Wasserstoff und Brennstoffzellen
Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen
GE
Jenbacher beschäftigt sich bereits seit mehr als 20 Jahren mit den Sondergasen
(NNG) und hier insbesondere mit den wasserstoffhaltigen Gasen. Durch dieses
Engagement konnten in Jenbach auch ein sehr umfangreiches Wissen und ein entsprechender
Erfahrungsschatz angesammelt werden.
Wasserstoffmotoren für stationäre Applikationen
Von Günther Herdin und Michael Wagner*
War früher die Anwendung durch das energetische Nutzen eines Abfallgases eines bei einem Veredelungsverfahren (z. B. Koksherstellung) anfallenden und in einem Gasmotor zu verbrennenden Gases gekennzeichnet, so ist nun im speziellen das Potenzial der stickoxidarmen Verbrennung solcher Gasgemische in den Fokus gekommen. Die Eigenschaft von wasserstoffreichen Gasgemischen bei der Verbrennung bei einem hohen Verbrennungsluftüberschusses ist dabei das wesentliche Merkmal. Einen Vergleich der Eigenschaften verschiedener Kraftstoffe bei der motorischen Verbrennung zeigt Abbildung 1.
Entstehung von Stickoxiden
Klar zu sehen ist die extreme Abmagerbarkeit des Kraftstoff/Luftgemisches bis
zur Zündaussetzergrenze im Fall der Verwendung von Wasserstoff. Ab einem
Luftüberschuss von 2,3 (2,3 mal mehr Luft zur Verfügung als für
die stöchiometrische Verbrennung benötigt wird) entsteht durch die
bescheidenen Verbrennungstemperaturen kein thermisches NOx (Stickoxid). Im Abbildung
1 sind auch die Charakteristika von Benzin und Erdgas eingezeichnet. Die
Magergrenzen (Zündaussetzergrenze) liegt deutlich bei kleineren Werten
und damit entsprechend höheren NOx-Emissionen. Je nach Verbrennungskonzept,
nach dem Zündsystem bzw. noch weiteren Randbedinungen lässt sich das
Bertiebsfenster eines ordnungsgemäßen Motorbetriebes etwas erweitern,
kein Kraftstoff kommt jedoch nur annähernd an die Eigenschaft des Wasserstoffes
heran. Der physikalische Grund für diesen Effekt liegt in der hohen laminaren
Flammengeschwindigkeit des Wasserstoffes (H2) der ca. fünfmal größer
ist als der Wert des Methans. Damit lassen sich die Kraftstoff/Luftgemische
auch bei großem Luftüberschuss noch sehr gut entzünden und auch
relativ rasch im Brennraum des Motors mit sehr guten Wirkungsgraden verbrennen.
Abbildung 1:
NOx (Stickoxide) in Abhängigkeit des Lambdas
Motorwirkungsgrad
Für gute Wirkungsgrade der Motoren ist der Verbrennungsablauf von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich gilt, dass ein hohes Verdichtungsverhältnis bzw. ein schneller und ein zeitig richtig gestarteter Verbrennungsvorgang gute Wirkungsgrade ermöglicht. Auch unter diesen Gesichtspunkten hat die Verbrennung von Wasserstoff bzw. Wasserstoffgemischen eindeutig Vorteile.
Den Vergleich betreffend des Einflusses von sehr magerer Verbrennung bei Erdgas
bzw. reinem Wasserstoff auf den Wirkungsgrad zeigt Abbildung 2. Im untersuchten
Fall handelt es sich um den Vergleich der erreichten Wirkungsgrade über
der vom Motor abgegebenen Leistung. Bei einer Einstellung des Motors im Fall
von Erdgas gemäß der gültigen Emissionsrichtlinien der TA Luft
(ca. 175 ppm = 500 mg NOx/kWh) wird ein Wirkungsgrad bei Vollast von 38,5 erreicht,
ein Betrieb bei dem halben Wert verläuft die Verbrennung langsamer und
der Wirkungsgrad des Motors sinkt auf 36,5%. Der gleiche Motor erreicht jedoch
bei einem wesentlich größerem Lambda und NOx-Emissionen < 5 ppm
bei gleichem Lastfall um rund zwei Prozent bessere Werte. Der untersuchte Motor
ist für GE Jenbacher mit einer "Erdgasleistung" von 150 kW relativ
klein und wurde auch nicht besonders optimiert, die größeren Motore
ab 300 kW erreichen auch im Erdgasbetrieb Wirkungsgrade von deutlich mehr als
40%. Der Wasserstoff hilft eine sehr effektive Verbrennung darzustellen, und
diese Eigenschaft gibt auch die Chance einen Gasmotor bei extrem kleinen NOx-Emissionen
und hohen Wirkungsgraden zu betreiben. Um die gleiche Leistungsdichte zu erreichen,
ist aber ein besonderes Augenmerk auf den Turbolader zu richten. Als zusätzlicher
Vorteil der Verbrennung (Mitverbrennung) von H2 ist ein ausgezeichnetes Teillastverhalten
für den Inselbetrieb (Notstrom) zu erwähnen.
Abbildung 2:
Wirkungsgradverhalten bei der Verbrennung von
H2 (Wasserstoff)
Potenziale erneuerbarer Energieträger
Wie oben gezeigt, hilft bei der motorischen Verbrennung der Wasserstoff in
mindestens zwei sehr wichtigen Belangen und steht daher im Fokus der Motorenentwickler.
Bei den Potenzialen der erneuerbaren Energieträger über die Biomassevergasung
ist speziell das Wirkungsgradpotenzial des Gasmotors von Interesse, da keine
andere Technologie (Dampfprozess, ORC, Stirling u.a.) mit der hohen Stromausbeute
bei gleichzeitig hoher Wärmenutzung auf hohem Temperaturniveau mithalten
kann. An Pilotanlagen wie z. B. des Biomassekraftwerks Güssing (2 MWel.)
werden Wirkungsgrade bei der Verstromung von bis zu 28% und eine Gesamtkraftstoffnutzung
(fuel efficiency - el. power and heat) von ca. 80% gemessen. Im Vergleich dazu
werden bei gleich großen Biomasseanlagen, die einen konventionellen Dampfprozess
nutzen, im BHKW Betrieb knapp 15% el. erreicht.
Die "Stromausbeute" ist also je nach Vergasertype und der Verstromung
durch einen Gasmotor bis um den Faktor zwei größer als bei dem Stand
der Technik bei einem Dampfprozess mit Gegendruckturbine. Abbildung 3 zeigt
dazu den Vergleich der wissenschaftlich fundierten Fichtner Studie. Nur im Kondensationsbetrieb
kommt der Dampfprozess an die Wirkungsgrade des Mitbewerbskonzeptes heran. Aus
der Sichtweise der nachhaltigen Ressourcennutzung sollte an sich die Biomasse
nicht in einem Kondensationskraftwerk "verfeuert" werden, um ca. 70%
der im Holz gebundenen Energie über Verluste an die Umwelt abzugeben.
Abbildung
3: Wirkungsgradvergleich von Dampfprozess/Biomassevergasung
und Gasmotor (Quelle: Fichtner Studie 4/2002)
Gasgemische
Die bei GE Jenbacher vorliegenden Erfahrungen mit H2-haltigen Kraftstoffen reichen von praktisch reinem Wasserstoff bis zu Gasgemischen mit extrem niedrigem Heizwert. Das Abbildung 4 zeigt hier einen kleinen Auszug der in den Gasmotoren genutzten Gasgemische, weiters sind die NOx-Emissionswerte der betreffenden Anlagen eingetragen. Die kleinsten NOx-Emissionswerte werden bei der Nutzung des extrem heizwertarmen Abfallgases (Hu = 0,5 kWh/Nm³) der Krems Chemie mit ca. 2 ppm bzw. der Nutzung des reinen H2 in einem Gasmotor erreicht. Im Vergleich zu den Brennstoffzellen sind das durchaus gleichwertige Größen. Die anderen Beispiele haben ebenfalls sehr gute NOx-Werte, die Werte sind aber auch durch die erforderlichen Leistungen der Anlagen und der spezifischen Investitionskosten fixiert. Weitere Verbesserungen sind möglich, aber die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen wäre im Vergleich zu den konventionellen Stromerzeugungsanlagen nicht gegeben.
Abbildung 4: Gasgemische mit H2/NOx-Reduktion
Kraftstoff für "Null-Emission"
Die Kraftstoffzusammensetzung mit der Bezeichnung HyGen (Zumischung von 15% H2 zu Erdgas) stellt aus der Sicht der Gasmotorenentwickler einen der nächsten Schritte der Potenzialausschöpfung in Richtung der so genannten Null-Emission dar. Das besondere dieses Lösungsansatzes ist, dass der zur NOx-Reduktion erforderliche Wasserstoff vor Ort aus dem Erdgas reformiert werden kann. Es ergibt sich dann praktisch eine Mischung von bereits verfügbaren Techniken der Brennstoffzelle mit den hoch entwickelten Gasmotoren. Diese Technologie hat bei der Ausnutzung aller Möglichkeiten und völliger Integration in eine Stationärgasmotorenanlage ein zusätzliches Potenzial von bis zu 3% an höherem Wirkungsgrad durch das "Shiften" von thermischer Abgasenergie auf die Saugseite des Motors.
Resümee
Wasserstoff bzw. wasserstoffhaltige Gasgemische sind für den Gasmotor
ein hervorragender Kraftstoff und schaffen ein zusätzliches Potenzial bei
der weiteren Reduktion der NOx-Emissionen. Neben diesen Eigenschaften lässt
sich die Verbrennung auch sehr gut hinsichtlich hoher Wirkungsgrade optimieren.
Im Mitbewerb zu den Brennstoffzellen ist die Gasmotorentechnologie verfügbar
und seitens der Investitionskosten wesentlich günstiger. Je nach Hersteller
bzw. des zu vergleichenden Brennstoffzellentyps kann von einem Kostenvorteil
bis zu dem Faktor fünf bei gleicher Leistung zu Gunsten des Motors ausgegangen
werden. Außerdem sind Niedertemperaturbrennstoffzellentypen für stationäre
BHKW Anlagen nur bedingt geeignet, da das Temperaturniveau von Vorlauf/Rücklauf
zu klein ist. Weiters liegt der Gasmotor betreffend der Lebensdauer (zu PEM)
klar im Vorteil, sodass aus Sicht von GE Jenbacher auch das nächste Jahrzehnt
noch auf die Gasmotoren als sehr ökologisch/ökonomische Lösung
im dezentralen Energiebereich gesetzt werden wird. Dies wird speziell bei der
Nutzung der erneuerbaren Energieträger sein, da die Anforderungen an die
Gasqualität (Reinheit) bei den Brennstoffzellen wesentlich höher sind.
*) Dr. Günther Herdin ist Entwicklungsleiter bei GE Jenbacher, Dipl.-Ing. Michael Wagner ist Mitarbeiter im Marketing der GE Jenbacher, info@jenbacher.com, www.jenbacher.com [^]