OPET Netzwerk Solarthermie
OPET weltweit
Im Rahmen eines von der UNESCO unterstützten Projektes
zur Förderung von erneuerbaren Energietechnologien in Entwicklungsländern
wurden in Namibia, Malawi, Mozambique, Lesotho, Angola und Swaziland "Solardörfer"
eingerichtet. Das Ziel dieser Solardörfer ist es, im Rahmen von Demonstrationsprojekten
in Landgemeinden, für die in der nächsten Zukunft keine Aussicht auf
eine Anbindung an das öffentliche Stromnetz besteht, den Basisbedarf an
Elektrizität mit Photovoltaik (PV) zur Verfügung zu stellen.
Solardörfer im südlichen Afrika
Von Sibusiso N. Dlamini und Jonathan Curren*
Eines dieser Solardörfer wurde in Mphaphati, Swaziland auf Initiative
des Ministeriums für Naturressourcen und Energie errichtet. Das Dorf liegt
am Great Usutu River. Die nächste Stromleitung befindet sich in einer Entfernung
von sechs Kilometern, und es bestehen gegenwärtig keine Pläne für
eine Erweiterung des Netzes. Ein Grund dafür ist, dass es in Swaziland
nur wenige Dörfer im herkömmlichen Sinne gibt, da die Häuser
räumlich weit auseinander liegen und eine Versorgung über ein Netz
nicht wirtschaftlich wäre.
In Mphaphati wurden im Rahmen des Solardorfprojektes Photovoltaikanlagen zur
Versorgung eines kleinen Ladens, des Marktes und der Grundschule, die von ca.
170 Kindern besucht wird, errichtet. Aufgrund der großen Entfernung zwischen
den Häusern war es nicht möglich, eine zentrale Photovoltaikanlage
für die gesamte Gemeinde zu errichten, da dafür zu hohe Kosten angefallen
wären.
Eine Voraussetzung für die Errichtung der Anlagen war, dass die Gemeindemitglieder
von Anfang an direkt am Projekt beteiligt werden, damit sie sich als Eigentümer
fühlen und die Verantwortung für die Sicherheit der Anlagen übernehmen,
sobald diese installiert sind.
Da die Wartung der Anlagen ein wesentlicher Faktor für den langfristigen
Erfolg des Projekts ist, war das Ministerium sehr darauf bedacht, dieses Problem
gleich von Anfang an zu regeln. So wurde eine NGO (Nicht-Regierungs-Organisation)
aus der Region damit beauftragt, die Gemeindemitglieder darüber zu informieren,
wie ein Wartungsfonds eingerichtet werden kann und wie klare Wartungsrichtlinien
für die Anlage erstellt werden können. Um dieses Ziel auf nachhaltige
Weise zu erreichen, gründete die Gemeinde einen "Ausschuss für
Sonnenenergie".
Installierte Anlagen
Insgesamt werden acht Häuser mit Solarstrom versorgt. Das sind Schulgebäude,
Gebäude für die Lehrer und für die Belegschaft sowie der Laden.
Vier der Gebäude haben je ein Zimmer, drei je zwei Zimmer und eines hat
fünf Räume. Das Haus mit fünf Räumen wird mit einem polykristallinen
Photovoltaikmodul mit einer Leistung von 80 Wp mit Strom versorgt, die übrigen
Häuser haben jeweils eine 40 Wp-PV-Anlage. Überschüssiger Strom
wird in einer Batterie gespeichert. Jedes Zimmer in jedem Haus ist entweder
mit einer 9 W-Lampe an der Stirnwand oder mit einer Hängelampe mit 9 W
ausgestattet. Jedes Haus hat zudem eine 9 W-Außenlampe.
Um die nächtliche Sicherheit zu erhöhen, wurden vier mit Sonnenenergie
betriebene Straßenlampen installiert. Diese sind für einen Betrieb
von acht bis zehn Stunden pro Nacht mit einer minimalen Autonomie von dreieinhalb
Tagen dimensioniert. Weiters wurde ein mit Sonnenenergie betriebenes Werbe-Leuchtschild
für das Projekt montiert.
| Photovoltaikanlage | Stück |
| 80 Wp Shell Solar (SA) polykristalline Module | 5 |
| Rahmen und Diebstahlsicherung und Vorhängeschlösern | 5 |
| Deep-Cycle-Batterien (96Ah) | 14 |
| 20A Ladungsregler mit akustischem Alarm | 3 |
| Ausstattung Klassenzimmer | |
| Lampen mit 18W | 6 x 3 |
| Farbfernseher | 1 |
| Videogerät | 1 |
| Overhead-Projektor | 1 |
| Radio | 2 |
| Kassettenrecorder | 2 |
Tabelle 1: Anlagendaten der Photovoltaikanlage zur Stromversorgung der Grundschule. Die Schule hat drei Klassenzimmer
Tragbare Wasserpumpanlage
Neben den oben beschriebenen Anlagen wurde im Rahmen des Solardorfprojektes
auch eine tragbare photovoltaisch betriebene Wasserpumpe angeschafft. Durch
die mobile Ausführung soll der Diebstahl von Solarmodulen und Pumpe verhindert
werden.
Die Anlage besteht aus zwei polykristallinen Shell Solar SA Modulen zu je 80
Wp und einer Pumpe. Der 10 m³ fassende Wassertank, die Rohre und der Rahmen
für die Solarmodule sind fest installiert. Die PV-Module werden mit Scharnieren
am Rahmen befestigt und können jeden Tag zusammen mit der Membranpumpe
in einem hoch belastbaren Sack, zum Fluss hinuntergetragen werden.
Auswirkungen und Reaktion der Gemeinde
Die Reaktionen der Gemeinde waren außerordentlich ermutigend. Vor der
Installation mussten die Lehrer sämtliche Korrekturen und die Vorbereitung
für die Schulstunden im Schein von Kerzen erledigen. Sie mussten außerdem
für das Wiederaufladen ihrer Autobatterien zahlen und für deren Transport
sorgen. Mit diesen Batterien wurden Fernsehgeräte, Radiogeräte etc.
betrieben.
Die Lehrer in Swaziland unterrichten nicht besonders gerne in Landschulen, da
der Lebensstandard dort niedrig ist und es keine modernen Einrichtungen gibt.
Dieses Projekt hat dafür gesorgt, dass der Lebensstandard der Lehrer drastisch
gestiegen ist. Daher wird erwartet, dass die Nutzung der Sonnenenergie dazu
beitragen wird, gute Lehrer in den ländlichen Gebieten zu halten.
Die Mehrheit der Universitätsstudenten in Swaziland stammt aus städtischen
Gebieten. Eine der Ursachen dafür ist, dass es in ländlichen Gebieten
zu wenige Möglichkeiten gibt, insbesondere im Hinblick auf den Unterricht
in den Naturwissenschaften. Durch die Installation von Beleuchtung und die Bereitstellung
von audiovisuellen Medien kann der Unterricht verbessert und ein höheres
Bildungsniveau erzielt werden. Dies bewirkt wiederum steigende berufliche Möglichkeiten
für die Studenten.
Im Rahmen des Projekts wurden in einem der Schulzimmer ein Fernsehgerät
und ein Videogerät installiert, die mit der PV-Anlage betrieben werden
(siehe Tabelle 1). Nun besteht auch außerschulisch großes Interesse
an den Möglichkeiten, die das Fernseh- und das Videogerät mit sich
bringen. Die Geräte werden auch für die Erwachsenenbildung, insbesondere
für die Alphabetisierung sowie zur Übermittlung von Informationen
zu Gesundheitsfragen genutzt. Weiters übernimmt die Anlage die Funktion
eines Landkinos, oder man trifft sich an Samstagnachmittagen, um sich Fußballspiele
anzusehen. Dies bringt neben der Erhöhung der Bildung und der Lebensqualität
auch Einnahmen, die für die Wartung der Anlage verwendet werden können.
Schlussfolgerung
Um die Wartung nach der Übergabe zu gewährleisten, hat das Ministerium
für Naturressourcen und Energie einen Wartungsvertrag über ein Jahr
mit dem Lieferanten - Solar International Ltd. - abgeschlossen. Während
dieses Zeitraums werden außerdem vom Ministerium eine Reihe von Inspektionsbesuchen
durchgeführt, damit - wenn erforderlich - Hilfestellung gewährt werden
kann. Zudem hat das Ministerium Schulungskurse für den Sonnenenergie-Ausschuss
abgehalten. In diesen Kursen wurden grundlegende technische Aspekte der Installation
und Wartung von Photovoltaikanlagen vorgestellt.
Aufgrund des Erfolgs dieses Projekts hofft man, dass es zu weiteren Investitionen
für die Nutzung der Sonnenenergie kommt. Dies könnte durch einzelne
Mitglieder der Gemeinde und durch andere interessierte Stellen geleistet werden,
die Geld in die Nutzung der Sonnenenergie investieren. Die Gemeinde hat freundlicherweise
angeboten, ihre Anlage anderen Gemeinden vorzuführen und ihnen sowohl die
Vorteile als auch die Probleme, die ein solches Projekt mit sich bringt, näher
zu bringen. Weitere Projekte, die gegenwärtig für die Gemeinde von
Mphaphati vorbereitet werden, sind ein Solarkocherprojekt und die Installation
eines mit Sonnenenergie betriebenen Münzfernsprechers.
| Kontakt: OPET SADC, Nick Ndaba, Botswana Technology Centre, Gaborone, Botswana. E-mail: nndaba@botec.bw Internet: www.botec.bw |
*)Jonathan Curren
ist Berater für erneuerbare Energien
beim Ministerium für Naturressourcen und Energie von Swaziland
Sibisiso N. Dlamini
ist Mitarbeiter des Ministerium für Naturressourcen und Energie in Mbabane,
Swaziland [^]