Nachhaltige Wasserwirtschaft
Erfahrungsberichte
Seit
1989 beschäftigt sich innerhalb der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE
eine Gruppe mit dezentraler Abwasserreinigung.
10 Jahre Pflanzenkläranlagen in Kärnten und Steiermark
Diese Tätigkeit ist aus der Nachfrage nach einer umweltfreundlichen, ressourcenschonenden
und energiesparenden Lösung für die Reinigung der häuslichen
Abwässer von Objekten ohne Anschlussmöglichkeit an den öffentlichen
Kanal entstanden. Daneben sind Komponenten entwickelt worden, die den Betrieb
der Anlagen ohne Energiezufuhr ermöglichen.
Ähnlich wie die ersten Solarselbstbaugruppen ist diese Initiative Ende
der 80iger Jahre aus dem Betreiben einiger "Spinner" und "Bastler"
hervorgegangen. Allen Widerständen, in den Anfangsjahre vor allem von Seiten
der Behörden, zum Trotz gelang es die Pflanzenkläranlagen als einen
dem Stand der Technik entsprechenden Kläranlagentyp zu etablieren. Innerhalb
weniger Jahre hat die Arbeitsgemeinschaft ERNEUREBARE ENERGIE über 650
Pflanzenkläranlagen für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete geplant
und gebaut.
Die Unempfindlichkeit des Systems vor allem bei ungleichmäßigen Abwasserbelastungen
ermöglicht ein breites Einsatzspektrum.
Angefangen von den Kleinanlagen für Einfamilienhäuser und Ferienwohnhäuser
hat sich die Pflanzenkläranlage auch im Einsatz bei Winzereien, milchverarbeitenden
Betrieben, Abhof-Vermarktern (Schlächtereiabwässer), Bäckereien,
Behindertenpflegeheimen, Almhütten, Buschenschänken, Pensionen und
Gaststätten bis hin zu Kläranlagen für Abwassergenossenschaften
erfolgreich bewährt.
Der Großteil der Anlagen wurden in Osttirol, Kärnten Steiermark und
im Südlichen Burgenland errichtet. Alleine seit 1998 wurden in Kärnten
von den Büros der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE Villach und Gleisdorf
über 400 Pflanzenkläranlagen projektiert.
Abbildung 1: 1360 wasserrechtlich bewilligte Pflanzenkläranlagen in Österreich. Stand 2003, erhoben bei den zuständigen Landesämtern. (Quelle Ökologisches Projekt Graz)
Zum Zeitpunkt der Erhebung (Stand Oktober 2003) waren von den zuständigen Landesämtern für Wasserwirtschaft in Österreich 1360 wasserrechtlich bewilligte Pflanzenkläranlagen erfasst (siehe Abbildung 1). Die Bundesländer Kärnten und Steiermark nehmen mit jeweils 424 und 621 errichteten Anlagen in Österreich eine Spitzenposition ein.
Technische Beschreibung
Pflanzenkläranlagen unterschiedlichen Bautyps werden seit Jahrzehnten
europaweit errichtet. In Österreich hat sich auf Grund der strengen Anforderungen
und dem Klima ein bestimmtes System - nämlich der intermittierend beschickte
und vertikal durchflossene Bodenfilter - durchgesetzt.
Eine solche Pflanzenkläranlage besteht im wesentlichen aus drei Bauteilen:
Der mechanischen Vorreinigung, der Intervallbeschickung und dem bepflanzten
Bodenfilter (siehe Abbildung 2). Die mechanische Vorreinigung ist in der Regel
eine Dreikammerfaulanlage. Die vor einigen Jahren noch zum Teil eingebauten
Filtersackanlagen zur mechanischen Vorreinigung werden, aufgrund des relativ
hohen Wartungsaufwandes, heute nicht mehr eingesetzt.
Das vorgereinigte Abwasser fließt über in einen Intervallschacht.
Aus diesem Schacht wird der Bodenfilter mithilfe eines Rohrventils zwischen
vier und acht mal pro Tag schwallweise beschickt. Das Rohrventil funktioniert
ohne Energiezufuhr. Die Beschickungsmenge kann je nach Einsatzzweck variiert
werden (Abbildung 3). Nur im absolut ebenen Gelände ist zur Beschickung
eine Tauchpumpe notwendig. Annähernd 95% aller von der AEE projektierten
Anlagen werden ohne Einsatz von Fremdenergie, also ohne Stromanschluss, betrieben.
Abbildung 2:
Schematischer Aufbau einer Pflanzenkläranlage.
Abbildung 3:
Kernelement einer fremdenergiefreien Intervallbeschickung: Rohrventil RV500.
Ventile mit einer Durchflussleistung von 250 -1100 Liter/min sind verfügbar.
In der mechanischen Vorreinigung werden Feststoffe als Schlamm durch Sedimentation
vom Abwasser abgetrennt. Der Großteil des sogenannten Primärschlammes
sammelt sich in der ersten und größten Kammer. Pro Einwohner fallen
ca. 200-300 Liter Primärschlamm pro Jahr an.
Der Inhalt dieser Kammer kann entweder in die Güllegrube eingemischt (je
nach Auflage des Landesbodenschutzgesetzes) oder in die nächstgelegene
Kläranlage abtransportiert werden. Eine weitere Möglichkeit ist, den
Schlamm in einem Vererdungsbeet zu kompostieren. Das Entprodukt, krümelige
Humuserde, kann alle 10-13 Jahre dem Becken entnommen werden und z.B. als Blumenerde
Verwendung finden.
Kernstück der Kläranlage
Das eigentliche Kernstück der Kläranlage ist der bepflanzte Bodenfilter. Dieses - gegen den Untergrund üblicherweise mit einer PE-Dichtungsbahn abgedichtete und mit unterschiedlichen Sand- und Kiesschichten befüllte - Becken, wird vom mechanisch vorgereinigten Abwasser vertikal von oben nach unten durchflossen. Nach ÖNORM B2505 Bepflanzte Bodenfilter (Vornorm) sind fünf Quadratmeter Beetfläche je Einwohner zu kalkulieren. Das von der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE angewandte Filterprofil weicht in einigen Punkten von dem in der ÖNORM B2505 vorgeschlagenen Schichtaufbau ab (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Bodenfilteraufbau ÖNORM B2505 und Type AEE
Erfahrungsgemäß ist in alpinen Regionen eine deutlich stärkere Deckschicht zweckmäßig. Als Filtermaterial kommen gewaschene Sande und Kiese (Rundkorn) zum Einsatz. Das verwendete Filtermaterial soll eine hydraulische Durchlässigkeit von 10-3 m/s bis 10-5 m/s aufweisen. Die gesamte Beetfläche wird mit tiefwurzelnden Sumpfpflanzen wie Schilf und Rohrkolben bepflanzt.
Bepflanzter Bodenfilter
Der Beitrag des Schilfes wurde lange Zeit überschätzt. So ist der
Anteil des Schilfes bzw. der Schilfwurzeln mit 2-3% an der Gesamtreinigungsleistung
relativ gering. Die Bodenmikroben erbringen die eigentliche Reinigungsleistung,
deshalb erzielen Pflanzenkläranlagen auch in den Wintermonaten bei abgestorbenem
Schilf stabile Abbauleistungen. Die Mikroorganismen im Bodenfilter geben wie
alle Lebewesen beim "Atmen" Wärme ab. Die Temperatur im Bodenfilter
sinkt aufgrund der Bakterienaktivität erfahrungsgemäß auch im
Winter nie unter +4 °C. Die Bezeichnung der Pflanzenkläranlagen ist
in dieser Hinsicht irreführend, daher wird der Kläranlagentyp in der
Fachliteratur auch meist als "Bepflanzter Bodenfilter" bezeichnet.
Auch unbepflanzte Bodenfilter wären durchaus im Stande die vorgeschriebenen
Abbauleistungen zu erbringen. So erfolgt in manchen Fällen die Inbetriebnahme
einer Anlage noch vor Bepflanzung des Filters (z.B. bei im Herbst eingebauten
Anlagen. Die Bepflanzung erfolgt in den meisten Fällen erst im folgenden
Frühling). Trotzdem werden die Grenzwerte bereits kurze Zeit nach Inbetriebnahme
unterschritten. Die Mikroorganismen entwickeln sich im Bodenfilter ohne Zutun.
Eine "Impfung" mit Belebschlamm ist nicht erforderlich.
Optische Bereicherung des Gartens
Um einen langfristig ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage über
Jahrzehnte hinweg sicherzustellen ist dennoch eine Bepflanzung des Bodenfilters
mit Sumpfpflanzen wie Schilf (Phragmites australis), Rohrkolben, Binsen, Iris,
Schwertlilien etc. unumgänglich. Schilfrhizome und Sprosswachstum bewirken
eine mechanische Auflockerung des Bodensubstrats und halten das Filtermaterial
dauerhaft durchlässig. Der für die Mikroorganismen im Bodenfilter
benötigte Sauerstoff wird auch teilweise durch das Schilf über die
Wurzeln eingebracht. Erfahrungsgemäß verbessert sich die Reinigungsleistung
mit der Betriebsdauer bzw. dem Bewuchs der Anlagen.
Die Fläche der Pflanzenkläranlage ist im Garten nicht als verloren
anzusehen, denn ein mit Schilf, Schwertlilien, Binsen und anderen Wasserpflanzen
bestücktes Beet kann durchaus auch eine optische Bereicherung jedes Gartens
darstellen.
Abbildung 5: Beet Kreuzer: Pflanzenbeet nach dem 1. Betriebsjahr
Das gereinigte Abwasser wird entweder in ein wasserführendes Gerinne (Vorfluter) geleitet, oder vor Ort versickert. Die Planung der Anlage muss durch ein befugtes Unternehmen erfolgen. Jedenfalls ist zum Betreiben einer eigenen Kläranlage eine wasserrechtliche Bewilligung, welche von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft ausgestellt wird, erforderlich.
Winterbetrieb
Die Reinigungsleistung von Pflanzenkläranlagen ist natürlich, wie
bei anderen biologischen Kläranlagentypen auch, temperaturabhängig.
Dass Pflanzenkläranlagen aber im Winter nicht funktionieren oder gar einfrieren,
ist sicher nicht der Fall. Tatsache ist, dass die Bakterienaktivität mit
sinkender Temperatur geringfügig abnimmt. Die Temperatur im Bodenfilter
sinkt, aufgrund der Bakterienaktivität, erfahrungsgemäß auch
bei extremer Witterung nie unter +4 °C. Die gesetzlich geforderte Reinigungsleistung
kann auch bei tiefsten Temperaturen in alpinen Lagen problemlos eingehalten
werden.
Unzählige Studien, durchgeführt von renommierten Institutionen, wie
von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien, dem Joanneum Research
in Graz oder der TU München belegen, neben den Erfahrungen der AEE aus
nunmehr 650 Anlagen, diese Tatsache.
Fallbeispiel einer alpinen Pflanzenkläranlagen
Die Zirbenhütte auf der Hochrindl, auf 1670 m SH, wird in den Sommermonaten
von Wanderern frequentiert und in den Wintermonaten als Schihütte genutzt.
Die Gaststätte hat 42 Sitzplätze. Die naheliegende Hiaslhütte
wird in unregelmäßigen Abständen vermietet und bietet bis zu
10 Personen eine Schlafgelegenheit. Der Betrieb ist nicht durchgehend das ganze
Jahr geöffnet. Die Anlage muss daher auch nach längeren Zeiträumen
ohne regelmäßige Beschickung ohne Zutun die erforderliche Reinigungsleistung
erbringen können.
Die Objekte verfügten zum Zeitpunkt der Projektierung über keinen
Stromanschluss. Im Sommer 1999 wurde die Anlage unter der Bauaufsicht der Arbeitsgemeinschaft
ERNEUERBARE ENERGIE errichtet und ging am Ende der Sommersaison in Betrieb.
Die Abwässer beider Gebäude werden in einer gemeinsamen Pflanzenkläranlage
entsorgt.
Anlagendaten
Als Mechanische Vorreinigung ist eine 3-Kammerabsetzanlage mit eine Nutzinhalt
von 7,5 m³ eingebaut, wobei die 1. u. 2. Kammer als Speicher mit wechselndem
Wasserspiegel verwendet werden. Durch diese Maßnahme wird der Abwasserspitzenanfall
an den Wochenenden gleichmäßig über die Woche verteilt an den
Bodenfilter abgegeben. Die Anlage konnte demzufolge kleiner dimensioniert werden.
Die Beschickung des Beets erfolgt mittels fremdenergiefreiem Intervallbeschickungssystem
(Rohrventil). Der Bodenfilterkörper wurde als Vertikalfilter mit einer
Beetfläche von 55 m² ausgelegt. Das biologisch gereinigte Abwasser
wird versickert.
Tabelle 1 zeigt Auszug aus dem Untersuchungsbefund von 2003. Die Probennahme
erfolgte am Ende der Schisaison 2003; Abwasseranalyse durch das Umwelttechnologische
Institut Villach. Der Kommentar des Prüfers lautete: "...Es
handelt sich um die 4. Untersuchung der Kläranlage der HIASL-Alm am Hochrindel.
Die exzellent guten Werte trotz der tiefen Temperaturen und schwankenden Belastung
am Ende der Saison zeigen, dass die Dimensionierung groß genug gewählt
war. Die Anlage schafft sogar eine vollständige Nitrifikation..."
| Labor Nr. |
6456
|
|
| Bezeichnung |
Ablauf
Anlage |
|
| Aussehen |
klar
|
|
| Geruch |
ohne
|
|
| Temperatur |
°C
|
4,5
|
| Absetzbare Stoffe |
ml/l
|
-
|
| pH Wert |
6,89
|
|
| Elektr. Leitfähigkeit |
mS/cm
|
1396
|
| CSB |
mg/l
|
23
|
| BSB5 |
mg/l
|
3
|
| Ammonium -N |
mg/l
|
0,19
|
| Nitrat -N |
mg/l
|
88,2
|
Tabelle 1: Auszug aus dem Untersuchungsbefund, 2003. Entnahmedatum: 25.03.2003
(Einzuhaltende Grenzwerte, siehe Tabelle 3)
Die Anlage war bei der Inbetriebnahme die höchstgelegenste Pflanzenkläranlage Österreichs. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrungen für diese Höhenlagen vorhanden waren, hatte die Anlage durchaus Pilotcharakter. Die Anlage hat allen gestellten Anforderungen entsprochen. Im Betrieb zeigte sich, dass Pflanzenkläranlagen speziell für die Abwasserreinigung von Tourismusbetrieben einige interessante Vorzüge gegenüber konventionellen Klärsystemen aufweisen:
In diesem Jahr (2004) soll unter der Leitung der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE
ENERGIE eine Anlage auf 2050 m SH für den Gasthof Glocknerblick in Döllach
realisiert werden.
Bis zu welcher Höhenlagen eine Abwasserreinigung durch Pflanzenkläranlagen
möglich wäre, ist schwierig abzuschätzen. Eine Grenze scheint
einzig durch die Bepflanzung gegeben zu sein. Da es mit zunehmender Höhe
immer schwieriger wird geeignete klimaresistente Tiefwurzler für die Beete
zu finden.
| Projekt |
Seehöhe
|
EW
|
Baujahr
|
| Hiaslalmhütte Matthias LEITGEB, Hochrindl |
1670 m
|
12
|
1999
|
| Gasthof Kampwirt 9413 St. Gertraud |
1180 m
|
18
|
2000
|
| Almgenossenschaft AWG Sörgerberg, 9556 Liebenfels |
1010 m
|
12
|
2001
|
| Schloss Lichtengraben, 9492 Bad St. Leonhard |
785 m
|
12
|
2001
|
| Gasthof Pension Karawankenblick 9425 Steindorf |
1000 m
|
32
|
2001
|
| Gasthof Radauer 9431 St. Stefan |
800 m
|
15
|
2001
|
| Aufzuchthof Ossiachertauern, KAMMER FÜR LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT 9020 Klagenfurt |
800 m
|
15
|
2002
|
| Gasthof Mößlacher, 9620 Hermagor Gailtal |
1115 m
|
48
|
2003
|
| Gasthof Fischerhof AWG Spitzwiesen Sirnitz/Gurktal |
800 m
|
162
|
2003
|
| Gasthof Glocknerblick, 9843 Dölchach |
2050 m
|
20
|
in Planung
|
Tabelle 2: Beispiele von Pflanzenkläranlagen für Tourismusbetriebe in Kärnten, geplant durch die AEE
Reinigungsleistungen von Pflanzenkläranlagen
In Österreich müssen bei Einleitung in einen Vorfluter oder bei einer Versickerung die festgesetzten Grenzwerte nach dem Entwurf der zweiten Emissionsverordnung eingehalten werden. Die Grenzwerte sind strenger als in anderen EU-Ländern wie z. B. Deutschland.
| Kenngröße | Ablaufgrenzwerte Österreich |
Ablaufgrenzwerte BRD |
Standardmäßig erreichte Werte 1) |
| [mg/l] | [mg/l] | [mg/l] | |
| BSB5 2) | 25 | < 40 | 3,0 |
| CSB 3) | 90 | < 150 | 37,2 |
| NH4-N 4) | 10 6) | kein Grenzwert | 1,3mg/l bei Temp. <12°C 0,7mg/l bei Temp. >12°C |
| TOC 5) | 30 | Kein Grenzwert | - |
| Absetzbare Stoffe | < 0,3 | < 0,3 | - |
Tabelle 3: Diese Grenzwerte sind nach dem Entwurf der 2. Emissionsverordnung
für Anlagen bis 50 EW derzeit einzuhalten
1) Auszug aus dem TYPENGUTACHTEN ZUM KLÄRANLAGENTYP "BEPFLANZTER
BODENFILTER - Typ Ökologisches Projekt / Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE
ENERGIE" von A. Stuhlbacher, JOANNEUM RESEARCH, Institut für Umwelttechnik
und Ökosystemforschung
Beettyp 3: vertikaldurchflossener 3-schichtiger Filteraufbau. Die angegeben
Werte sind die jeweiligen Mittelwerte aller für das Typengutachten vorliegenden
Ablaufanalysedaten für den Beettyp 3 (Beettype 3: neuer Filteraufbau seit
1999).
2) Biochemischer Sauerstoffbedarf
3) Chemischer Sauerstoffbedarf
4) Ammonium als Ammoniumstickstoff ausgedrückt
5) Gesamt gebundener Kohlenstoff (gesamter organisch gebundener Kohlenstoff)
6) gilt für Ablauftemperaturen >12°C
Anlagentypisierung für Kleinkläranlagen
Seit 2001 wird im Bundesland Kärnten eine Anlagentypisierung für
Kleinkläranlagen gefordert. Eine wasserrechtliche Bewilligung wird nur
mehr Kläranlagentypen die ein positives Typengutachten vorweisen können
erteilt. Die Typisierung von Kleinkläranlagen soll den Zugang von unseriösen
Kläranlagenanbiedern zum Kärntner Markt erschweren und im Gegenzug
die wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren für Kleinkläranlagen erleichtern
und beschleunigen.
Die Anforderungen an die Kläranlagen wurden von den Wasserrechtsbehörden
wie folgt definiert: "Die Kläranlage hat bei zumindest 80%iger Auslastung
auch bei üblichen Belastungsschwankungen im Sommer und Winterbetrieb in
der Lage zu sein, die in der ÖNORM B2502-01, Stand 1.1.2001, geforderten
Ablaufgrenzwerte dauerhaft und gesichert einzuhalten."
Ein Auszug aus dem Gutachten, verfasst vom JOANNEUM RESEARCH, Institut für
Umwelttechnik und Ökosystemforschung Graz, in Tabelle 3 soll die Leistungsfähigkeit
der Anlagen veranschaulichen. Die vorgeschriebenen Grenzwerte werden auch bei
niederen Ablauftemperaturen deutlich unterschritten. Hinsichtlich der Nitrifikationsleistung
ist zu vermerken, dass durch die Neukonzeption des Filteraufbaues (Beettyp 3)
eine deutliche Effizienzsteigerung erreicht wurde, die Ablaufqualitäten
auch unter 10,0 mg NH4-N/l (T > 12 °C) ermöglicht. Die Grundlage
für das Typengutachten bilden 627 Ablaufbefunde von insgesamt 200 wasserrechtlich
bewilligen Pflanzenkläranlagenanlagen.
Anlagenlebensdauer
Die maximale Nutzungsdauer kann zum heutigen Zeitpunkt nur schwer abgeschätzt werden. Die ältesten Anlagen sind in der BRD seit ungefähr 25 Jahren im Einsatz. Ein Nachlassen der Reinigungsleistung konnte - eine ordnungsgemäße Wartung vorausgesetzt - bis dato nicht festgestellt werden. Sollte ein Filterwechsel überhaupt notwendig sein, kann das entnommene Material entsprechend der ÖNORM S 2202 (Kompostgüteklasse III) im Landschaftsbau eingesetzt werden.
Wiederverwendung des Ablaufs
Neben der Ableitung oder Versickerung des gereinigten Abwassers ist es auch
möglich, den Ablauf der Pflanzenkläranlage als Brauchwasser zu sammeln
und zur Toilettenspülung oder für Bewässerungszwecke wieder zu
verwenden. Die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre in der Süd und
Oststeiermark führt zu einer zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung
für das Thema. Brunnen trockneten aus. Trinkwasser musste unter hohem Aufwand
und Kosten von den Feuerwehren zugeführt werden. Zunehmend wurde im Zuge
von Beratungsgesprächen von Kläranlageninteressenten nach Möglichkeiten
gefragt, das gereinigte Abwasser z.B. für Bewässerungszwecke wieder
zu verwenden.
An einem Beispiel soll das Potenzial von Wasserwiederverwendung veranschaulichen
werden. Einer fünfköpfige Familie würden bei einem durchschnittlichen
Wasserverbrauch von 120 Litern pro Person und Tag, abzüglich der Verdunstungsleistung
des Pflanzenbeetes, die im Jahresschnitt ca. 30% ausmacht, 153.000 Liter biologisch
gereinigtes Brauchwasser pro Jahr zu Verfügung stehen. Im Vergleich zu
einer Regenwassersammelanlage liefert die eigene Kläranlage das ganze Jahr
über einen kontinuierlichen Abfluss. Eine Kombination mit einer Regenwassersammelanlage
macht dennoch Sinn. Die Sammlung von Brauch- und Regenwasser in einem gemeinsamen
Wasserspeicher wäre durchaus möglich.
Weitere Projekte
Im Vorjahr wurden von der Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE bereits zwei
Projekte mit Brauchwasserspeicher zur Tröpfchenbewässerung von Obstanlagen
verwirklicht. Weitere Projekte sind derzeit in Planung. Neuere Untersuchungen
zeigen, dass der Ablauf von Pflanzenkläranlagen für die Wiederverwendung
besonders gut geeignet ist. Damit leisten Pflanzenkläranlagen einen besonderen
Beitrag auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft.
*) Christian Platzer ist Mitarbeiter bei der AEE INTEC in Gleisdorf, c.platzer@aee.at [^]