Bioenergie
Biomasse-Nahwärme
Ziel des Projekts BIOHEAT (Promoting Biomass Heating in Large Buildings and Blocks) ist die Entwicklung des Marktes für Biomasseheizanlagen mittlerer Größe in 15 europäischen Ländern.
Das Projekt BIOHEAT
Im Rahmen des Projekts sollen vor allem Wohnbauträger, Planer aber auch
Gemeindevertretungen und Verantwortliche für öffentliche Gebäude
auf Landes- und Bundesebene mit der Option vertraut gemacht werden, größere
Gebäude mit Biomasse zu beheizen. Das Projekt begann im April 2001 und
wurde im Jänner 2003 fast nahtlos als BIOHEAT II um weitere zwei Jahre
verlängert. Das Gesamtbudget beläuft sich auf rund 1,8 Mio. E, wovon
im ersten Projektabschnitt ein Drittel, im zweiten die Hälfte der Kosten
durch das ALTENER-Programm der EU getragen werden.
Abbildung 1 zeigt, dass in einem Leistungsbereich zwischen
100 und 500 kW die spezifischen Investitionskosten für Biomasseprojekte
am niedrigsten sind. Sie liegen sowohl weit unter den spezifischen Investitionskosten
für kleine Einzelanlagen, als auch weit unter denen von Fernwärmeanlagen.
Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass Anlagen dieser Größe
häufig noch im existierenden Gebäude untergebracht werden können.
Dadurch entfallen hohe Investitionen für ein eigenes Heizhaus sowie für
Fernwärmeleitungen.
In der Tat stellte es sich im Verlauf des Projektes heraus, dass eine Musteranlage,
wie sie in Österreich realisiert wurde, in praktisch allen europäischen
Ländern unter Zugrundelegung der heutigen Preisverhältnisse und ohne
Berücksichtigungen von Förderungen beim Einsatz von Hackschnitzeln
voll wettbewerbsfähig mit Ölheizungen sein kann.
Abbildung 2 zeigt das Verhältnis der Heizkosten
mit einer 100 kW-Heizung, die mit Waldhackgut betrieben wird, im Vergleich zu
den Kosten einer ölbeheizten Anlage. Am ausgeprägtesten sind die Kostenunterschiede
zwischen der Biomasseheizung und der Ölheizung in Ländern, in denen
eine Energiesteuer eingeführt wurde, wie in Schweden oder Dänemark.
In Holland ergibt sich diese günstige Relation zwischen Heizkosten mit
Biomasse und Öl aus der Tatsache, dass Hackgut in den Niederlanden in erster
Linie als Abfallprodukt gesehen und damit sehr günstig verfügbar ist.
Österreich ist eines der Länder mit den ungünstigsten Preisverhältnissen
und nimmt dennoch im Bereich der Technologieeinführung eine führende
Position ein.
Hohes Realisierungspotenzial
Insgesamt wurde deutlich, dass die Beheizung großer Objekte mit Biomasse
ein außergewöhnlich hohes Potenzial für die Realisierung kosteneffizienter
erneuerbarer Energieanlagen in Europa darstellt. Wie wird nun im Projekt versucht,
diesen schlummernden Markt in Bewegung zu bringen? Zunächst begann das
Projekt mit einer Orientierungsphase, in der die Projektpartner in ihren jeweiligen
Ländern Interviews mit den Vertretern der relevanten Zielgruppen führen
mussten. Dazu gehörten Bauträger, Planer, Architekten, Gemeindevertreter,
diverse Fachverbände, etc.
Auf die Phase der Orientierung folgte die Phase der aktiven Informationsaufbereitung
und -verbreitung. Dazu wurden unter anderem drei Broschüren jeweils für
Bauträger, Planer und Gemeinden erarbeitet, Seminare und Exkursionen durchgeführt,
eine große Zahl an Publikationen in Fachmedien der relevanten Zielgruppen
veröffentlicht. Außerdem wurde eine umfangreiche Website
www.bioheat.info eingerichtet.
Information der Politiker
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Information politischer Entscheidungsträger über mögliche Maßnahmen zur Unterstützung der Marktentwicklung im Bereich Wärme aus Biomasse. In diesem Bereich konnten retrospektiv betrachtet die größten Erfolge verzeichnet werden. Insgesamt wurden drei zum Teil halbtägige Workshops mit Mitarbeitern der Europäischen Kommission durchgeführt, in denen diese über die Ergebnisse des Projekts informiert wurden. Als Erfolg kann gewertet werden, dass in der im Herbst erwarteten Ausschreibung des Programms "Intelligent Energy Europe" ein Schwerpunkt im Bereich erneuerbare Wärme gesetzt wird. Auch die Empfehlung des Projekts, eine Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament zu formulieren, die die politische Aufmerksamkeit auf das Thema "Erneuerbare Wärme" legt, wird voraussichtlich umgesetzt. Schließlich fand das Projekt auch Eingang in den zweiten "European Climate Change Programm Progress Report" der DG Umwelt.
BIOHEAT II
BIOHEAT II führt die Bemühungen von BIOHEAT fort, wobei eine Reihe
von neuen Partnern in das Projekt integriert werden, sodass nunmehr insgesamt
15 Länder teilnehmen. Neue Schwerpunkte im Rahmen von BIOHEAT II liegen
in den Bereichen "Öffentliche Gebäude" und "Qualitätssicherung".
Ein Planungshandbuch soll die wichtigsten Fehlerquellen bei der Realisierung
holzbeheizter Projekte vermeiden helfen. Ein eigener Planerworkshop soll dazu
dienen, entsprechende Qualifikationen international verfügbar zu machen.
Wie die meisten Partner des Projekts feststellen konnten, waren fehlende Information
über die Möglichkeit große Objekte mit automatischen Holzfeuerungen
zu beheizen eine der wichtigsten Barrieren für die Markteinführung.
Diese Barriere dürfte durch das Projekt durchaus erfolgreich verringert
worden sein. Gleich als nächstes Problem taucht in vielen Ländern
allerdings das Fehlen einer verlässlichen Brennstoffbelieferungsstruktur
auf. Einen Ausweg könnten Holzpellets weisen. Diese haben gegenüber
Hackgut nicht nur den Vorteil einer wesentlich höheren Dichte und klar
definierter technischer Eigenschaften, sondern können auch über größere
Entfernungen transportiert werden und damit mit einem relativ geringen Aufwand
den Aufbau einer flächendeckenden Versorgungsstruktur ermöglichen.
Die Etablierung einer europaweit flächendeckenden Versorgung mit Holzpellets
dürfte somit eine Schlüsselrolle für die erfolgreiche Einführung
von Wärme aus Biobrennstoffen darstellen.
Weitere Probleme wie mangelnde Vertrautheit mit der neuen Technologie, Probleme
bei der Finanzierung der höheren Investitionskosten, etc. könnten
erfolgreich durch Energiedienstleistungsunternehmen übernommen werden,
die selber in die Heizanlage investieren und diese kompetent errichten und betreiben.
Mögliche politische Initiativen
Die Europäische Kommission könnte wie im Bereich der Elektrizität
den Mitgliedsstaaten Zielvorgaben für den Marktanteil von erneuerbarer
Wärme geben. Mitgliedsstaaten hätten die Pflicht, entsprechende Maßnahmen
zu setzen, um die Erreichung dieser Ziele sicherzustellen. Eine andere Möglichkeit
könnte sich bei der vorgesehenen Harmonisierung der Systeme zur Unterstützung
der Nutzung von erneuerbarem Strom bieten. So könnte die Europäische
Kommission den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit einräumen, einen Teil
ihrer Verpflichtungen durch nachgewiesene Einbringung von erneuerbarer Wärme
zu ersetzen. Eine solche Vorgangsweise wäre insofern sehr attraktiv als
sie sowohl erhebliche Kosteneinsparungen bei der Erzeugung von erneuerbarem
Strom, als auch die Entwicklung des neuen und derzeit brachliegenden potenziellen
Marktes für erneuerbare Wärme mit sich bringen würde.
Nach den sehr positiven Initiativen der Kommission im Bereich "Erneuerbarer
Strom" und "Biotreibstoffe" könnte eine Initiative zur Forcierung
erneuerbarer Wärme die dritte notwendige Säule für eine europäische
Erneuerbare-Energie-Politik darstellen.
Abbildung 1: Spezifische Investitionskosten von Biomasseanlagen (Quelle: LWK Stmk., DI Plank, 1998, EVA 1999)
Abbildung 2: Vergleich der Vollkosten für Beheizung mit Hackschnitzeln und Öl (100 kW)
Abbildung 3 Die Wohnanlage Stieglgründe in Salzburg (128 Wohneinheiten) hat ein solarunterstütztes Biomassenahwärmenetz zur Warmasserbereitung und Reumheizung (Kontakt: architekten@archsolar.at)
Alle energierelevanten Landes-, Bundes- und EU-Förderungen sowie alle Energieberatungsstellen auf einen Blick finden sie unter www.eva.ac.at.
*) Dr. Christian Rakos ist in der E.V.A verantwortlich für den Themenbereich Erneuerbare Energie, rakos@eva.ac.at, www.eva.ac.at [^]