit wurden aber auch einige größere Anlagen mit Kollektorflächen
bis über 100 m² gebaut.
Die Systempreise von solarthermischen Anlagen in Polen hängen von ihrer
Effizienz und auch vom Lieferanten ab und bewegen sich zwischen 280 und 1600
Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche. Die niedrigeren Preise beziehen
sich auf Flachkollektoren, Vakuumröhrenkollektoren liegen im oberen Preisniveau.
Seit Oktober 2001 gibt es am EC BREC einen Teststand für Sonnenkollektoren,
an dem technische und energetische Parameter getestet werden können. Der
Teststand wurde nach den Anforderungen der ISO 9806 gebaut.
Abbildung 1:
Teststand nach ISO 9806 für Sonnenkollektoren am Baltic Renewable Energy
Center (EC BREC)
Nationale Entwicklungsstrategie erneuerbarer Energieträger
Die vom polnischen Umweltministerium herausgegebene "Entwicklungsstrategie
für erneuerbare Energieträger" ist die wichtigste politische
Publikation, die sich auf erneuerbare Energien im allgemeinen und auf Solarenergie
im besonderen bezieht. Der Ministerrat in Polen stimmte dem Strategiepapier
am 5. September 2000 zu, schließlich wurde es am 23. August 2001 vom polnischen
Parlament angenommen.
Die wesentlichen Punkte des Strategiepapiers sind nationale Maßnahmen,
um den Anteil von erneuerbaren Energien am Primärenergiebedarf von Polen
von 2,5% im Jahr 1999 auf 7,5% im Jahr 2010 bzw. 14% im Jahr 2020 zu heben (siehe
auch Abbildung 2).
Um zunächst das angestrebte Ziel bis zum Jahr 2010 zu erreichen, müssen
im Bereich der solarthermischen Anwendungen 100 MW solare Luftkollektoren und
700 MW solare Wasserkollektoren installiert werden (dies entspricht 0,1% bzw
0,9% des gesamten Primärenergiebedarfs in Polen).
Das im Strategiepapier geschätzte nutzbare solare Energiepotenzial ist
relativ hoch und liegt bei 1340 PJ (siehe Abbildung 3). Die Nutzung dieses Potenzials
ist jedoch durch das ungleiche Angebot der Solarenergie über das Jahr schwierig.
Die von solaren Wasserkollektoren produzierte Kilowattstunde ist relativ teuer
im Vergleich zur Energie, die mit fossilen Brennstoffen hergestellt werden kann.
Dagegen ist die Energie aus solaren Luftkollektoren gleich teuer oder sogar
billiger als die aus konventionellen Systemen.
Das Strategiepapier für erneuerbare Energieträger in Polen setzt einige
Maßnahmen voraus, um die Verwendung der "gegenwärtig noch teuren"
erneuerbaren Energietechnologien wie Solaranlagen zu fördern. So sollen
potenzielle Kunden beispielsweise durch gemeinsame Ausschreibungen und durch
Zertifizierungen von Systemen zum Kauf angeregt werden. Weiters sollen einige
gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, wie zum Beispiel die Verpflichtung
für lokale Verantwortliche, ihre Energiepläne für die Region
in Hinsicht auf das Vorhandensein von erneuerbarer Energie und die Nutzbarkeit
von Solarenergie zu analysieren.
Besonders in der Startphase sollen Investitionen hauptsächlich durch Strukturfonds
der EU und bilaterale Unterstützungsprogramme gefördert werden. Im
weiteren Verlauf soll innerhalb der Möglichkeiten des staatlichen Budgets
die Unterstützung durch direkte Förderungsmaßnahmen und Bankanleihen
gewährt werden.
Arbeitsprogramme
Ein wichtiges Instrument zur Verbreitung und Weiterentwicklung des Solarenergiesektors
sind Ausbildung und Training. Die Einführung von Trainings- und Weiterbildungsprogrammen
sowohl im Bereich der Schulen und Universitäten, als auch bei Entscheidungsträgern
ist ein wesentliches Arbeitsfeld in den kommenden Jahren.
Die Entwicklungsstrategie für erneuerbare Energieträger verlangt auch,
dass Verantwortliche in zentralen Stellen entsprechende Maßnahmen setzen.
So soll eine Erhebung durchgeführt werden, in der das bestehende Energiegesetz
auf Relevanz im bezug auf erneuerbare Energieträger untersucht wird. Es
soll auch der Frage nachgegangen werden, wie sinnvoll eine gesetzliche Verpflichtung
wäre, Strom und/oder Wärme aus erneuerbaren Energieträgern zu
kaufen. Ein weiterer Punkt ist die Ausarbeitung eines staatlichen Programms
für die Nutzung erneuerbarer Energie im Bauwesen. Kurzfristige und langfristige
Programme sollen dazu beitragen, die Nutzung von erneuerbaren Energien und besonders
der Solarenergie voranzutreiben.
Im Strategiepapier wird darauf hingewiesen, dass die Umsetzung der politischen
Vorgaben bezüglich erneuerbarer Energien vom EC BREC am Institut für
Bautechnik, Mechanisierung und Elektrifizierung der Landwirtschaft (IBMER) durchgeführt
werden soll. Der Volltext des Strategiepapiers wurde auf der Homepage des EC
BREC/IBMER veröffentlicht: http://www.ibmer.waw.pl/ecbrec/eng/main.html
- "Energy policy and planing".
Abbildung 2: Vergleich der tatsächlichen Nutzung erneuerbarer Energien in Polen im Jahr 1999 mit dem technischen Potenzial. Quelle: EC Baltic Renewable Energy Centre
Polens solare Zukunft
Die polnische Entwicklungsstrategie für erneuerbare Energieträger
ist eine der ersten politischen Publikationen in den EU-Beitrittskandidatenländern
auf diesem Niveau. Das bedeutet aber auch, dass es schwierig ist, eine genaue
Planung und Prognose der Entwicklung der erneuerbaren Energieträger in
Polen zu erstellen, da diesbezüglich noch die Erfahrung und eine auf diese
Länder angepasste Vorgangsweise fehlen.
Aus diesem Grund wurde in den Jahren 2000 und 2001 auf Wunsch des polnischen
Umweltministeriums das Simulationsmodel SAFIRE (Strategisches Abschätzungsinstrument
für die Nutzung rationeller Energie) verwendet. Das SAFIRE-Modell wurde
entwickelt, um die Möglichkeiten der Entwicklung von erneuerbaren Energietechnologien
im Vergleich zu konventionellen Energietechnologien zu untersuchen und abzuschätzen.
Weiters erlaubt es den Vergleich der Verwendung der verschiedenen Energieträger
abhängig vom Energieverbrauch.
Energieszenarien
In der Studie wurden vier Szenarios über die Entwicklung der Nutzung erneuerbarer
Energien bis 2020 in Polen entworfen, die sich hauptsächlich im Ausmaß
der voraussichtlichen finanziellen Unterstützung unterscheiden. Zunächst
gibt es ein "Referenzszenario", bei dem die staatlichen Förderungen
auf dem Niveau des Jahres 2000 bleiben. Als zweites wird das "Umweltszenario"
betrachtet, bei dem ein größerer Teil des nationalen Budgets als
bisher in Förderungen fließt. Schlussendlich gibt es zwei so genannte
"Indirekte Szenarien", bei denen verschiedene Aktivitäten, die
im Strategiepapier gefordert werden, als durchgeführt betrachtet werden.
Trotz ihres deutlich höheren technischen Potenzials (siehe Abbildung 3)
wird in der Prognose davon ausgegangen, dass im Jahr 2020 etwa 395 PJ aus thermischen
Solaranlagen und 5 PJ aus Photovoltaikanlagen bereitgestellt werden. Es wird
angenommen, dass der Markt für die Solarenergie im Vergleich zu den anderen
erneuerbaren Energien nur sehr langsam wachsen wird. Im Jahr 2020 wird der Anteil
der Solarenergie am gesamten Energiebedarf in Polen nicht über 1% hinausgehen.
Mit der erhöhten Förderung, von der das "Umweltszenario"
ausgeht, würde ein Anteil vom 1,7% erreicht werden. Die installierte Leistung
von Sonnenkollektoren beträgt dann nach dem "Referenzszenario"
59 MW und nach dem "Umweltszenario" 2145 MW.
Förderungen
Bei den relativ hohen Investitionskosten von Solaranlagen und den gegenwärtig
niedrigen Preisen von fossilen Brennstoffen ergeben sich daraus entsprechend
lange Amortisationszeiten. Ein zusätzliches Problem ist, dass vornehmlich
kleine Betriebe Solaranlagen herstellen. Diese Firmen haben eine relativ geringe
finanzielle Basis und können mit Krediten, die für Investitionen erforderlich
wären, nicht überleben, besonders bei dem derzeitigen Kreditsystem
in Polen.
Ein weiteres Hemmnis für Investoren ist der Mangel an notwendigem Wissen
und Erfahrung bei der Formulierung von Projektanträgen und bei der Einreichung
der Projekte bei den Förderstellen. Außerdem zeigen die Banken kaum
Interesse an der Finanzierung solcher vergleichsweise kleinen Projekte, da sie
einen geringen Profit abwerfen und dennoch einen hohen Verwaltungsaufwand haben.
Generell ziehen es Banken und andere Geldgeber vor, ihre Kredite für "klassische"
industrielle Anwendungen zu gewähren, die staatliche Garantien vorweisen
können.
Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Institutionen, welche die Entwicklung von
erneuerbaren Energietechnologien in Polen finanziell unterstützen; darunter
sind unter anderen der Nationale und der Regionale Fond für Umweltschutz
und Wassermanagement. Diese Institutionen gewähren je nach Bedarf Darlehen
oder leisten direkt Unterstützungszahlungen. Diese sind durch 50% der Investitionssumme
begrenzt. Private Investoren werden hier gleich behandelt wird Firmen.
Für die finanzierenden Institutionen sind Solaranlagen in Polen also Investitionen
im kleineren Umfang mit großem Aufwand. Für diese ist es schwieriger
eine Unterstützung zu bekommen. Außerdem hat sich gezeigt, dass es
mit verwaltungstechnischen Hürden eine Menge Schwierigkeiten gibt, die
vom "kleinen" Investor nicht immer so leicht überwunden werden.
Große Installationen mit mehreren hundert Quadratmetern Kollektorfläche
sind zwar nicht sehr üblich, haben aber eine viel größere Chance,
eine Förderung zu bekommen.
Eine neue Strategie soll nun helfen, auch für kleine Solaranlagen Förderungen
zu erhalten. Dafür werden mehrere Projekte in einer Region zusammengefasst.
Dadurch kann eine höhere Förderungssumme von Förderungsinstitutionen
erzielt werden. Weiters ermöglichen diese - in Summe größeren
- Aufträge ein Verhandeln mit Firmen über Preisreduktionen.
Realisierte Großanlage
Um mit einem Förderansuchen für große Solaranlagen Erfolg zu haben, ist eine Machbarkeitsstudie und eine Kostenkalkulation nötig, welche die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit dieser Investition belegen. Diese Studien sollten auf einer möglichst genauen Vorausberechnung der Leistung der Anlage beruhen.
Abbildung 3: Auf dem Dach eines Klosters im Süden Polens wurden 128 m² Kollektorfläche für die Warmwasserbereitung installiert
In einem Redemptoristenkloster, das im sechzehnten Jahrhundert in Tuchow im
Süden Polens erbaut wurde, wurde eine Solaranlage installiert. Die Simulation
der Anlage wurde am EC BREC/IBMER mit dem Simulationsprogramm TRNSYS durchgeführt.
Die Solaranlage stellt das Warmwasser für 120 Personen bereit. Die installierte
Kollektorfläche beträgt 128 m² und das Speichervolumen 10 m³.
Da aber die maximale Speichergröße durch die räumlichen Gegebenheiten
beschränkt war, musste das benötigte Volumen auf mehrere Speicher
aufgeteilt werden, die seriell von der Solaranlage beladen werden (siehe Abbildung
5).
Die Nachheizung erfolgt mit Hilfe eines Gaskessels mit einer Leistung von 90
kWth. Durch den beschränkten Platz am Dach des Klosters musste die Kollektorfläche
auf zwei Felder aufgeteilt werden. Die Anlage hat einen (geplanten) solaren
Deckungsgrad von 53,7% und soll einen jährlichen Ertrag von 525 kWh/m²a
bringen.
Abbildung 4: Die vier Speicher zu je 2000 l werden abhängig von der Einstrahlung seriell beladen. Die Warmwasserbereitung erfolgt durch interne Wärmetauscher in zwei weiteren Speichern zu je 1 m³
Schlussfolgerungen
Das Umweltbewusstsein und das Interesse an erneuerbaren Energietechnologien
ist in der polnischen Gesellschaft in den letzten Jahren deutlich gewachsen.
Dazu kommen der politische Wille Förderungspolitik zu betreiben und der
gesetzliche Rahmen für die Durchführung der polnischen Entwicklungsstrategie
für erneuerbare Energieträger. Zusammenfassend kann gesagt werden,
dass in der gegenwärtige Situation in Polen gute Bedingungen für die
Entwicklung solarer Technologien bestehen.
Um die gesetzten Ziele für das Wachstum der erneuerbaren Energietechnologien
in Polen zu erreichen, müssen noch große Anstrengungen unternommen
werden. So zum Beispiel Aktivitäten zur Verbreitung der Technologien und
zur Weiterbildung, die speziell auf Entscheidungsträger abzielen. Die Zusammenfassung
mehrerer kleinerer Projekte in einer Region für gemeinsame Förderungsansuchen
und Ausschreibungen muss vorangetrieben werden.
*) Stanislaw Golebiowski und Gregorz Wisniewski sind Mitarbeiter des Baltic Renewable Energy Center (EC BREC/IBMER), RES OPET Polen, ecbrec@ibmer.waw.pl, www.ibmer.waw.pl/ecbrec [^]