Bioenergie
Biogas
Auf Grund neuer ökonomischer Rahmenbedingungen ist bis Ende 2004 mit einer
Biogasoffensive zu rechnen, wobei der Einsatz von Energiepflanzen aus Stilllegungsflächen
im Mittelpunkt stehen wird.
Biogas im Aufwind
Österreichweit sind circa 50.000 ha Stilllegungsflächen für
die Erzeugung von Strom aus Energiepflanzen nutzbar. Pro ha können rund
20.000 kWh pro Jahr erzeugt werden, das ergibt einen Anschlusswert pro ha von
2,5 kWel.. Das gesamte Potenzial beträgt daher 125.000 kWel. Davon sind
theoretisch bis Ende 2004 rund 20.000 kWel (das sind ca. 16%) umsetzbar.
Zur Zeit werden primär Anlagen mit einer elektrischen Leistung von 500
kW geplant, um den Ökostromtarif von 14,5 €-Cent zu nutzen. Sobald
die Investförderung des Landwirtwirtschaftsministeriums in Kraft treten
wird, die eine Direktförderung von bis zu 40% für bäuerliche
Gemeinschaftsanlagen zwischen 40 und 250 kW vorsieht, könnte sich das Spektrum
der gängigen Leistungsklassen schlagartig erhöhen. Durch diese Anreizförderung
könnten, nach ersten Rückmeldungen der österreichischen Biogasanlagenberater,
im unteren Leistungsniveau etwa 30 x 100 kW (freiwillige Leistungsbegrenzung,
um den Tarif von 16,5 €-Cent pro kWhel zu nutzen) und weitere 30 x 250
kW (zur Nutzung der Maximalförderung von 40%) zusätzlich installiert
werden. Das ergibt rund 25% des Biogaspotenzials aus den Stilllegungsflächen.
Um ein Vielfaches könnte die Biogasgewinnung aus Energiepflanzen, die als
Vor-, Nach,- und Zwischenfrucht im Getreidebau angebaut werden, sein.
In Österreich sind derzeit über 130 Biogasanlagen in Betrieb (siehe
Abbildung 1), die circa 40 Mio. Kilowattstunden elektrischen Strom und etwa
50 Mio. Kilowattstunden Wärme pro Jahr erzeugen und somit rund 16.000 Tonnen
Kohlendioxid einsparen. 20 Anlagen mit einer elektrischen Anschlussleistung
von etwa 10.000 kW (gesamt) sind geplant oder im Bau.
Trends
Aufgrund der aktuellen Ökostromregelung zeichnen sich zwei neue Trends
in der Biogastechnik ab: einerseits zu leistungsstärkeren Anlagen, andererseits
zu einer spezifischeren Substratwahl.
Bei der derzeitigen Einspeiseregelung wird wahrscheinlich die Leistungsklasse
bis 500 Kilowatt (kW) die meistgebaute Anlagengröße in Österreich
sein. Das setzt eine Gasproduktion von ca. zwei Mio. m3 pro Jahr
voraus. Weniger Gas pro Jahr heißt allerdings nicht automatisch, dass
der Betreiber nicht wirtschaftlich arbeiten kann. Möglich wird dies allerdings
nur - wie Modellrechnungen zeigen - durch extrem niedrige Investkosten. Festzuhalten
ist, dass bei einer Investsumme von mehr als 4.000,- € pro kWinstalliert
die Anlage ohne zusätzliche Einnahmequellen kaum noch wirtschaftlich betrieben
werden kann.
Substratwahl
Dreh- und Angelpunkt für einen wirtschaftlichen Betrieb einer 500 kW-Biogasanlage
ist die kostengünstige Substratbereitstellung. Üblicherweise stellt
sich jedoch diese Überlegung bei der Verwertung von Gülle und Mist
gar nicht, da diese Substrate im Betrieb kontinuierlich anfallen und somit keine
Produktionskosten verursachen. Neben dem Kostenfaktor spielt natürlich
auch die Gasausbeute eine Rolle.
Sowohl Mist und Gülle als auch biogene Reststoffe spielen bei den neuen
Biogasgroßanlagen keine entscheidende Rolle, da diese Substrate in der
benötigten Menge und Qualität in der Regel nicht zur Verfügung
stehen. Der Trend geht daher zu Energiepflanzen, die auch eine höhere Energiedichte
aufweisen.
Langjährige Erfahrungen in der Praxis zeigen, dass sich eine ganze Reihe
von Kulturpflanzen als Energiepflanzen für die Biogasproduktion eignen.
Aus unerklärlichen Gründen gilt jedoch der Mais als Synonym für
Energiepflanzen. Aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten
ist dieser Status ungerechtfertigt und sollte rasch revidiert werden.
Ein hoher Biomasseertrag pro Hektar ist ein wichtiger Parameter für die
ökonomische Bewertung der Stromproduktion aus Energiepflanzen, jedoch nicht
der einzige. Wichtig ist auch die Biomassequalität und der Substrataufschluss.
Nur gut aufbereitete, hochqualitative Energiepflanzensilage bringt Biogas von
bester Qualität (hoher CH4-Anteil) und höchstmögliche
Erträge.
Perspektiven
Die neue Tarifgestaltung für Ökostrom greift im Bereich der Kofermentation so dramatisch ein, dass Kofermente in landwirtschaftlichen Biogasanlagen kaum mehr eingesetzt werden. Warum? Wenn jemand auch nur ein Kilo Kofermente jeglicher Art in die Biogasanlage einbringt, reduziert sich der festgelegte Tarif um 25%. Bedenkt man außerdem die Auflagen in diesem Bereich (Hygienisierung etc.) und den Preisverfall für Kofermente in den letzten Jahren, dann ist der Anreiz, Biogasanlagen mit Kofermenten im Mix mit landwirtschaftlichen Urprodukten zu betreiben, sehr gering. Das lässt allerdings nicht den Umkehrschluss zu, dass solche Anlagen überhaupt nicht mehr gebaut und betrieben werden könnten. Im Gegenteil, das Potenzial für Anlagen, die ausschließlich mit Kofermenten betrieben werden, wird in Österreich auf 150 bis 350 Stück (je nach Größe) geschätzt und sollte in den nächsten Jahren auch genützt werden. Betreiber solcher Anlagen werden kommunale und private Abfallentsorger und Betriebe der Nahrungsmittelindustrie sein.
Fazit
Biogastechnik ist ausgereift, finanzier- und sofort einsetzbar. Auch die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen passen. Nun liegt es an den Bauern, sich mit Hilfe dieser
Technik ein solides Standbein zu schaffen.
Österreichs politische Entscheidungsträger haben für Biogas wirtschaftliche
Rahmenbedingungen geschaffen, die den Betrieb von Biogasanlagen langfristig
profitabel machen. Profitabel heißt, fünf bis sieben Prozent des
Investkapitals sollten mindestens als Rendite erzielbar sein.
Abbildung 1: Entwicklung der Biogasanlagen in Österreich
Literatur
Graf, W.: »Biogas für Österreich«. Hrsg.: Bundesministerium
für Land- und Forstwirtschaft; 3. Auflage; 1998.
Graf, W.: »Energy from Grass and other Energy Crops.« Hrsg.: Vienna
University of Technology; 2000.
Graf, W.: »Grass Power - Biogas from Grass«. Lecture Papers; Nordic
& European Bioenergy Conference; Hrsg.: Bioenergy Department, University
of Southern Denmark; 2001.
Graf, W.: »Kraftwerk Wiese -Strom und Wärme aus Gras«. Hrsg.:
Walter Graf; 2. Auflage; 2001.
Graf, W.: »Der Biogasreport. Stand der Technik - Potenziale - Perspektiven«.
Hrsg.: Walter Graf; 2002.
*) Walter Graf ist Fachjournalist für Umwelt und Energie und Vorsitzender der Arge Biogas, www.natur-schutzbund.at/arge_biogas.html [^]