Bioenergie
Biomasse-Nahwärme
Foto: Regionalenergie Stmk
Mit einem Anteil von rund 11% erneuerbarer Energieträger - ohne Wasserkraft
- liegt Österreich nach Finnland (17%) und Schweden (14%) noch vor Dänemark,
Portugal und der Schweiz international im Spitzenfeld. Von insgesamt 141 PJ
stammen 62% aus Holzsortimenten, nimmt man die Ablaugennutzung in der Papier-
und Zellstoffindustrie dazu, dann werden rund 79% von Holz abgedeckt.
Stand der Biomassenutzung in Österreich
Biomasse ist wegen des dezentralen Aufkommens und der geringen Energiedichte
vorwiegend ein Energieträger des ländlichen Raumes. Diese dezentrale
Nutzung und Anwendung verringert die Transportwege und verbessert die Energie-
und Umweltbilanz.
Durch die Verwendung von Holz-Biomasse, dem klassischen erneuerbaren Energieträger,
wird ein entscheidender Beitrag zur Energieversorgung in Österreich geleistet
und damit auch maßgeblich zur Verminderung der Importabhängigkeit
beigetragen (Abbildung 1). Durch die nachhaltige Produktion
der heimischen Biomasse und den Einsatz in modernen Anlagen wird nahezu ein
geschlossener Kreislauf erreicht.
Die Holzheizung hat in Österreich eine lange Tradition. Die Technik der
Holzverbrennung hat in den letzten 15 Jahren hinsichtlich Verbesserung der Verbrennungsqualität,
des Wirkungsgrades und der Emissionsminderung einen Quantensprung hinter sich.
Die Prüfberichte der BLT-Wieselburg beweisen dies, an weiteren Optimierungen
wird laufend gearbeitet.
Der hohe Komfortanspruch und niedrige Ölpreis haben Anfang der 90er Jahre
zu einer gewissen Stagnation bei Neuanschaffungen von Hackgutheizungen geführt
und die Zahl der neu installierten Scheitholzkessel ging sogar erkennbar zurück.
Der Ölpreisanstieg ab dem Jahr 2000 brachte aber wieder eine deutliche
Umkehr im Konsumentenverhalten.
Hackgut- & Pelletsheizungen
Die modernen Holzheizungen mit automatischer Brennstoffzufuhr legten hingegen in den letzten fünf Jahren kontinuierlich zu. Mit Ende des Vorjahres sind laut Erhebung der Niederösterreichischen Landes-Landwirtschaftskammer 42.460 Heizanlagen in diesem Leistungssegment (Kleinanlagen bis 100 kW) in Betrieb. Die Hackgutheizungen nahmen dabei jährlich nur leicht, aber kontinuierlich zu. Ihr Anteil lag im Jahr 2002 bei 2.390 Neuanlagen.
Abbildung
1[^]
Im Jahr 2001 konnten in Österreich mit erneuerbaren Energieträgern
11,0% (141,5 PJ) des Gesamtenergieverbrauchs (1.290 PJ/a) gedeckt werden
Am deutlichsten waren es aber die Pellets-Zentralheizungen, die es auf Grund
einer sehr offensiven Marktstrategie der Erzeugerfirmen schafften, auch in den
(klein)städtischen Bereich vorzudringen, wodurch so manche Ölheizung
ersetzt wurde (siehe Abbildungen 2 und
3). Nach äußerst rasanten Zuwächsen bis zum Jahre 2001 ist
im Vorjahr zwar kein neues Rekordergebnis zu verzeichnen, mit 4.490 Neuanlagen
aber immer noch das zweitbeste aller Zeiten.
Die Gesamtleistung aller Hackgut-, Pellets- und - inklusive der mittleren und
größeren - Rindenheizungen erreichte mit Ende 2002 insgesamt 3.248
MW (siehe Tabelle 1). Daraus kann ein jährlicher
Brennstoffbedarf von über 3 Mio. Festmeter Holz (und Rinde) abgeleitet
werden. Industrielle Großanlagen wie etwa in der Zellstoff- und Papierindustrie
sowie holzverarbeitenden Industrie sind hier nicht enthalten.
Mit nahezu einem Drittel wurden die meisten Kleinanlagen in Oberösterreich
in Betrieb genommen. Auf den weiteren Plätzen folgen Niederösterreich
(21%) und die Steiermark (19%) (siehe Abbildung 4).
| 1988 -1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | Summe Anzahl |
Leistung [MW] |
|
| Kleinanlagen bis 100 kW, |
10.530
|
2.280
|
2.452
|
3.236
|
4.186
|
5.615
|
7.276
|
6.884
|
42.459
|
1.443
|
| davon Pellets-ZH |
|
|
425
|
1.323
|
2.128
|
3.466
|
4.932
|
4.492
|
16.766
|
|
| Mittlere Anlagengrößen (über 100 bis 1.000 kW) |
1.203
|
214
|
256
|
280
|
159
|
223
|
301
|
223
|
2.859
|
798
|
| Großanlagen (über 1 MW) |
141
|
34
|
45
|
50
|
42
|
27
|
54
|
26
|
419
|
1.007
|
| Gesamtanzahl |
11.874
|
2.528
|
2.753
|
3.566
|
4.387
|
5.865
|
7.631
|
7.133
|
45.737
|
3.248
|
Tabelle 1: Anzahl der Hackschnitzel- und Pelletsheizungen, österreichweit, 3 Leistungskategorien, 1988 - 2002
Abbildung
2
Pellets bestehen aus reinen, trockenen Hobel- und Sägespänen, die
unter hohem Druck ohne Zugabe von synthetischen Bindemitteln gepresst werden
(ÖNORM M7135)
Abbildung
3
Pellets werden üblicherweise mit dem Pumpwagen zugestellt
Moderne Stückholzkessel
Als moderne Scheitholzheizung wird die Kombination Scheitholzvergaserkessel
in Verbindung mit einem Pufferspeicher (Lastausgleichsspeicher) gesehen. Ab
Mitte der 90er Jahre nahm die Zahl der mit Holz beheizten Wohnungen kontinuierlich
ab. Gas- und Ölheizungen hingegen konnten ihre Marktposition ausbauen.
Durchschnittlich werden jährlich in Österreich 80.000 bis 85.000 Zentralheizungseinheiten
neu installiert bzw. umgerüstet.
Nach einer erstmals durchgeführten Erhebung über die neu installierten,
"typengeprüften Stückholzkessel" (Scheitholzvergaserkessel)
wurden im Jahr 2001 5.364 Heizanlagen dieser Art in Betrieb genommen. Das Vorjahresergebnis
mit 4.276 neuen Anlagen weist einen Rückgang von 20% im Vergleich dazu
auf. Die schwierige allgemeine Konjunkturlage und damit eine gewisse "Abwartehaltung"
der Konsumenten haben dazu geführt, dass so manche Umrüstung (Sanierung)
verschoben wurde.
Nicht uninteressant bei dieser Entwicklung ist aber auch die Tatsache, dass
sich die Zahl der neu installierten Ölkessel in den letzten drei Jahren
mehr als halbiert hat. Nur die modernen Gaskessel konnten trotz rückläufiger
Gesamtzahl der Installationen ihren Anteil halten bzw. relativ sogar verbessern
(siehe Abbildung
5).
Biomasse-Fern(Nah-)wärmeanlagen
Diese Versorgungsanlagen haben in den letzten zehn Jahren einen hohen technischen
Stand erreicht und in allen Bundesländern Eingang gefunden. Österreich
ist mit 775 Anlagen dieser Art und einer Leistungskapazität von rund 878
Megawatt europaweit führend (siehe Abbildung 6).
Auf Grund der hohen Investitionskosten, insbesondere für die Fernwärmenetze
geht der Trend heute verstärkt auf kleinere Anlagen, auf so genannte "Mikronetze"
und "Contractingmodelle" hin. Andererseits wurde durch das neue Ökostromgesetz
und die verordneten Einspeisetarife der Weg entsprechend geebnet, sodass in
"größeren" Einheiten mit einer Kraft-Wärme-Kopplung
auch Strom aus Biomasse produziert werden kann.
Als Betreiber dieser bestehenden Wärmeversorgung treten überwiegend
örtliche bäuerliche Interessentengruppen - 70% der Anzahl mit 532
MW - auf. Es sind dies vor allem bäuerliche Fernwärmegenossenschaften,
aber auch bäuerliche Einzelunternehmer sowie größere Forstbetriebe
(Stifte). Die bäuerlichen Waldbesitzer wollen nicht nur den Rohstoff Holz
liefern, sondern dort, wo dies möglich ist, das "veredelte" Produkt
Wärme als Dienstleistung den Konsumenten anbieten.
Die zweitgrößte Gruppe sind Gewerbebetriebe (Einzelunternehmen sowie
gewerbliche Zusammenschlüsse) mit 13% der Anlagen und 129 MW. Hier sind
vor allem holzverarbeitende Betriebe zu erwähnen. Die größeren
Energieversorgungsunternehmen (EVU) decken mit 7% der Anzahl immerhin 164 MW
(19% der Leistung) ab. Die Gemeinden als Betreiber derartiger Anlagen sind mit
10% der Anzahl aber nur mit 52 MW vertreten. Die meisten gemeindeeigenen Anlagen
sind schwerpunktmäßig in den westlichen Bundesländern Tirol
und Vorarlberg vorhanden. Wohnbauträger sind überwiegend in Salzburg
vertreten.
Abschließende Bemerkungen
Heizen mit Holz bedeutet Energieverwendung im Kreislauf der Natur. Holz ist bei nachhaltiger Waldnutzung eine sich immer erneuernde Energiequelle und daher C02-neutral. Die Bereitstellung des Holzes ist mit geringem Energieaufwand verbunden. Die Transportwege sind kurz und ohne Umweltgefährdung. Die Lagerung ist problemlos. Die Verwendung von Holz für Energiezwecke verbessert beim Anwender das Verständnis und die Beziehung zur heimischen Natur und Umwelt.
Abbildung
4
Hackschnitzelheizungserhebung 1988 - 2002, Verteilung der Kleinanlagen ausgehend
von 42.459 Heizanlagen
Abbildung
5
Kesselinstallationen pro Jahr in Österreich
Trotz des hohen Beitrages, den die Biomasse - speziell das heimische Holz -
an der österreichischen Energieaufbringung leistet, können im "Waldland
Österreich" noch beträchtliche Potenziale zusätzlich genützt
werden. Eine Verdopplung der derzeit ausgewiesenen Brennholznutzung in Höhe
von rund 3 bis 3,5 Mio. Festmetern wäre relativ kurzfristig möglich.
Eine gezielte Offensive und weitere Steigerung des Einsatzes dieser heimischen
Energiequelle würden beträchtliche Mehrinvestitionen auslösen
und viele neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum schaffen.
Abbildung
6
Biomasse-Fernwärmeanlagen in Österreich im Jahr 2002 ausgehend von
775 Anlagen mit insgesamt 878 MW Leistung
Der Preis "Frauen in der Umwelttechnik"wurde zum zweiten Mal vergeben. Einer von den drei Hauptpreisen in der Kategorie "Frauen und Umwelttechnik" ging an Dipl.-Ing. Irene Bergmann von der AEE/intec für ihre umfangreichen Arbeiten zur Fassadenintegration von Sonnenkollektoren.
*) Forstdirektor Dipl.- Ing. Anton Jonas der Niederösterr. Landes-Landwirtschaftkammer, Forstabteilung, forst@lk-noe.at, www.lk-noe.at [^]