OPET Netzwerk Solarthermie
Ökostrom
Strategien für mehr Ökostrom
Von Bertraud Grabler-Bauer, Johann Punzenberger und Armin Themeßl*
In Österreich stammt der Strom im Jahresmittel zu 60% aus Wasserkraft, zu 30% aus kalorischen Kraftwerken und zu 10% Atomstrom (aus Importen). Die Produktion von Ökostrom konnte bisher mit dem jährlichen Stromverbrauchszuwachs von 1 bis 2% leider nicht mithalten.
100% Ökostrom aus dem öffentlichen Stromnetz zu beziehen, ist physikalisch
nicht möglich. Unser Stromnetz im europäischen Verbund ist mit einem
See vergleichbar, in den die verschiedensten Flüsse (Kraftwerke) mit unterschiedlicher
Qualität (verschiedenen Energieträgern) einspeisen. Bei der Ausleitung,
dem Stromverbrauch, entsteht immer ein Strommix. Künftig muss in diesen
"See", so hat es der Gesetzgeber im ElWOG (Elektrizitätswirtschafts
und -organisationsgesetz) beschlossen, mehr "saubere" Energie eingeleitet
werden. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, bis 2007 mindestens 4% Ökostrom
an Endkunden zu verkaufen, oder anderenfalls Ersatzzahlungen zu leisten. Ein
Schritt in die richtige Richtung. Die Ausführungsbestimmungen für
dieses Bundesgesetz liegen jedoch bei den Ländern. Das hat zu neun unterschiedlichen
Einspeisetarifmodellen und in einigen Ländern zur Begrenzung der Abnahmeverpflichtung
geführt, insgesamt zu etwa 50 neuen Verordnungen. Für die Kontrolle
und Begleitung der Durchführung des ElWOG wurde eine Regulierungsbehörde
beauftragt.
Um rasch eine nachhaltige Ökologisierung der Stromerzeugung zu bewirken,
setzte sich die AEE wiederholt für kostengerechte garantierte Einspeisetarife
und eine unbegrenzte Abnahmeverpflichtung für Ökostrom ein. Konsumenten
können die Beschleunigung der Ökostromproduktion im liberalisierten
Markt vor allem durch den Einsatz finanzieller Mittel mitbestimmen.
Systeme mit finanzieller Gegenleistung
Negawatt statt Megawatt: Die ökologischste und billigste kWh elektrischer
Strom ist die nicht verbrauchte kWh. Energiesparende Technologien stehen ausreichend
zur Verfügung. Energieberatungsstellen und Technische Büros bieten
Unterstützung an.
Eine 100%ige Versorgung mit Ökostrom kann nur durch Eigenversorgung mit
einer "Inselanlage" erfolgen, z.B. durch eine Photovoltaikanlage oder
durch einen mit Pflanzenöl betriebenen Generator. Um Bedarfsspitzen abzudecken,
ist hier eine Speicherung von Strom mit Hilfe von Batterien erforderlich. Beim
Bau einer "netzgekoppelten Ökostromanlage" wird auf die kostenintensive
Speicherung verzichtet und der gesamte Ökostrom eingespeist. Die Differenz
zwischen Eigenbedarf und selbst erzeugtem Strom wird dabei vom Netz gedeckt,
aus dem immer ein nicht definierbarer Strommix kommt.
Mit einer finanziellen Beteiligung an Ökostromanlagen wird für eine
garantierte Erzeugung und Einspeisung von Ökostrom gesorgt. Viele private
Betreibergesellschaften bieten solche Beteiligungsmöglichkeiten an, derzeit
allerdings hauptsächlich für Windenergie. Diese Beteiligung in Form
von Aktien, Darlehen oder als stille Gesellschaftsbeteiligung versteht sich
als ökologische Geldanlage. Für das eingesetzte Kapital werden Zinsen
oder Gewinnanteile an die Beteiligten ausgeschüttet.
Systeme ohne finanzielle Gegenleistung
Ab 1. Oktober 2001 ist es für jeden Haushalt möglich, den Stromhändler frei zu wählen. Auf der Stromrechnung müssen zukünftig die Energiequellen ausgewiesen werden, aus denen der Strom erzeugt wurde. Beim Wechsel empfiehlt es sich daher, den Energieträgermix des Anbieters und die Besitzstruktur des Unternehmens unter die Lupe zu nehmen. Bekanntlich haben viele österreichische Energieversorgungsunternehmen durch die massive Beteiligung ausländischer (Atom)Stromkonzerne ihre Eigenständigkeit eingebüßt.
Grüner Strom
Der TÜV zertifiziert "Strom aus ökologischer Produktion"
und bestätigt damit lediglich, dass die Kraftwerke eines Energieversorgers
dem Stand der Technik hinsichtlich Umweltschutz und Energieeffizienz entsprechen
und kein Atomstrom produziert wird. Der Handel mit Atomstrom ist erlaubt. Das
"Österreichische Umweltzeichen für grünen Strom" zeichnet
dagegen Stromanbieter aus, deren Strom ausschließlich aus erneuerbaren
Quellen stammt und definiert eine Mindestanforderung an den Strommix.
Erst wenn die gesamte Stromproduktion aus ökologischen Quellen stammt,
wird aus der Steckdose 100% Ökostrom kommen. Es stellt sich die Frage,
ob Ökostrom überhaupt als Produkt an Endkunden verkauft werden kann.
Die AEE Vorarlberg hat daher ein Fördermodell entwickelt. Stromkunden,
die bereit sind, einen finanziellen Beitrag für Ökostrom zu leisten,
schließen einen verbrauchsabhängigen Fördervertrag ab. Ein Zertifikatsystem
stellt sicher, dass die Fördermittel direkt den Ökostromproduzenten
ihrer persönlichen Wahl zugute kommen. Der Förderbetrag ist mehrwertsteuerfrei.
Die AEE-Mitgliedervereine in den Bundesländern bieten ihren Mitgliedern
verschiedene Finanzierungssysteme an, um den Ausbau von Ökostromanlagen
zu beschleunigen (siehe Infoboxen).
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Beteiligung an Windfang, dem Windkraftprojekt für AEE-Mitglieder
Kontakt: AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE NÖ-Wien, Bahngasse 46, 2700 Wiener Neustadt, arge-ee-noe@nextra.at |
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Pool zum günstigen Einkauf von Naturstrom für AEE-Mitglieder
Kontakt: AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE Kärnten-Salzburg,
Unterer Heidenweg 7, 9500 Villach, aee@aon.at |
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Ökostrombörse zur direkten Förderung einer gewählten
Ökostromanlage
Kontakt: AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE Vorarlberg, Leusbündtweg
49a, vorarlberg@erneuerbare-energie.com,
www.oekostromboerse.at |
*)Gertraud Grabler-Bauer ist Geschäftsführerin der AEE NÖ-Wien, DI Betr. oec. Johann Punzenberger ist Geschäftsführer der AEEVorarlberg, Ing. Armin Themeßl ist Geschäftsführer der AEE Kärnten/Salzburg [^]