Wasserstoff und Brennstoffzellen
Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen
Bereits
heute ist Photovoltaik (PV) häufig die wirtschaftlichste Lösung, wenn
es um die Stromversorgung von Verbrauchern im Inselbetrieb geht.
Autonome Photovoltaik-Brennstoffzellen-Hybridanlage
Von Ewald Wahlmüller, Hannes Heigl, Martin Buchinger und Heinrich Wilk*
Die ganzjährige Stromerzeugung mit autonomen Photovoltaikanlagen erfordert
in mitteleuropäischen Breiten jedoch große Solargeneratoren und Akkumulatoren,
um sicher über die sonnenarmen Wintermonate zu kommen. Der Einsatz der
Brennstoffzelle (BZ) als Hilfsgenerator verspricht neben Umwelt- auch Kostenvorteile,
weil die Größe des Solargenerators und des Akkumulators wesentlich
reduziert werden können.
Die Verfügbarkeit des ersten kommerziellen PEM-Brennstoffzellensystems,
dem Ballard NEXA Power Module mit 1,2 kWel Nennleistung, wurde von den
Projektpartnern Energie AG Oberösterreich und Fronius International GmbH
zum Anlass genommen, durch Errichtung und Betrieb einer Pilotanlage Erfahrungen
im Bereich Photovoltaik-Brennstoffzellen-Hybridsysteme zu sammeln. Als Anwendung
wurde eine autonom versorgte Umweltmessstation mit 100 W Dauerleistung gewählt.
Anlagenkonzeption
Die Einbindung der Brennstoffzelle als selbststartender Hilfsgenerator des PV-Inselsystems erfolgt durch Koppelung an den Batteriespeicher (Abbildung 1). Dieser wirkt stark spannungsstabilisierend und kann kurzfristige Lastspitzen optimal ausgleichen. Durch die Puffereigenschaft des Akkumulators kann auch die derzeit noch stark begrenzte Startzyklenzahl der Brennstoffzelle minimiert werden. Das Betriebsmanagement des entwickelten Hybridsystems umfasst dabei grundsätzlich folgende Aufgaben:
In der Konzeption entsprechend Abbildung 1 wird die angeführte Funktionalität verteilt auf die in das System integrierten Leistungselektronik- und Steuerungskomponenten zur Verfügung gestellt. Weil nicht alle erforderlichen Systemkomponenten am Markt verfügbar sind, mussten eine spezifische Brennstoffzellensystemsteuerung und ein Brennstoffzellenladeregler entwickelt werden. Als Wasserstoffspeicher wurden handelsübliche 50 Liter/200 bar Druckgasflaschen gewählt. Ein Gel-Akku wird als Strom-Pufferspeicher eingesetzt.
Abbildung 1: Anlagenkonzept des Photovoltaik-Brennstoffzellen Hybridsystems
Minimierung des Energieeigenverbrauches
Ein wesentlicher Aspekt der Konzeption autonomer PV-Brennstoffzellen-Hybridsysteme ist die Minimierung des Energieeigenverbrauches der Anlage. Neben dem Einsatz von extrem energiesparenden Elektronikkomponenten auf allen Ebenen (z. B. Wirkungsgrad des Brennstoffzellenladereglers >95% im gesamten Betriebsbereich), erfordert diese Aufgabenstellung energieeffiziente Schalt-, Regel- und Steuerungskonzepte. Im gegebenen Fall wird dies u.a. durch eine entsprechende Systemhierarchie mit Teilabschaltung der nicht aktiven Funktionen erreicht.
Anlagendimensionierung
Die ganzjährige Versorgung einer Last mit 100 W Dauerleistung entspricht
einem Stromverbrauch von 876 kWh. Auf Basis der durchschnittlichen Einstrahlungswerte
für einen oberösterreichischen Flachlandstandort ist beispielsweise
erst ab einer Solargeneratorleistung von 4000 Wp die ganzjährige Versorgung
zu 99% gesichert (durchschnittlich 88 Stunden pro Jahr ohne Strom!) /1/.
Mit dem Einsatz der Brennstoffzelle als Backup-Generator kann dagegen unter
den gegebenen Randbedingungen bereits mit einer Leistung des Solargenerators
von 1300 Wp die ganzjährige Vollversorgung des Verbrauchers gewährleistet
werden. Die Stromgestehungskosten liegen dann bei 4,1 €/kWh. Die Brennstoffzelle
erreicht jährlich 183 Volllaststunden. Der gesamte Wasserstoffverbrauch
pro Jahr entspricht dem Inhalt von 20 Standarddruckgasflaschen. Der PV-Deckungsgrad
liegt bei 78%.
Wenn sich der Preis von Wasserstoff und Brennstoffzelle reduziert, ergibt sich
eine Verschiebung zu kleineren Solargeneratoren. Zum Vergleich würde der
Einsatz eines selbststartenden Benzinaggregats bei analoger Rechnung zu Stromgestehungskosten
von ca. 2 €/kWh und einer erforderlichen Solargeneratorleistung von 900
Wp führen.
Für eine zuverlässige Auslegung des Systems muss auch das Auftreten
extremer Folgen sonnenloser Tage im Winter berücksichtigt werden. Die Gewährleistung
einer hohen Lebensdauer des Bleiakkumulators erfordert nämlich den sicheren
Schutz vor Tiefentladung unter 50% der Nennkapazität. Nach unten ist der
Akkumulator in seiner Größe u.a. auch durch die begrenzte Anzahl
an zulässigen Startzyklen der Brennstoffzelle limitiert. In der Literatur
/2/ wird empfohlen, den Akkumulator auf einen Anlagenbetrieb mit mindestens
einer Woche ohne Sonne auszulegen. In den Sommermonaten sollte damit die Last
ausschließlich mit Solarstrom versorgt werden können.
Betriebsaspekte
Eine besondere Herausforderung ist das Aktivieren der Brennstoffzelle bei Temperaturen
unter 3 °C und das Ableiten des Reaktionswassers aus dem BZ-Aggregat bei
Frostbedingungen. Zu diesem Zweck wurde ein Heizmodul entwickelt und in die
Einhausung des Brennstoffzellengerätes eingebaut. Bei Frost wird damit
das Brennstoffzellenaggregat in einem kontrollierten Auftauvorgang in den zulässigen
Temperaturbereich gebracht. Während des regulären Brennstoffzellenbetriebes
reicht die anfallende Abwärme aus, um den Betrieb zu gewährleisten.
Der geplante zweijährige Pilotbetrieb der Anlage umfasst zwei Winterperioden,
in denen die im Labor entwickelten Betriebsstrategien im Praxiseinsatz getestet
werden.
Literatur
/1/ Wilk, H., Wahlmüller, E., Heigl, H.: PV-Hybridanlagen mit Brennstoffzellen
zur sicheren ganzjährigen Versorgung von Funkanlagen und Messstationen
im EVU-Bereich, 10. OTTI - Fachforum Brennstoffzellen, Entwickler und Anwender
berichten, 7-8. Oktober 2003, Berlin
/2/ Vanhanen J.P., Lund P., Helsinki University of Technology: "Guidelines
for Sizing PV and Storage Components of Self-Suffizient Solar Hydrogen Systems",
9th European Photovoltaic Solar Energy Conference 23-27 October 1995, Nice
*) Dr. Ewald
Wahlmüller, Ing. Hannes
Heigl und Dipl.-Ing. (FH) Martin
Buchinger sind Mitarbeiter der Firma Fronius
International GmbH, wahlmueller.ewald@fronius.com
Dipl.-Ing. Heinrich Wilk
ist Mitarbeiter der Energie AG Oberösterreich, heinrich.wilk@energieag.at
[^]