Solare Kühlung
Solare Kühlung
Die Firma Prochek Immobilien hat durch das Architekturbüro Harth und Flierl
Amberg in Deutschland ein klimatisiertes Bürogebäude mit 5700 m²
Bruttogeschossfläche errichten lassen. Mit dem Energiekonzept des Ingenieurbüros
Gam-mel in Abensberg soll der Heizenergiebedarf bei 35 kWh/(m²a) und der
Kühlbedarf bei 30 kWh/(m² a) liegen.
Regenerative Klimatisierung eines Bürogebäudes
Das Gebäude wird im Winter über so genannte thermisch aktivierte
Decken (TAD) geheizt. Bedarfsabhängig wird die erforderliche Zusatzheizleistung
über eine Lüftungsanlage zugeführt. Im Sommer wird das Gebäude
über die TAD und die Lüftungsanlage mit Brunnenwasser von ca. 14 °C
gekühlt. Die Luftfeuchtigkeit im Gebäude muss überwacht und begrenzt
werden, um Kondensation an den gekühlten Bauteilen zu vermeiden. Dazu wird
ein neu-artiges, am Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung
(ZAE Bayern) entwickeltes Sorptionssystem eingesetzt, das solar betrieben wird.
Die Bauteilkühlung und das Sorptionssystem benötigen nur wenig elektrische
Energie für Pumpen und Steuerung.
Außenluft (30.000 m³/h) wird im Sommer in einem Entfeuchter mit konzentrierter
LiCl-H2O-Lösung absorptiv entfeuchtet (70 kW) und gekühlt (80 kW)
und über das Atrium dem Gebäude zugeführt (siehe im Titelbild
dieses Artikels das Schema des Sorptionssystems zur Zuluftentfeuchtung und -kühlung).
Die Gebäudeabluft wird an drei Stellen gesammelt. Sie kühlt über
indirekte Verdunstungskühler und ein Kreislaufverbundsystem den Ent-feuchter.
Durch diese "Kälterückgewinnung" werden thermische Leistungszahlen
von 1,2 bis 2,0 erreicht. Die Konzentration der Salzlösung wird im Entfeuchter
von 40% auf ca. 28% herabgesetzt. Verdünnte und konzentrierte Lösung
werden separat gelagert und speichern Energie verlustfrei mit sehr hoher Dichte,
ca. 270 kWh/m³. Die Speicherdauer beträgt wenige Tage bis mehrere
Monate.
Wenn Sonnenenergie verfügbar ist, wird die verdünnte LiCl-H2O-Lösung
im Regenerator auf 60 bis 80 °C erwärmt und damit regeneriert. Wasser
verdunstet und wird mit einem Luftstrom an die Umgebung abgeführt. Das
gelöste LiCl-Salz bleibt im Kreislauf.
Ein Feld von 70 m² Flachkollektoren mit einer solarthermischen Leistung
von 30 - 40 kW, und ein Speichervolumen von ca. 8,4 m³ verdünnter
Lösung sind vorgesehen, um etwa 80% solare Deckung zu erreichen. Die Anlage
soll im Sommer 2002 in Betrieb gehen.
*) Dipl.-Ing. Eberhard Lävemann leitet die Gruppe "Sorptionstechnik" der Abteilung "Solarthermie und Biomasse" des Bayrischen Zentrums für angewandte Energieforschung, ZAE Bayern, in Garching bei München, www.zae.bayern.de, laevemann@muc.zae-bayern.de [^]