Passivhäuser
Planung und Qualitätssicherung
Vor
10 Jahren war man - wie beim gesamten Passivhausbau - im Wesentlichen auf jene
hausgechnischen Komponenten angewiesen, die für das konventionelle Gebäude
auch verwendet wurden. Lüftungsanlagen waren vor allem aus dem skandinavischen
Raum bekannt und wurden bereits mit mehr oder weniger hoher Effizienz angeboten.
Für diesen Bereich wurden im vergangenen Jahrzehnt Kriterien und Grenzwerte
formuliert - viele Parallelentwicklungen sorgten für ein breites Angebot
an passivhaustauglichen Lüftungsgeräten.
Passivhaustechnik quo vadis?
Die Landschaft der Wärmeeinbringung und -erzeugung, sowie der Warmwasserbereitung begann sich hingegen erst von wenigen Jahren zu verändern. Der Weg vom fossilen Brennstoff mit statischem Wärmeabgabesystem zur integrierten Kleinstwärmepumpe war ein langer un dauch nicht der der einzige, der gegangen wurde. Kombinierte Wärmeabgabesysteme. Luftheizungen, fossile und erneuerbare Brennstoffe, zentrale, semi- und dezentrale Konzepte wurden entwickelt und realisiert.
Bewertungskategorien
Für den sparsamen Verbrauch an Primärenergie ist eine hohe Energieeffizienz
und ein möglichst geringer Anteil an nicht ernuerbarer Energie verantwortlich.
Im Fokus hoher Energieeffizienz stehen zurecht die Parameter der Lüftungsanlage
, die jedoch inzwischen so verbreitet sind, dass sie als gegebener Standard
hier nicht mehr eigens aufgelistet werden müssen.
Klammert man fossile Energieträger für die Zukunft aus, so bleiben
mit Biomasse und elektrishcem Strom zwei Energieträger mit sehr unterschiedlichen
Qualitäten (siehe Tabelle).
Der primärenergetische Vorteil der Biomasse kann nur durch einen hohen
regenerativen Anteil im Strommix egalisiert werden. Aufgrund de rvielen Vorteile
des elektrischen Stroms ist dieses Szenario aber ein durchaus wünschenswertes.
In Abhöngigkeit der regionalen Randbedingungen ist die Investition in Photovoltaik
oder Windkraft ohnehin bereits eine wirtschaftliche.
Wärmeverluste
ein oft unterschätzter Parameter ist die Wäremverlustthematik. Überall
dort. wo Wärme erzeugt, aber nicht zeitgleich und/oder am selben Ort abgegeben
werden kann, entstehen Verluste. Aus konventionellen Gebäuden sind übliche
Verlustanteile von 10-15% bekannt. Da ein Passivhaus aber 80-90% weiniger Nutzwärme
benötigt. nimmt dieser ralative Anteil eine unerwünschte größe
ein. Mit entsprechenden Maßnahmen ist es aber möglich, die Verlsute
so zu reduzieren, dass deren relativer Anteil zumindest wieder auf 10-15% verringert
werden kann.
Selbstverständlich hängt es auch, bzw. hauptsächlich von der
Art des haustechnischen Konzepts ab, wie hoch das "Wärmeverlustpotenzial"
ist, und welche Maßnahmen ggf. Abhilfe leisten. So sollte die Wäremerzeugung
wenn möglich innerhalb der thermischen Hülle stattfinden. Dies ist
jedoch in der Regel bei zentralen Wäremeerzeugern nicht möglich. Um
die gespeicherte Wärmemenge zu minimieren ist darauf zu achten, dass Wäremeerzeuger
und -speicher nicht überdimensioniert werden. Unnotwendige Wärmeübertragungen
sollen vermieden werden.
Die Wärmeverteilung sollte wenn möglich nur innerhalb der thermischen
Hülle stattfinden. Ist dies nicht möglich, so ist bei der Planung
und Ausführung der Dämmung mit äußerster Sorgfalt vorzugehen.
Warmwasserzirkulationsleitungen können durch dezentrale Anordnung der Speicher
vermieden werden.
In der Argumentation der Techniker lange vernachlässigt, stellen Komfortkriterien
heute oft die wichtigste Motivation für Bauherr und -frau dar. Für
höchste thermische Behaglichket ist in der Regel das Haus selbst zuständig,
eine begeisternde Luftqualität ist bei Einhaltung der bekannten Regeln
sebstverständlich. Folgende Parameter verdienen aber außerdem genauer
betrachtet zu werden: der Schalldruckpegel im Wohnbereich, die relative Feuchtigkeit
der Raumluft und schließlich der subjektive Wunsch nach unterschiedlichen
Temperaturen in verschiedenen Wohnräumen.
| Biomasse | Elektrischer Strom | |
| "Wirkungsgrad" bei der Umwandlung in Wärme | 0,75-0,95 | 2,5-4 (Wärmepumpe); 1 (direkt) |
| Primärenerigefaktor | 0,1 | 0,1 bis 3 |
| Erneuerbar | Ja | Bedingt: bei gleichzeitiger Realisierung erneuerbarer Stromerzeugung |
| Schadstoffemissionen | Ja | Vorort: nein |
Schalldruckpegel
Das Ziel, den Unterschied zwischen EIN und AUS der Lüftungslange nicht zu kennen, ist zwar anspruchsvoll, aber erstrebenswert. Pioniere der Passivhausbewohner setzten die Latte sicher niedriger, als die Masse, die heute angesprochen werden soll. Eine maximale Zufriedenheitsrate ist nur bei Berücksichtigung aller Komfortaspekte möglich. wo keine Verbesserung gegenüber dem bekannten Wohnen möglich ist, darf zumindest kein Rückschirtt erfolgen. Für diese Qualität ist einerseits das Lüftungsgerät verantwortlich, anderseits der Fachplaner und auch das ausführende Unternehmen. Und hier liegt sozusagen der Hund begraben: die Industrie kann mit guten Produkten zwar die Voraussetzung schaffen, der planende Ingenieur und der Installateur haben aber immer noch alle Möglichkeiten, die Anlage zu "ruinieren". Sicher stellen die entsprechenden Richtlinien und Berechnungsmethoden den Stand der Technik dar, die Realität stellt der Ausführung aber ein schlechtes Zeugnis aus. Auch bei grundsätzlicher Zufriedenheit geben ca. 40% von 140 befragten Wohnraumlüftungsnutzern an, die Geräusche als störend zu empfinden. Hier ist weniger Entwicklungsbedarf als vielmehr die Notwendigkeit der Wissensverbreitung gegeben. Dazu gehört aber unter anderem, Gerätedaten bewerten zu können und seriöse Daten überhaupt zu erhalten. Nur wenige Gerätehersteller geben die Oktavspektren der Schallleistungspegel sowohl an den Anschlussstutzen, als auch am Gehäuse an. Oft ist man deshalb auf Spekulationen oder aber Erfahrungen angewiesen. Die Pegel am Gehäuse verschiedener Gerätefabrikate unterscheiden sich übrigens signifikant: zwischen 35 und 65 dB(A) wird alles angeboten - für die Auswahl der akustischen Türenqualität zum Abstellraum ist dies nicht unerheblich...
Relative Feuchtigkeit
Wie aus unzähligen Messungenbekannt ist, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit
unter "normalen" Bedingungen im Passivhaus nicht oder nur sehr selten
unter 35%. Eine potenzielle Gefahr liegt aber in der Abweichung von diesen Bedingungen,
die gar nicht so selten statttfindet: niedrige spezifische Personendichte oder
-belegung lassen die Feuchtelast schrumpfen, die zu erwärmende Frischluftmenge
wird aber oft nicht entsprechend reduziert. Manch einer unterliegt der Versuchung,
den Luftwechsel doch nciht auf 0,3 zu reduzieren, auch wenn auf 150m² nur
3 Personen leben.
Wie aber die Erfahrung zeigt, ist es sogar energetisch unvorteilhaft die Luftmenge
zugunsten der Beheizbarkeit zu erhöhen. Vielmehr macht in Grenzbereichen
eine "winzige" elektrische Zusatzheizung Sinn, die dann jene 100 kWh/a
benötigt, die sonst durch erhöhte Antriebsleistungen von Ventilatoren
verbraucht würden. Nur kann damit die ralative Feuchtigkeit auf höherem
Niveau gehalten werden.
Unterschiedliche Temperaturen
Immer wieder sieht sich der Techniker mit der Forderung nach unterschiedlichen Raumtemperaturen konfrontiert. Obwohl aus der Praxis bekannt ist, dass es sich bei 30°C und frischer Luft sehr gut schlafen lässt, spielt die Erfahrung des bisherigen Kaltschläfers eine dominante Rolle. Die Suche nach einer technischnen Lösung für die komfortable Einzelraumregelung lohnt sich nicht, da sich bekanntermaßen die Temperaturen innerhalb des Passivhauses schnell angleichen. Viel wichtiger ist dagegen die Erlaubnis zum Öffnen der Fenster: ein relevanter Teil unserer Bevölkerung kann sich vor dem Einzug in ein Passivhaus nicht vorstellen, bei geschlossenen Fenster zu schlafen; nach Einzug ist es aber nur noch eine Mincerheit, die aber trotzdem bedient werden will: das offene Fenster zu verbieten wäre fatal und die energetischen Auswirkungen sind fast vernachlässigbar.
Investitionskosten
Wird für die automatische Komfortlüftung mit Erdreichwärmetauscher
eine Konstante von €9.000,- (exkl. MwSt) angesetzt, so lassen sich für
die verschiedenen Möglichkeiten der Wärmeerzeugung zusätzliche
Kosten abschätzen (jeweils ohne Solarthermie). Diese sind in der Tabelle
2 angeführt.
Speziell für das Mehrfamilienhaus wird gegenwärtig ein Kompaktaggregat
mit Kleinstwärmepumpe entwickelt, mit dem die Gesamtkosten für die
Haustechnik (inkl. automatischer Komfortlüftung) für eine 75m²-Wohnung
vorraussichtlich um €10.000,- liegen werden.
| Kleinstwärmepumpe für Heizung und Warmwasser | €7.500,- | Nur als dezentrales System je Wohneinheit einsetzbar |
| Pellets-Primärofen-Kessel im Wohnraum; Pufferspeicher mit integrierter Warmwasserbereitung | €11.500,- | |
| Kombinierte Außenluft-/Abluftwärmepumpe mit Pufferspeicher - unbehandelte Außenluft (JAZ ~2,5) | €7.500,- | |
| Kombinierte Außenluft-/Abluftwärmepumpe mit Pufferspeicher - im EWT vorerwärmte Außenluft (JAZ ~3,5) | €11.500,- | |
| Sole/Wasser-Wärmepumpe (Erdsonde) mit Beistellboiler (Achtung Vorlauftemperaturen für Lufterwärmeung | €15.000,- | Kann je nach Leistung auch als zentrale Wärmeerzeugung für Doppel-, Reihen- oder Mehrfamilienhäuser verwendet werden. |
| Pelletskessel 10-20 kW mit Pufferspeicher | €15.000,- bis €25.000,- |
Zusammenfassung
Hoeh Energieeffizienz ist zuallererst eine Frage der Verlustminderung. Auch
hier gilt das Motto "just in time". Die Wäremerzeugung sollte
möglichst zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, also möglichst
ohne Speicher-, Übertragungs-, Transport- und Verteilverluste erfolgen.
Strom als Energieträger gewinnt zusehends an Sympathie, da die erneuerbare
Produktion der geringen benötigten Mengen in vielen Regionen bereits wirtschaftlich
ist. Aber auch die Biomasse wird als Alternative erhalten bleiben. Komfortüberlegungen
sin in Zukunft noch mehr in den Vordergrund zu stellen. Beispielsweise müssen
höchste akustische Qaulitäten als Garant für hohe zufriedenheiten
Standard werden.
Veränderungen zeichnen sich in den kommenden Jahren weniger in spektakulären
Komponentenentwicklungen ab, als in den Maßnahmen zur Verbreitung der
bewährten Technologie. Neben breiten Ausbildungs- (und Aufklärungs-)
Konzepten wird auch der Einsatz der Passivhaustechnik im "guten" Niedrigenergiehaus
- beispielsweise mit einer Ergänzungsheizung in Form eines Einzelofens
- zur Etablierung und Akzeptanz dieser Systeme beitragen.
Weiter wird sich aber auch die Sicherheit mehr und mehr verbreiten, dass ein
Passivhaus tatsächlich mit sehr geringen Leistungen auskommt. "Sicherheitsanlagen"
mit Leistungen von 5 oder 10 kW werden immer weniger benötigt werden.
*) Christof Drexel ist Geschäftsführer von Drexel und Weiss Energieeffiiente Haustechniksysteme GmbH in Bregenz; cdrexel@aon.at [^]