Ökostrom
Biogas
Wie können Stromkonsumenten motiviert werden, für Ökostrom mehr zu bezahlen, wenn sie dadurch keinen unmittelbaren Nutzen haben? Ist die Vermarktung von Ökostrom überhaupt sinnvoll, wo doch der Gesetzgeber nun "kostendeckende Einspeistarife" geschaffen hat? Kann es überhaupt einen freien Markt für Ökostrom geben?
Ökostrombörse in Vorarlberg
Für alle Stromkonsumenten, die ein wirksames Zeichen für Ökostrom
setzen wollen, steht in Vorarlberg die Ökostrombörse zur Verfügung.
Seit Tschernobyl und dem Erkennen der Klimaerwärmung aufgrund des ungehemmten
Verbrauches von Erdöl/Erdgas sind wir alle gefordert, einen aktiven Einfluss
auf die Stromproduktion zu nehmen. Mit der Liberalisierung des Strommarktes
sind nun speziell die Stromkonsumenten in der Lage, einen Beitrag für Ökostrom
in Abhängigkeit ihres Verbrauches zu leisten. Da Ökostrom aber von
Atomstrom physikalisch nicht zu trennen ist, hat die Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE
ENERGIE Vorarlberg (AEEV) das Fördermodell der "Ökostrombörse"
entwickelt. Dabei wird durch eine Aufzahlung von 1 Cent pro verbrauchter kWh
die Wertschätzung für Ökostrom dokumentiert. Die Ökostrombörse
garantiert, dass der finanzielle Beitrag Ökostromproduzenten nach persönlicher
Wahl des Förderers zugeteilt wird.
Die Einhebung der Mehrzahlung erfolgt mit der laufenden Stromrechnung der vorarlberger
Elektrizitätsunternehmen. Diese überweisen die Fördergelder direkt
an die Ökostrombörse. Die Zuteilung der finanziellen Unterstützung
an Ökostromproduzenten hingegen nimmt die AEEV vor, wobei kleine Neuanlagen
besonders unterstützt werden. Mit diesem Modell soll die notwendige Bewusstseinsarbeit
für den forcierten Ausbau von Ökostromanlagen erleichtert und die
Bevölkerung zum Handeln motiviert werden.
Ökostrom als Wert
Ökostrom ist ein Wert, da er als Produkt nicht greifbar ist. Werte können nicht gekauft, sondern nur gefördert werden. Bei einer Unterstützung von Ökostrom durch den Konsumenten in Abhängigkeit seines Stromverbrauches geht es um den Ausdruck einer Werthaltung, die durch eine freiwillige Mehrzahlung realisiert wird. Der notwendige Bezug zum Verbrauch als Motivation für eine effiziente Energienutzung ist durch die Koppelung des Förderbeitrages an den Stromverbrauch gegeben. Der Konsument hat hier Anrecht auf ehrliche Information. Erfolgt diese nicht, ist keine Grundlage für eine dauerhafte Kundenbindung gegeben.
Kooperation statt Konkurrenz
Mit Ausnahme der Wasserkraft steht der Wirtschaftszweig der Ökostrom-Produktion
noch in der Aufbauphase. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass die
Nachfrage seitens der Konsumenten nach Ökostrom äußerst gering
ist. Ein Konkurrenzkampf unter Photovoltaik- gegen Biogas-Produzenten, Kleinwasserkraft-
gegen Windstrom-Produzenten um die wenigen Stromkunden, die für eine Mehrzahlung
bereit sind, muss daher tunlichst vermieden werden. Lachender Dritter über
den unnötigen Kräfteverschleiß der "Szene" wäre
die Atomlobby bzw. die Erdölindustrie.
Um den Marktdurchbruch der erneuerbaren Energien zu erreichen, ist ein gemeinsamer
Marktauftritt aller erneuerbaren Energieträger erforderlich. Daher wird
für die Abwicklung der Ökostrombörse auch die Zusammenarbeit
mit den vorarlberger Elektrizitätsunternehmen realisiert, welche nur Ökostromanlagen
besitzen. So können wesentliche Synergieeffekte z. B. bei der Einhebung
der Förderbeträge erzielt werden, da keine neuen Abrechnungssysteme
aufgebaut werden müssen. Weiters ermöglicht das Kundennetz der vorarlberger
Strompartner die Verbreitung der erforderlichen Informationen in praktisch jeden
vorarlberger Haushalt. Ebenso stehen die Daten über die Produktionsmengen
der Ökostromproduzenten zur Verfügung, die Grundlage für die
Aufteilung der Fördermittel sind.
Lenkungsmöglichkeit der Förderer
Der verantwortungsbewusste Ökostromförderer will mitbestimmen, was mit seinen Geldern passiert. Durch die verschiedenen Wahlmöglichkeit zwischen Direktförderung einer bestimmten Anlage oder der Impulsförderung von kleinen Neuanlagen kann er aktiv mitgestalten und eine Identifikation mit "seiner Ökostromanlage" aufbauen.
Zuteilung der Fördergelder
Freie Ökostromhändler bieten für Ökostromproduzenten eine
unzureichende Investitionssicherheit. Bei der Ökostrombörse kann hingegen
neben einer Investitionssicherheit aufgrund des öffentlichen Fördersystems
(ELWOG) in begrenztem Umfang noch ein zusätzlicher Ertrag erzielt werden.
Alle Produzenten, welche an der Ökostrombörse teilnehmen und die Qualitätskriterien
erfüllen, bekommen in den ersten drei Jahren einen verlorenen Investitionszuschuss.
Darüber hinaus können sie durch das Einwerben von Direkt-Förderverträgen
speziell für ihre Anlage den Ertrag auch über die ersten Jahre hinaus
erhöhen.
Fördergelder werden nur für die tatsächlich eingespeiste Strommenge
je nach vorhandenen Mitteln ausbezahlt. Dabei werden in einem Stufenmodell alle
Energieträger gleich behandelt. Aufnahmekriterien für Produzenten
sind die offizielle Anerkennung als Ökostrom-Anlage des Landes sowie die
Einhaltung der Qualitätskriterien des Österreichischen Umweltzeichens
für Grünen Strom.
Ausblick
Mit August 2002 haben in Vorarlberg ca. 130 Personen den Fördervertrag
für Ökostrom unterfertigt, darunter auch LH Sausgruber, einige Bürgermeister
und Bankdirektoren als Privatpersonen. Auch in vier Gemeinden wurde bereits
einstimmig beschlossen, für den Stromverbrauch im eigenen Wirkungsbereich
den Aufpreis von 1 Cent/kWh zu bezahlen, weitere Gemeinden befinden sich in
der Entscheidungsphase. Ein nächster Schwerpunkt liegt nun in der Gewinnung
der Ökostromproduzenten sowie der Anlagenhändler als zukünftige
Vertriebspartner.
In Vorarlberg ist somit neben dem gemeinsamen Ziel des rascheren Ausbaus von
Ökostromanlagen auch eine Basis vorhanden, die Ökostromförderern
und Ökostromproduzenten einen Nutzen bringt. Nähere Infos unter www.oekostromboerse.at
*) Dipl.-Ing. Betr. oec. Johann Punzenberger ist Geschäftsführer der AEE Vorarlberg; vorarlberg@erneuerbare-energy.com[^]