Bioenergie
Biogas
Foto:LEV
Die Steiermark versucht bei Biogasanlagen ein Niveau wie bei Biomasse-Nahwärmenetzen
zu erreichen. In der Oststeiermark ist die Dichte der Anlagen schon sehr hoch.
Biogasanlagen für die Steiermark
Von Helga Rally und Horst Scheucher*
Zu Beginn der Alternativbewegung im Bereich Energie gab es in den 80er Jahren
auch verstärkt Bestrebungen Biogas zu nutzen. Aus unterschiedlichen Gründen
kam eine weitere Entwicklung zum Erliegen. Im Rahmen der Stromliberalisierung
hat Biogas nun aber wieder erhebliches Interesse geweckt, denn im Vergleich
zur Stromerzeugung aus anderen erneuerbaren Energieträgern (ausgenommen
Wasserkraft) weist die Stromproduktion aus Biogas niedrigere Erzeugungskosten
auf.
Auch die sonstige energiepolitische Zielsetzung der Steiermark, den Anteil der
erneuerbaren Energie zu erhöhen, fördert das Interesse an Biogas.
Im Bereich Biomasse (Holz) hat die Steiermark mit ihren über 200 Nahwärme-
und Mikronetzen einen beachtlichen Teil des Potenzials bereits genutzt. Auch
bei der Sonnenenergienutzung ist die Steiermark - dank der AEE - nahezu weltweit
führend. Auf diesen Erfolgen aufbauend, hat sich der Energiereferent der
Steirischen Landesregierung, Landeshauptmannstellvertreter Dipl.-Ing. Leopold
Schöggl, zum Ziel gesetzt, auch die Biogasnutzung auf dieses Niveau zu
bringen.
Der LandesEnergieVerein Steiermark hat aus diesem Auftrag einen neuen Projektschwerpunkt
abgeleitet. Neben der direkten Betreuung und Beratung von möglichen Betreibern,
soll - ähnlich wie bei der Biomasse-Nahwärme - durch die Herausgabe
eines Leitfadens/Handbuchs, in dem technische Entwicklung und Fragen der Qualitätssicherung
behandelt sowie durch Veranstaltungen und andere Aktivitäten das Ziel beworben
werden.
Unterstützt wird diese neue Initiative auch durch die Schaffung des NOEST,
des Netzwerkes Ökoenergie Steiermark. Es stellt nicht nur eine Zusammenführung
von Kompetenz dar, sondern konzentriert sich auch darauf, neue Projektwerber
im Sinne eines "one stop shop" schneller und vereinfachter als bisher
zu unterstützen. Ein Expertengremium begutachtet alle Projektanträge
und beschließt, wie und in welcher Form diese unterstützt werden.
Fachlich inhaltliche Informationen werden von den Kompetenzknoten im Internet
publiziert: http://wissen.noest.or.at/.
Der Kompetenzknoten für Biogas ist die Lokale Energieagentur Oststeiermark.
Mit dieser wurde kürzlich ein grenzüberschreitendes Projekt zur Forcierung
von Biogas in der Steiermark und Slowenien mit dem Titel Biogas:offensiv gestartet.
Für das Ziel, Wissen und Erfahrung zu bündeln und wiederum zur Verfügung
zu stellen, werden nicht nur alle existierenden Biogasanlagen erhoben und analysiert,
sondern auch der Frage nachgegangen, in welchen Bereichen Probleme oder Informationsmangel
bestehen und wie man Abhilfe schaffen kann. Exkursionen und Veranstaltungen
sollen organisiert werden, um das vorhandene Wissen zu kommunizieren. Wie schon
bei Biomasse-Nahwärme läuft dies unter dem Titel Stammtisch, diesmal
Biogas-Experten-Stammtisch, die Teilnehmer bestimmen ihre Diskussionsthemen
großteils selbst.
Der erste dieser Art zum Thema Biogas fand am 25. 6. 2003 in St. Stefan im Rosental
statt. Nach der Begrüßung durch Landeshauptmannstellvertreter Dipl.-Ing.
Leopold Schöggl und den Bürgermeister von St. Stefan, Johann Tropper,
wurde zur Einstimmung die Biogasanlage im Ort besichtigt. Impulsreferate behandelten
die Themen EU-Hygieneverordnung, rechtliche Voraussetzungen für Biogasanlagen
in der Steiermark und gesetzliche Regelungen für die Errichtung und den
Betrieb von Biogasanlagen.
Abbildung 1: Standorte steierischer Biogasanlagen (Quelle:LEV)
Biogasanlage St. Stefan
Die Rosentaler Bio Kraftwerk GmbH & CoKEG betreibt in der Gemeinde St.
Stefan i.R. (pol. Bez. Feldbach) die größte und modernste Biogasanlage
der Steiermark. Die Biogasanlage ist als Vorzeigeanlage zur Wirtschaftsdüngerveredelung
und Verwertung regionaler Wertstoffe (Kosubstrate) konzipiert, dies unter Einhaltung
der strengen EU-Hygieneverordnung, das heißt eine Hygienisierungsstufe
für Kosubstrate wird installiert. Ein Großteil der eingesetzten Schweinegülle
wird über ein Rohrleistungsnetz der Biogasanlage zuführt.
Die etwa € 1.900.000,- teure Kofermentationsanlage erzeugt stündlich
etwa 500 kW elektrischen Strom, welcher als Ökostrom in das öffentliche
Netz eingespeist wird. Die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme wird
zur Versorgung der benachbarten Stallungen verwendet. Zusätzlich wird in
einer späteren Projektphase die Trocknung regionaler landwirtschaftlicher
Produkte realisiert.
In Kooperation mit der Gemeinde St. Stefan wird Klärschlamm aus der benachbarten
kommunalen Kläranlage, unter Sicherstellung einer stofflichen Trennung
der Biogasanlage zugeführt. Durch die Produktion wertvollen Stickstoffdüngers
· dem Gärrückstand aus der Biogasanlage · kann der Zukauf
von Handelsdünger substituiert und dadurch die lokale Wertschöpfung
erhöht werden.
Die Biogasanlage wird während der ersten Betriebsjahre wissenschaftlich
begleitet, die Ergebnisse der Begleitforschung werden dokumentiert und sollen
weiteren Biogasanlagen wichtige Erfahrungen liefern.
*) Horst Scheucher
ist Projektleiter im Bereich Bioenergy beim LandesEnergieVerein Steiermark h.scheucher@lev.at
Dipl.-Ing. Helga Rally ist
Mitarbeiterin der Geschäftsführung [^]