Nachhaltige Gebäudekonzepte im Nichtwohnungsbau
Sanierung
Der ehemalige Gasthof in Krems in der Langenloiserstraße wurde nach seiner
Betriebsstilllegung in ein Ärztezentrum umgewandelt.
Ärztezentrum Goldenes Kreuz
Die vorhandene, zum Teil historische Bausubstanz (Baujahr ca. 1800), befand sich durch die lange Nichtnutzung in einem sehr schlechten Zustand. Ein Projekt des Vorbesitzers sah den Totalabbruch vor. Durch genaue Gebäudeanalysen und Kostenkalkulationen konnte jedoch nachgewiesen werden, dass der Sanierung dem vollständigen Abriss mit anschließendem Neubau der Vorzug zu geben war.
Sanierungsmassnahmen
Der historische Gebäudeteil wurde rückgebaut (sämtliche im Laufe
der Zeit entstandenen Einbauten wurden entfernt) und so weit wie möglich
in den Urzustand versetzt. Der jüngere straßenseitige Gebäudeteil
(Baujahr ca. 1940) wurde zur Gänze umgestaltet und mit einer zeitgemäßen
Fassade ausgestattet. Das Ergebnis ist ein sehr guter Niedrigenergiestandard
des Gebäudes.
Alle Dächer wurden abgetragen und über dem historischen Altbau mit
der ursprünglichen Walmdachform in Passivhausbauweise neu errichtet. Auf
den jüngeren Gebäudeteil wurde ein gegenüber den Fassaden zurückgesetzter
Baukörper mit Flachdach aufgesetzt. Die statische Struktur besteht aus
einer Holzleimbinderrahmenkonstruktion, die im Rauminneren sichtbar ist (siehe
Abbildung 1).
Als "Dachdeckung" wurde Ziegelsplitt verwendet, dadurch wurde eine
Integrierung in die umgebende Dachlandschaft erreicht. Der Gebäudekomplex
bietet Platz für vier Ordinationen im ersten Obergeschoss und für
eine Ordination samt Dienstwohnung im Dachgeschoss. Im Erdgeschoss wird ein
Cafe-Restaurant mit ca. 60 Sitzplätzen eingerichtet, ein Veranstaltungs-
und Seminarbereich mit Multimedientechnik für bis zu 100 Personen ausgestattet
und ein Optikergeschäft betrieben. Zur Verbesserung des Mikroklimas im
Innenhof erhält die in Fels gehauene Garage für 10 Pkw ein intensiv
genutztes Gründach.
Insgesamt stehen damit ca. 2300 m² nachhaltig sanierte Flächen zur
Verfügung. Alle Nutzungseinheiten können barrierefrei erreicht werden,
dazu wurde u. a. ein Aufzug für Liegendkranke eingebaut.
Energetisches Konzept
Für die vorhandenen Gebäudeteile wurde der Niedrigenergiestandard
angestrebt und erreicht, obwohl auf Wärmschutzmassnahmen an der Fassade
des historischen Gebäudeteiles verzichtet wurde.
Der gesamte Dachausbau und der neu errichtete Dachaufbau wurden in Passivhausqualität
konzipiert. Die dafür hergestellten Fertigteile bestehen im wesentlichen
aus TJI-Trägern, Zellulosedämmung, OSB-Platten als Dampfbremse und
DWD-Platten1 zur Winddichtung. Die Fassadenverglasung erfolgte großteils
mit fixverglaster Drei-Scheiben-Isolierverglasung (U = 0,5 W/m²K) und passivhaustauglichen
am Markt erhältlichen Holz-Alufenstern. Die erforderlichen Installationsebenen
wurden bauseits montiert.
Alle Ordinationen wurden mit kontrollierten Be- und Entlüftungsanlagen
mit Wärmepumpen und Wärmerückgewinnung ausgestattet. Damit sind
unangenehme Gerüche im Wartezimmer Vergangenheit.
Die Luftansaugung für die dezentralen Anlagen erfolgt aus dem Innenhof.
Die Frischluft wird durch einen tief gelegenen Gewölbekeller, in dem ein
Lüftungslabyrinth eingebaut wurde, zu den Ordinationen geführt. Dadurch
erfolgt eine Luftvorwärmung im Winter bzw. eine sanfte Abkühlung im
Sommer.
Der sommerlichen Überhitzung in der Passivhausordination im Dachgeschoss
wird durch den Einbau einer Kühldecke der Kampf angesagt, gekühlt
wird mit Erdwärme. Vier geschlossene Tiefenbohrungen mit jeweils 100 m
Tiefe sorgen für ein angenehmes Klima im Sommer.
Das Stiegenhaus und der im Innenhof angehängte Erschließungsgang
liegen außerhalb der beheizten Gebäudehülle.
Die Energiekennzahl des Passivhausdachgeschosses beträgt 10 kWh/m²,
die des thermisch sanierten Bereiches 29 kWh/m² und die der nur teilweise
thermisch sanierten Bereiche beträgt 65 kWh/m². Der Energiebedarf
des gesamten Gebäudes beträgt so ca. 40 kWh/m², was eine deutliche
Verbesserung gegenüber dem Urzustand (ca. 150 kWh/m²) ergibt.
Fazit
Beispiele wie dieses zeigen, dass bei sanierten Gebäuden jeglicher Nutzungskomfort bei entsprechender Planungssorgfalt möglich ist und Sanierungsprojekte Neubauten um nichts nachstehen. Eröffnet wird das "neue" Gesundheitszentrum nach einer Bauzeit von 12 Monaten am 12. Jänner 2004.
Weitere Informationen
Zu Redaktionsschluss waren die Baumaßnahmen am Ärztezentrum Goldenes
Kreuz noch nicht abgeschlossen. Weitere Informationen zum Projekt und aktuelle
Fotos stehen unter www.bm-werner.at zur Verfügung.
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Abbildung 1
Im Rauminneren des Ärztezentrums Goldenes Kreuz ist die Holzleimbindertragkonstruktion
sichtbar
1) TJI-Träger: Trus Joist Mac Millan, OSB-Platten: Oriented Strand Board, DWD-Platte: Diffusionsoffene Wand und Dachplatte
*) Günther Werner ist Baumeister in Krems und führte Gebäude- und Einrichtungsplanung sowie die örtliche Bauaufsicht, office@bm-werner.at, www.bm-werner.at [^]