Solare Kühlung
Solare Kühlung
Im Allgemeinen gilt die solarunterstützte Klimatisierung von Gebäuden
aufgrund der scheinbaren Übereinstimmung von solarem Angebot und der daraus
resultierenden Kühllast als ein besonders interessantes und wirtschaftliches
Aufgabengebiet.
Simulation solarunterstützter Klimasysteme
Von Uwe Franzke und Christian Seifert*
Anhand des Beispiels der Kühllastberechnung eines Hotels wird jedoch sichtbar,
dass sich zumindest keine völlige Übereinstimmung ergibt, da sowohl
die inneren Lasten als auch die gespeicherte Energie zu einem späteren
Zeitpunkt in den Nutzungsbereich einfließt, als Gesamtstrahlung zur Verfügung
steht. Eine Jahresbetrachtung des Heiz- und Kühlenergiebedarfes des Hotels
zeigt aufgrund der inneren Lasten einen relativ langen Zeitraum, in dem ein
Kühlenergiebedarf besteht (siehe Abbildung 1).
Zur Klärung der energetischen, aber vor allem auch der wirtschaftlichen
Effizienz der solarunterstützten Klimatisierung ist daher eine detailliertere
Betrachtung notwendig. Für wissenschaftliche Untersuchungen stehen dafür
ausgezeichnete Softwaresysteme (z.B. TRNSYS) zur Verfügung. Für die
"schnelle" Entscheidung im Planungsprozess war bisher keine geeignete
Plattform gegeben. Im Rahmen der Internationalen Energieagentur (IEA) wurde
daher im TASK 25 (Solar Assisted Air Conditioning of Buildings) die Erarbeitung
eines Simulationswerkzeuges genau für diesen Anwenderkreis begonnen.
Abbildung 1: Verlauf des Heiz- und Kühlenergiebedarfs eines Hotelgebäudes über ein Jahr
Die Anforderungen an das Simulationssystem ergeben sich aus dem Zeitpunkt der
geplanten Nutzung. Die Entscheidung über den möglichen Einsatz der
solarunterstützten Klimatisierung fällt zu einem sehr frühen
Zeitpunkt des Projektes. Dabei sind notwendige Informationen über die konkreten
Lasten und Nutzungsbedingungen in der Regel ebenso wenig verfügbar, wie
die endgültigen bauphysikalischen Randbedingungen des architektonischen
Entwurfs. Erschwerend kommt hinzu, dass das regelungstechnische Konzept sowie
die hydraulische Verschaltung der Einzelkomponenten in diesem Planungsstadium
nicht verfügbar sind. Aus den genannten Gründen ist daher nur eine
Relativbewertung verschiedener Lösungsansätze unter gleichen Randbedingungen
sowie eine Sensitivitätsanalyse hinsichtlich des Einflusses bestimmter
Einflussparameter möglich. Das Simulationsmodell sollte daher besonders
fehlerresistent und bedienerfreundlich sein.
Es müssen eine Reihe von zulässigen Vereinfachungen und verallgemeinerungsfähigen
Annahmen getroffen werden, die bei der softwareseitigen Umsetzung bereits einfließen
müssen. Dies betrifft sowohl die "optimale" Auslegung des Systems
der solaren Energieerzeugung als auch die Vorgabe der regelungstechnischen Grundfunktionen
für die Kälte- und Klimaanlagen.
Das Klimasystem
Raumlufttechnische Anlagen mit vorgegebenen Raumlufttemperaturen und Raumluftfeuchten
und zu erwartenden Kühllasten und/oder Feuchtelasten werden gemäß
DIN 1946 Teil 1 als Luftkühlanlagen, Luftentfeuchtungsanlagen oder Klimaanlagen
ausgelegt. Sie erfordern im allgemeinen Kälteanlagen. Zum Einsatz kommen
Kompressions- oder Absorptionskälteanlagen zur direkten Kühlung mit
luftbeaufschlagtem Verdampfer oder zur indirekten Kühlung als Kaltwassersätze
bzw. Flüssigkeitskühler. Charakteristisch ist, dass diese Kälteanlagen
in ihrer Ausführung auf die Bedingungen in raumlufttechnischen Anlagen
zugeschnitten sind, so dass man von einer "Klimakältetechnik"
sprechen könnte.
Klimatisierung bedeutet allgemein, dass die Funktionen Heizen, Kühlen,
Befeuchten, und Entfeuchten einzeln oder gemeinsam erfüllt werden. Je mehr
von diesen Funktionen realisiert werden, desto stärker wird die Umweltrelevanz
der Klimaanlage. Eine Anlage nur mit Heizungsfunktion könnte im günstigsten
Fall mit thermischen Solarkollektoren fast ohne Umweltbelastung arbeiten. Eine
Klimaanlage stellt dagegen die maximale Anzahl von kritischen Punkten dar.
Das Modell
Das Berechnungsmodell ist so strukturiert, dass die vorhandenen Rückwirkungen
zwischen der raumlufttechnischen Anlage und dem Gebäude nur in einer Richtung
betrachtet werden. Die aus einer Minderleistung der Anlage resultierende Veränderung
der Raumlufttemperatur und damit der Last wird nur in Form der Abweichung vom
Sollwert erfasst. Für die Berechnungen wird einerseits eine Lastdatei in
Analogie zu Abbildung 1 benötigt. Zum anderen werden die Wetterdaten (TRY,
Meteonorm) in das Programm integriert.
Der besondere Anspruch des Simulationsprogramms liegt vor allem in einer effektiven
Anleitung des Nutzers zum Erstellen sinnvoller Anlagenkonfigurationen. Dies
betrifft einerseits das Predesign, d.h. die Verschaltung der unterschiedlichen
Komponenten. Andererseits ist speziell im Design eine umfangreiche Unterstützung
bei der Auslegung der für den Klimatechniker üblicherweise unbekannten
thermischen Solartechnik gegeben.
Diese Struktur ist in der Lage, bewusste "Unterdimensionierungen" der Komponenten real zu simulieren. Es kann daher die Frage beantwortet werden, wie groß und wie häufig die Abweichung des Zuluftzustandes von dessen Sollwert im Falle einer Investitionskosteneinsparung (zum Beispiel durch eine Kälteanlage kleinerer Leistung) ist.
Softwaremäßige Umsetzung
Bei der softwaremäßigen Umsetzung wurde besonderer Wert auf die
Nutzerfreundlichkeit gelegt. Bei der Auswahl der Komponenten kann der Nutzer
auf zwei unterschiedliche Arten zur Systemgestaltung gelangen. Beide Varianten
der Systemgestaltung sind jederzeit durch einfache Umschaltung nutzbar.
Einerseits ist die freie Zusammenstellung aus Einzelsystemen ("Special
Selection") möglich. Dabei wird der Nutzer nach Abschluss seiner Auswahl
darüber informiert, ob diese Verschaltung softwaremäßig umgesetzt
ist. Bei der Erstellung dieser Auswahl wurden etwa 640 verschiedene Kombinationen
untersucht. Da für jede der ausgewählten Anlagen eine regelungstechnische
Funktion für jede Stunde eines Jahres hinterlegt sein muss, bedarf es dieser
Begrenzung auf getestete Verschaltungen.
Die andere Art der Systemkonfiguration besteht in der Nutzung von Standardsystemen
("Standard Selection"). Dabei wird vom Raum ausgegangen. Durch die
Wahl von Kühldecken, Fan coils oder Luftsystemen werden logische Entscheidungswege
eingeschlagen, die im nächsten Schritt zu den passenden klima- und kältetechnischen
Anlagen führen. Im Endergebnis der Entscheidung wird dann eine solarthermische
Versorgung vorgegeben.
Wie bereits bei der Modellbeschreibung erwähnt, ist die Unterstützung
des ungeübten Nutzers besonders bei der Auslegung des solaren Versorgungssystems
notwendig. So wurde durch die TU Graz das System der solaren Versorgung bestehend
aus Kollektor, Speicher und Backup-System vereinfacht. Für den Nutzer reduziert
sich so die notwendige Eingabe auf die Art, Orientierung und Größe
des Kollektorfeldes sowie auf das vorgesehene Speichervolumen.
Ergebnisse
Die Umsetzung des Simulationsprogramms ist mittlerweile soweit gediehen, dass
erste Berechnungsergebnisse erzielt werden können. Abbildung 2 zeigt beispielhafte
Ergebnisse für eine solare Versorgung bei einem 400 m² Kollektorfeld
und bei einer Vorlauftemperatur von 60 °C. Es ist der Zeitraum vom 1.Mai
bis 30.September dargestellt. Als Kälteanlage wurde eine Adsorptionsanlage
verwendet. Die luftseitigen Komponenten waren ein Kühler und ein Erhitzer.
Es zeigt sich ein großer, aus den Kollektoren realisierbarer Ertrag. Der
als Backup-System verwendete Brenner kommt deutlich seltener zum Einsatz.
Abbildung 2: Berechnungsergebnis der solaren Versorgung mit einem 400 m² Kollektorfeld und bei 60 °C Vorlauftemperatur vom 1.Mai bis 30. September
Aufbauend auf den ersten Simulationsergebnissen wurden mit den Parametern Kollektorfläche
und Vorlauftemperatur verschiedene Systemsimulationen durchgeführt. Die
Ergebnisse zum solaren Deckungsanteil sind in Abbildung 3 dargestellt. Als Betrachtungszeitraum
wurde ebenfalls der Sommer verwendet. Im günstigsten Fall beträgt
der solare Deckungsanteil 74%. Dies setzt eine Kollektorfläche von 400
m² bei einer Vorlauftemperatur von 60 °C voraus. Mit geringeren Flächen
und höheren Vorlauftemperaturen sinkt der solare Deckungsanteil erwartungsgemäß
auf etwa 36%.
Abbildung 3: Errechneter solarer Deckungsanteil bei verschieden großen Kollektorfeldern und verschiedenen Vorlauftemperaturen
Zusammenfassung
Das Simulationssystem für solarunterstützte Klimasysteme ist ein
Expertensystem für "Nichtexperten". Damit wurde eine Lücke
der Softwarewerkzeuge für die solare Klimatisierung, speziell für
den planenden Ingenieur, geschlossen.
Die am IEA SHC - TASK 25 teilnehmenden Institutionen haben große Anstrengungen
unternommen, um das Expertenwissen in eine für den normalen Nutzer verständliche
Form umzusetzen. Dabei wurden umfangreiche Hilfen implementiert. Dies sind unter
anderem die Unterstützungen bei der Systemgestaltung und die Hilfe bei
der Auslegung des solaren Versorgungssystems.
Die ersten beispielhaften Rechnungen haben ermutigende Ergebnisse erbracht.
Im Rahmen der weiteren Erprobung werden sowohl vom Softwareentwickler als auch
von potenziellen Anwendern diverse Tests durchgeführt, um eine möglichst
große Sicherheit bei der späteren Nutzung der Simulationsplattform
zu garantieren.
Es ist vorgesehen, das Simulationssystem einer möglichst breiten Nutzung
auf europäischer Ebene zuzuführen.
*) Prof.-Dr.-Ing. Uwe
Franzke ist Prokurist und Hauptbereichsleiter
Klima- und Energietechnik und
Dipl.-Ing. Christian
Seifert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter
des Institut für Luft- und Kältetechnik, Gemeinnützige Gesellschaft
mbH, uwe.franzke@ilkdresden.de
[^]