Nachhaltige Gebäudekonzepte im Nichtwohnungsbau
Energiepolitik
Die Konzeption für die Programmlinie "Haus der Zukunft" im Rahmen
des Forschungs- und Technologieprogramms Nachhaltig Wirtschaften des Bundesministeriums
für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) sieht die abschließende
Errichtung von konkreten Demonstrationsprojekten vor, welche die Forschungsergebnisse
der Programmlinie verdeutlichen.
Haus der Zukunft
Wie sich nun zeigt, ließ sich dieses Ziel erreichen. Von Anfang an war
klar, dass das Thema "Zukunftsorientiertes Bauen und Wohnen" von großer
Relevanz für eine nachhaltige Entwicklung ist und gleichzeitig ein hohes
Maß an Innovationschancen für die Wirtschaft eröffnet.
Jedoch wären hohe Anforderungen an fachübergreifende Zusammenarbeit
zu erfüllen und eine gute Kooperation mit den Umsetzern zu gewährleisten.
Die gleichzeitig zu berücksichtigenden Themen wie optimale Energieeffizienz,
Solararchitektur, ökologische Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen,
ökonomisch günstige Fertigungsweisen sowie Faktoren wie Licht, Luft,
Nutzerbedürfnisse und Lebensqualität müssten gleichzeitig vorangetrieben
werden und in konkreten Konzepten gemeinsam umgesetzt werden. Deshalb sahen
viele Fachleute einen raschen Durchbruch als nicht realistisch an.
Heute, einige Jahre nach Programmstart, sind die Skeptiker verstummt. Nach drei
Ausschreibungen mit 125 Projekten (Förderungsvolumen über 13 Mio E)
ist die Anzahl der von einer internationalen Jury ausgezeichneten Konzepte,
die nun in Form von Demonstrationsprojekten umgesetzt werden sollen, deutlich
höher als ursprünglich erhofft (siehe Abbildung 1). Das große
Engagement, die hohe Bereitschaft zur Zusammenarbeit der österreichischen
Forscher, Architekten und Firmen haben zu einem international beachteten Durchbruch
geführt.
Abbildung 1: Standort geplanter Demonstrationsanlagen
Demonstrationsanlagen
Beispielhaft werden hier das im Oktober 2003 eröffnete ChristophorusHaus
in Stadl-Paura sowie das Schiestl-Haus, welches im Sommer 2004 auf dem Gipfel
des Hochschwab errichtet werden soll, genannt. Das ChristophorusHaus ist ein
multifunktionales Betriebs- und Verwaltungsgebäude in Passivhausstandard
und hochwertiger Holzbauweise, welches durch seine konsequente Orientierung
an Nachhaltigkeit als international beachtetes Leitprojekt gesehen wird (siehe
Artikel von C. Fink in dieser Ausgabe von erneuerbare energie, Seite 12).
Das auf dem Hochschwab geplante Schiestl-Haus fungiert sozusagen als "Formel
1" unter den Passivhaus-Demonstrationsprojekten (siehe Abbildung 2). 2.200
Höhenmeter bei zeitweise extremen Wetterbedingungen im Wasserschutzgebiet
erfordert höchste Ansprüche an Bauweise sowie an Energie-, Wasser-
und Bewirtschaftungskonzepte. Höchste Energieeffizienz und die erneuerbaren
Energiequellen Sonne und Wind ermöglichen eine autonome Versorgung von
thermischer und elektrischer Energie. Regenwasseraufbereitung und biologische
Abwasserreinigung werden der relativen Wasserknappheit und der ökologischen
Sensibilität des Standortes Rechnung tragen. Somit ist dieses Demonstrationsprojekt
ein richtungsweisender Prototyp für konsequent ökologisch ausgerichtete
alpine Stützpunkte in "Insellagen".
Abbildung 2: Schiestl-Haus, alpiner Stützpunkt am Hochschwab
Altbau der Zukunft
Da die Sanierung des bestehenden Gebäudebestandes in den nächsten
Jahren eine große Rolle spielen wird, widmet sich die Programmlinie "Haus
der Zukunft" als nächstes der Übertragung der Erkenntnisse und
Erfahrungen vom Neubau auf Sanierungsprojekte.
Bereits die Preisträgerprojekte des 2001 durchgeführten Wettbewerbes
"Altbau der Zukunft" zeigten, dass mit einer Sanierung ein beachtliches
Potenzial an energetischen und bautechnischen Verbesserungen gegeben sind. So
konnte z. B. das Siegerprojekt "Ökoeffiziente Gebäudesanierung
Nordpool-Steyr" (siehe Titelbild dieses Artikels) zeigen, wie aus einer
ehemaligen Produktionsstätte ein energieeffizientes, ökologisches
und modernes Büro- und Geschäftshaus gemacht wurde. Die Heizenergiekosten
wurden durch die Sanierung um den Faktor 20 gesenkt. Der Rest-Heizbedarf wird
mit erneuerbarer Energie gedeckt. Bei der Sanierung zum Niedrigenergiehaus wurden
fast ausschließlich nachwachsende Rohstoffe bzw. Recyclingmaterialien
verwendet. Gleichzeitig konnten die Sanierungskosten extrem tief gehalten werden
(335 E/m²). Damit ist dieses Projekt ein gelungenes Referenzmodell für
weitere Gebäudesanierungen aus den 60er- und 70er-Jahren.
Dank der guten Zusammenarbeit der beteiligten Forscher und Fachleute aber auch
der konstruktiven Kooperation zwischen Bundes- und Landeseinrichtungen bei der
Finanzierung von Demonstrationsprojekten ist zu erwarten, dass Österreich
auch im Bereich der zukunftsorientierten Althaussanierung eine Vorreiterrolle
einnehmen wird.
Weitere Informationen zur Programmlinie und zu den angeführten Projekten
unter:
www.HAUSderzukunft.at
*) Dipl.-Ing. Michael Paula initiierte das Impulsprogramm "Nachhaltig Wirtschaften" mit folgenden Programmlinien: "Haus der Zukunft", "Fabrik der Zukunft" und Energiesysteme der Zukunft". Michael Paula trägt als Abteilungsleiter im BMVIT die Programmverantwortung. michael.paula@bmvit.gv.at [^]