OPET Netzwerk Solarthermie
EU-Beitrittskandidaten
Ungarn liegt in einem relativ ebenen Gebiet, das hauptsächlich von Bergen
umgeben ist, so dass die Bedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie
dort günstiger als in vielen anderen europäischen Ländern sind.
Die Sonnenscheindauer pro Jahr liegt zwischen 1900 bis 2200 Stunden, die durchschnittliche
jährliche Einstrahlung beträgt 1300 kWh/m2.
Entwicklung der Solarenergie in Ungarn
Von Eszter Kaboldy und Géza Mészáros*
Ungarn liegt in einem relativ ebenen Gebiet, das hauptsächlich von Bergen
umgeben ist, so dass die Bedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie
dort günstiger als in vielen anderen europäischen Ländern sind.
Die Sonnenscheindauer pro Jahr liegt zwischen 1900 bis 2200 Stunden, die durchschnittliche
jährliche Einstrahlung beträgt 1300 kWh/m².
Die langjährige Durchschnittstemperatur beträgt 10 bis 11°C, der
kälteste Monat ist der Jänner mit einer Durchschnittstemperatur von
-1 bis -2°C, der wärmste Monat ist der Juli mit einer langjährigen
Durchschnittstemperatur von 20 bis 21°C.
Es gibt keine verlässliche Untersuchung über die Anzahl der in Betrieb
befindlichen Sonnenkollektoranlagen. Schätzungen von Experten zufolge sind
in Ungarn zum gegenwärtigen Zeitpunkt 30 bis 40.000 m² Sonnenkollektoren
installiert; ihre Fläche steigt jedes Jahr um ein paar tausend Quadratmeter.
Thermische Solaranlagen werden hauptsächlich für die Warmwasserbereitung,
die Heizungsunterstützung und das Beheizen von Swimmingpools eingesetzt.
Einfamilienhäuser
Die Anzahl der auf Einfamilienhäusern installierten, in Betrieb befindlichen
Solaranlagen beläuft sich auf einige tausend Stück. Der Großteil
des Warmwasserbedarfs für Haushalte in Einfamilienhäusern und Ferienhäusern
kann im Sommer mit Hilfe der Sonnenenergie bereit gestellt werden, wenn die
Sonnenkollektoren auf einer nicht beschatteten Fläche mit der richtigen
Ausrichtung installiert werden.
Übliche Anlagen zur Warmwasserbereitung für Einfamilienhäuser
haben Kollektorflächen bis zu 6 m² und einen Speicher in der Größe
von 200 bis 300 Litern. Mit diesen Anlagen werden jährliche Erträge
von 2000 bis 2200 kWh erzielt.
Die solare Raumheizung ist in Ungarn noch nicht weit verbreitet, da die Installationskosten
aufgrund der erforderlichen größeren Fläche für die Sonnenkollektoren
viel höher als bei Anlagen für die Warmwasserbereitung sind. Ein anderes
Problem besteht darin, dass die relativ große Oberfläche der Sonnenkollektoren
im Sommer ziemlich viel Energie bereitstellt. Es ist aber schwierig, für
diese überschüssige Energie Abnehmer zu finden. Kombianlagen zur Warmwasserbereitung
und Raumheizung werden daher bevorzugt dort installiert, wo man auch über
einen Swimmingpool verfügt und die im Sommer gewonnene Energie genutzt
werden kann. In diesem Fall sorgt jedoch die ziemlich komplizierte automatische
Regelung dafür, dass der Preis für die Anlage steigt.
Tourismuseinrichtungen und Hotels
Immer mehr Gästehäuser und Hotels in Ungarn werden mit einem eigenen
Swimmingpool ausgestattet. Ein typisches Beispiel dafür ist das Hotel Helia
in Budapest.
Um die Bereitstellung des Warmwassers und die Beheizung des hauseigenen Schwimmbades
möglichst umweltfreundlich und energiesparend zu lösen, beschloss
das Management des Hotels Helia die Installation einer thermischen Solaranlage.
Im Jahr 2000 wurde die Planung in Angriff genommen.
Die neue Solaranlage wurde so geplant, dass sie in das bestehende Heizungssystem
integriert werden konnte. Bisher wurde das Warmwasser von zwei Gasthermen mit
je 1066 kW bereitet. Vier Tanks zu je 5 m³ waren bereits vorhanden. Am
Dach des Hotels war Platz für 100 m² Kollektorfläche. Die Kollektoren
wurden mit einem Neigungswinkel von 45° nach Süden orientiert auf dem
Flachdach des Hotels mit einer Konstruktion aus rostfreiem Stahl aufgeständert.
Abbildung 1: Hydraulikschema der Solaranlage für ein Hotel in Budapest. 100 m² Kollektoren dienen zur Vorwärmung des Brauchwassers und des Schwimmbades
Es wird ein solarer Deckungsgrad von ca. 8% erzielt. Um einen solaren Deckungsgrad von 100% zu erreichen, wäre eine Kollektorfläche von 600 m² nötig gewesen. Mit der Solaranlage wird nun das Brauchwasser im ersten der vorhandenen Tanks auf 20 - 40°C vorgewärmt (siehe Abbildung 1). Die Kollektoren liefern jährlich etwa 75.000 kWh an das System (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Einstrahlung in Kollektorebene (45° Neigung, Südorientierung) und solare Erträge für die Warmwasserbereitung und Schwimmbadheizung eines Hotels in Budapest
Eine gute Möglichkeit zur Nutzung der Sonnenenergie sind sanitäre Anlagen auf Campingplätzen. Die Eigentümer sind definitiv daran interessiert, die Energiekosten zu senken. Durch niedrige Investitionskosten und hohe Energieeinsparung können geringe Amortisationszeiten erzielt werden. Weiters besteht die Möglichkeit, für diese Anlagen staatliche Förderungen zu beantragen.
Sonne für Schwimmbad und Kindergarten
In Gögöllö, einer kleinen Stadt ca. 30 km östlich von Budapest,
wurde eine Solaranlage installiert, die einerseits das öffentliche Schwimmbad
beheizt und andererseits Energie für die Warmwasserbereitung im benachbarten
Kindergarten liefert. 36 m² selektiv beschichteter Kollektoren wurden am
Boden mit einem Neigungswinkel von 45° aufgeständert (siehe Abbildung
3). Zur Speicherung der nicht benötigten Energie dient ein 2 m³ fassender
Speicher. Die Nachheizung für das Warmwasser des Kindergartens erfolgt
mit einer Gastherme.
Von der Abteilung für Physik und Prozessmanagement der St. Stephen Universität
wurde ein Datenerfassungssystem installiert. Damit kann eine Fernüberwachung
der Anlage durchgeführt werden.
Förderungen
In den neunziger Jahren wuchs nach dem Ende des alten politischen und wirtschaftlichen
Systems das Bestreben, Energie zu sparen und die Umwelt zu schützen. Zur
Erreichung dieses Ziels sind jedoch nicht nur beträchtliche Investitionen
seitens der Regierung und der Zivilgesellschaft erforderlich, sondern auch eine
Verbreitung des technischen Fachwissens. Diese Änderungen vollziehen sich
heute in einem beschleunigten Tempo. Der Rückstand hinter den weiter entwickelten
Ländern, der sich in ein paar Jahrzehnten ergeben hat, kann aber nur langfristig
aufgeholt werden. Die Nachfrage nach Anlagen, die erneuerbare Energieressourcen
nutzen, ist relativ gering, da die Energiepreise für die Haushalte und
die Reallöhne noch relativ niedrig sind.
Ungarns Absicht der Europäischen Union beizutreten ist untrennbar mit der
Notwendigkeit verknüpft, die Umweltschäden auf ein Minimum zu reduzieren
und Energien effizient zu nutzen. Vor ein paar Jahren wurde der ungarischen
Regierung bewusst, wie wichtig die Nutzung von erneuerbaren Energieressourcen
ist. Dies spiegelt sich in den Ausführungsverordnungen, Maßnahmenprogrammen
und Ausschreibungen wider, die dazu beitragen sollen, dass sich ein Markt für
erneuerbare Energien etablieren kann.
Auf der Basis des Regierungserlasses Nr. 2199/1999, "Ungarns Prinzipien
für die Energiepolitik und die Energiebranche", wurde die Strategie
für das Energiesparen und die effiziente Nutzung von Energie für den
Zeitraum bis 2010 dargelegt. Das Ziel dieses Programms besteht darin, die Nutzung
von erneuerbaren Energien von 28 PJ im Jahr 2001 auf 50 PJ im Jahr 2010 zu steigern.
Das Ziel für die Solarthermie besteht darin, dass mindestens "20.000
Dächer mit Sonnenkollektoren ausgestattet werden sollen".
Im Jahr 2000 gab es vom Wirtschaftsministerium die ersten Ausschreibungen für
nicht zurückzuzahlende Subventionen. Das Budget dafür beläuft
sich auf insgesamt 3,7 Millionen Euro. Das Interesse an erneuerbaren Energien
und an der Installation von Solaranlagen übertraf alle Erwartungen, so
dass das verfügbare Budget aufgestockt wurde. Im Jahr 2001 wurde das Budget
für die Förderung der Nutzung von erneuerbaren Energien von 411.000
Euro auf 1,4 Million Euro erhöht. Auch die Obergrenzen für Investitionen
wurde bedeutend angehoben.
Einen Antrag auf diese Subventionen können folgende Gruppen stellen: Wohnungsbesitzer,
Wohnbaugesellschaften, Zusammenschlüsse von Wohnungseigentümern in
Wohnblocks, Organisationen, die einen Anspruch auf Investitionen, Finanzmittel
und die Zuweisung von subventionierten Mitteln haben, wenn es sich dabei um
öffentliche Verbraucher handelt (z.B. örtliche Behörden), Unternehmen,
die energiesparende Modernisierungsmaßnahmen durchführen, und wirtschaftliche
Organisationen.
Die Subventionen sind für neue Installationen und für Renovierungen
von Anlagen gedacht, die erneuerbare Energien für die Wärme- oder
Stromgewinnung nutzen.
Im Wohnbereich werden die Subventionen bis zu einer Höhe von 30% der Investitionskosten
und maximal 1.030 Euro je Wohneinheit gewährt. Bei Anlagen in öffentlichen
Gebäuden oder bei Firmen werden Subventionen bis zu einer Höhe von
30% der Investitionskosten und maximal 144.000 Euro pro Anlage gewährt.
Die Antragsteller müssen mindestens 25% der Nettokosten selbst aufbringen
können.
Weitere Maßnahmen
Ungarn beteiligt sich als assoziiertes Mitglied an internationalen Programmen.
Private und öffentliche Organisationen und Initiativen, die dazu beitragen,
dass Fachwissen verbreitet wird und Bewusstsein gebildet wird, werden gefördert.
All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Nutzung der Solarenergie
verbreitet wird.
Die Regierung ist dabei, neue Gesetze für elektrische Energie und für
Gas zu erarbeiten bzw. anzupassen. Diese sollen auch erneuerbare Energien einbeziehen.
Auch an einem nationalen Programm für erneuerbare Energien wird gearbeitet.
Der ungarische Normenausschuss führt Schritt für Schritt die EN-Normen
für die Nutzung der Sonnenenergie ein, die in der Europäischen Union
anerkannt sind.
Akteure auf dem Markt
Firmen, welche die Bedeutung der Nutzung der Sonnenenergie erkannt haben, tauchten
auf dem ungarischen Markt bereits in den neunziger Jahren auf. Nachdem die Anfangsschwierigkeiten
nun überwunden sind, gibt es heute 20 bis 25 Firmen, die in diesem Bereich
tätig sind. Der Umfang der Tätigkeiten erstreckt sich auf Import,
Produktion im Inland, Vertrieb, Entwicklung, Konstruktion, Installation, Fortbildung
und Verbreiten von Fachwissen. Das Hauptmerkmal dieser Firmen besteht darin,
dass sie auch noch andere Aktivitäten mit ähnlichen Anforderungen
(zum Beispiel Heizungen, Lüftungsanlagen, sanitäre Anlagen für
Gebäude, Gebäudeservicetechnik, Vertrieb) zusätzlich zu den Aktivitäten
in dem Bereich Solarenergie ausführen. Der Grund dafür ist, dass die
Anzahl der Verbraucher und Anwender nur relativ langsam steigt, so dass die
Aktivitäten in Verbindung mit der Solarenergienutzung alleine normalerweise
nicht rentabel sind.
Heute hat man in Ungarn eine große Auswahl von importierten Solaranlagen:
Verschiedene Firmen importieren Produkte guter Qualität aus Österreich,
Deutschland, der Slowakei, Griechenland und Israel. Es werden neben kompletten
Solaranlagen auch häufig Komponenten wie Absorber, automatische Steuerungen
und Speicher importiert. Einige Firmen vertreiben Materialien und Komponenten
für Selbstbauanlagen.
Zukünftige Entwicklung
Das "20.000-Dächer-Sonnenkollektoren-Programm" im Maßnahmenpakt
der Regierung bedeutet, dass in den nächsten zehn Jahren ca. 100.000 Quadratmeter
thermischer Sonnenkollektoren installiert werden müssen. Um dieses Ziel
zu erreichen, sollen jährlich 10.000 bis 15.000 m2 Kollektorfläche
mehr installiert werden, als im Vorjahr.
Das wachsende Bestreben zu investieren, der Anstieg der Energiepreise, die zu
erwartende Erhöhung der Reallöhne und das gesteigerte Umweltbewusstsein
werden dafür sorgen, dass das Interesse an Solaranlagen steigen und der
Markt für Sonnenkollektoren wachsen wird.
Die Entscheidungsträger der Institutionen und die potentiellen Kunden wissen
oft über die Möglichkeiten der Sonnenenergienutzung, über die
Marktteilnehmer, die Preise und die Qualitätsunterschiede nicht ausreichend
Bescheid. Da es keine landesweite Regelung gibt, unterscheiden sich die installierten
Anlagen zum Teil erheblich in Bezug auf Qualität und technischen Standard.
Daher ist es in Ungarn erforderlich, technische und gesetzliche Standards wie
in den EU-Ländern einzuführen.
*) Dipl.-Ing. Eszter Kaboldy und Dipl.-Ing. Géza Mészáros sind Mitarbeiter am Energy Centre Ungarn in budapest, OPET Ungarn, geza.meszardos@energycentre.hu, http://www.energycentre.hu/ [^]