Ökostrom
Ökostrom
Basierend auf dem Beitritt der Stadtgemeinde Bruck an der Leitha zum Klimabündnis
wurde 1995 der Energiepark Bruck/Leitha, ein Verein zur Förderung von erneuerbaren
Energien, gegründet. Dies ist ein Beispiel dafür, dass der Umstieg
der Energieversorgung einer Region von fossilen hin zu erneuerbaren Energiequellen
gelingen kann.
100% erneuerbare Energie Bruck
Der Verein beschäftigt sich mit Projekten im Bereich erneuerbarer Energien,
Klimaschutz, Umweltschutz, Regionalentwicklung und Biolandwirtschaft. Ziel des
Energieparks war 1995 das Erreichen des Klimabündniszieles. Bereits 2005
erreicht die Stadt Bruck an der Leitha das Klimabündnisziel in den Bereichen
Strom und Wärme. Das neudefinierte Ziel besteht nun in der 100%-igen Versorgung
der Stadt mit erneuerbarer Energie. Damit soll eine Vorbildwirkung für
den gesamten Bezirk und den östlichen Nachbarn geschaffen werden.
Die Erreichung dieses hochgesteckten Zieles ist über zwei Säulen durchaus
möglich, einerseits durch Energieeinsparung, anderseits durch den Einsatz
von erneuerbaren Energien. Da die Umsetzung der Ziele nur gemeinsam mit der
Bevölkerung gelingen kann, besteht ein Großteil der Arbeit in Bewusstseinsbildung.
In den letzten Jahren wurden diesbezüglich zahlreiche Veranstaltungen für
alle Altersgruppen, angefangen von Aktionen mit Kindergartenkindern bis hin
zur Symposien für Fachpublikum durchgeführt.
Im Folgenden werden die Projekte dargestellt, die vom Energiepark initiiert
bzw. mitinitiiert wurden.
Leader+ Auland Carnuntum
Im Rahmen von Leader+, ein regionales Entwicklungsprogramm der EU, betreut der Energiepark das Schlüsselprojekt "100% Erneuerbare Energie". Ziel ist, das hohe Potenzial der erneuerbaren Energien für die Region nutzbar zu machen und so zur Steigerung der Wertschöpfung in der Leaderregion "Auland Carnuntum" beizutragen. Mittel- bis langfristig soll die Region sowie die Stadt Bruck zu 100% mit erneuerbaren Energien versorgt werden.
Steigerung der Biolandwirtschaft
Da die Landwirtschaft eine äußerst wichtige Rolle hinsichtlich Energieeinsatz und CO2-Ausstoß spielt, hat es sich der Energiepark zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Landwirte in der Region zu einer biologischen Wirtschaftsweise zu motivieren. So konnte mittels umfassender Vorträge und eines verbandsübergreifenden Umstellungskurses die Anzahl der Biobauern seit dem Jahr 2000 von 16 auf 31 gesteigert werden. Die biologisch bewirtschaftete Fläche beträgt nun erfreuliche 1.460 Hektar.
Fernwärme Bruck/Leitha
Das Biomasse-Fernheizwerk Bruck an der Leitha wurde von Landwirten aus der
Region in Kooperation mit EVN AG errichtet und ist seit Oktober 1999 in Betrieb.
Die Landwirte betreiben das Heizwerk, die EVN AG übernimmt die Kundenbetreuung.
Mit dem Einsatz von Biomasse zur Wärmeerzeugung wird der CO2-Ausstoß
sowie der Schadstoffausstoß beim Hausbrand bedeutend verringert.
Das Biomasse-Fernheizwerk versorgt neben privaten Haushalten vor allem zentrale
öffentliche Gebäude. Das sind neben gemeindeeigenen Gebäuden
(Gemeindeamt, Schulen,...) auch die Bezirkshauptmannschaft und die Bundesschulen
(HAK, HASCH und Gymnasium). Die Fernwärme versorgt ca. ein Drittel der
Brucker Haushalte mit Wärme aus Biomasse und trägt einen Schritt in
Richtung Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten bei.
Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung fand ein Malwettbewerb für Kinder
statt. Die prämierten Bilder verschönern seitdem die Außenwände
des Biomasse-Fernheizwerkes, wie das Titelbild dieses Beitrags zeigt. Die wichtigsten
Anlagendaten sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Windpark Bruck/Leitha
Bereits im Jahr 2000 wurde der Windpark Bruck an der Leitha mit fünf Anlagen der Type Enercon E66 umgesetzt (Anlagendaten siehe Tabelle 1). Der Windpark ist ein Bürgerbeteiligungsprojekt mit 15 Gesellschaftern und über 200 mittels Ökobausteinen beteiligten Personen. Die Basis für die Errichtung des Windparks bildete eine zweijährige Windmessung (1995 bis 1997) welche ein Windpotenzial vergleichbar mit Standorten in Küstennähe ergab.Biogas Bruck/Leitha
Im April 2001 wurde die Biogasanlage Bruck/Leitha GmbH gegründet. Die
zehn Gesellschafter, haben sich zum Ziel gesetzt, regenerative Energie aus organischen
Reststoffen und nachwachsenden Rohstoffen (z. B. Sudangras) zu erzeugen.
Durch anaerobe Vergärung wird in der Anlage Biogas erzeugt. Das Biogas
wird durch Verbrennung in Gasmotoren zu Strom und Wärme umgewandelt (siehe
Tabelle 1 und Abbildung 2). Diese
Anlage soll nach dem neuesten Stand der Technik errichtet werden.
| Fernwärme Bruck/Leitha | Windpark Bruck/Leitha | Biogas Bruck/Leitha |
| Investitionsvolumen: 5,0 Mio. € | Investitionsvolumen: 8,35 Mio. € | Investitionsvolumen: 3 Mio. € |
| Heizzentrale: Biomassekessel 1: 4.500 kW Biomassekessel 2: 1.500 kW Gaskessel: 4.000 kW (Ausfallreserve) |
Projekt: 5 Anlagen Enercon E66 / 18.70 Turmhöhe: 65 m Rotordurchmesser: 70 m Gesamtleistung: 9.000 kW |
Energieoutput: 12.000 MWh thermisch 8.000 MWh elektrisch |
| Leitungsnetz: Trassenlänge im Endausbau: ca 7 km |
Jahresstromproduktion: ca. 15.500.000 kWh (das entspricht dem Stromverbrauch aller Brucker Haushalte) |
Jahresdurchsatz: 25.000 t (TS Gehalt 15%) |
| Brennstoff: Waldhackgut und Strauchschnitt aus der Region sowie Rinde und Sägenebenprodukte Brennstofflager: 5.000 m³ Biomasseeinsatz Endausbau: ca 6.000 t |
|
Methanreduktion: CH4 570 t/Jahr (entspricht 14.250 t CO2) |
| Kunden: rund 800 Haushalte (entspricht 1/3 des Wärmebedarfes aller Brucker Haushalte) |
Tabelle 1: Anlagendaten einiger Projekte, die vom Energiepark initiiert bzw. mitinitiiert wurden
Abbildung 1: Die Aussichtsplattform einer Windkraftanlage vom Typ Enercon E66 im Windpark Bruck a. d. Leitha in 60 m Höhe kann auch während des Betriebes der Anlage bestiegen werden.
Abbildung 2: Energieverbrauch in Bruck/Leitha. Die Stadt Bruck/Leitha erreicht das Klimabündnisziel bei Strom und Wärme bereits 2005
*) Anita Pober ist Mitarbeiterin des Windparkes Bruck an der Leitha; windpark@energiepark-bruck.at [^]