Ökostrom
Ökostrom
Die katastrophalen Unwetter in weiten Teilen Österreichs und Mitteleuropas
haben die Diskussion um den Klimawandel erneut angefacht. Das Gros der Klimaexperten
ist einheitlich von der Schädlichkeit der Verbrennung fossiler Rohstoffe
für unser Klima überzeugt.
Windkraft: Bereit für die Energiewende
Die Notwendigkeit einer Energiewende wird uns deutlich wie nie vor Augen geführt.
Die Windkraft steht in Polposition; bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.
50.000 österreichische Haushalte werden mittlerweile mit heimischer, sauberer
Windenergie versorgt. Ende Juni 2002 drehen sich in Österreich 141 Windkraftanlagen
mit einer gesamten installierten Leistung von 98 Megawatt. Auch die weltweiten
Aufstellzahlen beeindrucken: Mit einem Zuwachs von über 6.000 Megawatt
ließ die Windkraft 2001 einmal mehr die Atomkraft beim Zubau von neuen
Kraftwerkskapazitäten bei weitem hinter sich. In Europa wurden im Jahr
2001 4.500 MW errichtet, das ist ein Zuwachs von 35% (2000 betrug der Zuwachs
3.500 MW). Die Atomkraft konnte dagegen 2001 weltweit nur ein Wachstum von 1.748
MW verzeichnen. Die gesamte installierte Windkraftleistung in Europa beträgt
nun mehr als 17.000 MW. Mit dieser Leistung werden jährlich ungefähr
40 Terawattstunden Elektrizität erzeugt, was dem Verbrauch von 10 Millionen
durchschnittlichen europäischen Haushalten entspricht. Wäre diese
Strommenge in Kohlekraftwerken erzeugt worden, hätten dafür 16 Millionen
Tonnen Kohle verbrannt werden müssen, das entspricht 640.000 LKW-Lastzügen
bzw. 16.000 Lastzügen. Insgesamt werden so 24 Millionen Tonnen CO2 jährlich
eingespart. Weltweit betrug der Zuwachs der Windkraft im Jahr 2001 6.000 MW,
davon wurden 1.700 MW in den USA errichtet. Waren zu Beginn der neunziger Jahre
rund um den Globus ca. 2.000 MW Windkraftleistung am Netz und lag der jährliche
Zuwachs bei etwa 200 bis 300 MW, betrug die gesamte installierte Windkraftleistung
Ende 2001 rund 24.000 MW. An die 65.000 Beschäftigte sind in Europa im
Bereich Windkraft zu verzeichnen.
Der Großteil der gesamten installierten Leistung befindet sich in jenen
europäischen Staaten, die gesicherte rechtliche Rahmenbedingungen für
die erneuerbaren Energien geschaffen haben. Es handelt sich insbesondere um
Deutschland, Spanien und Dänemark, die auf Grund von Einspeisegesetzen
früh die Voraussetzungen für diesen Boom geschaffen haben. So deckt
Dänemark mittlerweile 18% seines Elektrizitätsbedarfes aus Windkraft.
In Deutschland drehen sich bereits über 12.000 Windräder, damit werden
über 3% des Elektrizitätsbedarfes abgedeckt. Durch das starke Wachstum
steigt dieser Anteil derzeit um etwa 1% jährlich.
Neues Ökostromgesetz
Auch in Österreich hat man mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt.
Am 10. Juli 2002 hat der Nationalrat ein Ökostromgesetz beschlossen. Dieses
Gesetz regelt die Voraussetzungen für die Förderung der Erzeugung
elektrischer Energie aus erneuerbaren Energieträgern, es bekräftigt
die Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien, die schon vom Elektrizitätsgesetz
ElWOG bekannt sind. Bis 2008 sollen die Ökoenergien 4% der Stromabgabe
an Endverbraucher betragen, die Kleinwasserkraft (bis 10 MW) soll 9% erreichen.
Diese Ziele ergeben sich aus dem 78,1%-Ziel der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie.
Das Ökostromgesetz setzt diese Richtlinie, die im September 2001 in Kraft
getreten ist, um.
Zur Erinnerung: Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie stellt den vorläufigen
Höhepunkt der Bemühungen auf offizieller europäischer Ebene dar,
einen Rahmen zu schaffen, der mittelfristig zu einem erheblichen Anstieg des
Ökostromanteils in der EU beiträgt. Ihr Ziel ist es, den Ökostromanteil
am Gesamtelektrizitätsverbrauch der EU, der 1997 13,9% betrug, bis 2010
auf 22,1% auszubauen. Der Richtwert für Österreich für das Jahr
2010 beträgt 78,1% (gegenüber 70% im Jahr 1997). Allerdings sind im
Wert von 1997 die neuen Kraftwerke Freudenau und Lambach noch nicht eingerechnet,
womit tatsächlich noch 6% übrig bleiben.
Zur Erreichung dieses Zieles legt das neue Ökostromgesetz (wie bisher das
ElWOG) eine Abnahmepflicht und Mindestpreise für die Elektrizität
aus erneuerbaren Energien fest. Neu ist, dass der Wirtschaftsminister im Einvernehmen
mit dem Umweltminister, dem Justizminister und den Ländern bundesweit einheitliche
Einspeisepreise festzulegen hat. Die Tarife sind für eine Dauer von 10
Jahren garantiert. Die Mehrkosten, die sich daraus für die Endverbraucher
ergeben, dürfen nicht mehr als 0,22 Cent pro kWh und für die Kleinwasserkraft
0,16 Cent pro kWh betragen. Zumindest für die Ökoanlagen (ohne Kleinwasserkraft)
kann ab Anfang 2005 der Wirtschaftsminister diese Höchstgrenze neu bestimmen.
Neu ist übrigens auch die bundesweit einheitliche Stromkennzeichnung nach
Händlermix, das bedeutet, dass es in Zukunft nicht mehr so leicht sein
wird, Atomstrom zu verstecken, indem man ihn an die Industrie verscherbelt.
Abbildung 1: 141 Windkraftanlagen mit zusammen 98,3 MW Leistung sind in Österreich Ende Juni 2002 installiert. Sie versorgen 50.000 österreichische Haushalte mit Strom
Zukunftsindustrie
Dass eine verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien der Volkswirtschaft
mehr bringt, als sie kostet, belegen Erfahrungen aus den Vorreiterländern
der Ökoenergien. Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht regelmäßige
Berichte über den Stand der Markteinführung für erneuerbare Energien
und der Kostenentwicklung vor. Diesem Auftrag ist die deutsche Bundesregierung
mit einem am 28. Juni 2002 vorgelegten Erfahrungsbericht nachgekommen. Die Analyse
stützt sich auf Studien zur Markt- und Kostenentwicklung bei erneuerbaren
Energien, die im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums durch das Institut
für Ökologische Wirtschaftsforschung erstellt wurden. Der Bericht
bestätigt den Erfolg des EEG: Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch
ist von 5,2% im Jahr 1998 bis auf knapp 7,5% im Jahr 2001 gestiegen und dürfte
in Kürze die 8% überschritten haben. Die Branche erreichte im vergangenen
Jahr einen Umsatz von weit über 6,5 Milliarden Euro. 120.000 Arbeitsplätze
sind im Bereich erneuerbare Energien entstanden. Alleine im Jahr 2001 haben
die erneuerbaren Energien neben Luftschadstoffen rund 35 Mio. Tonnen Treibhausgase
vermieden.
Obwohl Österreich erst über im Vergleich zu 10.000 MW in Deutschland
mickrig erscheinende 98 MW Windkraft verfügt, hat die Windkraft auch hierzulande
über 600 Arbeitsplätze geschaffen. Die Traditionsfirma VA-Tech Elin
EBG Motoren GmbH ist weltweit einer der führenden Generatorenlieferanten
in der Windbranche. Mit 225 Mitarbeitern wurden heuer 42 Millionen Euro umgesetzt,
mehr als 20 Millionen Euro davon entfallen auf die Windbranche. Die oberösterreichische
Firma Hexcel Composites, die Material für die Flügel des dänischen
Weltmarktführers Vestas liefert, zählt 130 österreichische Mitarbeiter
und erwirtschaftet 72,67 Millionen Euro Umsatz, davon entfallen 29 Millionen
Euro auf das Windgeschäft.
Das Ökostromgesetz ist ein wichtiger Schritt zu einem nachhaltigen Energiesystem,
ein solches ist unerlässlich für einen erfolgreichen Kampf gegen den
Klimawandel.
Abbildung 2: Flügeltransport zum Windpark Mönchhof, der LKW-Zug für ein Rotorblatt von 40 m Länge hat eine Spannweite von rund 50 m
*) Mag. Dr. Ursula Holzinger ist Juristin bei der IG Windkraft; w.holzinger@igwindkraft.at, www.igwindkraft.at [^]