Passivhäuser
Gebaute Beispiele
Mehrfamilienhaus Wolfurt Oberfeld
15 kWh/m²a Heizenergiebedarf und 120 kWh/m²a Primärenergieverbrauch
- das sind die hohen Anforderungen an ein Passivhaus, um das Ziel zu erreichen,
die notwendige Heizenergie nur über eine kontrollierte Wohnungsbelüftung
einbringen zu können. Der niedrige Grenzwert beim Primärenergiebedarf
gewährleistet gleichzeitig, dass alle anderen Energieverbräuche, insbesondere
beim Haushaltsstrom, auf ein Minimum reduziert werden. Ein umfassendes Konzept
mit einer hoch gedämmten und luftdichten Gebäudehülle, ein intelligente
Haustechnikkonzept und der Einsatz von energieeffizienten Haushaltsgeräten
ist dazu erforderlich und der Entwurf spielt eine zentrale Rolle, wenn dabei
auch die Baukosten gesenkt werden sollen.
Als Alternative zum klassischen Reihenhaustypus konzipiert, bietet das Projekt
in Wolfurt in zwei Baukörpern je vier Wohneinheiten mit 130 m² und
zwei Ateliers mit 65 m² an. Die kompakte Anordnung der einzelnen Wohneinheiten
minimiert die Gebäudehüllflächen im Verhältnis zur Kubatur
und ermöglicht dadurch einen relativ großen Öffnungsanteil der
Fassaden, unabhängig von ihrer Orientierung. Ein neutraler, rechteckiger
Grundriss lässt eine freie Einteilung nach individuellen Bedürfnissen
zu. Den zweigeschossigen Einheiten ist jeweils ein großer Garten zugeordnet,
den Wohnungen im Dachgeschoss eine große Terrasse.
Durch das zentrale, allgemein zugängliche Stiegenhaus und die damit gewährleistete
Zugänglichkeit in jedem Geschoss ist eine Teilbarkeit der 130 m²-Einheiten
in z.B. zwei Einheiten zu je 65 m² möglich, oder auch einzelne Räume
(z. B. Büronutzungen sind denkbar). Die Optimierung des statischen Systems
und der Erschließung auf Grundlage der Kompaktheit ermöglicht eine
Realisierung zu vergleichsweise niedrigen Kosten, trotz Mehrkosten durch den
Passivhausstandard. Hohe Wohnqualität wird auch durch ein großzügiges
Angebot an gemeinschaftlichen Nebenflächen gewährleistet: Kommunikationsbereiche
im Stiegenhaus, Tiefgarage, Fahrradräume, Wasch- und Trockenräume,
Werkstatt, Mehrzweckraum, Sauna- und Musikraum und schließlich gemeinschaftliche
Freiflächen.
Die Konstruktion ist eine Mischbauweise mit Stahlbetondecken auf Stahlstützenkonstruktion
und aussteifenden Stahlbetonwandscheiben und Holzfertigteilaußenwände
mit innerer Gipskartonvorsatzschale. Innenausbau und Wohnungstrennwände
sind als Gipskartonständerwände ausgeführt. Eine durchgehend
dichte Ebene an der Innenseite des Holzfertigteiles (Dampfsperre) vor der Stahlbeton-
und Stahlstützenkonstruktion bildet die luftdichte Ebene, die durch eine
innere Gipskartonvorsatzschale geschützt wird und als Installationsebene
dient.
Niedrigenergiefenster der Firma Sigg, eine Holzfensterkonstruktion mit 88 mm
Stock- und Flügelprofil und 3-Scheibenisolierverglasung mit einem U-Wert
von 0,6 W/m²K und Thermix-Abstandhaltern reduzieren die Wärmeverluste der
Fenster. Wärmebrücken wurden konstruktiv vermieden oder minimiert.
Die Fensterrahmen sind durch die Fassadenkonstruktion voll überdämmt,
Deckenkonstruktion und Stahlstützen liegen in der inneren Gipskartonvorsatzschalenebene,
das Holzfertigteil geht in voller Konstruktionsstärke durch. Durch die
innere Vorsatzschale entstehen keine durchgehenden Wärmebrücken bei
der Unterkonstruktion. Der Übergangsquerschnitt der inneren Wandscheiben
auf die Kellerdecke ist auf das statisch erforderliche Maß reduziert.
Das Herzstück der kontrollierten Wohnungslüftung stellt das AEREX
Lüftungsgerät der Fa. Drexel Solarlufttechnik dar, das dezentral in
jeder Wohnung angeordnet ist. Die Wärmerückgewinnung erfolgt dabei
über einen Gegenstromplattenwärmetauscher und die Nachheizung der
Zuluft über ein Warmwasserregister, zusätzlich wird die Zuluft über
einen Erdwärmekollektor vorerwärmt. Die zentrale Heizwärme- und
Warmwassererzeugung besorgen ein Pelletsheizkessel mit 15 kW und eine Solaranlage
mit 40 m² Kollektorfläche.
Das Stromsparkonzept sieht den Einsatz von passivhausgeeigneten Haushaltsgeräten,
einen Warmwasseranschluss für Waschmaschine und Geschirrspüler, einen
kontrolliert be- und entlüfteten Wäschetrockenraum im Keller mit
vorgewärmter Zuluft über den Erdkollektor und den weitgehenden Einsatz
von energiesparenden Lampen bei der Beleuchtung vor.
Die Gesamtheit all dieser Maßnahmen ermöglicht die Reduzierung des
Endenergieverbrauches auf 20% gegenüber vergleichbaren konventionellen
Neubauten und die Erhöhung des Wohnkomforts durch höhere Oberflächentemperaturen
der Außenbauteile. Weiters ist die Luftqualität durch ständige
Frischluftzufuhr gesichert.
*)Arch. Dipl.-Ing. Gerhard Zweier ist freier Architekt in Wolfurt, gz@zweier.vol.at [^]