Solare Kühlung
Solare Kühlung
Das
Universitätsklinikum Freiburg hat während der vergangenen Jahre im
Rahmen umfangreicher Maßnahmen zum Umweltschutz u.a. seine gesamte Kälteversorgung
auf Techniken umgestellt, die ohne klassische Kältemittel arbeiten. In
einem Laborgebäude, das nicht an das zentrale Kältenetz angeschlossen
ist, wurde noch einen Schritt weiter gegangen und eine solar unterstützte
Kälteversorgung installiert, mit der die Lüftungszentralen eines Laborgebäudes
im Sommer mit Kaltwasser versorgt werden.
Solare Kälteerzeugung mit Adsorptionskältemaschine
Von Hans-Martin Henning und Hendrik Glaser*
In der Heizperiode kann solar gewonnene Wärme ebenfalls genutzt und in
die Luftvorwärmung eingekoppelt werden. Die zentralen Komponenten der Anlage
sind eine Solaranlage mit einem Kollektorfeld von 170 m2 Vakuumröhrenkollektoren
sowie einer Adsorptionskältemaschine GBU NAK mit einer nominellen Leistung
von 70 kW (siehe Abbildung 1). Der Absorber jeder einzelnen Kollektorröhre
wurde um 45° in Südrichtung geneigt.
An den Kosten für die Investition sowie die wissenschaftliche Begleitung
des Pilotvorhabens, die vom FraunhoferInstitut für Solare Energiesysteme
ISE durchgeführt wird, beteiligt sich das Bundesministerium für Wirtschaft
(BMWi) mit 50%. Einen weiteren finanziellen Zuschuss stellte die Firma Sulzer
Infra/Baden (heute: Axima) zur Verfügung, welche die Anlage auch in Generalunternehmerschaft
hergestellt hat. Die erste Inbetriebnahme mit dem ursprünglichen Kollektorfeld
in Größe von 90 m2 war im Mai 1999, eine neuerliche Inbetriebnahme
mit vergrößerter Solaranlage fand im April 2001 statt.
Beschreibung der Anlage
Die Solaranlage ist über einen Plattenwärmetauscher mit dem ersten
Heizkreis verbunden (Abbildung 2). Dieser Heizkreis 1 wird über eine eigene,
stufenlos regelbare Pumpe betrieben. Der Heizkreis 2 enthält die Zusatzwärmequelle,
die mit Dampf aus dem Dampfnetz betrieben wird und treibt die Adsorptionskältemaschine
an bzw. liefert direkt Wärme in den Lastkreis, der die Lüftungsanlage
versorgt. Auch dieser Kreis enthält eine stufenlos regelbare Pumpe. Die
beiden Heizkreise sind über eine hydraulische Weiche miteinander verbunden.
Durch diese Verschaltung sind alle denkbaren Schaltungsvarianten auf der Wärmebereitstellungsseite
möglich.
Abbildung 1: Adsorptionskältemaschine GBU NAK, Nennkälteleistung 70 kW
Abbildung 2: Hydraulisches Schema der Anlage am Universitätsklinikum Freiburg
Betriebsergebnisse
Die Solaranlage trägt an sonnigen Tagen einen wesentlichen Anteil zur
benötigten Antriebswärme der Adsorptionskältemaschine bei. Abbildung
3 zeigt den Tagesverlauf der Leistungen an einem Sommertag. Es wird deutlich,
dass rund um die Mittagszeit (zwischen11 und 15 Uhr) die Solarwärme die
benötigte Antriebswärme übersteigt. Davor und danach muss zusätzlich
Wärme von der Nachheizung geliefert werden. Insgesamt beträgt die
gelieferte Solarwärme rund 78% der benötigten Antriebswärme,
der solare Deckungsbeitrag ist wegen der thermischen Verluste im System allerdings
niedriger.
Ein weiteres Ergebnis der Messungen ist, dass die Adsorptionskältemaschine
nicht das vom Hersteller angegebene Wärmeverhältnis aus gelieferter
Kälte und dazu benötigter Antriebswärme (COP= Coefficient of
Performance) liefert. Für den dargestellten Tag liegt der mittlere COP
bei knapp 40%. Damit liegt er um rund ein Drittel niedriger als vom Hersteller
für die gegebenen Temperaturbedingungen (Heizwasser, Rückkühlung,
Kaltwasser) angegeben. Dies schränkt den erreichbaren solaren Deckungsanteil
erheblich ein, da für eine gegebene, geforderte Kälteleistung deutlich
mehr Wärme benötigt wird, als ursprünglich geplant. Vom Lieferanten
wird derzeit eine Nachbesserung gefordert.
Abbildung 3: Verlauf von Kälteleistung und Wärmeleistungen bzw. Einstrahlung in Kollektorebene an einem Sommertag (26. Juni 2001)
Änderungen in der Anlagentechnik
Nach Inbetriebnahme wurden weitere verschiedene Nachteile sowohl in der hydraulischen
Verschaltung als auch in der Regelung identifiziert und die Anlage entsprechend
verändert. Diese Hinweise können als allgemeine Regeln für die
solare Kälteerzeugung mit Adsorptionskältetechnik gelten.
Die Adsorptionskältemaschine arbeitet periodisch, d.h. jede der Adsorberkammern
wird einmal pro Zyklus von Adsorption auf Desorption umgeschaltet /1/, /2/,
/3/. Bei der Adsorption wird die entsprechende Kammer gekühlt, die Temperatur
im Wärmetauscher beträgt ca. 30°C. Bei der Desorption wird der
im Silikagel gebundene Wasserdampf ausgetrieben, die Temperatur liegt zwischen
60°C und 90°C. Jeweils beim Umschalten von Adsorption auf Desorption
tritt im Rücklauf des Heizkreises 2 eine kurzzeitige, stark ausgeprägte
Temperaturspitze auf, die regelungstechnisch Probleme macht und kurzzeitig Wärme
in den Solarkreis übertragen kann. Um diese Temperaturspitze zu dämpfen
wurde einer der vier wärmeseitigen Pufferspeicher (je 2 m3) seriell in
den heißwasserseitigen Rücklauf der Adsorptionskältemaschine
eingebunden (Komponente 5 in Abbildung 2).
Die Regelung muss ausschließen, dass die Pufferspeicher durch den Rücklauf
der Kältemaschine geladen werden. Speicherladung darf nur durch den Solarkollektor
erfolgen, wenn mehr Solarwärme bereit steht, als aktuell zum Antrieb der
Kältemaschine bzw. zur Luftvorwärmung im Winter erforderlich ist.
Der Einbau eines Kaltwasser-Pufferspeichers ist ebenfalls sinnvoll (hier 2 m³),
um die Kaltwassertemperaturschwankungen, die sich im Verlauf eines Zyklus ergeben,
zu dämpfen und die Regelung lastseitig zu erleichtern.
Es erweist sich als sinnvoll, die Kältemaschine zunächst mit niedriger
Antriebstemperatur zu betreiben. In Abbildung 4 sind die Wirkungsgradkennlinie
des verwendeten Kollektors und der COP der Adsorptionskältemaschine sowie
das Produkt aus beiden Größen, COPsol, dargestellt. Die COP-Kurve
beruht auf Herstellerangaben. Es zeigt sich, dass der Gesamtwirkungsgrad COPsol
bei gegebenen Bedingungen bei ca. 71°C ein Maximum aufweist. Die Maschine
liefert bei dieser Antriebstemperatur allerdings entsprechend der Herstellerunterlagen
nur eine Kälteleistung von 54 kW, d.h. rund 77% der Nennleistung. Die Anlage
wird deshalb so geregelt, dass zunächst mit einer heizseitigen Vorlauftemperatur
von 70°C begonnen wird und bei nicht ausreichender Kälteleistung die
Vorlauftemperatur bis max. 85°C erhöht wird.
Abbildung 4: Kollektorwirkungsgrad, COP, Gesamtwirkungsgrad COPsol und Kälteleistung als Funktion der Betriebstemperatur (Einstrahlung 800 W/m2, Umgebungstemperatur 25°C, Vorlauftemperatur Kühlwasser 30°C, Kaltwassertemperatur 10°C)
Die nach der Auslegung erwarteten Wärmeerträge der Solaranlage werden
erreicht. Die vergrößerte Kollektorfläche mit rund 2,4 m2 Absorber
pro kW NennKälteleistung erlaubt einen vernünftigen solaren Deckungsbeitrag
bei zugleich ausreichendem Kollektorertrag.
Die Teillastregelung der Kältemaschine kann verbessert werden, indem mit
einer variablen Periodenlänge für das Umschalten zwischen Adsorption
und Desorption gearbeitet wird. Standardmäßig schaltet die Maschine
ca. alle sechseinhalb Minuten um. Bei kleiner benötigter Kälteleistung
sollte diese Zeit erhöht werden. Dadurch wird das Sorptionspotenzial des
Silikagels in den Kammern besser ausgenutzt und der COP erhöht sich. Eine
solche Umstellung der Regelung wird in der Anlage in Freiburg für die kommende
Kühlsaison implementiert.
Literatur
/1/ Prospekt der Fa. GBU, Bensheim
/2/ Hans-Martin Henning: Aktive solarthermische Systeme für die Gebäudeklimatisierung.
in: Thermische Solarenergienutzung an Gebäuden (Hrsg. Marko/Braun), Springer-Verlag
1997
/3/ Hans-Martin Henning, Carsten Hindenburg: Sonnenenergie für die Gebäudeklimatisierung.
Sonnenenergie 1/99, 1999
/4/ Katja Scheuble: Modellierung und messtechnische Bewertung einer Adsorptionskältemaschine
in einer solarthermisch unterstützten Kälteanlage. Diplomarbeit Fachhochschule
Furtwangen und Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Freiburg,
3/2001
*) Dr. Hans-Martin
Henning leitet am Fraunhofer Institut für
Solare Energiesysteme ISE die Gruppe "Thermische Anlagen und Komponenten",
www.ise.fhg.de
Dipl.-Ing. Hendrik Glaser
ist Abteilungsleiter für Energie-, Medienversorgung und Umwelttechnik am
Universitätsklinikumg Freiburg [^]