Wasserstoff und Brennstoffzellen
Einführung ins Thema
Seit
der Entdeckung des Brennstoffzelleneffekts im Jahr 1838 durch Christian Schönbein
entwickelte sich die Technologie zu einer effizienten Möglichkeit gleichzeitig
Strom und Wärme zu erzeugen.
Betrieb stationärer Brennstoffzellen
Stationäre Brennstoffzellen werden mit Erdgas oder auch Biogas betrieben. Neben herkömmlichen dezentralen BHKW-Technologien, wie Gasmotoren und Mikrogasturbinen hat die Entwicklung von Brennstoffzellenanlagen in den letzten Jahren international einen großen Aufschwung genommen. Der Leistungsbereich erstreckt sich derzeit von 1 kW bis 1.000 kW. Alle bekannten Gasgerätehersteller arbeiten intensiv an der Entwicklung von so genannten Brennstoffzellen-Heizgeräten.
Technologie der Brennstoffzellen
Die ersten stationären Brennstoffzellen-BHKW waren vom PAFC Typ und wurden 1988 von der amerikanischen Firma ONSI Corp. entwickelt. Der Elektrolyt ist hier konzentrierte Phosphorsäure, die als Paste in ein Gewebe gestrichen wurde. In den letzten Jahren wurden weltweit über 200 Anlagen in Containerbauweise mit einer elektrischen Leistung von 200 kW eingesetzt. Einige erreichten eine Betriebsdauer von über 35.000 Stunden. Der elektrische Wirkungsgrad betrug etwa 40%. In Versuchsprojekten wurden ONSI-Anlagen mittlerweile auch mit Deponiegas bzw. Klärgas betrieben (z. B. Köln, Rodenkirchen). Das PAFC-Konzept wird von ONSI allerdings nicht mehr weiter verfolgt (siehe unten, Polymermembran Brennstoffzellen).
Festoxid Brennstoffzellen SOFC
Bei dieser Technologie werden keramische Elektrolyte verwendet, die bei 900
bis 1000 °C ionenleitend werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Reformierung
des Erdgases zu Wasserstoff direkt in den Zellen erfolgen kann.
Die Firma Sulzer Hexis aus Winterthur hat im März 2001 auf der ISH in Frankfurt
erstmals das Brennstoffzellengerät HXS1000 vorgestellt. Der SOFC-Zellenstapel
beinhaltet keramischen Elektrolytscheiben und Bipolarplatten/Stromsammler aus
einer hochwertigen Chromlegierung, die von den Planseewerken in Österreich
hergestellt werden. Die planaren Zellen von Sulzer Hexis sind derzeit in 110
Anlagen in Betrieb (das Titelbild dieses Artikels zeigt ein Sulzer Hexis SOFC-Brennstoffzellen-Heizgerät).
Diese Geräte sind auf die Anwendung in Einfamilienhäusern zugeschnitten
und haben eine elektrische Leistung von 1 kW.
Siemens Westinghouse hingegen arbeitet mit Röhrenzellen. Diese BHKW-Anlagen
haben derzeit eine elektrische Leistung von 100 bis etwa 320 kW. Elektrische
Wirkungsgrade von über 50% sollen mit dieser Technologie möglich sein.
Polymermembran Brennstoffzellen PEM
Den Niedertemperaturbrennstoffzellen werden heute neben der SOFC die größten Zukunftschancen zugeschrieben. Als Elektrolyt wird eine dünne Teflonfolie verwendet, die einer speziellen Säurebehandlung unterzogen wurde. Der Wasserstoff wird hier in einem externen Reformer aus Erdgas hergestellt. Eine besondere Herausforderung ist der Bau von kleinen Reformern im Leistungsbereich von einigen kW. Weiters darf nur ganz wenig KohlenmoNOxid im Reformat enthalten sein. Viele bekannte Gasgerätehersteller wie Vaillant (Abbildung 1), Buderus, Baxi und Viessmann arbeiten an Brennstoffzellen-Heizgeräten mit PEM-Technologie. In den meisten Fällen liefern amerikanische Partnerfirmen den Zellenstapel (Plug Power und andere). Im Jahr 2000 wurden erstmals auch große Brennstoffzellenanlagen auf PEM-Basis in Berlin und Basel in Betrieb genommen. Die elektrische Nennleistung beträgt 250 kW. Der Lieferant war Alstom-Ballard. Bisher konnte ein elektrischer Wirkungsgrad von maximal 35% erreicht werden.
Abbildung 1: PEM-BZ-Heizgerät
von Vaillant, elektrische Leistung: 4,6 kW [5]
Integration von Brennstoffzellen in Gebäude
Die Integration von Brennstoffzellen in das Energiesystem von Gebäuden
wird als Option für die Energiebereitstellung der Zukunft gesehen. Brennstoffzellen
eignen sich für die dezentrale Versorgung von Kundenanlagen mit Strom und
Wärme. Die BZ-Anlage muss sowohl mit dem Wärmeverteilsystem des Gebäudes
als auch mit dem Stromnetz optimal zusammenarbeiten können. Der rechnerisch
ermittelte Wärmebedarf eines typischen Einfamilienhauses ist nach der aktuellen
Bauordnung etwa 8 kW. Der Wärmebedarf beschränkt sich im Sommer auf
die Warmwasserbereitung. Es ist zu erwarten, dass in vielen Fällen solarthermische
Warmwasserbereitungsanlagen diesen Teil übernehmen. Die Wirtschaftlichkeit
jeder BHKW-Anlage hängt von ihrer Betriebsstundenzahl ab. Ebenso wie Gasmotoraggregate
werden auch Brennstoffzellenanlagen so ausgelegt, dass sie jahresdurchgängig
Grundlast liefern können. Bei großen Wohnanlagen ist das leicht zu
realisieren, wenn man die BZ-Anlage auf die Warmwasserbereitung auslegt und
daher Volllastbetrieb möglich ist (ca. 0,5 kWtherm pro Familie).
Ein weiterer Faktor ist der Wert des ausgekoppelten Stromes.
Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die Brennstoffzelle, die Gleichstrom
erzeugt mit einem Wechselrichter im netzparallelen Betrieb arbeitet. Die Verbraucher
im Gebäude werden direkt versorgt und eventuelle Überschüsse
ins Stromnetz gespeist. Übersteigt die Leistung der Verbraucher die Stromlieferung
der Brennstoffzelle so wird Strom aus dem Netz bezogen (siehe Abbildung 2, analog
einer Photovoltaikanlage). In großen Objekten kann der Strom meist zur
Gänze im Haus verbraucht werden. Man vermeidet dann die Kosten für
den Netzbezug.
Betrachtet man den elektrischen Lastverlauf einer Wohnung so sieht man in den
Nachtstunden nur den Leistungsbedarf von Kühlschrank und Kühltruhe
sowie einige kleinere Stand-By-Verbraucher. Die Leistung pendelt zwischen 50
W und 220 W.
Abbildung 2: Einbindung der Brennstoffzelle in das elektrische System des Gebäudes
Abbildung 3: Brennstoffzellen-Deckungsgrad, Simulationsergebnis [2]
Betriebsverhalten von stationären Brennstoffzellen
Wählt man eine kleine Brennstoffzelle mit einer elektrischen Leistung
von 1 kW, so sieht man, dass in den Nachtstunden und am Vormittag ein großer
Teil der Stromproduktion nicht im Haus genutzt werden kann. Man könnte
zwar die Brennstoffzelle auf Teillast laufen lassen, doch ist das wegen des
Eigenverbrauchs der diversen Hilfsaggregate nicht optimal. Nach einer Studie
der TU-München [4] kann man mit einer 1 kWel-Brennstoffzelle beim stromgeführten
Betrieb etwa 87% des Jahresstrombedarfs und 20% des Wärmebedarfs eines
Einfamilienhauses abdecken. Das Ergebnis einer Simulationsrechnung wird in Abbildung
3 dargestellt [2] und deckt sich weitgehend mit der Münchner Studie.
Der Anteil des im eigenen Haus genutzten Stromes aus der Brennstoffzelle nimmt
mit steigender Systemgröße der BZ-Anlage ab. Beim wärmegeführten
Betrieb erreicht man die höchste Zahl an Betriebsstunden, wenn die thermische
Leistung der Brennstoffzelle auf den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung
abgestimmt ist (= Grundlast 8760 Stunden/Jahr). Es kann aber auch sinnvoll sein
die Anlage im Sommer stillzulegen. Neue PEM-Brennstoffzellen-Heizgeräte
wie die EURO 2 von Vaillant können moduliert werden. Das heißt, dass
ein Regler die Leistung von ca. 0,5 Pnenn bis Pnenn einstellen kann. Generell
gilt heute immer noch, dass thermische Zyklen die Lebenserwartung von Brennstoffzellen
und Reformer reduzieren. Bei der SOFC liegt das an der hohen Zellentemperatur
von 900 bis 1000 °C und bei der PEM an der Temperatur im Reformer, die auch
im Bereich von 700 °C liegt.
Die Nutzwärme ist bei PEM-Brennstoffzellen nur auf einem relativ niedrigen
Temperaturniveau von maximal 70 °C verfügbar. Die Anwendbarkeit wird
dadurch auf Gebäude mit Niedertemperatur-Heizsystemen eingeschränkt.
Weiters ist es wegen des komplizierten Wasserhaushalts der PEM-Zellen erforderlich,
dass die Rücklauftemperatur auf einem niedrigen Niveau bleibt (max. 50
°C). Die Versorgung von Fernwärmesystemen ist deshalb mit diesem Typ
nicht möglich, weil dort die Vorlauftemperaturen 95 bis 130 °C betragen
müssen.
Literatur
/1/ Haiböck, Zappe (OÖ Ferngas), Stockenreitner, Wilk (Energie AG
OÖ), "Das oberösterreichische Brennstoffzellenprojekt",
VEÖ Journal, Juni 2001
/2/ Wilk H., Energie AG, "Brennstoffzellen: Betriebsweisen und Systemeinbindung
aus Sicht eines EVU", Vortrag: Symposium "Biogas - Brennstoffzellensysteme",
bmvit und E.V.A., PROFACTOR Steyr, 15. Mai 2001
/3/ Tagungsband Symposium "Zukunft Wasserstoff - Forum Brennstoffzelle",
14./15. 10. 2003, Eigentümer Verleger und Herausgeber: Energie AG OÖ,
A-4021 Linz und Erdgas OÖ Neubauzeile 99, 4030 Linz
/4/ U. Wagner, C. Hutter, Th. Krammer, TU-München, Inst. für Energiewirtschaft,
Simulation eines Einfamilienhauses mit einer Brennstoffzelle (1 kW el.)
/5/ Foto der Vaillant-Anlage im Hotel Ochensberger, St. Ruprecht an der Raab,
BZ-Projekt der Steirischen Ferngas AG (2003)
/6/ Steinecker W., "Das Projekt der Energie AG: Erste Erfahrungen in Österreich
mit der Sulzer Hexis SOFC", Ueberreuter Managerakademie, Wien, 20. 3. 2003
/7/ Rechberger N., "Brennstoffzellen - die Technologie des 21. Jahrhunderts",
Ueberreuter Managerakademie Wien, 26./27. 2. 2002
*) Dipl.-Ing. Heinrich Wilk ist Mitarbeiter der Energie AG OÖ und Projektleiter in derARGE Brennstoffzelle, einer Koopertion von Erdgas OÖ und Energie AG heinrich.wilk@energieag.at, www.energieag.at, www.erdgasooe.at [^]