Solare Kühlung
Solare Kühlung
Solar
unterstützte Klimatisierung stellt eine vielversprechende Nutzung der Solarenergie
in Gebäuden - insbesondere im Nicht-Wohnungsbau - dar. Sommerliche Gebäudeklimatisierung
hat zwei Hauptaufgaben zu erfüllen: die Kontrolle der Raumlufttemperatur
durch die angepasste Abfuhr von sensiblen Wärmelasten und die Kontrolle
der Raumluftfeuchte durch die angepasste Abfuhr von latenten Lasten. Zugleich
ist immer eine ausreichende Zufuhr von Frischluft zu gewährleisten.
Solare Klimatisierung von Gebäuden - eine Übersicht
Während die Temperaturkontrolle sowohl durch den Austausch von Luft als
auch über entsprechend gekühlte Flächen wie z.B. Kühldecken
erfolgen kann, ist die Abfuhr von Feuchtelasten generell nur durch die Luftbehandlung
möglich /1/.
Beide genannten Anforderungen können durch Kältemaschinen in Verbindung
mit entsprechender Klima-Anlagen-Technik erfüllt werden. Insofern ist ein
möglicher Weg zur solaren Gebäudeklimatisierung der Betrieb von thermisch
angetriebenen Kältemaschinen mit Solarwärme. Alternativ sind aber
auch thermisch angetriebene Verfahren möglich, die über offene sorptive
Prozesse direkt eine Luftbehandlung erlauben. Diese Verfahren werden als sorptionsgestützte
Klimatisierung (SGK) bezeichnet. Tabelle 1 fasst die wichtigsten Charakteristika
der verschiedenen Verfahren zusammen.
Bei den geschlossenen Verfahren mit festem Sorptionsmittel ist ein quasi-kontinuierlicher
Betrieb nur durch die Verwendung von mindestens zwei parallel betriebenen Sorptionsbehältern
möglich. Die Anlagen, die mit dem Stoffsystem Silikagel-Wasser arbeiten,
bestehen aus zwei Adsorbern, einem Verdampfer und einem Kondensator. Während
die eine Sorptionskammer durch Heißwasser regeneriert wird (d.h. das am
Silikagel gebundene Wasser wird desorbiert), nimmt die andere Kammer den im
Verdampfer in die Gasphase überführten Wasserdampf auf. Die dabei
freiwerdende Sorptionswärme muss ebenso wie die Wärme des kondensierenden
Desorbats abgeführt werden. Bislang gibt es Adsorptionskältemaschinen
nur von zwei japanischen Herstellern. Ein Nachteil der Maschinen ist das große
Gewicht und Volumen. Verfahren, die Salz-Ammoniak-Komplexe oder auch Salz-Hydrate
verwenden, befinden sich seit vielen Jahren in der Entwicklung. Allerdings sind
bislang keine Anlagen marktverfügbar bzw. als Prototypen in Pilotanwendungen
im Einsatz.
Tabelle 1: Übersicht
über die wichtigsten Verfahren zur solaren Klimatisierung bzw. Kaltwassererzeugung.
Definition Wärmeverhältnis: gelieferte Kälte pro dafür aufgewendete
Wärme
| Verfahren |
geschlossen
|
offen
|
||
| Kältemittelkreislauf |
geschossener Kältemittelkreislauf
|
Kältemittel (Wasser) in Kontakt mit der Atmosphäre
|
||
| Verfahresprinzip |
Kaltwassererzeugung
|
Luftentfeuchtung + Verdunstungskühlung
|
||
| Sorptionsmittel |
fest
|
flüssig
|
fest
|
flüssig
|
| typische Stoffsysteme (Kälte-/Sorptionsmittel) |
Wasser/Silikagel, Ammoniak/Salz1)
|
Wasser/Wasser-Lithiumbromid, Ammoniak/Wasser
|
Wasser/Silikagel, Wasser/Lithiumchlorid-Zellusose
|
Wasser/Calciumchlorid, Wasser/Lithiumchlorid
|
| marktverfügbare Technik |
Adsorptionskältemaschine
|
Absorptionskältemaschine (1-stufig, 2-stufig)
|
sorptionsgestützte Klimatisierung
|
-
|
| marktverfügbare Leistung [kW Kälte] |
70-1050 kW
|
50 kW -> 5 MW (1-stufig)
250 kW ->5 MW (2-stufig) |
20 kW - 350 kW (pro Modul)
|
-
|
| Wärmeverhältnis (COP) |
0,3 - 0,7
|
0,6 -0,75 (1-stufig)
1,0 - 1,2 (2-stufig) |
0,5 -> 1
|
>1
|
| typische Antriebstemperaturen |
60 - 90 °C
|
80 - 100 °C (1-stufig)
140 - 180 °C (2-stufig) |
45 - 95 °C
|
45 - 70 °C
|
| Solartechnik |
Vakuum-Röhren, Flachkollektoren
|
Vakuumröhren
|
Flachkollektoren, Solarluftkollektoren
|
Flachkollektoren, Solarluftkollektoren
|
1) noch in Entwicklung
Geschlossene Kältemaschinen mit flüssigem Sorptionsmittel sind in
einem breiten Leistungsbereich und in unterschiedlichen Bauformen verfügbar.
Derzeit liegt die Hauptanwendung in Europa im Betrieb in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung
(BHKW, Fernwärme). Für die Klimatisierung werden in aller Regel Anlagen
mit Wasser-LiBr eingesetzt. Neben den einstufigen Maschinen sind auch zweistufige
Anlagen erhältlich, die zwar höhere Antriebstemperaturen benötigen,
damit jedoch höhere Wärmeverhältnisse erreichen (1,1 bis 1,2).
Die meisten Hersteller befinden sich in den USA und Asien (Japan, China, Süd-Korea).
In Europa gibt es vor allem einige Hersteller, die große Anlagen projektbezogen
fertigen.
Das Verfahren der Sorptionsgestützten Klimatisierung (SGK) (engl. desiccant
cooling) ist in der Literatur seit vielen Jahren bekannt. In Europa wurde es
dennoch erst in den vergangenen 15 Jahren zunehmend angewendet, wobei die FCKW-Problematik
ein wichtiges Argument für den Einsatz lieferte. Derzeit sind überwiegend
Anlagen mit rotierenden Sorptionsrädern im Einsatz, es sind aber auch Anlagen
mit periodisch geschalteten Festbettspeichern erhältlich. Die Verfahren
mit flüssigen Sorptionsmitteln befinden sich dagegen noch in der Entwicklung.
Primärenergetische Betrachtung
Das Hauptziel des Einsatzes von Solarenergie zur Gebäudeklimatisierung ist es, im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren Energie einzusparen, ohne eine inakzeptable Verschlechterung des Raumkomforts zu bewirken. Eine einfache Betrachtung zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Primärenergieeinsparung durch den Einsatz solarer Klimatisierung. In die Betrachtung gehen lediglich die Arbeitszahlen bzw. Wärmeverhältnisse der verglichenen Kälteerzeugungsverfahren sowie der Umwandlungsfaktor von Primärenergie in elektrische Energie ein. Das Wärmeverhältnis einer thermisch angetriebenen Kälteerzeugung ist definiert als das Verhältnis aus erzeugter Kälte und dafür aufgewendeter Wärme. Für eine einstufige thermisch angetriebene Kälteerzeugung wurde als Wärmeverhältnis (englisch Coefficient of Performance, COP) ein Wert von 0,7 angenommen, wie es sowohl für einstufige Absorptionskältemaschinen als auch für übliche SGK-Verfahren mit Rotationsentfeuchtern typisch ist. Für zweistufige, thermische Verfahren wurde ein COP von 1,1 angesetzt. Als primärenergetischer Gesamtwirkungsgrad für die Stromerzeugung wurde 0,36 kWh Strom pro kWh Primärenergie angesetzt.
Abbildung 1: Primärenergetischer Vergleich zwischen konventioneller Kälteerzeugung und solar unterstützter thermisch angetriebener Kälteerzeugung (KKM = Kompressionskältemaschine)
Die Darstellung in Abbildung 1 zeigt den Primärenergieeinsatz für
die Kältebereitstellung verschiedener Verfahren im Vergleich, wobei bei
den thermischen Verfahren die Abszisse den solaren Deckungsanteil angibt. Der
Abbildung ist zu entnehmen, dass alle dargestellten Verfahren bei reinem Betrieb
mit Primärenergie (z.B. Erdgasbefeuerung) primärenergetisch schlechter
abschneiden als konventionelle Kälteerzeugung mit modernen Kompressions-kältemaschinen
(dargestellte Arbeitszahl 3,5 bzw. 4,5). Dies entspricht in der Darstellung
einem solaren Deckungsbeitrag von 0%. Je nach Vergleichssystem und einge-setzter
thermischer Kältetechnik müssen bei den thermisch angetriebenen Verfahren
zwischen 10% und 55% der Antriebswärme von der Solaranlage geliefert werden,
um primärenergetisch mit moderner, konventioneller Kältetechnik gleich
zu ziehen. Nur bei solaren Deckungsanteilen darüber ist eine Primärenergieersparnis
erzielbar. Für den Erfolg von Techniken der solaren Klimatisierung ist
es entscheidend, diesen Sachverhalt bei der Auslegung von Anlagen zur berücksichtigen.
Aus der oben dargestellten primärenergetischen Betrachtung ergibt sich,
dass es vor dem Einsatz von Solarenergie zur Gebäudeklimatisierung einer
behutsamen Konzipierung unter Berücksichtigung der Energiebilanz bedarf,
um das Ziel einer Energieeinsparung tatsächlich zu erreichen. Hier sind
unterschiedliche Ansätze bzw. Konzepte möglich, die im folgenden näher
beschrieben werden. Zusätzlich sollten bei einer Planung generell weitere
Wärmeverbraucher wie Heizung und Warmwasser in das Versorgungskonzept einbezogen
werden, um eine möglichst hohe Ausnutzung der Solaranlage und somit zusätzliche
Einspareffekte zu gewährleisten.
Thermisch solarautarke Systemlösung
Bei einem solchen Ansatz wird auf jegliches Backup zur Klimatisierung verzichtet.
Die Devise ist Take, what you get', d.h. es wird immer soviel Klimatisierung'
bereit gestellt, wie mit der aktuell vorherrschenden Einstrahlung möglich
ist, wobei natürlich durch Integration eines Speichers ein gewisser zeitlicher
Ausgleich zwischen Kühllasten und Solargewinnen möglich ist. Ein solcher
Ansatz ist umso erfolgversprechender, je stärker die Raumlasten durch solare
Einstrahlung bedingt sind, also z. B. bei großflächig verglasten
Räumen. Eine Bewertung bzw. Auslegung des Systems kann hier nicht über
eine Energiebilanz oder den solaren Deckungsanteil erfolgen, sondern anhand
einer statistischen Analyse der erwarteten Raumluftzustände.
Ein Beispiel für eine Anlage, die nach diesem Konzept erstellt ist, ist
die mit einem Solarluftkollektor betriebene SGK-Anlage zur Klimatisierung des
Seminarraums der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein in Freiburg
(siehe weiteren Artikel von Henning).
Kompressionskältemaschine als Backup
Wird eine Kompressionskältemaschine anstelle eines thermischen Backup-Systems
gewählt, so ist sicher gestellt, dass nur zu den Zeiten die thermisch angetriebene
Kältetechnik verwendet wird, zu denen ein Betrieb mit Solarwärme möglich
ist. Damit wird die primärenergetisch ungünstige Verwendung von fossilen
Brennstoffen zur thermisch angetriebenen Klimatisierung vermieden. Ein solches
Verfahren wurde beispielsweise im Rahmen einer Anlagenplanung für ein Bürogebäude
in Sizilien untersucht. Dabei wird entsprechend Abbildung 2 eine solar betriebene
SGK-Anlage um einen nachgeschalteten Luftkühler ergänzt, der in Fällen
unzureichender Temperaturabsenkung bzw. Luftentfeuchtung die Erreichung des
erforderten Zuluftzustands sicherstellt.
Abbildung 2: Schema einer solar betriebenen sorptionsgestützten Klimatisierungs-Anlage mit nachgeschaltetem Kühler, der mit Kaltwasser einer Kompressionskältemaschine (KKM) versorgt wird
In Abbildung 3 ist das Ergebnis einer Vergleichsrechnung für ein konkretes Bürogebäude, eine SGK-Lüftungsanlage mit einem festen Volumenstrom von 1500 m3/h und unterschiedliche Auslegungsvarianten des Solarsystems dargestellt /2/. Es zeigt sich, dass bei einem solchen Konzept für alle untersuchten Solarvarianten eine deutliche Einsparung an Primärenergie im Vergleich zu einem konventionellen Referenzsystem (Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, adiabater Kühlung und Kompressionskältemaschine) möglich ist. Zugleich wird die Bedeutung der Integration eines Pufferspeichers deutlich, insbesondere bei kleinen Kollektorflächen. Bei einer Kollektorfläche von 30 m2 bewirkt eine Verdoppelung des Speichervolumens von 1,5 m3 auf 3 m3 eine Reduktion im Primärenergieverbrauch um fast 40%.
Abbildung 3: Primärenergieaufwand des Solarsystems und des Referenzsystems pro kWh bereit gestellter Luftkonditionierung. Ergebnis der Auslegung eines sorptionsgestützten Klimatisierungs-Systems mit Backup-Kältemaschine für ein Bürogebäude in Sizilien (Wetterdaten Catania)
Auslegung von Systemen
Ein wesentlicher Vorteil der Nutzung von Solarenergie für die Klimatisierung
im Vergleich zu anderen Anwendungen im Gebäude (wie z.B. Heizung) ist eine
Zeitgleichheit von Lasten und Solargewinnen - zumindest im saisonalen Maßstab.
Welcher solare Deckungsanteil allerdings im Einzelfall erzielbar ist, hängt
jedoch entscheidend von der zeitlichen Übersteinstimmung von Kühllasten
und Solargewinnen im kleineren Zeitmaßstab ab. Eine exakte Auskunft über
den solaren Deckungsanteil kann im Rahmen einer Anlagenplanung nur durch eine
aufwändige Simulation des Gesamtsystems bestehend aus Gebäude, Klimatisierungssystem
und Solaranlage gewonnen werden. Ein entsprechendes Auslegungsprogramm wird
derzeit im Rahmen von Task 25 Solar Assisted Air Conditioning of Buildings'
des Internationalen Energieagentur Solar Heating & Cooling Programmes (IEA
SHC) entwickelt (siehe Artikel von Franzke, Seite XY). Die Schlüsselfrage
der Übereinstimmung zwischen Solargewinnen und Kühllasten kann allerdings
auch schon mit einfacheren Mitteln geklärt werden. Ein vereinfachtes Verfahren,
das ebenfalls im Zusammenhang von Task 25 entstanden ist, benötigt lediglich
eine Gebäudesimulation sowie eine Berechnung des Solarertrags für
eine angenommene Solaranlage basierend auf einem erweiterten Brutto-Wärmeertragsverfahren.
Bei Anwendung des Verfahrens wird für einen gegebenen Kollektortyp und
eine gegebene Kollektormitteltemperatur für jede Stunde des Jahres der
mögliche Wärmegewinn errechnet, wobei die Kollektortemperatur je nach
Anforderung (Heizung, Kühlung) unterschiedlich zu wählen ist. Die
verfügbare Solarwärme wird der zur Raumklimatisierung benötigten
Wärme gegenüber gestellt. Für jede Jahresstunde ergibt sich die
benötigte Wärme beispielsweise aus einer einfachen thermischen Gebäudesimulation
mit idealer Kühlung/Heizung, d.h. einer Kühlung/Heizung, die sicher
stellt, dass in jeder Stunde der aktuelle geforderte Raumluftzustand eingehalten
wird (z.B. entsprechend DIN 1946 Teil 2). Wird die für jede Stunde resultierende
benötigte Wärme- bzw. Kältemenge mit einem entsprechenden Konversionsfaktor,
der den globalen Wirkungsgrad der Anlagentechnik (Heiznetz, Kälte-/Klimaanlage)
beschreibt, multipliziert, so resultiert die in jeder Stunde benötigte
Wärmeleistung. Aus der Gegenüberstellung von Solargewinnen und Wärmelast
(benötigter Wärmeleistung für Heizung bzw. sommerliche Klimatisierung)
resultiert bei Auftragung aller Werte eines Jahres eine Punkteschar entsprechend
Abbildung 4. Punkte unterhalb einer Geraden charakterisieren einen Zustand mit
höherem Solarertrag als erforderlich, Punkte oberhalb solche mit nicht
ausreichendem Solarertrag. Durch eine einfache Analyse dieser Daten können
der für eine gegebene Kollektorfläche erreichbare solare Deckungsbeitrag
sowie die jährlichen Kollektorerträge errechnet werden. Diese beiden
Größen erlauben bereits eine wichtige Vorentscheidung über die
Sinnhaftigkeit der Anwendung solarer Kühlung, da eine sinnvolle Anwendung
sowohl einen hohen solaren Deckungsbeitrag als auch einen vernünftigen
solaren Systemertrag erfordert.
Das Verfahren kann erweitert werden, um den Einfluss der Integration eines Speichers
zu untersuchen. Dazu werden nicht mehr stündliche Werte bilanziert sondern
Summenwerte mehrerer Stunden /3/.
Abbildung 4: Solargewinne und Wärmelast für die Klimatisierung eines Versammlungsraumes in Freiburg (Stundenwerte). Die Geraden gelten für unterschiedliche Werte der spezifischen Kollektorfläche AA (m2 Absorber pro m2 Raum)
Systeme mit zweistufiger Kältetechnik
Wie Abbildung 1 zeigt, kann bei Anwendung von 2-stufiger Kältetechnik mit entsprechend höherem COP auch schon bei niedrigen solaren Deckungsanteilen eine Primärenergieeinsparung realisiert werden. Entsprechende Absorptionskältemaschinen mit einem COP im Bereich 1,1 bis 1,2 sind marktverfügbar. Allerdings gibt es keine Geräte im kleinen Leistungsbereich bis ca. 250 kW Kälteleistung, und es werden generell deutlich höhere Antriebstemperaturen oberhalb von 140°C benötigt. Insofern kommen für solche Anlagen zur Wärmebereitstellung nur hocheffiziente Solarkollektoren in Frage. Eine interessante Möglichkeit ergibt sich beispielsweise in Verbindung mit vergleichsweise preisgünstigen, einachsig konzentrierenden Parabolrinnenkollektoren, für die im Bereich von Temperaturen für solare Prozesswärme relativ günstige Wärmegestehungskosten möglich sind /4/. Solche Systeme bieten sich insbesondere in strahlungsreichen Regionen mit hohem Direktstrahlungsanteil an.
Zusammenfassung und Ausblick
Bei entsprechender Auslegung bzw. Konzeption von Anlagen der solaren Klimatisierung
können merkliche Energieeinsparungen erzielt werden. Allerdings ist bei
Systemen mit einer Kopplung aus Solarkollektor und fossil befeuerter zweiter
Wärmequelle zum Antrieb der Systeme ein hoher solarer Deckungsanteil notwendig,
um Primärenergie einzusparen. Hier ist eine detaillierte Analyse der zeitlichen
Übereinstimmung von Kühllasten und Solargewinnen erforderlich, da
hierdurch wesentlich der erzielbare solare Deckungsanteil beeinflusst wird.
Hier besteht ein Bedarf an geeigneten Planungshilfsmitteln für die Praxis.
Im Rahmen der IEA SHC-TASK 25 unter Leitung des Fraunhofer ISE werden deshalb
geeignete Auslegungsregeln und Planungsverfahren sowie ein Handbuch für
Anwender erarbeitet. Zusammenfassend scheinen insbesondere Systemlösungen
interessant, bei denen mit einer konventionellen, elektrisch angetriebenen Kälteerzeugung
gearbeitet wird, wenn nicht solar gekühlt werden kann. Insbesondere im
Verbund mit offener Sorptionstechnik ergeben sich hier sowohl hinsichtlich der
Energiebilanz als auch der Wirtschaftlichkeit aussichtsreiche Konzepte /5/.
Für die Weiterentwicklung der Systemtechnik kommt es insbesondere darauf
an, hydraulisch einfache, robuste Verschaltungen einzusetzen, die regelungstechnisch
gut beherrscht werden. Zugleich sind regelungstechnische Verfahren zu entwickeln,
die zu jedem Zeitpunkt eine optimale Ausnutzung der verfügbaren Solarenergie
sicherstellen und damit eine Minimierung des Primärenergieeinsatzes bewirken.
Literatur
/1/ Hans-Martin Henning, Aktive solarthermische Systeme für die Gebäudeklimatisierung.
in: Thermische Solarenergienutzung an Gebäuden (Hrsg. Marko/Braun), Springer-Verlag
1997
/2/ Mario Motta: Thermodynamic design and optimisation of solar assisted desiccant
cooling cycles for Italian climates. PhD-Thesis Universita di Genova, 2002.
Produced in cooperation with Fraunhofer ISE, Freiburg
/3/ Hans-Martin Henning, Heino Wolkenhauer, Uwe Franzke: Auslegung von Anlagen
der solaren Klimatisierung. HLH Bd. 53 (2002), Nr. 1, S. 42-49
/4/ Solar Heat for Industrial Processes. POSHIP-Broschüre. European Commission,
DG TREN, veröffentlicht 2002 (http://www.aiguasol.com/poship.htm)
/5/ Hans-Martin Henning, Carsten Hindenburg: Economic study of solar assisted
cooling systems. BMBF-Abschlussbericht TOS1-HMH-9905-E01
*) Dr. Hans-Martin Henning leitet am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE die Gruppe "Thermische Anlagen und Komponenten", www.ise.fhg.de [^]