Wasserstoff und Brennstoffzellen
Wasserstoff in der Mobilität
Ein
wichtiges Element der Energie- und Umwelt-politik in den meisten Ländern
der Europä-ischen Union ist die Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen,
im wesentlichen sind dies Kohlen-dioxid (CO2), Methan (CH4)
und Lachgas (N2O).
Autofahren mit Wasserstoff
Möglichkeiten zur Reduktion ergeben sich im Energiebereich durch die Steigerung
der Effizienz der Energieumwandlung sowie durch den Einsatz erneuerbarer Energieträger
aus Wasserkraft, Biomasse, Sonnenstrahlung und Windkraft anstelle fossiler Energieträger.
Da die Treibhausgasemissionen insbesondere aus dem Verkehrssektor in den letzten
Jahren sehr stark zugenommen haben, werden alternative Kraftstoffe wie z.B.
Wasserstoff, Biodiesel, Bioethanol und neue Antriebsysteme mit Brennstoffzellen
erforscht und getestet.
Lebenszyklusanalyse
Basierend auf einer Lebenszyklusanalyse werden die Treibhausgasemissionen von zukünftigen Personenkraftwagen mit alternativen Kraftstoffen und mit Niedertemperatur-Brennstoffzellensystemen ermittelt, die mit zukünftigen Dieselfahrzeugen mit Verbrennungsmotor verglichen werden (Abbildung 1). In der Lebenszyklusanalyse werden alle treibhausgasrelevanten Prozesse und Anlagen erfasst, die für die Bereitstellung einer Transportdienstleistung notwendig sind, von der Rohstoffentnahme aus der Umwelt über die Errichtung der Anlagen bis zur Rückführung von Stoffen und Energie an die Umwelt. Es werden die Treibhausgasemissionen (CO2, CH4 und N2O) in Gramm CO2-Äquivalent pro gefahrenen Fahrzeugkilometer [g CO2-äq/PKW-km] ermittelt, wobei folgende Äquivalenzfaktoren verwendet werden:
1 CO2=1 CO2-äq
1 CH4 = 23 CO2-äq
1 N2O = 296 CO2-äq
Die folgenden Fahrzeuge und Kraftstoffkombinationen für zukünftige österreichische Verhältnisse etwa im Jahr 2020 werden untersucht:
Biodiesel wird durch Veresterung von Rapsöl erzeugt. Bioethanol wird durch
die alkoholische Gärung von Zuckerrüben und Zellstoff aus Sägerestholz
gemacht. Wasserstoff aus Biomasse wird durch die Vergasung von Holz und Aufbereitung
des Holzgases hergestellt. Wasserstoff aus elektrischer Energie aus Windkraft
entsteht durch Elektrolyse von Wasser. Die Produktion von Wasserstoff aus Erdgas
erfolgt durch Dampfreformierung. Biomethanol wird durch Vergasung und anschließender
Methanolsynthese von Biomasse erzeugt. Der Einsatz von Wasserstoff in Brennstoffzellenfahrzeugen
ist flüssig und gasförmig möglich.
Sämtliche betrachteten Systeme mit Brennstoffzelle und Wasserstoff sind
Systeme, die erst zur technischen Marktreife entwickelt werden müssen,
daher sind Annahmen bezüglich eines für den zukünftigen kommerziellen
Einsatz tauglichen Standes der Technik erforderlich, die naturgemäß
mit gewissen Unsicherheiten verbunden sind.
Abbildung 1: Kohlenstoff- und Energieflüsse der Transportsysteme für den Vergleich der Treibhausgasemissionen, aufbauend auf Arbeiten der Bioenergy Task 38 der Internationalen Energieagentur
Treibhausgasemissionen
In Abbildung 2 ist der Vergleich
der Treibhausgasemissionen von zukünftigen Fahrzeugen mit alternativen
Kraftstoffe im Vergleich zu Diesel dargestellt. Alle zukünftigen Fahrzeuge,
die mit alternativen Kraftstoffen aus erneuerbarer Energie betrieben werden,
haben deutlich geringere Treibhausgasemissionen (minus 60 bis 80%) im Vergleich
zu einem zukünftigen Diesel-Fahrzeug, wobei Bioethanol mit Verbrennungsmotor
und Biomethanol mit Brennstoffzelle aus Sägerestholz besonders geringe
Treibhausgasemissionen aufweisen.
Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstoff aus erneuerbarer Energie haben etwa
60% weniger Treibhausgasemissionen als ein zukünftiges Diesel-Fahrzeug.
Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstoff aus Erdgas haben um 40 bis 70% mehr
Treibhausgasemissionen als ein zukünftiges Dieselfahrzeug. Aufgrund der
zusätzlich notwendigen Energie zur Verflüssigung von gasförmigen
Wasserstoff, hat flüssiger Wasserstoff höhere Treibhausgasemissionen
als gasförmiger Wasserstoff.
Schlussfolgerungen
Insgesamt lässt sich feststellen, dass alle alternativen Kraftstoffe aus
erneuerbarer Energie zu einer deutlichen Reduktion von Treibausgasemissionen
beitragen können, der Sekundärenergieträger Wasserstoff und das
Brennstoffzellenfahrzeug können diese Reduktion zukünftig weiter unterstützen.
Kraftstoffe aus fossilen Energieträgern haben trotz weiterer technischer
Entwicklung deutlich höhere Treibhausgasemissionen, wobei die Erzeugung
von Wasserstoff aus Erdgas für den Einsatz in Brennstoffzellenfahrzeugen
aus Sicht der Treibhausgas-Emissionen nicht günstig ist. Die Erzeugung
von Wasserstoff und Biomethanol aus erneuerbaren Energieträgern für
den Einsatz in Brennstoffzellenfahrzeugen ist aus Sicht der Treibhausgasemissionen
empfehlenswert.
Abbildung 2:
Vergleich der Treibhausgasemissionen von zukünftigen
Fahrzeugen mit alternativen Kraftstoffe im Vergleich zu Diesel
Hinweis
Mit Unterstützung des Zukunftsfonds Steiermark wird gerade das Projekt
"Nachhaltig unterwegs im Jahr 2020 - Eine Steirische Initiative für
Treibstoffe" bearbeitet, das sich mit diesem Themenbereich beschäftigt.
Nähere Infos hierzu beim Autor.
Literatur
Die Ergebnisse wurden der Studie: "Treibhausgas-Emissionen und Kosten von
Transportsystemen - Vergleich von biogenen mit fossilen Treibstoffen" (Jungmeier
et al. 2003, JOANNEUM RESEARCH) entnommen.
*) Dipl.-Ing. Dr. Gerfried Jungmeier ist seit 1993 Mitarbeiter am Institut für Energieforschung der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, gerfried.jungmeier@joanneum.at, www.joanneum.at. [^]