Nachhaltige Wasserwirtschaft
Thema
Gewisse Ressourcen werden zur Zeit stetig knapper. Durch den Klimawandel sowie
die zunehmende Belastung der Wasservorkommen auf Grund vielfacher Nutzung ist
das auch bei sauberem Trinkwasser der Fall.
Ziele einer nachhaltigen kommunalen Wasserwirtschaft
Von Barbara Regelsberger und Martin Regelsberger*
Ein möglichst sorgsamer Umgang mit Trinkwasser ist unbedingt notwendig.
Was kann die kommunale Wasserwirtschaft dazu noch beitragen? Bisher wurde für
den gesamten häuslichen Bedarf Trinkwasser verwendet, ungeachtet der tatsächlich
notwendigen Wasserqualität. Der Ablauf wurde, im besten Fall gereinigt,
in die Natur zurückgeführt. Nun gibt es Bemühungen, Wasser im
Haushalt im Kreis zu führen, bzw. kaskadenartig mehrfach zu verwenden und
die eingebrachten Nährstoffe wieder zu nutzen.
Diese Bemühungen sind nicht neu, aber sie haben angesichts der beobachtbaren
Verknappung der Wasserressourcen nicht nur in den Trockengebieten der Erde sondern
auch in den Industrieländern der gemäßigten Zone einen neuen
Aufschwung genommen. Schon Adolf Loos sagte in den 30-er Jahren: "Es gehört
endlich verboten, dass der Siedler seinen wertvollsten Rohstoff mit Trinkwasser
fortschwemmt". Dies ist einer der Grundsätze der sogenannten "nachhaltigen
Wasserwirtschaft", die auch unter dem Kürzel "Ecosan" (ecological
sanitation) läuft. Spätestens seit dem Umweltgipfel in Johannesburg
ist sie auch über Fachkreise hinaus bekannt.
Grundsätze für Nachhaltigkeit
Die Kernpunkte für Nachhaltigkeit in der kommunalen Wasserwirtschaft werden im Allgemeinen wie folgt festgelegt:
Erst einmal muss gespart werden, nicht nur Wasser, sondern auch andere Rohstoffe.
Dafür gibt es eine Bandbreite von Ansätzen, von solchen, die der Verbraucher
gar nicht merkt, über Verhaltensänderungen bis hin zur Einschränkung
des Verbrauchs. Zu den ersten gehört die Reduzierung von Verlusten im Leitungsnetz,
oder der Umstieg auf effizientere Haushaltsgeräte, wie Geschirrspüler
und Waschmaschine, aber auch die Reparatur von tropfenden Wasserhähnen
oder rinnenden Klospülungen. Verhaltensänderungen können das
Baden und Duschen betreffen, oder das Abdrehen von Wasserhähnen zum Beispiel
beim Zähneputzen.
Eine der wichtigsten Möglichkeiten, frisches Trinkwasser einzusparen, bietet
der Einsatz unterschiedlicher Wasserqualitäten, dem jeweiligen Verwendungszweck
angepasst. Tabelle 1 zeigt Einsatzmöglichkeiten für Wasser verschiedener
Qualität und Herkunft im Haushalt.
| Verwendung |
Garten
|
Küche
|
Wäsche
|
Toilette
|
Bad
|
|||
|
Kalt
|
Warm
|
Kalt
|
Warm
|
Kalt
|
Warm
|
|||
| Herkunft | ||||||||
| Trinkwasser |
3
|
1
|
2
|
1
|
2
|
3
|
1
|
2
|
| Abwasser | ||||||||
| Gereinigtes Abwasser |
1
|
4
|
4
|
4
|
4
|
1
|
4
|
4
|
| Grauwasser |
2
|
4
|
4
|
4
|
4
|
2
|
4
|
4
|
| Regenwasser | ||||||||
| Dachablauf |
2
|
2
|
1
|
1
|
1
|
2
|
2
|
1
|
| Straßenablauf |
2
|
4
|
4
|
4
|
4
|
2
|
4
|
4
|
1: Bevorzugte Nutzung; 2: Angepasste Nutzung; 3: Ungünstige Nutzung; 4: Nicht annehmbar
Tabelle 1: Verträglichkeit
verschiedener Wasserquellen mit unterschiedlichen Verwendungen /Lit 1/
Neue Techniken
Dabei kommt der gesonderten Sammlung und Weiterverwendung verschiedener Abwasserströme im Haushalt besondere Bedeutung zu. Was bei der Mülltrennung schon längst anerkannt ist, ermöglicht auch beim Abwasser neue Lösungen. Schwarzwasser ist das Abwasser aus der Toilette, Grauwasser ist alles andere. Dieses Grauwasser ist kaum mikrobiell verunreinigt, enthält wenig Nährstoffe, repräsentiert aber etwa ¾ des gesamten Ablaufs. Nun gibt es einige Verwendungszwecke für Wasser, für die nicht unbedingt Trinkwasser nötig ist, obwohl es derzeit dafür eingesetzt wird. Zum Beispiel bei der Klospülung. Aber auch die Garageneinfahrt, ja selbst das Auto kann man mit Wasser abspritzen, das man zwar noch als Badewasser aber eben nicht mehr als Trinkwasser zulassen würde. Reinigt man Grauwasser, also Wasser von der Dusche, von den Waschbecken etc. im Haus, bekommt man einen quasi unerschöpflichen Vorrat an Wasser für diese "sekundären" Zwecke. Gereinigtes Grauwasser hat gute Badewasserqualität und wird mittlerweile auch schon zum Wäschewaschen, ja teilweise sogar zum Duschen verwendet, womit man einem geschlossenen Kreislauf schon sehr nahe kommt.
Abbildung 1: Trenntoilette, die automatisch Urin abtrennt (Quelle: Roediger Vakuum und Haustechnik GmbH)
Die Nährstoffe im Abwasser, in den Fäkalien und im Urin enthalten,
können bei dieser getrennten Sammlung ebenfalls besser verwertet werden.
Zumal wenn Urin extra gesammelt wird (siehe Abbildung 1, Trenntoilette. Setzt
man sich, wird durch den vorne sichtbaren Stift eine Öffnung in der Muschel
freigegeben, durch die der Urin abfließt. Nach dem Aufstehen, beim Spülen,
ist dies Öffnung wieder verschlossen.). Besonders günstig für
die Verwertung von Fäkalien sind Komposttoiletten, in Schweden schon vielfach
in Verwendung. Sie benötigen gar keine Spülung und produzieren unmittelbar
Gartendünger.
Viele der neuen Techniken bauen vor allem auf dezentrale, flexible Systeme auf:
Grauwasserreinigung im Keller von Gebäuden für eine einfache Rückführung
des gereinigten Wassers; Sammeln von Regenwasser, um damit Trinkwasser beim
Gartengießen zu ersetzen; Einbau von Vakuumsystemen, die mit extrem wenig
Wasser auskommen (1 l pro Spülung statt 6 bis 9 l normalerweise).
Überlegungen zu nachhaltiger Wasserwirtschaft machen aber auch in zentralen
Netzen Sinn. Sowohl Entsorgung, als auch Wiederverwendung der verschiedenen
Stoffe, Wasser, Schlamm, Nährstoffe, werden durch unerwünschte Substanzen,
die eigentlich nicht ins Abwasser gehören, sehr erschwert. Medikamente,
Chemikalien, endokrin aktive Substanzen, Schwermetalle, werden auch durch eine
Abwasserreinigung nicht entfernt, sondern nur umgelagert. Sie stören immer
irgendwo, sind sie erst einmal in Umlauf gebracht. Manche Städte bemühen
sich mittlerweile, ihre Bürger für einen sorgsamen Umgang mit Wasser
und Abwasser zu gewinnen. Sie sparen sich hohe Kosten, denn sie verwerten die
gewonnenen Stoffe, anstatt sie als Sondermüll zu entsorgen. Vor allem in
trockeneren Gebieten wird danach getrachtet, auch das Wasser vor Ort zu behalten,
anstatt in eine "Vorflut" (=Fluss) zu entsorgen. Es kann gereinigt
Grünanlagen aber auch Gemüse im Siedlungsgebiet bewässern. Man
hätte dann das Wasser, einen guten Teil der organischen Nährstoffe
und die Ernte auf kleinem Raum beisammen und würde lange Transportwege
vermeiden.
Abbildung 2: Ungeplante des Trinkwassers durch eine Vorflut und geplante Wiederverwertung des Trinkwassers vor Ort durch eine Wiederaufbereitungsanlage
Risiken
Für eine breite Anwendung all dieser Ansätze werden Techniken entwickelt, oder sie stehen schon zur Verfügung. Zur Vermeidung von Risiken, aber vor allem auch für die Akzeptanz der Ansätze bei den Nutzern und den Behörden ist noch einige Arbeit zu leisten. Werden Abwässer wiederverwendet, statt sie möglichst rasch abzuleiten, kann dies lokal zu neuen Risiken führen. Fehlanschlüsse, bzw. Querverbindungen zwischen unterschiedlichen Versorgungsnetzen sind zu vermeiden. Australien führt z.B. gerade Lila als Farbe für Brauchwassernetze ein. Im Zusammenhang mit der Bewässerung von Gemüse mit gereinigtem Abwasser müssen hygienische Anforderungen erfüllt werden. Moderne Grauwasserreinigungsanlagen mit nachgeschalteter UV-Desinfektion erreichen hygienische Werte, die den Ablauf unbedenklich erscheinen lassen.
Schlussfolgerungen
Nicht unbeachtet kann die Organisationsform der Wasserwerke bleiben, die eine
nachhaltige Wasserwirtschaft umsetzen sollen. Betriebe, die in erster Linie
auf einen hohen oder sogar steigenden Umsatz angewiesen sind, werden im allgemeinen
nicht motiviert sein, ihre Kunden zum Sparen anzuregen, oder Brauchwassernetze
im Haushalt zu fördern, auch wenn dies aus ökologischer und volkswirtschaftlicher
Sicht sinnvoll ist. Die Privatisierung von Wasserwerken ist ein Hindernis für
eine nachhaltigere, weil sparsamere Wasserwirtschaft.
Angesichts der vielfältigen Probleme, die wir jetzt schon haben, einerseits
bei der Versorgung mit ausreichend Wasser guter Qualität und andererseits
mit der Belastung der Menschen und der Umwelt durch die Entsorgung von nur sehr
teilweise gereinigtem Abwasser scheint der Wechsel zu einem verantwortungsvollen,
weil nachhaltigen Umgang mit Wasser langfristig unabdingbar. Die notwendigen
Techniken dafür sind vielfach schon vorhanden und harren einer breiten
Akzeptanz und Anwendung.
Literatur
Lit 1: "Institution of Engineers, Australia's National Committee on Water
Engineering: Australian Runoff Quality (draft version)", 2004
*) Dipl.-Ing.Martin Regelsberger (m.regelsberger@aee.at) ist Leiter Dipl.-Ing. Dr. Barbara Regelsberger (b.regelsberger@aee.at)ist Mitarbeiterin der Abteilung Nachhaltige Wasserwirtschaft bei der AEE INTEC [^]