OPET Netzwerk Solarthermie
OPET weltweit
Lesothos solare Zukunft
Eines von vielen Projekten, das derzeit in Südafrika zur Erprobung und
Förderung der erneuerbaren Energien und zum Umweltschutz beiträgt,
ist das von der UNESCO unterstützte "Solardorf-Projekt" in Lesotho.
Das erste dieser Solardörfer wurde am 15. September 2000 durch den Erziehungsminister
feierlich eröffnet, indem es symbolisch der Region "übergeben"
wurde. Mitglieder des Parlaments und der Regierung, Universitätsangehörige,
traditionelle Stammesführer, Studenten und die Bewohner der Region nahmen
an der Zeremonie teil.
Alle Beteiligten zeigten großes Interesse an den verschiedenen Solartechnologien,
die an der Grund- und der Sekundarschule, an privaten Gebäuden und am "Taung
Skill Centre" des kleinen Dorfes im Bezirk Mohale´s Hoek installiert
worden waren.
Durchgeführt wurde das Projekt durch das Institut für Südafrikastudien
(ISAS), ein Forschungsinstitut an der Nationaluniversität von Lesotho und
das Taung Skill Centre. Das Taung Skill Centre ist ein Wirtschafts-Trainingszentrum,
das von der Region selbst verwaltet wird.
Das ISAS und das Taung Skill Centre bildeten Partnerschaften mit den Bewohnern
mehrerer Dörfer, um die Landbevölkerung zu motivieren, ihre eigene
Entwicklung in die Hand zu nehmen. Sie sollten so früh wie möglich
an der Planung des Projektes beteiligt werden, um auf diese Weise aus den gemeinsamen
Erfolgen, aber auch den Misserfolgen zu lernen.
Die Hauptaufgaben im Projekt waren die Durchführung von Trainingskursen
über Solartechnologien, die Installation von Solaranlagen und die Schaffung
von Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Einsatz von solaren Technologien
zum Erwerb eines Einkommens zu nutzen.
Trainingskurse
Wesentliche Ziele des Projektes waren die aktive Beteiligung der späteren
Nutzer an der Errichtung der Solaranlagen sowie die Einrichtung eines Reparatur-
und Wartungsdienstes im örtlichen Wirtschafts-Trainingszentrum.
Um dies zu gewährleisten, wurden für unterschiedliche Zielgruppen
zahlreiche Ausbildungskurse durchgeführt.
Ein speziell für Entscheidungsträger zugeschnittener einwöchiger
Kurs wurde für 13 Stammesführer aus verschiedensten Landesteilen abgehalten.
Der Kurs vermittelte den Menschen, die weit weg vom solaren Dorf leben und bisher
wenig Kontakt mit Technologien zur Nutzung von Sonnenenergie hatten, die Vorteile
der solaren Energiegewinnung.
Im schulischen Bereich wird die Nutzug der solaren Technologien im Alltag erlernt.
So werden die Mahlzeiten für die Volksschüler energie- und arbeitsparend
mit Solarkochern zubereitet.
Eine weitere Verbreitung der Technologien erfolgt auch dadurch, dass Leute in
das örtliche Wirtschafts-Trainingszentrum kommen, um die generellen Hilfsangebote
in Anspruch zu nehmen. Dabei werden sie zur Besichtigung der Solaranlagen eingeladen
und beginnen sich dann für solare Technologien zu interessieren.
Photovoltaik
Um im solaren Dorf unterschiedliche Anwendungen der Sonnenenergie zu erproben
und zu demonstrieren, wurden sowohl solarthermische als auch photovoltaische
Anlagen errichtet. Für die Beleuchtung der Sekundarschule wurde eine Photovoltaikanlage
installiert, die mit Messgeräten zur Überwachung des Anlagenverhaltens
ausgestattet wurde. Diese Anlage ermöglicht es, dass nun an der Schule
auch Abendkurse für Schäfer abgehalten werden können, welche
die Mehrheit der Analphabeten in Lesotho darstellen.
Eine weitere kleine Photovoltaikanlage wurde an einem Privathaus in Ha Machaha
installiert, um die Nutzung von Solarstrom für Beleuchtung, Radio, Fernsehen
und den Antrieb einer Nähmaschine zu demonstrieren. Auch am Wirtschafts-Trainingszentrum
wurde eine Photovoltaikanlage für die Beleuchtung und für das Aufladen
von Batterien installiert. Der verbleibende Strom wird für das Betreiben
von Bohrern, Sägen und einer kleinen Drehbank für die Herstellung
von Solarkochern genutzt. Die Schuluniformen werden von den Mitarbeitern des
Zentrums und von den Schülern mit einer solarbetriebenen Nähmaschine
hergestellt.
Solarstrom wird auch genutzt, um Wasser für die Bewässerung der Gärten
und Gewächshäuser zu pumpen. Der Verkauf von Setzlingen und Gemüse
aus den Gewächshäusern sind eine wichtige Einnahmequelle des Wirtschafts-Trainingszentrums.
Solarthermische Anwendungen
Solarthermische Technologien kommen in verschiedener Form zur Anwendung. Zunächst
einmal werden Solarkocher für die Zubereitung von Mahlzeiten verwendet.
Dies hat mehrere Vorteile: Durch die Solarkocher wird das Sammeln von Brennholz
zumindest vermindert. Diese Arbeit wird traditionell von Frauen und Kindern
durchgeführt und ist sehr mühsam und zeitintensiv. Weiters werden
durch solares Kochen Erkrankungen der Atemwege und der Augen vermieden, die
durch den Rauch des offenen Feuers ausgelöst werden. Schließlich
wird die ohnehin karge Vegetation nicht noch weiter minimiert.
Abbildung 1: Aufgeständerte Thermosiphonanlage zur Warmwasserbereitung
Sechs Solarkocher (fünf große und ein kleiner) wurden in Schulen,
Einrichtungen der Gemeinde und bei Privathäusern installiert. In der Volkschule
von Liphiring werden damit nun für die Schüler die Mahlzeiten zubereitet.
Sechs Praktikanten nahmen an Kursen im Zentrum teil und kauften Solarkocher
für den eigenen Gebrauch und für Demonstrationszwecke.
Ein großer Solarkocher wurde im benachbarten Dorf Mabalane installiert.
Mitglieder einer Selbsthilfegruppe treffen sich dort regelmäßig in
einem Haus, um gemeinsam Handarbeitsgegenstände herzustellen. Nun kochen
sie dort auch gemeinsam ihre Mahlzeiten. Die Frauengruppe eines anderen Dorfes
erwarb einen Solarkocher, um darin Brot für den Verkauf herzustellen.
Auch die Studenten des Zentrums verwenden einen "Solar Box Cooker"
und einen Parabolkocher, um ihre Mahlzeiten zuzubereiten. So kann auch Besuchern
der Gebrauch dieser Geräte demonstriert werden.
Eine weitere Nutzung der Solarenergie erfolgt durch den Einsatz von solaren
Trocknern. Obst und Gemüse - wie Tomaten, Pfirsiche und Marillen - werden
in einem Solartrockner haltbar gemacht. Weiters können Pflanzen, die in
der traditionellen Medizin eingesetzt werden, in diesen Trocknern zur besseren
Haltbarkeit getrocknet werden.
Auch im Zentrum wird ein Solartrockner eingesetzt, um größere Mengen
von landwirtschaftlichen Gütern für den Weiterverkauf konservieren
zu können. Bewohner der Region bringen ihr Obst und Gemüse und können
für einen Umkostenbeitrag den Solartrockner benützen.
Zur Demonstration wurden am Wirtschafts-Trainingszentrum auch zwei Solaranlagen
zur Warmwasserbereitung errichtet. Diese werden auch im Zentrum hergestellt
und verkauft.
Ausblick
In den ländlichen Gemeinden Lesothos besteht ein großer Energiebedarf.
Solarenergie ist eine mögliche Energiequelle zur Deckung dieses Bedarfs.
Dennoch sollte auch die Nutzung anderer erneuerbarer Energiequellen wie Wind
und Biomasse erprobt und ausgebaut werden, wenn der gesamte Energiebedarf gedeckt
werden soll. Hybridanlagen, die z.B. mit Sonne und Wind betrieben werden, könnten
zur Produktion von elektrischem Strom eine Lösung bieten.
Die geplante Privatisierung der Stromerzeugung könnte es den Gemeinden
in Zukunft ermöglichen, ihre natürlichen Ressourcen wie Sonne und
Wind zu nützen und ihr eigenes Kraftwerk zu betreiben. Durch den Verkauf
von Strom an das öffentliche Netz würde sich auch eine neue Einnahmequelle
für die Gemeinden eröffnen.
Der Bau derartiger Anlagen erfordert aber auch ein entsprechend großes
Startkapital und eine intensive Schulung der Menschen in der Region. Die Errichtung
der Demonstrationsdörfer durch die UNESCO war der erste Schritt in diese
Richtung.
| Kontakt: OPET SADC, Nick Ndaba, Botswana Technology Centre, Gaborone, Botswana. E-mail: nndaba@botec.bw Internet: www.botec.bw |
*)Gisela Prasad ist Mitarbeiterin des Taung Skill Centre in Lesotho [^]