Solare Kühlung
Solare Kühlung
Die steigenden Komfortbedürfnisse sowie moderne Bauformen stellen immer
höhere Anforderungen an die Raumklimatisierung. Das führt dazu, dass
die Anzahl der technischen Anlagen für Kühlung und Raumkonditionierung
weltweit stark zunimmt.
Kühlen mit der Kraft der Sonne
Von Hubertus Fechner und Michael Neuhäuser*
Die globale Entwicklung lässt besonders auch in warmen und tropischen
Breiten ein starkes Wirtschaftswachstum erwarten, was unzweifelhaft mit einem
rasant steigenden Kühlbedarf verbunden sein wird. Aber bereits heute wird
auch in unseren Breiten ein beträchtlicher Teil der Betriebskosten öffentlicher
Gebäude für Lüftung und Klimatisierung aufgewendet. Durch die
derzeit überwiegend eingesetzten Kompressionskühlanlagen, die elektrischen
Strom als Antriebsenergie benötigen, steigt der Elektrizitätsbedarf
in den Sommermonaten massiv an. Die mittelfristig erwarteten steigenden Energiepreise,
besonders wenn auch der Spitzenlastbedarf entsprechend bewertet wird, und Fragen
der Umweltverträglichkeit bestehender Anlagen, tragen dazu bei, den Umstieg
auf alternative Energiekonzepte auch in Fragen der Raumklimatisierung voranzutreiben.
Die grundsätzliche Übereinstimmung zwischen Kühlbedarf und solarem
Angebot lässt im allgemeinen die Speicherproblematik in den Hintergrund
treten. In den Sommermonaten, wenn der solare Ertrag am größten ist,
ist auch der Kühlbedarf am größten. Der überwiegende Einsatz
von Raumklimatisierung findet derzeit in Bürogebäuden statt, was aufgrund
des Benutzerprofils der Synchronisation von Angebot und Nachfrage entgegenkommt.
Bei Wohngebäuden wird hingegen im allgemeinen eine kurzzeitige Verlagerung
in die Abendstunden erwünscht sein.
Solare Kühlanlagen setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Einerseits
bestehen sie aus der Anlage zur Bereitstellung von Energie zum Antrieb der Kälteanlage
und andererseits aus der Kälteanlage, die somit die zweite Komponente darstellt.
Bei den solarthermisch angetriebenen Verfahren wird zum Antrieb der Kälteanlage
Energie, mittels thermischer Sonnenkollektoren erzeugt. Für Kühlung
geeignete Solarkollektoren haben auch in Bereichen hoher Arbeitstemperaturen
(bzw. großer Temperaturdifferenz zur Umgebung) noch entsprechend gute
Wirkungsgrade. Die mittlerweile guten Wirkungsgrade hochselektiver Flachkollektoren
auch in hohen Temperaturbereichen lassen neben den Vakuum-Röhrenkollektoren
auch diese Kollektortypen für Kühlzwecke geeignet erscheinen.
Die am häufigsten eingesetzten Kälteanlagen stellen die Adsorptions-
und die Absorptionsanlagen dar.
Adsorptionskühlung
Adsorptionsanlagen lassen sich in geschlossene und offene Anlagen unterteilen.
In geschlossenen Adsorptionsanlagen adsorbiert das Kältemittel Wasser an
einem Festkörper (Silikagel) unter Freisetzung von Bindungswärme.
Da die Desorption bei niedrigen Antriebstemperaturen erfolgt ist diese Technologie
für den Einsatz für Solarenergie geeignet. Die minimal zu erzielende
Temperatur des bereitgestellten Kaltwassers beträgt rund 5 bis 6 °C.
Offene Adsorptionsanlagen verwenden als Kälteträger die Zuluft. Auch
hier liegen die Antriebstemperaturen mit rund 70 °C ebenfalls sehr niedrig.
Die zu erzielenden Lufttemperaturen liegen bei offenen Adsorptionsanlagen bei
minimal rund 16 °C.
Für adsorptive Kühlverfahren, werden meist Flachkollektoren verwendet.
Diese arbeiten mit dem Wärmeträgermedium Luft oder Wasser.
Absorptionskühlung
Die erste und somit älteste Form der Kühlung und Kälteerzeugung
stellt die Absorptionskälte dar. Um die für Absorptionskühlanlagen
üblicherweise erforderlichen höheren Temperaturen zu erreichen, werden
derzeit überwiegend Erdgas, teilweise auch Fernwärme und in einigen
wenigen Fällen auch bereits Sonnenkollektoren, vor allem Vakuumröhren,
eingesetzt. Um Solarenergie möglichst effizient einsetzen zu können,
ist es generell wünschenswert, mit möglichst niedrigen Temperaturen
das Auslangen zu finden.
Abbildung 1: Prototyp der Absorptionskälteanlage mit 500 W Kühlleistung am Österreichischen Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal
Die Absorptionskälteanlagen arbeiten mit den Stoffpaaren Ammoniak-Wasser
oder Wasser-Lithiumbromid, wobei hier Ammoniak oder Wasser als Kältemittel
zur Verfügung steht. Das Kältemittel wird unter Wärmeabgabe vom
Arbeitsmittel absorbiert und anschließend in einem Austreiber unter Wärmezufuhr
desorbiert. Die Temperaturen liegen hierfür bei 90 °C bis 140 °C.
Anschließend wird es auf den Kondensationsdruck gebracht. In diesem Kältekreis
wird der Austreiber mit Solarenergie betrieben.
Eine österreichische Entwicklung könnte nun bei dieser Technologie
einen entscheidenden Durchbruch bringen. Der Unterschied zwischen der konventionellen
Absorptionskältetechnologie und der vom österreichischen Wissenschafter
Dr. Gerhard Kunze entwickelten Technologie liegt im entwickelten Bypass. Dieser
Bypass erlaubt eine beträchtlich höhere Ammoniak-Konzentration im
Wasser und daher niedrigere Temperaturen im Absorber, was der Nutzung von Solarenergie
als Antriebsenergie entgegenkommt. Um diese Entwicklung zu einer serienreifen
Anwendung zu führen, wird bei arsenal research in Wien derzeit ein EU Projekt
durchgeführt (siehe Abbildung 1). In einem Konsortium unter Leitung der
"iC Consulenten", dem bereits erwähnten österreichischen
Wissenschafter Dr. Gerhard Kunze, sowie schwedischen und französischen
Unternehmen wird seit etwa einem Jahr im Rahmen eines von der EU geförderten
Projektes ein Prototyp getestet. Ziel des Projektes ist es, die Temperatur im
Austreiber auf etwa 70 °C herabzusetzen und dennoch einen stabilen Prozess
zu gewährleisten.
Ausblick
Gelingt dieses Vorhaben, eröffnen sich vielfältigste Perspektiven:
Wenn nun die für die Kühlung benötigte Energie nicht mehr von
fossilen oder atomaren Energien kommt, sondern von der Sonne, wäre das
ein Quantensprung auf dem Öko-Energie-Markt. Angesichts des enormen weltweiten
Marktpotentials ist das Interesse der Wirtschaft an diesem Projekt natürlich
groß. Selbst wenn man von der Umweltverträglichkeit einmal absieht,
sind die weiteren positiven Aspekte des vom neuartigen Absorptionssystems beträchtlich.
Es gibt im Vergleich zu traditionellen Kältemaschinen keine Lärmentwicklung
und kaum Wartungskosten. Da es keine beweglichen Teile gibt, reduziert sich
auch die Abnutzung. Die Montage sollte beim Massenprodukt von jedem versierten
Installateur zu bewerkstelligen sein. Die dafür nötigen Teile, um
so eine Maschine bauen zu können, sind standardisiert auf dem Markt erhältlich.
Es werden keine FCKW-haltigen Kältemittel eingesetzt und zusätzlich
könnten derartige Kühlanlagen in bestehende Solarsysteme eingebaut
werden, wodurch sich ein Mehrfachnutzen ergibt, und somit auch hinsichtlich
der Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen neue Aspekte eröffnet werden könnten.
*) Dipl.-Ing. Hubert
Fechner ist Leiter des Geschäftsfeldes
Erneuerbare Energie und
Dipl.-Ing. Michael
Neuhäuser ist Projektleiter beim Österr.
Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal Ges.m.b.H, Hubert.Fechner@arsenal.ac.at,
Michael.Neuhaeuser@arsenal.ac.at
[^]